Herten soll Berufsfeuerwehr bekommen

Herten (NW) – Die Feuerwehr Herten soll zum 1. März 2011 den Status einer Berufsfeuerwehr erhalten. Damit wäre die Ruhrgebietsstadt die 103. Kommune in Deutschland, die über eine Berufsfeuerwehr (BF) verfügt. Voraussetzung ist, dass der Hertener Stadtrat der Umwandlung zustimmt.

Mitglieder der Feuerwehr Herten bei einer Übung. Foto: Stadt HertenIn der Beschlussvorlage der Stadt heißt es: “De facto verfügt die Stadt Herten bereits über eine Berufsfeuerwehr, es fehlt lediglich der rechtliche Status.” Nach Angaben von Nele Däubler, Sprecherin der Stadt Herten, gegenüber feuerwehrmagazin.de, arbeiten derzeit 67 hauptamtliche Kräfte bei der Feuerwehr Herten. Eine Personalaufstockung sei mit der Umwandlung jedoch nicht geplant.

Die Begründung verweist auf eine Umwandlung des Brandschutzbedarfsplanes aus dem Jahr 2002, damit habe die Feuer- und Rettungswache einen strukturellen Wandel durchgemacht. Aufgabenfelder und Strukturen würden mittlerweile einer Berufsfeuerwehr entsprechen. Weiterhin wird auf das steigende Gefahrenpotential durch die weitere Ansiedlung von Industrie- und Gewerbebetrieben verwiesen. Auch der demographische Wandel wird als Grund für die Status-Umwandlung genannt: Die Bevölkerungszahl geht zurück, die Einwohner werden älter, die Einsätze jedoch mehr.

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Doch Herten hofft mit dem Schritt auch Geld zu sparen. Statt wie bislang 25 Prozent würde die Stadt künftig mit einer BF 65 Prozent weniger Beiträge an die Unfallkasse Nordrhein-Westfalen zahlen müssen. Durch eine Umschichtung der Mittel innerhalb des Budgets könnte außerdem der Haushalt entlastet werden, heißt es. Und auch für die örtliche Industrie könnten sich Vorteile ergeben. Sie würden Vorteile bei der Einstufung ihrer Feuerversicherung erhalten. Grund: Eine Berufsfeuerwehr wird in der Feuerwehrklassenliste positiver bewertet, als eine freiwillige Feuerwehr mit hauptamtlichen Kräften. Das könnte auch bei der Neuansiedlung von Gewerbebetrieben als Anreiz helfen.

Über die Beschlussvorlage soll am 16. Februar 2011 in einer Sitzung im Hertener Stadtrat abgestimmt werden.

Künftig soll aus der freiwilligen Feuerwehr mit hauptamtlichen Kräften die Berufsfeuerwehr Herten werden. Foto: Stadt Herten
Im Übungseinsatz: Künftig soll aus der freiwilligen Feuerwehr mit hauptamtlichen Kräften die Berufsfeuerwehr Herten werden. Foto: Stadt Herten

3 Kommentare zu “Herten soll Berufsfeuerwehr bekommen”
  1. In NRW gibt es in 27 Städte eine Berufsfeuerwehr. Die Stadt mit der geringsten Einwohnerzahl (EW) ist Minden (80.000) Ratingen mit 91.000 EW komplettiert die einzig weitere Stadt unter 100.000 EW. Alle anderen 25 Städte haben mehr als 100 Einwohner.
    Wir fragen uns, wenn es hier einen besonderen Vorteil gibt, warum nur Herten die einzige Stadt ist die nun diesen Vorteil erkennt, was ist mit z. B. Recklinghausen?
    Ohne derzeitig sachlich die genannten Vorteile bewerten zu können, müssten doch auch gesunde Gründe gegen eine Berufsfeuerwehr sprechen – sonst hätten doch wohl viel mehr Städte diesen Wechsel vollzogen!

    DAZU:
    http://feuerwehren-geisenheim.de/cms/?page_id=930

    [EDIT DURCH ADMIN – Beiträge von externer Website wurden wg. Urheberrecht entfernt!]

  2. 1.Rechtlich (FSHG)sieht es so aus, dass ALLE Städte in NRW eine leistungsfähige Feeurwehr unterhalten müssen, egal ob FF, FF mit hauptamtlicher Wache oder BF. Kreisfeie (Groß-)Städte müssen eine BF unterhalten, deren Leiter immer auch Leiter der gesamten Feuerwehr (BF + FF) ist.
    Somit ist klar, dass in kreisangehörigen Gemeinden lediglich darum geht, dass entweder die Stadtverwaltung keine Lust hat sich mit den ehrenamtlichen bzgl. dem L.d.F. abzustimmen und/oder der hauptamtliche Wachleiter OHNE Anhörung grundsätzlich Leiter der Feuerwehr sein will – quasi wie ein “Ermächtigungsgesetz”.
    2. Aber dies würde nie zugegeben werden, denn jede Stadt will selbstverständlich das Ehrenamt (welches es in der Führung jedoch kappt) fördern, also wird eine Einsparung bei der Unfallkasse NRW angeführt. So gibt es eine uralte Regelung für die (richtigen/alten/echten) BF’s, welche 65% Rabatt auf den je Einwohner erhobenen Beitrag erhalten. Diese gibt es, weil ursprünglich in Städten mit BF diese i.d.R. meist größer war, als die FF (Mülheim a.d.Ruhr hatte sogar lange Jahre gar keine FF und musste trotzdem 35% zahlen). Diese Regelung wird aber fallen, da ansonsten die FF im Lande die eingesparten Beiträge der neuen BF-Städte tragen müssten – denn das Risiko der Feuerwehr bleibt durch eine Änderung des Briefkopfes (BF statt FF) ja gleich, nur das es dann die anderen Städte zahlen dürfen!!! Moral/Ethik/Solidarität?
    So werden in Herten zukünfitg ehrenamtliche nicht mehr über die Stufe LZF kommen, selbst wenn sie einen F/B V hätten! Jetzt führte in einem Forum der “Kamerad” (oder Kollege) Ulrich C aus Düssledorf an, dass damit verhindert wird, dass ein einfacher Straßenbauer, Schornsteinfegermeister oder BM (A7), welcher L.d.F. wäre dann in die Einsatzleitung kommt. Umgekehrt kann es aber sein, dass ein “einfacher” (hauptamtlicher) Elektrogeselle oder KFZ-Mechaniker, welcher durch Glück und Personalaufstockung in den g.D. der Feuerwehr gekommen ist als Einsatzleiter tätig ist, wärend der Ingeneur, Arzt oder Manager, welcher ebenfalls über einen F/B V verfügt in eine “Hobbyliga” geschoben wird!

  3. Hallo Grisu!

    Durch Glück und Personalaufstockung kommt man weder in den mD, noch in den gD oder hD. Jeder (!) hat mindestens ein Auswahlverfahren bestanden, jeder hat die benötigte Ausbildung mitgebracht und wurde danach für seine Tätigkeit weitergebildet. Er hat mehr Prüfungen in seinem Feuerwehrleben abgelegt als der gemeine FFler. Und das mit einem anderen Hintergrund und einer anderen Qualität als diejenigen, deren Hobby es ist Feuerwehr zu machen. Der Arzt mag Fachmann in seiner Fachrichtung sein, aber nicht jeder HNO-Arzt ist auch Anaesthesist oder kann als Notarzt eingesetzt werden. Und so ist es mit jedem, das Hobby wird mit einem geringeren Zeitaufwand und geringerer Tiefe ausgeübt wie der Beruf. Ich schraube in meiner Freizeit gerne an Autos rum, deswegen bin ich aber noch lange kein KFZ-Mechaniker.

    Es tut mir wirklich leid für dich, wenn die Umstellung auf eine BF so sehr an deinem Ego nagt. Du fährst nicht mehr aber auch nicht weniger Einsätze als vorher in Herten. Dass Du jetzt kein LdF mehr werden kannst, mag für dich persönlich vielleicht ein echtes Problem sein. Für die Feuerwehr Herten und den Bürger eher nicht.

    Liebe Grüße aus Südhessen,

    Daniel

    P.S.: Vor dem F-B V hat der Gesetzgeber, den BI (in andern BL als NRW den BII), den BIII und den BIV gestellt. Und jetzt vergleich mal was ein FFler nur an Voraussetzungen mitbringen muss. Kein BFler bekommt durch Glück seine Stelle.

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