Brandbekämpfung mit Schaum

5 Thesen zum Schaumeinsatz

Bremen – Der Einsatz von Schaum und Netzwasser steigert bei vielen Bränden den Löscherfolg. Jede Feuerwehreinsatzkraft in Deutschland sollte sich deshalb mit den Grundregeln beim Schaumeinsatz auskennen. Hier fünf Thesen des Feuerwehrausbilders Dr. Steffen Patzelt zum Schaum.

Zukünftig wird es weniger Einsatzkräfte geben. Durch moderne Löschmittel und -methoden kann der Kräfterückgang zumindest teilweise kompensiert werden. Foto: Hegemann

1. Schaum wird in Zukunft als Löschmittel immer wichtiger, da die Wasserleitungen tendenziell kleiner werden und die Versorgung mit Löschwasser schwieriger.

2. Schaum ist eine Antwort auf den demografischen Wandel. Zukünftig wird es weniger Einsatzkräfte geben. Durch leistungsfähigere Löschmethoden und -mittel kann der Kräfterückgang zumindest teilweise kompensiert werden. Schon durch den Einsatz von Netzwasser lässt sich der Löschmittelbedarf in vielen Fällen deutlich reduzieren.

3. Schaum wird in Zukunft immer mehr zu einer Aufgabe für Spezialisten und Facheinheiten. Dies gilt auch für die Schaumlogistik. Mit dem Transport von einigen 20-Liter-Kanistern an die Einsatzstelle ist es nicht mehr getan. Gegebenenfalls werden dafür spezielle Logistikfahrzeuge angeschafft werden müssen.

Der Schaumeinsatz wird zukünftig vermutlich spezielle Einheiten bei den Feuerwehren mit speziellen Fahrzeugen (hier ein LUF der Feuerwehr Hannover beim Einsatz in einem Entsorgungsbetrieb) erforderlich machen. Foto: Hegemann

4. Fluorhaltige Schaummittel werden in ihrer Menge zurückgehen. Nur Spezialkräfte werden zukünftig mit diesem Löschmittel arbeiten – vor allem also Werkfeuerwehren mit dem entsprechenden Risikopotential und kommunale Feuerwehren mit entsprechenden Industriebetrieben im Zuständigkeitsbereich.

5, Schaumrückhaltung und Entschäumung wird an Bedeutung gewinnen. Wird mehr Schaummittel eingesetzt, muss auch mehr zurückgehalten und entsorgt werden. Auch dieses Thema gehört zukünftig also verstärkt in die Ausbildung.

In der Januar-Ausgabe 2018 des Feuerwehr-Magazins stellen wir die 11 größten Fehler vor, die im Schaumeinsatz immer wieder gemacht werden. Wer diese Fehler vermeidet, wird deutlich erfolgreicher arbeiten. Hier kann das Heft (als gedruckte Ausgabe oder digitaler Download) ganz bequem bestellt werden.

 

Ein Kommentar zu “5 Thesen zum Schaumeinsatz”
  1. Christian Brenner

    Diese Thesen könnten ja bereits 20 Jahre alt sein. Ich möchte daher einige Antithesen aufstellen.

    Dr. Patzelt und ich leisten ja in dem gleichen Bundesland Dienst. In diesem Bundesland hält man an dem Grundsatz fest, dass jede noch so kleine Ansammlung von Wohnbebauung als eigener Ausrückebereich, mit möglichst eigener „Feuerwehr“ zu gelten hat. Diesem Grundsatz verdankt man Fahrzeugkreationen à la GW-TS. Wie sollen solche „Feuerwehren“ denn Schaum einsetzen? Bzw. wie lange sollen diese Einheiten denn auf das SEK „Schaum“ warten? In Rheinland-Pfalz existieren Landstriche, in denen noch heute eine simple Mittelschaumpistole kaum anzutreffen ist. Man trifft auf einem Gruppenführerlehrgang auf Feuerwehrangehörige, die nach 20 Dienstjahren nicht wissen, dass ein Z4 eine vorgeschriebene Einbaurichtung hat, weil sie in Ihren TSA-Einheiten seit dem Grundausbildungslehrgang nie wieder mit solch technischen Wunderwerken konfrontiert wurden. So lange in der Fläche möglichst viele (demographisch ausgedünnte) Einheiten mit möglichst wenig Technik vorgehalten werden und ganz wenige „Stützpunkte“ mit Wunderwuzzilöschfahrzeugen zu jedem PKW-Brand in die Fläche ausrücken müssen, wird auch die Einsatzrelevanz von Schaummittel nicht steigen.

    Auch eine (teilweise) Entlastung in Hinblick auf den demographischen Wandel vermag ich nicht zu erkennen. Sicher entlasten automatische Zumischanlagen einzelne Einsatzkräfte und ein routinierter Einsatz von Schaummittel z.B. als Netzmittel führt zu einem schnelleren Einsatzerfolg bei gleichzeitig geringerem Löschwasserverbrauch, wo ist aber die Kompensation fehlender Einsatzkräfte zu erblicken? Auch der längst überfällige, routinemäßige Einsatz von Schaummitteln zur Brandbekämpfung wird nicht dazu beitragen, den zu erwartenden Rückgang an Einsatzkräften im v.a. ländlichen Bereich nur ansatzweise zu kompensieren, v.a. wenn sich die angedachten Spezialeinheiten etablieren sollten und deshalb verstärkt alarmiert werden.

    Bevor wir anfangen, nach Spezialeinheiten für den Schaumeinsatz zu verlangen, sollten wir dazu kommen, dass der Einsatz von Schaummittel zum „state of the art“ wird. Immer noch werden PKW-Brände ohne Schaum gelöscht, immer noch gilt der Einsatz von Netzmitteln als „neumodisch“ und es ist nicht bekannt, dass man auch mit einem Z4 mit geringem Aufwand („Scheibe mit Loch“) Netzmittel erzeugen kann. So lange sich das Wissen über Schaummittel auf die Halbwahrheit „Schaum ist giftig“ beschränkt, sehe ich auch keine Spezialeinheit für den Schaumeinsatz an der Einsatzstelle. Wenn wir geschafft haben, dass der Großteil der Führungskräfte vom Vorteil dieser „banalen“ Technik überzeugt ist, können wir uns Gedanken über eine weitere Spezialisierung machen und z.B. den zunächst als Allheilmittel gefeierten, aber dann in Verruf geratenen Druckluftschaum „wiederbeleben“.

    Müssen wir uns nicht bereits jetzt Gedanken um die Löschwasserrückhaltung und Entsorgung machen? Wenn wir wissen, wo und wie wir kontaminiertes Löschwasser zurückhalten und entsorgen, wissen wir auch, wie wir mit Schaum zu verfahren haben. Selbstverständlich müssen wir bedenken, dass das Volumen des Löschschaums ja entsprechend vervielfacht wurde.

    M.E. müssen in der Fläche erst all diese Punkte erledigt sein, bevor sich eine von Dr. Patzelts Thesen bewahrheiten wird.

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