Erstes Löschfahrzeug mit Euro 6

Leonding (Österreich) – Nachdem auf der Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt erstmals Euro 6-Modelle der Lkw-Hersteller zu sehen waren, präsentiert Rosenbauer nun das erste Hilfeleistungs-Löschgruppenfahrzeug mit modernster Abgastechnologie. Aufgebaut ist das HLF 20 auf einem MAN TGM 18.340.

Eingebaut ist ein MAN-Motor aus der Reihe D0836 mit einer Leistung von 251 kW (341 PS) bei 2.300/min sowie einem Common-Rail-Einspritzsystem und zweistufiger Turboaufladung. Einspritzung und Verbrennungsauslegung wurden neu entwickelt, sodass diese verbrauchsarm und partikeloptimiert abläuft. Das Abgasnachbehandlungssystem ist ebenfalls überarbeitet und um neue Komponenten ergänzt worden. Es besteht aus einer gekühlten und geregelten Abgasrückführung, einem elektronisch überwachten Dieselpartikelfilter und einem SCR-System (Selektive Katalytische Reduktion) mit AdBlue-Einspritzung und integriertem Oxidationskatalysator.

J231013_Euro6_thumbetzt auch AdBlue bei MAN

Die strengen Euro 6-Grenzwerte – 80 % weniger NOx-Emissionen, 66 % weniger Partikelmasse gegenüber Euro 5 – sind nur durch die Kombination dieser unterschiedlichen Abgastechnologien erreichbar. Das hat zur Folge, dass die Abgasnachbehandlungseinheit größer als bisher dimensioniert ist und für das erforderliche AdBlue-System zusätzlich Platz unter dem Aufbau geschaffen werden musste. In Zusammenarbeit der Entwicklungsabteilungen von Rosenbauer und MAN konnte die Anordnung der Komponenten im Fahrzeug so gewählt werden, dass im feuerwehrtechnischen Aufbau praktisch kein Beladevolumen und Stauraum verloren ging. Die Abgasnachbehandlungseinheit ist zwischen Drehtreppe und erster Querwand rechts im Aufbau integriert werden. Das Staufach im Bereich der Drehtreppe wurde zur Integration der Fahrzeugbatterien genutzt.

Stromerzeuger lädt Fahrzeugbatterie im Stand

Viele Einsätze im Feuerwehrbereich finden ohne Aktivierung der Feuerlöschkreiselpumpe statt. Damit ist für diese ein permanent laufender, leistungsstarker Fahrzeugmotor nicht notwendig. Um diesem Betriebszustand Rechnung zu tragen, wurde als Besonderheit am Euro-6-Fahrzeug ein tragbarer Stromerzeuger RS14 mit der von Rosenbauer patentierten Green-Star-Funktion eingebaut. Bei dieser Funktion überprüft die Fahrzeugelektronik permanent die Batteriespannung bei ausgeschaltetem Fahrzeugmotor. Sinkt diese unter einen bestimmten Spannungswert, wird der RS14 automatisch über die standardisierte Feuerwehrschnittstelle DIN 14700 gestartet und lädt die Fahrzeugbatterie wieder auf. Damit sinkt der Gesamtkraftstoffverbrauch, die Lärmemissionen werden reduziert und das Zusetzen des Dieselpartikelfilters im Standgasbetrieb wird wirkungsvoll vermindert.

231013_Euro6_01
Das erste Euro 6-Feuerwehrfahrzeug aus dem Hause Rosenbauer ist als HLF 20 auf einem 18-Tonnen-Chassis aufgebaut. Foto: Rosenbauer

Verkaufsstart ab sofort

Das erste Euro 6-Feuerwehrfahrzeug aus dem Hause Rosenbauer ist als HLF 20 auf einem 18-Tonnen-Chassis mit 2.400 Liter Wasser und 200 Liter Schaummittel an Bord realisiert worden. Seine Pumpenanlage besteht aus einer N35-Einbaupumpe mit zwei separaten Schaumzumischsystemen, einer dreistufigen Fixmix und einer Digimatic 22 (Zumischung 0,1 bis 6 % stufenlos). Ab sofort startet der Verkauf von Euro 6-Feuerwehrfahrzeugen, erste Projekte befinden sich bereits in der Angebotsphase. Seitens Rosenbauer wird jedoch auch gewährleistet, die entsprechenden Aufbauvarianten für Euro 5-Fahrgestelle solange anzubieten, wie diese noch produziert werden. (Text und Fotos: Rosenbauer International AG)

7 Kommentare zu “Erstes Löschfahrzeug mit Euro 6”
  1. Mich würd mal interessieren,ob die Feuerwehr bei unsern doch eher wenigen Kilometern Fahrleistung,solch Hochtechnisierte,nur noch von Rechnern u Servos gesteuerte Motoren auch wirklich braucht?! Hält diese Technik auch 30-50 Jahre problemlos,wie bei den guten “Alten Schätzen” die heut noch laufen und lässt sich mit “Bordmitteln” einfach notdürftig im Einsatzfall reparieren? Viele Ältere Kameraden schwärmen von der Alten Technik,weil die funktionierte nämlich auch bei Extrembedingungen und mit Inprovisation. Auch früher sind alle Feuer gelöscht worden…

  2. Helmut Wild

    Da geb ich der Ines recht.
    Ein Feuerwehrauto muss zu allererst einwandfrei und verlässlich funktionieren.
    Natürlich muss auch ein Auge auf den Umweltschutz geworfen werden. Aber ich behaupte mal dass bei einem Grossbrand mehr Schadstoffe in die Luft gelangen als mit einem EURO 6 Auto eingespart werden.
    Wenn das alles 100 % zuverlässig funktioniert, wunderbar.
    Aber ein Fahrzeug, dass in der Werkstatt steht, hilft keinem….

  3. Matthias

    An meine beiden Vorschreiber:

    Die Feuerwehr braucht diese Technik üblicherweise nicht, bezüglich Euro6 ist aber aktuell von der EU keine Ausnahmegenehmigung für Feuerwehren in Sicht, und wie lange die Fahrgestellt Hersteller Euro5 noch anbieten ist fraglich.

    Daher bleibt der Feuerwehr leider keine andere Wahl als in Zukunft Fahrzeuge mit entsprechender Abgasklasse zu kaufen.

  4. Mathias Fischer

    @ Ines Henkler: Nein, diese Technik ist normalerweise nicht nötig.
    Ich glaube nicht, das sich mit diesen Fahrzeugen wirtschaftliche Laufzeiten
    von 20-25 Jahren darstellen lassen.
    Das ist von der Industrie ja auch gar nicht gewollt.
    Frage: Haben Sie mal versucht, für ein z.B. 10 Jahre altes Handy Ersatzteile zu bekommen?
    Jetzt versuchen Sie mal in 20 Jahren eine neue Touchscreen-Bedieneinheit für eine Kreiselpumpe zu bekommen. Wenn Sie das in einer Ausschreibung fordern,
    werden Sie kaum Angebote erhalten.

  5. Andreas

    Braucht so ein abgassystem nicht auch eine gewisse Temperatur (Katalysator)?
    Diese wird doch kaum erreicht werden?!
    Ich denke allerdings bei Berufsfeuerwehren kommen mehr als 10.000 km in 20 Jahren zusammen!

Hinterlasse einen Kommentar

Das könnte dich auch interessieren: