AnzeigeBiegen statt knicken

Seit 2014 sieht die Norm für Druckschläuche unter anderem drei Leistungsstufen vor. Doch welche Anforderungen müssen die Schläuche dafür erfüllen? Und welche weiteren Kriterien sind bei der Beschaffung zu beachten? Wir klären über die wichtigsten Fakten auf.

Laut Norm sind C/42-, C/52- und B/75-Druckschläuche in drei Leistungsstufen erhältlich. Diese definieren die Abriebanforderungen. Darüber hinaus sollten Feuerwehrschläuche aber weitere Kriterien erfüllen, um beispielsweise im Innenangriff auch unter beengten Platzverhältnissen eingesetzt werden zu können.

Druckschläuche sind bei der Brandbekämpfung eines der wichtigsten Einsatzmittel der Feuerwehr. Sie sind in Deutschland in der DIN 14811:2008-01 „Feuerlöschschläuche – Druckschläuche und Einbände für Pumpen und Feuerwehrfahrzeuge“ genormt. Diese Norm aus dem Jahr 2008 wurde 2012 und 2014 durch zwei Änderungen technisch angepasst: A1 2012-03 und A2 2014-08. Darin flossen Forderungen aus der Praxis und aus Fachempfehlungen des Deutschen Feuerwehrverbandes (DFV) ein. So definierte der DIN-Normenausschuss Feuerwehrwesen (FNFW) in der letzten Änderung vom August 2014 für die meistverwendeten Typen C/42, C/52 und B/75 der Kategorie Druckschläuche Leistungsstufen (L) 1 bis 3. Diese sollen Feuerwehren helfen, die für ihre Zwecke geeignete Qualität beschaffen zu können. Ergänzend dazu schreibt die zweite Änderung Edelstahldraht (VA) für den Einband sowie in Leistungsstufe 2 und 3 einen Einbindeschutz vor.

„Nennenswert verschärft wurde durch die Leistungsstufen allerdings nur der Abriebtest, und das auch nur in C/42 und C/52“, gibt Christoph Schönthaler, Geschäftsführer des Schlauchherstellers Gollmer & Hummel, zu bedenken. „In B/75 erlauben die niedrigen Anforderungen nahezu unveränderte Produkte. Aus unserer Sicht wird die Norm nur bedingt dem Anspruch gerecht, Schlauchqualität anhand der Leistungsstufen zu beurteilen.“ Normgemäß getestet werden die Feuerwehrschläuche in einer Vorrichtung, die sie um die Längsachse in Umdrehungen versetzt und dabei mechanisch so beaufschlagt, dass Abrieb entsteht. Je nach Leistungsstufe absolvieren die Prüfmuster dabei die geforderten Umdrehungen. Danach müssen sie immer noch dem Arbeitsdruck von 16 bar standhalten, ohne zu platzen.

Flexibel genug für den Schlauchtragekorb?

„Gute Schlauchkonstruktionen übertreffen diese Werte deutlich“, sagt Schönthaler. „Allerdings verlaufen diese Tests zu statisch und realitätsfern. Beschädigungen entstehen meist durch punktuellen Abrieb an Knickstellen. Wir empfehlen daher Feuerwehren, sich nicht einfach mit dem Erfüllen der Norm zufrieden zu geben. Viele wichtige Aspekte wie Flexibilität, Vermeidung von Knickstellen und die Verwendung einer hochwertigen Innenseele werden sonst komplett ausgeklammert.“ So könne es beispielsweise passieren, dass ein C-Schlauch zwar die Leistungsstufe L3 erfülle, aber aufgrund seiner Konstruktion so aufgewölbt und unflexibel sei, dass er nicht mehr in den Schlauchtragekorb passe. Es gäbe auch Fälle, in denen der Druckschlauch bereits in gerolltem Zustand Knicke habe. „Insbesondere die vierfach gezwirnten Typen erreichen die geforderten Werte nur aufgrund eines massiven Mehreinsatzes an Material“, so der Experte. „Das Resultat sind dann Produkte, die eher Rohre als Schläuche sind.“ Aufschluss über die Flexibilität eines Schlauches gibt unter anderem der Biegeradius. Die DIN 14811 fordert einen Wert von 924 Millimetern – unabhängig von der Leistungsstufe. „Ein moderner C-Schlauch für den Innenangriff (C/42) kann aber durchaus einen Radius von 420 Millimetern erreichen“, betont Pascal Tretter, Teamleiter Vertrieb bei Gollmer & Hummel.

Druckschläuche sollten sich möglichst flach zusammenlegen lassen, um gut in einen Schlauchtragekorb zu passen. Hier wölbt sich der Schlauch sehr weit auf und klemmt unter dem Gestell.

„Das hilft nicht nur, Knickstellen zu vermeiden und die Lebensdauer zu verlängern. Gerade bei der Brandbekämpfung im Innenangriff bieten Schläuche mit geringen Biegeradien einen großen Vorteil, da sie in kleinen Räumen, Fluren und Treppenhäusern leichter einzusetzen sind.“

 

In diesem Fall liegt der Schlauch (Titan X-Treme L3) so flach im Tragekorb, dass sogar noch eine Platzreserve vorhanden ist.

Wesentlich für die Flexibilität, aber auch für die Abriebfestigkeit eines Schlauches sei die Webtechnik. So müsse das Ziel einer Schlauchkonstruktion sein, den Schussfaden (Querfaden) so gut wie möglich gegen Beschädigungen zu schützen. Wenn dieser Faden einmal verletzt sei, würde der Schlauch schnell unbrauchbar. „Am besten ist es, wenn die Konstruktion des Schlauches so beschaffen ist, dass die Längsfäden (Kette) den Schussfaden weitestgehend verdecken“, sagt der Teamleiter. „Erreicht werden kann dies zum Beispiel durch modifizierte Rundwebmaschinen, die mit unterschiedlichen Fadenspannungen, optimierter Garndrehung und einer besonderen Webeinstellung produzieren.“

Wie flexibel ein Schlauch ist, lässt sich unter anderem am Wert „Biegeradius“ erkennen. Ist der Radius zu groß, besteht die Gefahr von Knickstellen.

Auf die Innenseele kommt es an

Wie flach sich ein Druckschlauch in einen Schlauchtragekorb packen lasse, hänge auch von der Innenseele (Innengummierung) ab.

Beispiel für einen C/42-Schlauch mit einem geringen Biegeradius von nur 420 Millimetern: Titan X-Treme von Gollmer & Hummel.

Bei manchen normgerechten Produkten werde immer noch Styrol-Butadien-Kautschuk (abgekürzt SBR, für englisch Styrene Butadiene Rubber) als Elastomertyp verwendet. „Im Vergleich zu Ethylen- Propylen-Dien-Kautschuk, kurz EPDM, altert SBR schneller und neigt zur Rissbildung im Schlauchinnern“, erklärt Tretter. „EPDM weist eine deutlich bessere UV-, Ozon- und chemische Beständigkeit auf. Das führt zu einer längeren Lebensdauer des Produkts. Außerdem ist EPDM auch für Heißwasser geeignet.“ Bei der Qualität sei auch die Art der Vulkanisation – die dauerhafte Verbindung von Schlauchgewebe und Innengummierung mit Hilfe von Hitze und Druck – zu betrachten. Unterschieden werde zwischen Endlosvulkanisation und Tischvulkanisation in Einzellängen. Bei einer Endlosanlage könnten zwar große Schlauchlängen von mehr als 1.000 Metern produziert werden. Allerdings neige der fertige Schlauch dann immer etwas zu einer runden Form und läge im drucklosen Zustand nicht ganz flach. Bei der Tischvulkanisation sei dies anders. „Dazu zählt beispielsweise die Flatline-Vulkanisation, bei der genau festgelegt ist, wann welcher Druck und welche Temperatur im Prozess auf das Produkt einwirken dürfen“, berichtet Tretter. „Hinzu kommt ein zeitlich definierter Abkühlprozess.

So bleibt der Schlauch in drucklosem Zustand dauerhaft sehr flach rollbar und lässt sich problemlos und – je nach Schlauchtyp – mit großer Platzreserve in einen Schlauchtragekorb packen.“ Obwohl die DIN 14811 einen Schlag- und Scheuerschutz nur für die Leistungsstufen 2 und 3 vorschreibt, empfiehlt der Experte diesen auch für die Leistungsstufe 1 – insbesondere beim B-Schlauch. Er schützt am Ende des Einbindestutzens gegen Defekte durch äußere Einflüsse, wie etwa Beschädigung der Innenseele durch Schläge beim Herunterfallen der Kupplung sowie punktuellem Abrieb beim Ziehen in drucklosem Zustand.

„Die Lebensdauer der Schläuche lässt sich durch dieses vergleichsweise günstige Produkt erheblich steigern“, so Tretter. Die Festlegung der Schlauch-Leistungsstufen könne also nur einen ersten Anhaltspunkt für die Qualität liefern. „Für den Innenangriff und die Fahrzeuge im Erstangriff empfehlen wir immer Leistungsstufe 3“, sagt Schönthaler. „Für einfache Pumparbeiten reicht auch weiterhin Leistungsstufe 1 aus.“ Allein mit einer Ausschreibung

von höherwertigen Schläuchen der Leistungsstufe 2 oder 3 könne das Ziel, ein gutes Produkt zu erhalten, nur bedingt erreicht werden. Letztlich führe daher kein Weg am Testen und Vergleichen vorbei, um alle wichtigen Kriterien zu checken (siehe Kasten „Kriterien für die Schlauch-Beschaffung“). Feuerwehren sollten die Muster so oft wie möglich im realen Einsatz auf den ersten Fahrzeugen ausprobieren. „Die Unterschiede der Produkte der verschiedenen Hersteller in den Schlauch-Leistungsstufen 2 und 3 sind gravierend“, verspricht Schönthaler.

>>Den gesamten Beitrag können Sie sich hier als kostenlosen PDF-Download herunterladen<<