Duale Feuerwehr-Ausbildung beginnt

Hannover – Die Berufsfeuerwehren Hannover, Hildesheim, Salzgitter und Wilhelmshaven reagieren auf die stetig sinkende Zahl an qualifizierten Bewerberinnen und Bewerbern. Gemeinsam mit dem Ausbildungszentrum der Siemens AG in Hannover gaben sie am Dienstag den Startschuss für ein nach Angaben der Feuerwehr Hannover “bundesweit einmaliges Pilotprojekt”: Der Ausbildung bei der Feuerwehr – direkt nach dem Ende der Schulzeit.

Bislang mussten Interessenten in der Regel eine dreijährige Lehre vorweisen, bevor eine 18-monatige Ausbildung bei der Feuerwehr möglich war. Jetzt erhalten insgesamt acht ausgewählte Nachwuchskräfte im Alter von 17 bis 21 Jahren erstmals die Chance auf einen schnellen Einstieg nach dem Schulabschluss: Sie beginnen in diesen Tagen eine neuartige dreijährige Ausbildung, die von der Arbeitsgemeinschaft der Leiter der Berufsfeuerwehren in Niedersachsen in Kooperation mit Siemens entwickelt wurde.

Zwei anderthalbjährige Ausbildungsabschnitte

Der kombinierte Ausbildungsgang besteht aus zwei Teilen: Die jungen Frauen und Männer absolvieren zunächst eine 18-monatige duale Ausbildung zum/zur Industrieelektriker/-in mit IHK-Abschluss im Ausbildungszentrum der Siemens Professional Education (SPE) in Hannover. Direkt im Anschluss folgen weitere 18 Monate Ausbildung als Brandmeisteranwärter/-in bei den beteiligten Feuerwehren – mit Grundausbildung, weiterführenden Speziallehrgängen und Einsatzpraktika.

Gaben heute den Startschuss für das bundesweit einzigartige Ausbildungsprojekt: Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (oben, 2.v.l.), die Leiter der Berufsfeuerwehren Hannover (Claus Lange, oben, 2.v.r.), Salzgitter (Arne Sicks, oben rechts) und Wilhelmshaven (Steffen Lutter, oben, 3.v.r.) sowie Ralf Rochau, Leiter der Siemens Professional Education Hannover (oben, links), und Ekkehard Grunwald, Stadtkämmerer und Brandschutzdezernent der Stadt Salzgitter (oben, 3.v.l.) – mit den acht jungen Auszubildenden der beteiligten Feuerwehren. Foto: Feuerwehr Hannover
Thomas Deutschmann
Startschuss für den neuen Ausbildungslehrgang der Berufsfeuerwehren. Foto: Feuerwehr Hannover

Während der Ausbildung zum/zur Industrieelektriker/-in bei Siemens besuchen alle acht Azubis die Berufsbildende Schule Metalltechnik und Elektrotechnik in Hannover und durchlaufen zusätzliche Ausbildungssequenzen zur beruflichen Fachqualifizierung bei der SPE. Den praktischen Ausbildungsteil absolvieren sie bei Siemens Building Technologies, der Gebäudetechnik-Sparte des Siemens-Konzerns. Einer der Schwerpunkte in diesem Geschäftsgebiet sind Lösungen aus dem Bereich der Brandschutztechnik. “Die Auszubildenden erhalten damit eine solide technische Grundausbildung mit vollwertigem Abschluss, auf der sie weiter aufbauen können”, so Ralf Rochau, Leiter der Siemens Professional Education in Hannover.

Feuerwehr-Training inklusive Rettungsdienst-Ausbildung

Im Vorbereitungsdienst bei den Berufsfeuerwehren werden die Nachwuchskräfte anschließend auf ihre späteren Hauptaufgaben vorbereitet: Brandbekämpfung, technische Hilfeleistung, Rettungsdienst und Katastrophenschutz. Zu den Ausbildungsinhalten zählen neben allgemeinen und fachbezogenen Grundlagen Speziallehrgänge wie Atemschutz, Sprechfunk, Gefährliche Stoffe und Güter, Technische Hilfe sowie die Befähigung zum Führen der Einsatzfahrzeuge. Auch Grundlagen einer rettungsdienstlichen Ausbildung sind fester Bestandteil.

Prüfung an der NABK in Celle

Die abschließende Laufbahnprüfung wird an der Niedersächsischen Akademie für Brand- und Katastrophenschutz (NABK) in Celle abgelegt. Mit deren Bestehen eröffnet sich den Absolventen das gesamte Berufsfeld des hauptberuflichen feuerwehrtechnischen Dienstes. Die Kosten für das Pilotprojekt werden anteilig von den beteiligten Kommunen und vom Niedersächsischen Ministerium für Inneres und Sport getragen. Bis Ende Februar 2011 konnten sich interessierte junge Frauen und Männer auf die Ausbildungsplätze bewerben und anschließend ihre Eignung in Auswahltests unter Beweis stellen. Mindestvoraussetzung war ein Realschulabschluss und ausreichende körperliche Leistungsfähigkeit.

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“Wir wollen mit dem neuen Ausbildungsgang die traditionelle Feuerwehrausbildung nicht ersetzen, sondern neue Wege in der Nachwuchsgewinnung erproben”, so Claus Lange, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Leiter der Berufsfeuerwehren Niedersachsens und Chef der hannoverschen Berufsfeuerwehr. Der Hintergrund: Obwohl die Feuerwehren weiterhin recht hohe Bewerberzahlen verzeichnen, fällt es doch zunehmend schwerer, ausreichend qualifizierte Nachwuchskräfte zu finden. “Mit dem Pilotprojekt haben wir uns erstmals direkt an Schulabgängerinnen und Schulabgänger gewandt, um sie für den Feuerwehrdienst zu begeistern und von der Schulbank weg gezielt zu fördern. Wir freuen uns, mit Siemens einen erfahrenen Partner gefunden zu haben.”

4 Kommentare zu “Duale Feuerwehr-Ausbildung beginnt”
  1. Florian

    Bundesweit einmalig??? Neuartig??? Die BF Düsseldorf bietet diese Art des Einstiegs schon mehrere Jahre an….

  2. gibs doch in ähnlicher form wo anders in deutschland auch schon!

  3. Ja jede(s/r) Land, Bundesland, Kreis oder Stadt, teilweise sogar Ortswehr muss das Rad neu erfinden und es als neuartig verkaufen, aber nichts desto trotz wünsche ich den Feuerwehrazubis auf jeden Fall morgen einen guten Start.

  4. Im Gegensatz zu den bisherigen (zumindest mir bekannten) Stufenausbildungen absolvieren die Auszubildenden in diesem Fall allerdings eine “richtige” Berufsausbildung (IHK-Abschluss), die auch außerhalb der Feuerwehrwelt genutzt werden kann, falls es mit dem Dienst bei der BF nicht klappen sollte. In sofern also doch neuartig.

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