Wetterdienst blickt auf Unwetter-Jahr zurück

Offenbach – Schwere Schäden, Verletzte und Tote – schwere Unwetter haben in den vergangenen zwölf Monaten vielerorts Feuerwehren und Rettungskräfte in Atem gehalten. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hat den Wetterverlauf im Jahr 2009 nicht nur überwacht, sondern auch dokumentiert. Die Mitarbeiter haben Medienberichte über größere Schäden durch Unwetter in Deutschland ausgewertet und gesammelt. Ein Rückblick.

Dezember 2008

Starke Schneefälle in Verbindung mit Schnee- und Eisglätte führten am 3. Dezember nördlich des Mains zu vielen Unfällen und Behinderungen. Bei Pasewalk in Mecklenburg-Vorpommern stürzte ein Lkw von einer Brücke auf die Bahnstrecke Berlin-Stralsund. Bei Kardenbach in der Eifel rutschte ein Schulbus mit 44 Schülern in einen Graben. Am 4. Dezember wurden in Königstein/Taunus zwei Schulen aufgrund von Schneemassen auf den Dächern geschlossen. Auf der A 3 kam es am 19. Dezember auf regennasser Fahrbahn zu einer Massenkarambolage mit 16 Pkw. Die Folge waren drei schwer Verletzte. Nach einem Unfall am 20. Dezember auf eisglatter Fahrbahn bei Rauschenbach in Hessen starben zwei Menschen.

Blitzeinschlag. Foto: Michael KlöpperJanuar 2009

Durch Schneefall sowie Schnee- und Eisglätte kam es in weiten Teilen Deutschlands vom 4. bis 7. Januar, um den 14. Januar, vom 17. bis 20. und am 23. Januar zu über 1.000 Unfällen mit zahlreichen Verletzten und mindestens zehn Toten. Es gab Verspätungen im Flug- und Bahnverkehr. Eis auf Flüssen und Kanälen behinderte den Schiffsverkehr. In der Nacht zum 7. Januar –  bei Temperaturen bis -28°C – froren Weichen ein, Türen von Zügen zu und gefror Diesel in Lastern. Drei Menschen erfroren in den Nächten auf den 5. und 7. Januar.

Februar 2009

Schnee- und Regenfälle und nachfolgende Schnee- und Eisglätte führte bundesweit zu vielen Unfällen mit Verletzten und mindestens zwei Toten. Es bildeten sich lange Staus, zum Beispiel aufgrund dreier umgekippter Lkw-Anhänger auf der A 7. Zeitweise kam der Verkehr zum Erliegen, an der A 3 wurden vom Roten Kreuz Versorgungsstationen eingerichtet. In den Bayerischen Alpen gab es durch Lawinen mindestens vier Tote. Orkantief Quinten sorgte am 10. Februar meist im Süden Deutschlands für Schäden durch umgestürzte Bäume und herunter gewehte Ziegel. In Emmendingen wurde ein Hallendach abgedeckt, in Unterweiler in Bayern zwei Arbeiter von einem Dach geweht.  Die Oberrheintalbahnstrecke musste gesperrt werden.

März 2009

Am 3., 10. und vom 23. bis 26. März gab es in weiten Teilen Deutschlands auf schneeglatten Straßen viele Unfälle mit Verletzten und mehreren Toten. Am 3. März kam ein Fahrer bei Rüscheid im Kreis Neuwied ums Leben, als aufgrund von Schneelast ein Baum auf sein Auto fiel. Am 10. März stürzte im badischen Bonndorf ein vollbesetzter Schulbus sechs Meter tief in eine Flussbett, dabei wurden zwölf Schüler verletzt. Am 23. März wurden aufgrund von Sturm zum Beispiel eine Parabolantenne vom Hamburger Fernsehturm gerissen, Flugzeuge kurzzeitig von Frankfurt nach Stuttgart umgeleitet und der S-Bahnverkehr in Schwaigern bei Heilbronn eingestellt, nachdem ein Baum auf die Gleise gestürzt war. Am 9. März trat in Stüdenitz in Brandenburg Hagel mit einer Korngröße von fünf Millimeter auf.

April 2009

Bei dichtem Nebel kam es am 14. April auf der A 44 zwischen Zierenberg und Warburg zu einer Massenkarambolage mit 16 Fahrzeugen. Ein Autofahrer starb, elf Fahrer wurden zum Teil schwer verletzt. Nach Blitzschlag am 16. April brannte in Wiesenbach im Kreis Günzburg ein Dachstuhl; eine Frau und zwei Kinder wurden durch Stromschläge verletzt. Hagel trat am 5. und am 18. April örtlich in Bayern und am 29. April in Büchen in Schleswig-Holstein – Korndurchmesser bis 3,5 Zentimeter – auf.

Mai 2009

Sturm, Hagel und Starkniederschläge verursachten am 1. und 2., vom 8. bis 13. sowie am 15., 21., 24. und 26. Mai zahlreiche Schäden. Am 2. Mai schlug ein Blitz auf einem Fußballplatz ein, 26 Menschen wurden verletzt. Am 9. Mai wurden in Hamburg drei Fallschirmspringer bis zu 35 Kilometer weit abgetrieben. Auf Elbe und Alster kenterten Segelboote. In der Nacht zum 12. Mai wurden in Neu-Ulm und Günzburg sowie am 15. Mai in Gechingen im Kreis Calw viele Straßen überflutet und liefen Keller voll. Am 24. Mai kenterten auf dem Altmühlsee 21 Katamarane. Am 26. Mai blieben im Kreis Leer die Schulen geschlossen, einige Häuser gerieten in Brand; der Bahnverkehr Leer-Bremen wurde wegen umgestürzter Bäume eingestellt. Nach Blitzschlag wurden Ems- und Lohbergtunnel in Hessen gesperrt. Auf dem Bodensee mussten Menschen aus Seenot gerettet werden. In Balenfurt in Baden-Württemberg prallte ein Zug auf einen Baum und entgleiste. Bei Passau wurde ein Mann vom Baum erschlagen. Zahlreiche Tornados konnten im Mai beobachtet werden: am 3. Mai in Büdelsdorf in Schleswig-Holstein, am 8. Mai in Obereschenbach/Fuchsstadt in Bayern sowie in Witzin in Mecklenburg-Vorpommern, am 14. Mai bei den baden-württembergischen Kommunen Sinsheim und Neuenbürg-Arnbach, am 17. Mai bei Halle sowie am 21. Mai in Plate, Sackow, Settin, Göhren und Ruthenbeck in Mecklenburg-Vorpommern. Auch Hagel mit einem Durchmesser bis 7cm wurde im Mai häufig beobachtet: am 1. und 2., 8. und 10.bis 14. in Süddeutschland, am 17. in Thüringen und Sachsen-Anhalt, am 21. in Hamburg und Brandenburg, am 22. Mai in Bayern, am 25. Mai in Rheinland-Pfalz, am 28. in Brandenburg und am 29. in Bayern.

Überflutung nach Unwetter im August 2007 bei Göttingen. Foto: Stefan Rampfel
Überflutung nach Unwetter im August 2007 bei Göttingen. Foto: Stefan Rampfel

Juni 2009

Dauerregen vom 22. bis 24. Juni in Südbayern und schwere Gewitterregen in der zweiten Monatshälfte verursachten immer wieder überflutete Straßen und vollgelaufene Keller. Am 27. wurden bei einem Fest in Xanten 13 Menschen durch Blitzschlag zum Teil schwer verletzt. Am 28. führte Regen zu einem Kabelbrand in einem Hotel in Passau. Alle Gäste wurden evakuiert. Die Neidlinger Steige in Baden-Württemberg war nach einem Erdrutsch für mehrere Stunden gesperrt. Am 30. Juni rief in Berlin die Feuerwehr aufgrund eines heftigen Gewitters den Ausnahmezustand aus. Auch die Wetterwarte des DWD in Mannheim meldete nach 45 Millimeter Niederschlag in 90 Minuten „Land unter“. Tornados verursachten am 1. Juni in Wölsickendorf in Brandenburg, am 7. in Köln-Roggendorf, am 9. in Neumünster und Grossolt in Schleswig-Holstein sowie am 11. in Meuselwitz in Thüringen und Custenlohr in Bayern zum Teil große Schäden an Häusern, Ställen und Fahrzeugen. Zu Hagel kam es am 1. Juni in Brandenburg mit einem Korndurchmesser bis 2.5 cm sowie örtlich am 7. und 11. in Bayern sowie am 30. in Mannheim.

Juli 2009

Schwere Unwetter mit Blitzeinschlägen, Sturmböen und örtlich heftigem Starkregen gab es vom 3. bis 24. Juli an fast allen Tagen. Meist wurden sie in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Bayern beobachtet. Häufig schlugen Blitze in Gebäude ein: auf einem Campingplatz im pfälzischen Hauenstein wurden fünf Menschen verletzt, in Affalterbach in Schwaben starb eine Frau und in Ostbrandenburg ein Mann. Bei Weigendorf in der Oberpfalz versperrte eine Gerölllawine stundenlang eine Straße. Am 19. Juli kam es nach Starkregen und aufgrund der tief stehenden Sonne auf der A 2 im Bereich Braunschweig – Hannover zu einer Unfallserie mit 100 Fahrzeugen und 80 Verletzten. Am 22. verursachten Blitze Brände in Cuxhaven und Nienhagen im Kreis Northeim, im Raum Soest-Lippstadt, in Brühl und Duisburg sowie im Kreis Kleve. Am 23. Juli brannte es in Düsseldorf, Ratingen, Marl und Haltern. Die starken Niederschläge brachten am 19. Juli für Bayern die Auslösung der Alarmstufe 1 wegen Hochwasser zum Beispiel an Donau, Isar und Regen. Hinzu kamen Tage mit Sturm und umgestürzten Bäume, die zu Sperrungen von Straßen und Eisenbahnstrecken führten. Auch im Juli konnten Tornados beobachtet werden: so am 3. in Bärenstein in Sachsen, am 6. in Friesenheim in Baden-Württemberg, am 7. in Norddeich in Niedersachsen und Wilnsdorf in Nordrhein-Westfalen, am 8. in Wörth am Rhein, am 10. in Mecklenburg-Vorpommern in Wichmannsdorf, Diedrichshagen und Jennewitz, am 19. bei Spiekeroog, am 23. in Meißenheim in Baden-Württemberg und in Nordrhein-Westfalen in Herford und Bockhorst-Westbart-hausen sowie am 24. in Cuxhaven. Hagel fiel meist in Bayern und Brandenburg örtlich vom 1. bis 4., am 17., am 21., mehrfach am 23, am 24., am 25. und am 30. Der Korndurchmesser betrug bis zu 4 cm.

August 2009

Starke Gewitter, teilweise mit Sturmböen und Hagel, verursachten am 2., 10., 16., 17. und 20. August zahlreiche Schäden: In Miesbach in Bayern und in Villingen-Schwenningen fiel zum Beispiel am 2. das Stromnetz kurzzeitig aus. Am 10. war besonders der Norden Deutschlands und Hessen betroffen: In Offenbach standen Keller und Straßen bis zu 50 cm unter Wasser, in Rembrücken bei Offenbach brach die Stromversorgung zusammen, in Schwerin wurde ein Mann, der unter einem Baum Schutz suchte, vom Blitz erschlagen. Am 16. war das Rhein-Main-Gebiet betroffen: Dächer wurden abgedeckt, einige S-Bahnstrecken und zahlreiche Straßen waren von Bäumen und Ästen blockiert. Am 17. schlugen Blitze in Baden-Württemberg und Oberfranken in Häuser ein. Der 20. brachte Niedersachsen, Bremen und Hessen Sturmschäden. In Melle in Niedersachsen beschädigten umstürzende Bäume Autos. Am 10. wurde bei Schönsee in Bayern ein Tornado beobachtet. Hagel wurde am 2. und 10. aus Bayern, am 17. aus Thüringen, Sachsen, Bayern sowie Hessen – mit Korndurchmesser bis fünf Zentimeter in Hanau – und am 20. aus Nordrhein-Westfalen gemeldet.

September 2009

Auf dem Hindenburgdamm nach Sylt wurde am 3.  September wahrscheinlich durch eine Windböe ein Lkw von einem Autozug geweht. Der Fahrer starb wenig später. Tornados wurden am 4. September bei Hörnum  – zwischen der Südspitze der Insel Sylt und der Insel Föhr – und am 13. nördlich von Ahrenshoop auf der Halbinsel Fischland in Mecklenburg-Vorpommern beobachtet. Größere Schäden traten dabei nicht auf. Am Abend des 2. wurden im Bereich München – Ammersee – Starnberger See bei starkem Gewitter anfänglich kleine Hagelkörner beobachtet. Es standen einige Straßen unter Wasser. Hagel wurde am 3. in Remscheid in Nordrhein-Westfalen, am 4. im Schwarzwald und am 5. im Rhein-Main-Gebiet beobachtet. In Mankmuss-Birkholz in Mecklenburg-Vorpommern verursachte Hagel mit Korndurchmesser bis 5 mm am 13. geringe Schäden an Pflanzen. Am 14. wurde Hagel in der Region mittlerer Neckar gemeldet.

Oktober 2009

Gebäudebrand nach Blitzeinschlag (August 2008). Foto: KVF/KlöpperAm 2. und 3. Oktober setzte der erste Herbststurm die nordfriesischen Halligen unter Wasser, ließ in Flensburg Keller volllaufen und legte den Zugverkehr zwischen Flensburg und Jübek durch umgestürzte Bäume lahm. Sturm, ergiebige Niederschläge und Gewitter verursachten in der Nacht zum 8. Oktober in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt sowie am 12. Oktober in Bayern starke Schäden. Zahlreiche Straßen wurden überflutet, viele Keller liefen voll. In Bielefeld rutschte ein durchweichtes Ackerstück auf die Straße. In Hildesheim und Peine erzwangen Schlammlawinen Straßensperrungen. In der Region Schongau deckte Sturm Dächer ab, ein Trampolin flog etwa 300 Meter weit durch die Luft, in Fulda stürzte ein Kirmesbaum auf ein Festzelt – vier Personen wurden verletzt. Am 13. Oktober führten Schnee- und Graupelschauer auf der A 20 zwischen Lübeck und Rostock zu zahlreichen Unfällen. Insgesamt waren etwa 30 Fahrzeuge beteiligt. Am Morgen des 16. Oktober kam durch Schneefall in Sachsen der Zugverkehr zwischen Arnsdorf-Kamenz und Neustadt-Bad Schandau zeitweise zum Erliegen. Auch eine Strecke der Dresdner S-Bahn wurde gesperrt. Eisglätte auf der A9 bei Trockau (Bayreuth) verursachte mehrere Unfälle. Auf der Talbrücke rutschten in kürzester Zeit sieben Fahrzeuge in die Leitplanken. Bei Nebel auf der A 5 bei Ortenau verunglückte eine Frau tödlich. Tornados wurden am 2. Oktober von den Kreidefelsen bei Saßnitz aus und am 13. zweimal bei Wismar – das erste Mal in der Nähe der Insel Wustrow, das zweite Mal bei Neuhof auf Poel –  beobachtet. Hagel wurde am 2. in der Nähe von Stralsund sowie in der Uckermark, am 3. in Erfde in Schleswig-Holstein und am 10. in Lüdinghausen in Nordrhein-Westfalen beobachtet. Am 13. und 14. Oktober wurde Hagel von der Insel Poel, aus Brandenburg und dem Thüringer Wald gemeldet.

November 2009

Am 4. November brachte der erste Wintereinbruch Mecklenburg-Vorpommern große Verkehrsbehinderungen. Aufgrund von Schnee- und Eisglätte ereigneten sich etwa 150 Unfälle. Sturmtief “Jürgen” verursachte am 18. November in Norddeutschland zahlreiche Schäden. Mehrere Bahn- und S-Bahnstrecken mussten wegen umgestürzter Bäume gesperrt werden, so zum Beispiel zwischen Tornesch und Pinneberg oder in Hamburg die S1 an der Station Hoheneichen. Der Verkehr nach Sylt wurde eingestellt. Im Kreis Steinburg wurden Dachziegel und -platten heruntergeweht. Ein Seemann ertrank bei hohem Wellengang während des Anlegemanövers im Bremer Hafen. Sturmtief “Ludwig” brachte am 23. und 24. November die nächsten Schäden in fast ganz Deutschland. Bei Krefeld stürzte ein Baum auf die Bahnstrecke. Bei Hamburg wurden Teile der A 23 und bei Aachen die B 399 wegen Unterspülung gesperrt. In Herbstein in Osthessen stürzte eine Tanne auf ein fahrendes Auto. In Frankfurt am Main fiel die Giebelwand einer Scheune um. Auf der A 71 ging bei Gräfenroda in Thüringen eine Schlammlawine nieder. Vermutlich durch starke Regenfälle löste sich am 25. November ein etwa 20 Tonnen schwerer Felsbrocken unterhalb von Burg Lindenfels (Bergstraße). Er zerstörte Steinmauern und eine Straßenlaterne. Am 23. entwurzelte ein Tornado Bäume in Langenholzhausen in Ostwestfalen, beschädigte Dächer und brachte eine Feldscheune zum Einsturz. Hagel wurde nur am 26. aus Tönisvorst bei Krefeld gemeldet.

Ein Kommentar zu “Wetterdienst blickt auf Unwetter-Jahr zurück”
  1. Nicht zu vergessen der tragische Unfall bei Stuttgart im Sommer, bei dem ein Kamerad beim Kellerauspumpen ums Leben kam. 🙁 RIP.

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