Freitag, 9. Dezember 2016

Drohnen im Feuerwehr-Einsatz

1. Dezember 2016 von  

Immer mehr Feuerwehren entscheiden sich, eine Flugdrohne anzuschaffen. Wir erklären die unterschiedlichen Einsatzmöglichkeiten sowie die rechtlichen Grundlagen.

Sie sind unter Namen wie Drohne, Mikro- und Multicopter bekannt: unbemannte Luftfahrzeuge, kurz UAVs (von englisch Unmanned Aerial Vehicles). Die Internationale Zivilluftfahrtorganisation (ICAO, International Civil Aviation Organization) spricht von UASs (Unmanned Aircraft Systems). In Fachkreisen wird häufig die Bezeichnung Copter verwendet. Multicopter, weil sie mehrere Rotoren besitzen: Quadrocopter (vier Rotoren), Hexacopter (sechs Rotoren) und Octocopter (acht Rotoren).

Der Einsatz ziviler Copter bei Feuerwehren reicht von der Erkundung und Beobachtung über die Dokumentation bis zur Personensuche und Gefahrstoffmessung. Der große Vorteil liegt darin, dass Copter in Bereiche vordringen können, die für Menschen zu gefährlich oder unerreichbar sind. Bilder aus der Vogelperspektive verschaffen Einsatzleitern einen Gesamtüberblick über eine Einsatzstelle. UAS stellen darüber hinaus eine kostengünstige Alternative zu Hubschraubern und Überwachungsflugzeugen dar. Und die Reichhöhe von Hubrettungsfahrzeugen ist begrenzt.

Ein Beispiel, welchen Nutzen ein Copter bei der Erkundung haben kann, zeigt der Großbrand eines Galvanikbetriebes im nordrhein-westfälischen Warstein (Kreis Soest). Um einen Eindruck über den Zustand der abgebrannten Halle zu bekommen, forderte der Einsatzleiter die Kameraden aus dem zirka 40 Kilometer entfernten Werl an. Die FF Werl hat bereits einige Erfahrungen mit ihrem Copter gemacht.

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Pilot Karsten Korte lässt einen Octocopter starten. Auch bei dieser Tätigkeit sollte bis auf die Handschuhe die Persönliche Schutzausrüstung getragen werden. Foto: M. Rüffer

Drohne erkundet Galvanikhalle

„Wir sind mit drei Kollegen und unserer Drohne ausgerückt“, erzählt Stadtbrandinspektor Karsten Korte. „Bis dahin war nicht bekannt, wie es nach dem Brand im Inneren der Halle aussieht. Ein Blick von oben über das Objekt brachte nicht viel.“ Also wurde eine Hallenwand geöffnet, damit der Copter ins Innere fliegen konnte. Korte entschloss sich, das Risiko eines Absturzes einzugehen. So dirigierten die Kräfte das Fluggerät zwischen zwei Stahlträgern hindurch in das Gebäude. „Wir entdeckten eine Rauchentwicklung mitten in der Halle“, sagt der Werler Stadtbrandinspektor.

Bild1_eDossier2016_Drohnen_Teil2eDossier: Drohnen bei der Feuerwehr, Teil 2

Überblick aus der Luft: Immer mehr Feuerwehren setzen Flugdrohnen für die Erkundung, die Lagedarstellung, die Personensuche pder die Gefahrstoffmessung ein. Im zweiten Teil dieses Drohnenspezials wird gezeigt, welche technischen Möglichkeiten die Fluggeräte bieten. Außerdem werden elf Modelle in einer Marktübersicht vorgestellt.

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Die Feuerwehr vermutete dort eine gefährliche chemische Reaktion. Aber die noch größere Gefahr stellte die möglicherweise instabile Dachkonstruktion der Halle dar. Schließlich prüfte ein Statiker anhand der Copter-Aufnahmen den Zustand der Stahlträger. Er entschied, dass Kräfte bis zur Rauchentwicklung vorgehen konnten. Auch bei der Orientierung der Trupps in Chemikalienschutzanzügen war die Drohne behilflich. „Das war ein hochkritischer Einsatz“, resümiert Korte, „wobei uns die Drohne eine große Hilfe war.“

Die FF Werl hat ihren Copter mittlerweile mit einer Wärmebildkamera (WBK) ausrüsten lassen, um das Einsatzspektrum zu erweitern – zum Beispiel bei der Personensuche. Diese ist zwar Aufgabe der Polizei, aber es kommt häufig vor, dass die Feuerwehr zur Unterstützung angefordert wird. Oft müssen Waldgebiete nach Personen abgesucht werden.

Bei großen Brandobjekten wie dieser Scheune, liefert eine Drohne scharfe Übersichtsbilder von der Einsatzstelle aus der Vogelperspektive. Foto: Feuerwehr Werl

Walderkundung

Besonders bei der Flächenerkundung bewertet der Oldenburger Berufsfeuerwehrmann Peter Goerke den einsatztaktischen Nutzwert als schwierig. Goerke baut in seiner Freizeit selber Copter. „Bei der Personensuche muss man einen Bereich relativ eng abfliegen“, erklärt er. „Dafür ist die Flugzeit zu begrenzt.“ Je nach Modell hält eine Akkuladung zwischen 20 bis maximal 40 Minuten.

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„Für mich ist der Einsatz eines Copters bei einem Waldbrand interessant“, erklärt Klaus Thrien, Ausschussvorsitzender des Arbeitskreises Schulung und Einsatz des Landes Nordrhein-Westfalen. „Er ersetzt teure Hubschrauber.“ Weil ein Pilot sein UAS nur in Sichtweite fliegen darf, ist die Reichweite bei einem Einsatz in oder an Waldgebieten jedoch begrenzt. Die Hauptaufgabe der Systeme sieht Thrien in der Erkundung, der Dokumentation sowie dem Suchen von Personen, beispielsweise mit der WBK nach einem Verkehrsunfall. Aus einem Fahrzeug geschleuderte Personen können versteckt in Feldern oder Unterholz liegen und zu spät entdeckt werden. „Ein mit einer WBK ausgestatteter Copter kann die Personensuche erheblich erleichtern“, sagt Thrien.

Voraussetzung für den Einsatz

Die Mindestvoraussetzungen für den Betrieb einer Drohne bei der Feuerwehr sind ein Versicherungsschutz, eine Aufstiegsgenehmigung, die bei der zuständigen Luftfahrtbehörde beantragt werden kann, ausgebildete Einsatzkräfte sowie die Führung eines Flugbuches.

Bisher gelten folgende Regelungen:

  • „Gemeinsame Grundsätze des Bundes und der Länder für die Erteilung der Erlaubnis zum Aufstieg von unbemannten Luftfahrtsystemen“ (Nachrichten für Luftfahrer der Deutschen Flugsicherung (NfL) I-281/13) sowie die
  • Luftverkehrs-Ordnung (LuftVO) vom 29. Oktober 2015 (BGBl. I S. 1894).

Die Drohne darf folgende Bereiche nicht überfliegen:

  • Menschenansammlungen,
  • Unglücksorte, Katastrophengebiete und andere Einsatzorte von Polizei oder anderen Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS),
  • Justizvollzugsanstalten und militärische Anlagen,
  • Industrieanlagen und Kraftwerke,
  • Luftsperrgebiete und Gebiete mit Flugbeschränkungen (§ 11 LuftVO).

Die Begrenzung des Gewichtes auf 5 Kilogramm wurde mit der aktuellen Neufassung mit der NfL-I-786/16 auf 10 Kilogramm erhöht. Feuerwehren und andere BOS-Einheiten fallen nicht unter den § 30 Abs. 1a LuftVG. Somit haben sie nicht die identischen Hoheitsrechte wie die Polizei. Feuerwehrleute müssen rechtlich wie zivile und gewerbliche Anwender gesehen werden.

 

Wer ist verantwortlich?

Vor der Beschaffung eines Copter-Systems sollten folgende Fragen geklärt sein:

  1. Wer ist der Verantwortliche im Einsatz? Gemäß Aufstiegserlaubnis sind der steuernde Pilot und letztendlich auch der zuständige Einsatzleiter verantwortlich.
  2. Wer trägt die Kosten für entstehende Schäden? Ein Versicherungsschutz für Feuerwehren und Hilfsorganisationen für wirtschaftliche Schäden besteht über die Ordnungsämter der Kommunen als Versicherungsnehmer. Diese müssen sämtliche behördlichen Auflagen und Nebenbestimmungen einhalten.
  3. Wer entscheidet darüber, ob ein Unfall durch technisches Versagen oder durch unsachgemäßen Einsatz passierte? Bisher ist die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) in Braunschweig zuständig. Aber auch die Versicherer werden sich bei gegebenem Interesse einschalten.
  4. Was passiert, wenn Personen verletzt worden sind? Sicherlich tragen die Krankenversicherungen erst einmal die Kosten der Versorgung von verletztem Einsatzpersonal und unbeteiligten Personen. Sollte es jedoch zu schwerwiegenderen Verletzungen oder teureren Behandlungen kommen, können die Krankenkassen Regress fordern.

„Auch ich bin für den Einsatz von Coptersystemen zur Unterstützung im Einsatz“, erklärt Copter-Pilot und -Ausbilder Frank Potthast. „Dabei sollten die Anwender aber nicht die Risiken vergessen, die der Einsatz von Systemen bei der Feuerwehr mit sich bringt. Auch die rechtlichen Aspekte, die derzeitig noch nicht angepasst sind, stellen ein Problem für den uneingeschränkten Einsatz von Coptern bei der Feuerwehr dar.“

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Ein Tlf 24/50 der BF Bremen gibt zu Übungszwecken Wasser über den Dachmonitor ab. Der Wasserstrahl kann per Drohne beobachtet und bei Bedarf exakter ausgerichtet werden. Foto: HiSystems

Ausbildung ist das Wichtigste

„Die Ausbildung ist ganz wichtig“, bringt es Markus Hedemann auf den Punkt. Der Berufsfeuerwehrmann aus Oldenburg leitet als Zugführer und verantwortlicher Ausbilder die Drohnengruppe des Landkreises Cloppenburg (NI). „Es gibt noch keinen bundeseinheitlichen Ausbildungsstandard“, erklärt Hedemann.

Es gibt drei Möglichkeiten, um ein Zertifikat – der Praxisnachweis, dass man Drohnen fliegen kann – um eine Aufstiegsgenehmigung zu bekommen. Erstens kann der „Pilot“ eine Sicherheitseinweisung vom Copter-Hersteller samt Zertifikat bekommen. Zweitens dürfen Modellflugvereine Personen auf ihre praktischen Fähigkeiten überprüfen und bescheinigen. Drittens kann sich der zuständige Sachbearbeiter der Luftfahrtbehörde persönlich vom Können des Piloten überzeugen und ein Zertifikat ausstellen.

Danach kann die Genehmigung beantragt werden. Eine bundesweit einheitliche Ausbildung beziehungsweise einen Piloten-Lehrgang gibt es noch nicht. Eine Möglichkeit sind kostenpflichtige Schulungen. Hedemann empfiehlt, praktische Flugerfahrungen in Modellflugvereinen zu sammeln.

„Als Feuerwehr muss ich mich fragen, was ich mit einem Copter machen will“, sagt der Ausbilder. „Viele denken, man muss direkt über ein Objekt fliegen, um es zu erkunden.“ Das ist aber meistens nicht nötig. „50 oder 100 Meter Entfernung reichen schon aus. Über Personen darf ich nicht fliegen. Auch das Nachtflugverbot besteht weiterhin.“

Mittlerweile gibt es eine spezielle Genehmigung für BOS für das Überfliegen von Einsatzstellen und Katastrophengebieten. „Wenn BOS-Einheiten als Behörde eine Aufstiegsgenehmigung beantragen, kann zum Beispiel das Überflugverbot herausgenommen werden“, erklärt Hedemann. Diese Regelung gilt aber nicht für Ortsfeuerwehren, sondern Gemeinde-, Stadt-, Kreis- und Berufsfeuerwehren.

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Dieser Octocopter kann eine Tageslichtkamera, eine Wärmebildkamera und zwei LED-Strahler gleichzeitig transportieren – allerdings auf Kosten der Flugzeug (Akkuleistung). Foto: M. Rüffer

Verkehrsregeln für Drohnen

„Im Luftraum über Deutschland bewegen sich immer mehr unbemannte Luft-fahrtsysteme“, erklärt Christian Janke, Projektleiter beim Forschungszentrum EASC (European Aviation Security Center e.V.). „Der Markt für Drohnen ist sprunghaft gewachsen: Experten schätzen, dass im vergangenen Jahr weltweit mehr als eine Million UASs für den privaten und kommerziellen Gebrauch verkauft worden sind.“ Je mehr Drohnen starten, umso dringlicher sind Antworten auf juristische Fragen und zum Thema Sicherheit.

Um hier Abhilfe zu schaffen, entwickelt das EASC im Rahmen eines INS-Forschungsprojektes (Innovation mit Normen und Standards) in Kooperation mit DIN derzeit einen Normungsvorschlag zur Kennzeichnung von UAS. Janke: „Die Drohnentechnologie hat sich mit rasantem Tempo innerhalb weniger Jahre vom Spielzeug zum Transport- und Kommunikationsmittel im öffentlichen Raum entwickelt. Die Kennzeichnung von Drohnen ist daher längst auch eine Frage der öffentlichen Sicherheit. Wir arbeiten deshalb an den Voraussetzungen, mit denen dann unbürokratische, effiziente und rechtssichere Regelungen geschaffen werden können.“

 

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