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Gut behelmt

Worauf muss bei der Beschaffung eines Feuerwehrhelms geachtet werden? Wie unterscheiden sich Helme für den Brandeinsatz in Gebäuden, für die Technische Hilfeleistung, für Wald- und Flächenbrandbekämpfung, für Höhen- und Wasserrettung?

Feuerwehrhelme für den Innenangriff und die Heißausbildung müssen nach der europäischen Norm (EN) 443 zugelassen sein. Diese definiert Mindestanforderungen, beispielsweise zum Schutz gegen Hitze und Flammen. Foto: Bullard

Brandeinsätze gelten als die Feuerwehrtätigkeiten mit den größten Gefährdungen für die Kräfte. Das gilt besonders für den Kopfbereich. Mit der Europäischen Norm (EN) 443 wurden Mindestanforderungen für „Feuerwehrhelme für die Brandbekämpfung in Gebäuden und anderen baulichen Anlagen“ (deutsche Fassung DIN EN 443:2008) entwickelt. Nach dieser Norm zertifizierte Produkte sind für den Innenangriff und für die Heißausbildung zugelassen. Gleichzeitig deckt die EN 443 die Anwendung des Helms für Technische Hilfeleistung sowie für Wald- und Flächenbrandbekämpfung ab.

Seit 2015 gibt es zwei weitere grundlegende Normen: die EN 16473 „Feuerwehrhelme – Helme für technische Rettung“ und die EN 16471 „Feuerwehrhelme – Helme für Wald- und Flächenbrandbekämpfung“. Beide beschreiben leichtere, kompaktere und preisgünstigere Helme mit etwas geringerem Schutzniveau. Sie können sich grundsätzlich auch für die Höhen- und Wasserrettung eignen. „Die meisten Modelle auf dem Markt erfüllen beide Normen“, erklärt Stefan Römer, Vertriebsleiter Europa, Produkt Management Feuerwehrhelme bei Bullard Europa.

Zu beachten ist noch die Norm EN 14458:2004 „Persönlicher Augenschutz – Gesichtsschutzschilde und Visiere zur Verwendung mit Schutzhelmen für die Feuerwehr, Krankenwagenpersonal und Notfalldienste“. Sie definiert Mindestanforderungen für zwei Leistungsstufen zum Gesichts- und Augenschutz:

1) zur „allgemeinen Verwendung“ (Rettungsdienst, Technische Hilfe) für Fälle, in denen nicht vorhersehbar ist, dass Einsatzkräfte in erheblichem Ausmaß Hitze und/oder Flammen ausgesetzt sind;

2) „zur Verwendung bei der Feuerwehr“, wenn Hitze und/oder Flammen in erheblichem Ausmaß vorhersehbar sind.

Stoßdämpfende Innenschale eines Feuerwehrhelms. Je größer deren Fläche ist, desto mehr Schutz bietet sie gegen Schlageinwirkung. Foto: Bullard

„Es ist zu empfehlen, mit einer Beurteilung der Gefährdungen gegen den Kopf im Innenangriff zu beginnen und daraus abgeleitete Anforderungen an den Feuerwehrhelm zu ermitteln“, empfiehlt der Vertriebsleiter. „Eine Bedarfsanalyse – zum Beispiel nach der jeweiligen Aufgabe der Einsatzkräfte – schließt sich an.“ Ein mögliches Ergebnis: Nicht mehr alle Einsatzkräfte tragen den gleichen Helm. Oder: Feuerwehrleute mit Mehrfachfunktionen erhalten verschiedene Helme. Eine Dokumentation der Bedarfsanalyse kann Sicherheit gegenüber Aufsichtsbehörden geben, zum Beispiel bei einem Unfall.

Schalen-Typ auswählen

Die EN 443 sieht grundsätzlich die Varianten A (klassischer Halbschalenhelm) und B (Dreiviertel- oder Vollschalenhelm) vor. Dazwischen gibt es Halbschalenhelme, die als Typ B zugelassen sind. „Welcher Helmtyp besser bei der Innenbrandbekämpfung ist, lässt sich nicht pauschal beantworten“, meint Römer. „Kompakte Bauweise, geringeres Gewicht, uneingeschränktes Hören und mehr Nackenfreiheit sprechen für Variante A. Variante B bietet dagegen eine etwas größere Schutzzone gegen Schlag- und thermische Einwirkung. Allerdings weisen die Unfallstatistiken bei Benutzung eines Typ A-Helms keine signifikant höheren Unfallzahlen auf.“

Alle drei Helmnormen sowie die Norm für Gesichts- und Augenschutz legen Mindestanforderungen fest. Diese betreffen unter anderem den Schutz gegen Durchdringung, Hitze und Flammen, Schmelzmetalle, Beschuss durch heiße Festkörper, seitliche Verformung sowie elektrische Einwirkungen. Außerdem definieren sie (Mindest-)Schutzzonen am Kopf.

„Hier gibt es in der Praxis erhebliche Unterschiede zwischen einzelnen Helmmodellen“, betont der Experte. „Je größer beispielsweise die Fläche der stoßdämpfenden Innenschale ist, desto mehr Schutz bietet sie gegen Schlageinwirkung. Und dies auch außerhalb der Bereiche, in denen nach Norm geprüft wird. Gleiches gilt für die Isolierung des Helminnenraums gegen Hitze.“

Ein Gesichtsschutz nach Norm muss nicht unbedingt das gesamte Gesicht zur Seite und bis hinunter zum Kinn abdecken. „Allerdings sind Visiere erhältlich, die dies leisten“, sagt der Vertriebsleiter. „Was die Größe anbelangt, hat mancher normgerechter Nackenschutz eher dekorativen als schützenden Charakter. Auch hier ist ein ‚Mehr‘ immer vorzuziehen.“

Die EN 443 unterscheidet zwischen Typ A (klassischer Halbschalenhelm) und Typ B (Dreiviertel- und Vollschalenhelm). Es gibt auch Zwischenlösungen. So ist der Magma von Bullard in den Versionen Halb- und Vollschale (von links) als Typ B zugelassen. Foto: Bullard

In gewissem Umfang kann sich dies auf das Helm-Gewicht auswirken. „Hier ist zwischen den Vorteilen eines höheren Schutzniveaus oder eines geringeren Gewichts abzuwägen“, rät Römer. „Auf solche Details sollten Feuerwehren achten und Trageversuche – auch unter starker thermischer Belastung – durchführen.“ Manche Hersteller bieten hierfür Checklisten an.

Optionale Prüfungen

„Schwerwiegende Unfälle nach elektrischer Einwirkung sind zwar wenig bekannt, aber nicht auszuschließen“, sagt der Vertriebsleiter. „Die meisten Helme am Markt erfüllen auch die optionalen Prüfungen auf elektrische Eigenschaften – manche allerdings nur im Neuzustand.“

Erfolgreiche Prüfungen bei -40 Grad Celsius lassen auf elastischeres und damit widerstandsfähigeres Schalenmaterial schließen, als dies bei Materialien zu erwarten ist, die nur bei -20 Grad Celsius oder -30 Grad Celsius geprüft wurden. Soll der Helm auch auf Schiffen eingesetzt werden, muss er über eine MED-Zulassung (Marine Equipment Directive, Schiffsausrüstungsrichtlinie 2011/75/EG, auch SOLAS oder Schiffs-Zulassung genannt) verfügen, erkennbar an einem Steuerradsymbol.

Viele Helm-Hersteller bieten nicht durch die Norm geregelte Zusatzeinrichtungen an. Dazu zählen Gesichtsvisiere, Helmlampen, Funkgarnituren, Helm-Masken-Adaptionen, Gesichts- und Nackenschutz sowie Rundum-Gesichts- und Nackenschutz (Hollandtuch). Zusatzeinrichtungen und Zubehör, bei denen ein Einfluss auf die Sicherheit und Schutzfunktion des Feuerwehrhelmes zu erwarten ist, müssen gemeinsam mit dem Helm geprüft sowie nach der europäischen PSA-Richtlinie 89/686/EWG zertifiziert sein. Auf geeignete Halterungen und ergonomische Gewichtsverteilung ist zu achten. „Insbesondere bei Helmlampen und Funkgarnituren sollte geprüft werden, ob der Hersteller nur sein eigenes Modell oder auch andere Fabrikate zugelassen hat“, so Römer. „Vorteil im letzteren Fall: Der Kunde hat Wahlmöglichkeiten.“

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