Donnerstag, 19. Januar 2017

Im Rampenlicht – Tipps für den eigenen Image-Film

Werbung wird für freiwillige Feuerwehren immer wichtiger – vor allem um Mitglieder zu gewinnen. Viele Wehren setzen dabei auf Videos. Keine schlechte Idee. Doch so manche Produktion schafft genau das Gegenteil von dem, was sich die Macher erhoffen: Die Betrachter schütteln fassungslos mit dem Kopf. Wir geben Tipps, damit das nicht passiert.

Wer sich in den großen Videoportalen den Spaß macht, nach dem Begriff „Imagevideo + Feuerwehr“ zu suchen, findet schnell eine beachtliche Zahl von Treffern. Und nach der Sichtung der ersten paar Videos stellt der Betrachter fest: Die Filme ähneln sich oft frappierend. Erst wird die heile Welt im lokalen Dorf oder der Stadt gezeigt, vielleicht auch die ehrenamtlichen Feuerwehrleute im Alltag. Dann bricht plötzlich irgendwo ein Brand aus. Die Leitstelle alarmiert und schon flitzen die freiwilligen Feuerwehrleute vom Arbeitsplatz oder aus der Freizeit zum Feuerwehrhaus, um sich auszurüsten und auszurücken. Manche der Kurzfilme begnügen sich mit diesen Szenen, andere hängen noch einen gestellten Einsatz hinterher.

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Dreharbeiten für einen eigenen Imagefilm bei der Feuerwehr Garding (SH). Gemeinsam mit dem Rettungsdienst wird eine Türöffnungsszene gedreht. Die Bilder, die der Kameramann einfängt, werden sofort auf einem Kontrollmonitor gesichtet. Foto: B. Peschke

Die ähnliche Grundform erlaubt einen Vergleich. Und dabei steht für den Betrachter schnell fest: Die Qualität der Filme ist sehr unterschiedlich. Da gibt es Streifen, die derartig unscharf und verwackelt sind, dass nur noch das Wegklicken vor einer drohenden Übelkeit rettet. Da gibt es übersteuerte Tonspuren und miserable bis gar keine Schnitte. Und immer wieder wird die Filmmusik von Hans Zimmer aus dem USFilm „Backdraft“ eingesetzt – vermutlich in vielen Fällen ohne sich um das Urheberrecht Gedanken zu machen. Oft wirkt das Symphonieorchester auch völlig deplatziert – etwa wenn das kleine Tragkraftspritzenfahrzeug mit Starktonhupe über eine menschenleere Gemeindeverbindungsstraße rumpelt – und anschließend eine StandbildSchau einer Ölspurbeseitigung folgt…

Doch es gibt auch positive Beispiele. So haben sich zum Beispiel die Feuerwehren aus Garding (SH) und Griesheim (HE) intensiv Gedanken gemacht und ihre Filme aufwändig inszeniert und produziert – ohne Profis anzuheuern. „Allein die Postproduktion hat sich über ein halbes Jahr hingezogen, weil immer wieder kleine Feinheiten ausgebessert werden mussten“, berichtet Moritz Bechtold, Zweiter Vorsitzender vom Verein der Feuerwehr Griesheim.

Auch in Garding waren die Mitwirkenden allein vier Wochen mit der Nachbearbeitung beschäftigt. Und der Gesamtzeitbedarf? „Für die Gesamtumsetzung eines solchen Projekts scheinen sechs Monate angemessen“, schätzt Rettungsassistent Sebastian Wollscheid, der zum Gardinger Filmteam gehörte. Und als Faustformel hält er einen Drehtag pro Filmminute für realistisch.

Drei Dinge sind notwendig

Wer einen Werbefilm für die Feuerwehr drehen möchte, benötigt drei Dinge:

  1. ein Konzept samt Drehbuch und Storyboard,
  2. eine technische Ausstattung, die einen soliden Mindeststandard garantiert (Bild und Tonqualität) sowie
  3. eine gute Nachbearbeitungsmöglichkeit mit einem leistungsfähigen Rechner, guter Schnittsoftware und eventuell auch ansprechender Musik samt professionellem Sprecher.

Klar ist: ganz ohne Fachkompetenz wird es kein Laie schaffen, einen Film zu produzieren, der die Zuschauer anspricht. Studenten aus entsprechenden Fachrichtungen (etwa aus Filmhochschulen) könnten die richtigen Ansprechpartner sein, um so etwas kostenneutral oder günstig zu realisieren. Der ABC-Zug München-Land beispielsweise verwirklichte seinen Werbespot (siehe Feuerwehr-Magazin 3/11) mit Hilfe von Filmstudenten. Vielleicht ist es auch möglich, mit Hilfe von Sponsoren und Fördervereinen echte Profis zu beauftragen. Wer es ganz alleine machen möchte, sollte sich in die Materie einlesen – entsprechende Fachliteratur gibt es zuhauf.

Ein häufiger Fehler bei den Laienfilmen im Netz ist die Länge der Filme. Minutenlange Selbstdarstellungen schaut sich insbesondere im Web kaum jemand mehr an. Der schnelle Klick und Konsum ist gefragt, gerne auch lustig gemacht. Die Länge von Kinotrailern von rund zwei Minuten kann als Anhaltspunkt gewertet werden. Wer nicht explizit eine Reportage oder einen ausführlichen Imagefilm drehen möchte, sollte bei einem Trailer etwa 90 Sekunden Spielzeit planen.

Wer sich für die Marschrichtung entschieden hat, braucht ein Grundkonzept: Welche Aussage soll der Clip haben? Geht es um Mitgliederwerbung? Geht es darum, dem Gemeinderat unterschwellig die nächste Beschaffung schmackhaft zu machen? Sucht der Förderverein neue Geldgeber? Gute Ideen entstehen oft im „Brainstorming“ – eine kleine Projektgruppe, höchstens fünf Personen, sollte die Gedanken fassen, um einen roten Faden, den Handlungsstrang, zu entwickeln. Dabei sollte auch die Wehrführung – zumindest in den entscheidenden Phasen – eingebunden werden, damit frühzeitig Absprachen getroffen werden. So könnte am Ende eine ganze Produktion wegen unterschiedlicher Auffassungen unveröffentlicht in den Papierkorb wandern.

In Garding haben die Mitwirkenden von Anfang an zwei Teams gebildet – ein Filmteam und ein Logistikteam. Letzteres kümmerte sich um die Organisation von Geräten, die Mannschaftseinteilung nach Drehtagen sowie Drehorte samt dazugehöriger Genehmigungen. Und auch um das Essen: „Der Aufwand zur Verpflegung einer halben Wehr für einen ganzen Drehtag ist nicht zu unterschätzen“, berichtet Wollscheid.“Ein drittes Team für die Verpflegung kann sinnvoll sein.“

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Eine ruhige Kameraführung ist wichtig: Bei den Dreharbeiten setzt die Feuerwehr Garding auf Stativ und Kamerawagen. Foto: B. Peschke

Ohne Drehbuch geht nichts

Es folgt die Erstellung des Drehbuches, auch Storyboard genannt. Am besten, mit Hilfe einer dreispaltigen Tabelle. Ganz links kommen die Zeitangaben (möglichst keine Einstellung über vier Sekunden) rein. In der Mitte wird die Bildbeschreibung notiert oder gar aufgezeichnet, je konkreter, desto besser. Rechts wird der Text verfasst, der bei der Nachbearbeitung am Mikrofon aufgesprochen wird – wenn es denn einen solchen „OffSprecher“ geben soll. Weniger ist manchmal mehr. Gerade ungeübte Sprecher oder mit starkem Dialekt können ein komplettes Video ruinieren.

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Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Herzpochen als Hintergrundgeräusch, Filmsequenzen die mit Schwarzblenden ein und wieder ausgeblendet werden, oder vielleicht doch die klassische Erzählgeschichte eines Einsatzes? Aber: Dabei nicht übertreiben. Die Feuerwehrarbeit ist mitunter spektakulär, aber nicht nur. Szenen von Atemschutzträgern, die bewusstlose Kinder auf den Armen tragen oder sich gewaltigen Feuerwänden gegenüber sehen, sind bildstark und beeindrucken. Doch wie wird der neu hinzu gewonnene Kamerad reagieren, wenn er merkt, dass solche Einsätze bei einer kleinen Feuerwehr die Ausnahme bleiben? Werden womöglich Möchtegernhelden angeworben, die sich nicht sozial in die Kameradschaft integrieren können, weil sie eigentlich nur scharf auf spektakuläre Einsätze sind?

Umgekehrt darf auch nicht untertrieben werden. Wer nur Aufnahmen vom letzten Kameradschaftsabend, der Weihnachtsfeier und einem Ausflug zusammenschneidet, läuft Gefahr für den Dienstbetrieb eher ungeeignete Menschen anzusprechen, die ausschließlich an Geselligkeit interessiert sind – nicht an anspruchsvoller Ausbildung.

Ausrüstung oft einfach zu organisieren

Die Ausrüstung ist heute einfacher zu organisieren, also noch vor wenigen Jahren. So verfügen etwa bessere digitale Spiegelreflexkameras (DSLR) über FullHD-Videoaufnahmefunktionen, die von vielen Fachleuten sogar als qualitativ höherwertig, als manche Videokamera angesehen werden. Der Einsatz von DLSR in der Oberklasse ist übrigens bei der Produktion von ProfiWerbespots längst Standard. Auch Zubehör wie Mikrofon (auch für DSLR), Steadycam (ein Tragegestell für eine mobile Kamera) oder gar Dolly (Kamerawagen auf Schienen) sind heute nicht mehr unbezahlbar und können oft auch ausgeliehen werden (zum Beispiel bei Kreisbildstellen, Öffentlicher Kanal, Produktionsfirmen, etc.). Mit etwas Phantasie und Übung lassen sich solche Geräte auch improvisiert ersetzen. In Garding baute sich das Filmteam zum Beispiel den Kamerawagen selbst. Und auch eine Drehleiter kann einen Kamerakran ersetzen.

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Von der Technik abgesehen ist die Organisation der Dreharbeiten für Feuerwehren die größte Herausforderung. „Alle Darsteller waren bei uns Feuerwehrleute und haben natürlich in ihrer Freizeit mitgearbeitet. Und dann einen Termin zu finden, an dem alle Darsteller und die Crew Zeit haben und nichts vergessen wird, war wirklich nicht einfach“, merkt Bechtold rückwirkend an. Mit ähnlichen Problemen kämpften auch die Kollegen in Garding. „Sofern es möglich ist, kann man Zeit sparen, indem man bestimmte Einstellungen vorher dreht“, mein Wollscheid. „Für das Ausrücken von Einsatzfahrzeugen müssen zum Beispiel nur die Fensterplätze besetzt sein und man kann es irgendwann zwischendurch mal drehen. Das spart wertwolle Zeit an Hauptdrehtagen.“ Überhaupt sind auch kleine Tricks erlaubt: Für Statistenrollen – etwa Feuerwehrleute, die unscharf im Hintergrund vorbeilaufen – können durchaus Freunde oder Nachbarn mit einspringen. Und es muss ein wenig Zeitpuffer vorhanden sein: schlechtes Wetter oder Krankheiten bringen so manches Projekt in Verzug.

Schon frühzeitig muss sich die Filmcrew Gedanken um Drehorte, Genehmigungen und Einstellungen machen. „In der guten Vorarbeit liegt der Schlüssel zum gelungenen Ergebnis. Wir hatten am Drehort immer unser Setbuch dabei, welches alle Informationen, das Drehbuch, Ansprechpartner, Genehmigungen und Drehpläne beinhaltete. Dadurch konnten wir viel Zeit sparen“, sagt Bechtold.

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