Unwetter versetzt Feuerwehren in Dauerstress

Frankfurt (HE) – Vollgelaufene Keller, umgestürzte Bäume, durch Blitzschlag verursachte Brände: Wie angekündigt haben schwere Unwetter am Mittwoch vielerorts in Deutschland die Feuerwehren in Dauerstress versetzt. Doch die Gewitter hatten auch ihre guten Seiten. Vielerorts ist die Gefahr von Waldbränden und Flächenbränden – zumindest vorübergehend – gedämpft.

Am Nachmittag zog eine breite Gewitterfront aus Richtung Frankreich nach Westdeutschland und erfasste fast das gesamte Land. Weitere Gewitterzellen entwickelten sich im Schwarzwald. Nicht alle Gebiete waren gleichermaßen betroffen – oft machten wenige Kilometer den Unterschied ob es nur regnete – oder vermeintlich “die Welt unterging”. In der Hochphase der Gewitterfront meldete der Wetterdienst “Wetteronline.de” binnen einer Stunde 71.000 registrierte Blitze. Auch Orkanböen von mehr als 120 km/h wurden neben Starkniederschlag registriert. Die Folgen ließen für die Feuerwehren nicht lange auf sich warten. Einige Auszüge aus dem bundesweiten Einsatzgeschehen:

Nach dem das Unwetter über den Werra-Meißner-Kreis (HE) gezogen war, meldete sich ein 49-jähriger Jäger aus Fuldabrück bei der zuständigen Feuerwehrleitstelle. Er vermisste seinen Jägerkollegen, der in einem Wald zwischen Retterode und Glimmerode unterwegs war. Bei den Suchmaßnahmen der Beamten der Polizeistation Hess. Lichtenau und der freiwilligen Feuerwehr konnte der 72-Jährige nur noch tot aufgefunden werden. Er war offenbar von einem umstürzenden Baum erschlagen worden.

Die Feuerwehr Heusenstamm (HE) registrierte rund 30 Einsätze, die meisten von ihnen galten vollgelaufenen Kellern. Dazu kamen ein Brandmelderalarm sowie ein umgestürzter Baum.

In Dorsten (NW) blockierten umgestürzte Bäume und Hochwasser zahlreiche Straßen und Wege. Die Feuerwehr ließ sämtliche Einheiten zur Besetzung der Gerätehäuser alarmieren, rund vier Stunden lang waren die Wehren damit beschäftigt, die zahlreichen Meldungen über Unwetterschäden abzuarbeiten.

In Losheim (SL, Kreis Merzig-Wadern) beschädigte ein Tornado rund 20 Wohnhäuser. Nach Angaben der Feuerwehr zog der Wirbelsturm eine rund 800 Meter lange Schneise durch den Ort. 140 Feuerwehrleute waren mit der Notreparatur von Hausdächern beschäftigt, 15 DRK-Helfer stellten sicherten den Einsatz ab.

Auch in Goch (NW, Kreis Kleve) soll ein Tornado gewütet haben. Hier zählte die Feuerwehr 91 Einsätze wegen umgestürzter Bäume und abgedeckter Dächer. Am Flughafen Weeze musste eine Passagiermaschine trotzt widriger Witterung landen, nachdem der Treibstoff für keine weiteren Warteschleifen ausreichte. Die gemeldete “Luftnotlage” verlief ohne Komplikationen.

Auch rund 60 Kräfte von Berufs- und freiwilliger Feuerwehr in Offenbach (HE) waren gefordert. In fünf Fällen waren Feuermeldungen durch Brandmeldeanlagen und Anrufer eingegangen – allesamt Fehlalarme. Außerdem räumten die Einsatzkräfte sieben Bäume von Straßen und pumpten sechs Keller leer.

Im Landkreis Bad Kreuznach (RP) war vor allem das östliche Kreisgebiet betroffen. Auch galt das Gros der Einsätze entwurzelten Bäumen und Wasserschäden. Orkanartige Böen fegten außerdem zehn Faltpavillions und zwei Zelte eines Kinder-Feriendorfes weg.

Nach Angaben der Feuerwehr Düsseldorf fiel das Unwetter vom Mittwochabend in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt deutlich schwächer aus, als das Gewitter am Montag. Ingesamt rückte die Wehr zu 31 Einsätzen aus. Am spektakulärsten war ein Einsatz in der Feuerbachstraße. Hier hatte ein Blitz einen etwa 40 Meter hohen Baum gespalten, die umliegenden Wohnhäuser galten als gefährdet. Die Feuerwehr setzte eine Drehleiter und einen Kran ein, um die Überreste des Baumes zu beseitigen.

Die Feuerwehr in Köln (NW) zählte 78 sturmbedingte Einsätze, die von 275 Einsatzkräften mit 44 Fahrzeugen abgearbeitet werden mussten. Darunter auch ein gekentertes Ruderboot. Die vier Insassen konnten sich noch vor Eintreffen der Feuerwehr selbst in Sicherheit bringen.

55 Einsätze zählten derweil die Kollgen der Feuerwehr Bonn (NW). Die schlimmste Meldung, eine Person läge unter einem umgestürzten Kastanienbaum, bestätigte sich nicht.

Die Gefahr von Wald- und Flächenbränden ist nach den Prognosen des Deutschen Wetterdienstes nach dem teils kräftigen Niederschlag vielerorts erheblich gedämpft. Weiterer Regen, der für Samstag erwartet wird, kann die Entspannung zunächst fortführen.

Unwettereinsatz in Dorsten: Feuerwehrleute öffnen verstopfte Kanaleinläufe. Foto: Guido Bludau
Unwettereinsatz in Dorsten: Feuerwehrleute öffnen verstopfte Kanaleinläufe. Foto: Guido Bludau

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