Freitag, 24. Juni 2016

Mobilität im Einsatz: Rollwagen bei der Feuerwehr

Noch vor einigen Jahren waren Rollwagen im Feuerwehrdienst nur vereinzelt anzutreffen. Was damals überwiegend eine exotische Tüftelei von pfiffigen Kameraden war, bieten heute viele Firmen als Standardprogramm an. Vor allem die Gerätewagen-Logistik haben einen regelrechten Nachfrageboom geschaffen. Der Grund: Die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten der mobilen Gerätekisten.

Für viele Feuerwehren scheint der Rollwagen die ultimative Lösung zu sein, auf die früher lange gewartet wurde. Während die Ersatz-Pressluftatmer, Reserve-Tragkraftspritze und zusätzliches Rüstholz noch vor einigen Jahren in Regalen und Abstellkammern lagerten und im Einsatzfall erst – teils (zeit)aufwändig – verlastet werden mussten, genügen heute ein bis zwei Kameraden, die mal eben anpacken und einen Wagen schieben. Innerhalb weniger Minuten ist das passende Gerät bedarfsgerecht auf dem Fahrzeug verladen, eine Ladebordwand oder eine Einschubrampe vorausgesetzt. Und: Das Gerät ist entsprechend den gültigen Vorschriften gesichert. Vorbei die Zeit, in denen Atemluftflaschen lose durch den Mannschaftsraum kullerten.

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Verladung eines Rollwagens in einen Abrollbehälter. Dank Laderampe können die Wagen schnell verstaut werden. Foto: Günzburger Steigtechnik

In den meisten Fällen geht es um Nachschubmaterial, das mit Logistik- und Nachschubfahrzeugen zur Einsatzstelle gebracht wird. Meist Verbrauchsmaterial wie Atemluftflaschen, Ölbindemittel oder Schläuche. Doch längst sind Rollwagen auch auf „Erstangreifern“ zu finden. Die Feuerwehr Dortmund stellte zum Beispiel bereits 2008 ihr Konzept eines Löschfahrzeug- Logistik (LF-L) vor, das – je nach Aufgabe – verschiedene Rollwagen an Bord nehmen kann (siehe Feuerwehr- Magazin 1/2008). Auch die Feuerwehr Borkum hat sich jüngst für ein Löschgruppenfahrzeug 20/16 mit Logistikkomponente entschieden (siehe auch Seite 66 in dieser Ausgabe). Und besonders Rüstwagen (RW) werden immer wieder mit Ladebordwand bestellt, damit im Geräteraum Rollwagen ihren Platz finden. Exemplarisch seien die RW der Feuerwehr Haßfurt (BY), der Feuerwehr Fulda (HE) oder auch der Feuerwehr Grevesmühlen (MV) genannt. Die Liste der Referenzen lässt sich inzwischen lange fortsetzen.

Die Palette der ausgelieferten Rollwagen ist entsprechend breit. Besonders häufig werden Rollwagen für Schläuche, Atemschutz (Flaschen, Masken und Filter) sowie für Tragkraftspritzen und Beleuchtungssätze nachgefragt. Die meisten Hersteller bieten inzwischen ein Standard-Portfolio an, können aber auch Sonderwünsche berücksichtigen und Spezialanfertigungen anbieten. „Am exotischsten war bei uns bislang der Auftrag für einen Rollwagen für Tierfanggeräte“ berichtet Ulrich Persuhn von der Firma P-Tec (Logiroll). Auch Rollwagen für den Unwettereinsatz, dank derer mit einem Fahrzeug gleich mehrere Einsatzstellen in der Nachbarschaft gleichzeitig abgearbeitet werden können, finden Verwendung.

Vieles ist möglich, doch alles hat Grenzen

Die Grenzen der Möglichkeiten sind dabei nur theoretisch – doch Vernunft und Praxis-Erfahrungen reglementieren die Ideen am Ende doch. Bereits 2005 hat zudem der Fachausschuss Technik der deutschen Feuerwehren (AGBF/DFV) eine „Richtlinie für die Konstruktion und Verwendung von nicht kraftbetriebenen Rollcontainern im Feuerwehrbereich“ herausgegeben. Dabei handelt es sich nicht um eine Norm, sondern um eine Orientierungshilfe, die nicht zwingend berücksichtigt werden muss. Die Empfehlung weist unter anderem auf die Standsicherheit (statischer Kippwinkel von 20 Grad muss erreicht werden können), die zu verwendenden Räder und Bremsen sowie die Transportsicherung und maximale Zuladung hin.

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Auf diesem Rollwagen der Firma Hensel sind Stromerzeuger und Komponenten eines Beleuchtungssatzes vereint.

Gerade das Gewicht ist es, das oftmals die Grenzen aufzeigt. Zwar halten Rahmen und Räder einer hohen Belastung stand. Allerdings stellt sich dann die Frage, ob ein besonders schwererer Rollwagen an einer Ladebordwand oder Rampe manövrierfähig bleibt. Selbst kleine Kanten (zum Beispiel an Toren oder Bordsteinen) können plötzlich zu unüberwindbaren Hindernissen werden. Es gibt Firmen, die raten ihren Kunden von einer Zuladung von mehr als einer halben Tonne ab – zumindest für Rollwagen im Standardeinsatz.

Wer sich bewusst für ein „Mehr“ entscheidet, sollte eine entsprechende technische Voraussetzung schaffen lassen, damit der Wagen auch auf abschüssigen Straßen (oder etwa Zufahrten zu Tiefgaragen) unter Kontrolle gehalten werden kann. So bietet beispielsweise die Firma Jerg ihre Rollwagen mit einer „Stronghold-Ausführung“ an, die über vier gleichzeitig wirkende Trommelbremsen verfügt. „Damit können auch Schwergewichte wie zum Beispiel Löschcontainer bis zu einem Gesamtgewicht von 850 Kilogramm problemlos einbremst werden“, erklärt Geschäftsführer Markus Jerg.

Eine Feststellbremse (Totmannbremse) ist generell bei jedem Rollwagen erforderlich. Die Fachempfehlung rät dabei: „Die Verzögerung muss entsprechend des vorgesehenen Gesamtgewichtes auf einer Schräge von 7 Grad zu halten, beziehungsweise aus Schrittgeschwindigkeit in der Ebene nach spätestens 0,5 Meter zum Stehen zu bringen sein.“

Rollwagen sind keine Geländefahrzeuge

Grundsätzlich sollten die Kunden im Vorfeld einer Bestellung die Möglichkeiten, aber auch die Grenzen mit den Herstellern besprechen und dabei Sinn und Unsinn abwägen. In manchen Fällen macht es beispielsweise Sinn, Rollwagen mit Hakenösen auszustatten, um einen Kranbetrieb (etwa auf ein Schiff) zu erlauben.

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Immer mehr Rüstwagen werden mit Ladebordwänden bestellt, um per Rollwagen die Beladung flexibel verändern zu können. Foto: Ziegler

Das gilt im Besonderen auch für die Bereifung der Rollwagen. Der Gedanke liegt nahe, Komponenten für Verkehrsunfälle (Rettungssatz & Co) und für Waldbrände auf „geländefähigen Rollwagen“ aufbauen zu lasten. Der Weg durch den matschigen Acker oder das hügelige Waldgebiet wären doch so bequem zu überwinden? Aber dabei muss klar sein, dass die Rollwagen weder dazu geeignet noch dafür gedacht sind, geländetaugliche Fahrzeuge zu ersetzen und große Strecken zurückzulegen. Sie sind eine Entnahmehilfe und Systemkomponente, kein „Klein- Einsatzfahrzeug“. Vereinzelt haben schon Feuerwehren größere Luftreifen geordert. Dabei muss aber klar sein: Je größer der Reifen, desto wackeliger wird das Fahrverhalten des Wagens (auch in Abhängigkeit zur Höhe). Für eine Leichtläufigkeit ist stets ein großer Druck auf den Reifen erforderlich, der Lenkradius verändert sich, weil mehr Platz zum Schwenken erforderlich ist. Auch hier gilt: Wer sich bewusst für eine Ausführung jenseits von asphaltierten Straßen entscheidet, sollte sich gezielt beraten lassen. Und: Bei Einsätzen in brand- und explosionsgefährdeten Bereichen sollte auf antistatische Rollen geachtet werden – so die Fachempfehlung.

Auch Rollwagen müssen sicher transportiert werden

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Rollwagen für eine Tragkraftspritze der Günzburger Steigtechnik.

Neben den Rollwagen selbst ist auch die sichere Verlastung und Befestigung im Fahrzeug ein wichtiges Element. Auch für Nachrüstungen gibt es Systeme, die eine Arretierung von einzelnen Rollwagen und einer ganzen Reihe von Rollwagen ermöglichen. Stellvertretend sei hier das Ladungssicherungssystem der Firma Hensel genannt, das auf einer seitlichen Schiene sowie Einzelhaltern und Haltestangen basiert.

Übrigens: Wer über die Einführung von Rollwagen in einer Feuerwehr nachdenkt, sollte sich zunächst Gedanken um ein Gesamtsystem machen: Was wird derzeit benötigt, was könnte in Zukunft noch kommen, welche Komponenten werden im Ersteinsatz benötigt, was gilt als Nachschub? Die langfristige Planung die in einem Großauftrag mündet, kann mitunter Geld sparen. Das schafft im Bedarfsplan finanzielle Reserven für andere Ausgaben.

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