Explosionsgefahr bei Biogasanlagen-Brand

Schwarzenbek/Grove (SH) – Heikle Situation am Montagvormittag an der Biogasanlage vor den Toren Schwarzenbeks im Kreis Herzogtum Lauenburg: Gegen 10.45 Uhr war bei Handwerkerarbeiten an einem so genannten “Fermenter” ein Feuer ausgebrochen. Zeitweise herrschte Explosionsgefahr. Die Kuppel des Gärbehälters, in der das Gas aus der Vergärung von verflüssigtem Mais gesammelt wird, schmolz und stürzte ein.

“Es ist das erste Mal, dass unsere Einsatzkräfte mit so einer Biogasanlage praktische Erfahrungen sammeln”, sagte Schwarzenbeks Polizeichef Ernst Jenner. Amtswehrführer Wolf-Dieter Abel zog in Absprache mit Einsatzleiter Kai Wichmann aus Grove Retter aus sechs Wehren zusammen. Abel: “Ein Einsatz an einer Biogasanlage ist immer nicht ganz ohne, so etwas hatten wir hier in der Gegend bisher ja auch noch nicht.” Anderenorts hat es schon schwere Unglücke, auch mit Todesopfern, durch Explosionen in Biogasanlagen gegeben. Entsprechend vorsichtig und bedacht gingen die Retter vor.

Explosives Gas-Luftgemisch gemessen

“Die Biogasanlagen sprießen ja im wahrsten Sinne des Wortes überall aus dem Boden, auch hier bei uns im Kreisgebiet. Natürlich schauen wir Feuerwehrleute uns die Anlagen und die örtlichen Gegebenheiten einer neuen Anlage dann rechtzeitig an, aber wenn etwas passiert, ist das natürlich immer eine besondere Situation”, berichtete Schwarzenbeks Feuerwehrchef Martin Schröder. Mit Druckluftschaum konnte der Brand des “Fermenters” schließlich gelöscht werden. Die Messeräte der Feuerwehrleute, die zum Schutz der Retter um Einsatz kamen, hatten während der Löscharbeiten angeschlagen und ein explosives Luft-Gas-Gemisch am Totenweg angezeigt.

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Als die ersten Einsatzkräfte an der 2011 in Betrieb genommenen Biogasanlagen vorfuhren, stiegen Rauchschwaden über der Anlage auf. An der Anlage wurden zuvor Wartungsarbeiten durchgeführt. Bei diesen Handwerkerabeiten war nach ersten Erkenntnissen der Polizei der Brand ausgebrochen. Schnell brachten die Flammen und die Hitze die Kuppel über dem Gärbehälter zum Einsturz. Das Feuer griff auf eine Holzbalkenlage, die einen Filterflies trägt, über.

Störanfällige Drehleiter nicht eingesetzt – um Besatzung nicht zu gefährden

Die Feuerwehrleute schützten zunächst die benachbarten Behäklter vor einer Brandausbreitung. Parallel dazu bauten sie einen Löschangriff auf, um die Balken und das Flies ablöschen zu können. Dazu musste auf die Drehleiter der Geesthachter Feuerwehr gewartet werden. “Wir haben unsere Drehleiter hier nicht eingesetzt, um wegen der wiederholten technischen Ausfälle nicht unnötig die Besatzung in Gefahr zu bringen”, sagte Schwarzenbeks Wehrführer Martin Schröder. Die 22 Jahre alte Schwarzenbeker Drehleiter fällt immer wieder wegen verschiedener Defekte aus. Dienstagabend berät der Haupt- und Planungsausschuss der Stadt über eine vorgezogene Ersatzbeschaffung, die die Verwaltung den Politikern vorgeschlagen hat.

Durch den Einsatz von Druckluftschaum des Schwarzenbeker Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeugs, der aus dem Korb der Geesthachter Leiter abgegeben wurde, bekamen die Retter den Brand schnell unter Kontrolle. “Vorsorglich wurde die Biogasanlage abgeschaltet und Gas kontrolliert abgegeben”, sagte Amtswehrführer Wolf-Dieter Abel. (Text: Timo Jann)

Brand in Biogasanlage: Bei dem Feuer besteht zeitweilig Explosionsgefahr. Foto: Timo Jann

Ein Kommentar zu “Explosionsgefahr bei Biogasanlagen-Brand”
  1. Firefighter480

    Hallo Bin selber Wehrführer, Ausbilder in der FFw und Betriebsleiter einer Biogasanlage. Viele Feuerwehren unterschätzen die Gefahr die von Biogasanlagen ausgeht. Ich kann das nicht verstehen. Selbst die zuständige Feuerwehr die bei einem Brand an unserer Anlage zum Einsatz käme. Hat bis Heute noch keine Begehung auf unserer Anlage gemacht!!! Ich selber habe mich dem Brandschutzaufsichtsdienst als Fachberater angeboten auch keine Reaktion obwohl wir in letzter Zeit schon zwei Einsätze in Biogasanlagen hatten. Und die Wehren teilweise total überfordert waren mit der Situation. Hoffentlich passiert da mal nichts schlimmeres in Zukunft.

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