Digitalfunk Feuerwehr

Digitalfunk Feuerwehr: Seit einigen Jahren ist das Thema Digitalfunk bei Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) relevant. Die Umstellung von analoger auf digitale Technik bringt Vor- un Nachteile mit sich. Wir klären auf.

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Digitalfunk Feuerwehr: Verstanden – Ende

Seit der Projektierung und Einführung im Jahr 2006 funken immer mehr Feuerwehren digital. Die Umstellung hat bei vielen Nutzern auch für Unmut gesorgt. Ein wesentlicher Grund dafür sei der weitgehend stabile Einsatz des Analogfunks über viele Jahre, erklärt Harald Schulenberg, Leiter des Sachgebiets Kommunikationstechnik der Feuerwehr Bremen.

Erwartungen, die an den Digitalfunk gestellt werden, könnten bis heute nicht abschließend erfüllt werden, sagt der Berufsfeuerwehrmann. Als Gründe nennt er zum Beispiel fehlende bundesweite Regelungen zum Senden des Status sowie dem Umgang mit Not-, Hilfe- und Katastrophen-ruf per Funkgerät.

Symbolfoto: Christian Patzelt

Bilanz nach 3 Jahren Digitalfunk bei der Feuerwehr Bremen

Trotzdem zieht Schulenberg 3 Jahre nach der Einführung der digitalen Technik in Bremen eine positive Bilanz. Bereits im Februar 2011 waren die Umrüstung der Fahrzeuge der nichtpolizeilichen BOS der Stadt Bremen und die Anbindung an die Feuerwehr- und Rettungsleitstelle Bremen (FRLSt) abgeschlossen.

Nach mehreren Praxis- beziehungsweise Stresstests “war zu erwarten, dass mit dem System verlässlich und in guter Qualität gefunkt werden kann”, meint der Sachgebietsleiter. “Der eigentliche Wert zeigt sich im Alltag aber in Funktionserweiterungen, die zum einen den Disponenten und Einsatzkräften die Arbeit erleichtern und zum anderen den Hilfesuchenden zugutekommen.”

Die spürbarste Veränderung für Feuerwehrleute im Einsatz ist die verbesserte Sprachqualität im Sprechfunk. Die neue Technik filtert störende Geräusche zum Beispiel von Motoren und Pumpen sowie Windgeräusche heraus. Darüber hinaus ist der Funkverkehr abhörsicher. Die Vertraulichkeit bei personenbezogenen Informationen bleibt bei verschlüsselter Datenübertragung gewahrt.

Ein weiterer Vorteil der Digitalisierung von Sprache ist die Überprüfbarkeit ihres Inhalts auf mögliche Übertragungsfehler. Durch bestimmte Sicherheitsmechanismen innerhalb des Übertragungsprotokolls kann das empfangende Funkgerät Übertragungsfehler bis zu einem bestimmten Maß erkennen und verlustfrei kompensieren.

Funktionsbezogene Programmierung möglich

“Beim Einsatzstellenfunk ist jetzt eine funktionsbezogene Programmierung möglich”, sagt Schulenberg. Die Funkgeräte können eindeutig dem Maschinisten, dem Angriffstrupp oder dem Gruppenführer zugeordnet werden. In diesem Fall kann der Einsatzleiter sehen, wer gerade funkt oder bei wem zum Beispiel ein Tastenklemmer vorliegt – und kann eingreifen. Wichtig ist diese bessere Kontrolle auch für die Atemschutzüberwachung.

Doch bevor ein Trupp in ein Gebäude vorgeht, sollte dessen richtige Zuteilung zu einer Funkgruppe getestet werden, warnt Schulenberg. Weil die Funkgeräte wie Handys über GPS-Funktion verfügen, können einzelne Geräte beziehungsweise Kräfte und Trupps geortet werden.

“In Gebäuden gibt es allerdings nur eine eingeschränkte Netzversorgung”, erklärt Oliver Liese, Funkbeauftragter der Freiwilligen Feuerwehr Bückeburg (NI). Eine Möglichkeit, die Reichweiten von Funkgeräten zu vergrößern, sind so genannte Repeater (Verstärker). “Ist an einer Einsatzstelle ein Funkgerät mit Repeater vorhanden und wird dieses im Bereich des Gebäudeeingangs positioniert, ist die Inhouse-Versorgung gut”, weiß Liese aus Erfahrung. “Unser Netz ist noch nie zusammengebrochen”, bestätigt Schulenberg den Vorteil eines Sprechfunkgerätes mit Repeater-Funktion an der Einsatzstelle.

Positiv wertet der Sachgebietsleiter die Notruffunktion der Digitalfunkgeräte. Er bemängelt aber die fehlende Möglichkeit einer Pulsüberwachung. Diese habe er bei der ersten Generation von digitalen Geräten bereits erwartet. Es sei wünschenswert, einen Atemschutzgeräteträger aus einem Innenangriff holen zu können, bevor er umkippt, mein Schulenberg.

Flexible Zuteilung von Funkkanälen

Ein weiterer Vorteil des Digitalfunks liegt in der flexiblen Zuteilung der Funkkanäle. Während im bisherigen Funksystem jede Organisation ihre eigenen Kanäle starr betrieben hat, werden im neuen Funksystem sämtliche Funkkanäle zu einem großen gemeinsamen Bündel zusammengefasst.

Aus diesem Bündel heraus werden die einzelnen Organisationen je nach Bedarf bedient. Die Funkkanäle können so effizienter und flexibler genutzt werden. Benötigt eine Organisation vorübergehend zusätzliche Kanäle, müssen diese nicht mehr von anderen ausgeliehen werden.

Nachteilig wirkt sich bei der neuen Technik auch die Zeitverzögerung beim Einschalten aus. Es dauert 8 bis 12 Sekunden, bis sich ein digitales Funkgerät ins Netz eingeloggt hat. Bei der Umstellung von neun Ortsfeuerwehren der Stadt Bückeburg und bei einem Praxistest im Landkreis Schaumburg hat der Funkbeauftragte einen weiteren Nachteil festgestellt. “Sollten zu viele Funkgeräte gleichzeitig eingeschaltet werden, kann sich die Einlogzeit sogar verdoppeln”, sagt Liese.

Neue Technik, neue Kosten

Die Umstellung auf Digitalfunk hat für die beteiligten BOS enorme Kosten verursacht. Trotz Zuschüsse der jeweiligen Landkreise an ihre Kommunen haben selbst Gemeinden mit wenigen Ortsfeuerwehren Ausgaben im hohen fünfstelligen Bereich zu tragen. Weil viele Kommunen die Finanzierung auf mehrere Jahre verteilt haben, verzögerte sich die Beschaffung der neuen Geräte in einigen Feuerwehren ebenfalls um mehrere Jahre.

Ist die neue Technik da, beginnt die wichtigste Phase für Einsatz- und Führungskräfte: nämlich die Ausbildung. Da analoge und digitale Funkgeräte nicht kompatibel sind, muss der Einbau der Geräte in die Einsatzfahrzeuge einer Gemeinde beziehungsweise eines Landkreises möglichst zeitgleich erfolgen.

Ausbildung im Bereich Digitalfunk Feuerwehr

Deshalb steht den Feuerwehrleuten nur ein bestimmtes Zeitfenster zur Verfügung, um sich mit der neuen Technik vertraut zu machen. Vorbereitende theoretische Schulungen, gefolgt von praktischen Übungsdiensten – sobald die Umstellung erfolgt ist – sind daher unerlässlich. “Natürlich muss die Ausbildung im Bereich Digitalfunk stetig fortgeführt werden, denn von der Grundeinweisung alleine kann ich noch kein Gerät perfekt bedienen. Hier müssen im Vorfeld schon Ausbildungspläne erstellt werden, damit alle Kameraden auf dem gleichen Wissensstand sind”, weiß Liese.

Umfangreiches Informationsmaterial rund um das Thema Digitalfunk bieten außer den Feuerwehrverbänden zum Beispiel der Bundesverband Professioneller Mobilfunk e.V. (PMeV). Er ist ein Zusammenschluss aus Anbietern und Anwendern von Kommunikationssystemen für den mobilen professionellen Einsatz. Der PMeV bietet Herstellern, Anwendern und Bedarfsträgern unter www.pmev.de eine neutrale Dialogplattform zur Bewertung von Technologien und zur Erörterung von Chancen und Risiken technischer Lösungen und Konzepte.

Eine Einführung sowie fortführende Infos bietet die Bundesanstalt für Digitalfunk der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BDBOS).

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