Sonntag, 28. Mai 2017

Klage zurückgezogen: Feuerwehrmann vergibt schubsendem Porschefahrer

7. Februar 2017 von  

Markt Nittendorf (BY) – Es klingt unglaublich: Obwohl ein Porschefahrer bei einem Einsatz auf der Autobahn gegenüber einem Feuerwehrmann handgreiflich und beleidigend geworden war, zog der Kamerad seine Anzeige bei Gericht zurück. Wie das Onlineportal mittelbayerische.de berichtete, war der Fahrer des Sportwagens am 20. März 2016 an einem Stauende zum Stehen gekommen. Die Feuerwehr sicherte die Einsatzstelle mit einem Sicherungsanhänger. Trotzdem fuhr kurze Zeit später ein VW Polo fast ungebremst auf das Stauende auf. Sieben Menschen wurden durch den Folgeunfall teilweise schwer verletzt. 

Als sich ein Feuerwehrmann unmittelbar nach dem zweiten Unfall auf der Suche nach Verletzten machte, beschimpfte der spätere Angeklagte ihn und seine Kollegen als „Volldeppen“. Sein Vorwurf: Sie seien unfähig gewesen, die Unfallstelle richtig abzusichern. Nach seinen Angaben wurde sein neuer, 175.000 Euro teurer Porsche deshalb bei dem Unfall zerstört.

Der Porschefahrer schubste den Feuerwehrmann und beleidigte ihn. Erst ein Passant und der Einheitsführer konnten die Situation beruhigen. Der Feuerwehrmann und die Gemeinde Markt Nittendorf erstatteten daraufhin Anzeige gehen den Porschfahrer.

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Obwohl ein Porschefahrer gegenüber einem Feuerwehrmann handgreiflich geworden war, zog der Kamerad seine Anzeige wieder zurück. Symbolfoto: S. Buchenau

Im Prozess räumte der Beschuldigte sein Fehlverhalten ein, wies jedoch darauf hin, dass er den Feuerwehrmann nur zur Rede habe stellen wollen. Seiner Meinung nach war die Absicherung der Unfallstelle nicht ausreichend. „Dass ein Unfall passiert ist, zeigt doch, dass ich Recht hatte“, so der Mann vor Gericht.

Im weiteren Verlauf des Prozesses zog der Feuerwehrmann seine Anzeige zurück: Das Verfahren gegen den Fahrer des VW Polo, den Unfallverursacher, sei eingestellt worden. Er könne es mit sich nicht vereinbaren, wenn der Angeklagte heute bestraft wird. Der Kamerad gab zu bedenken, dass er in der gleichen Situation vielleicht ähnlich gehandelt hätte. Schmerzen habe er durch den Angriff nicht erlitten. Kurze Zeit nach der Auseinandersetzung hätte er weiter den Verunglückten helfen können.

Für den Porschefahrer ging die Verhandlung glimpflich aus. Das Verfahren wurde gegen eine Geldbuße von 500 Euro eingestellt.

Hier geht’s zum Originalbeitrag: „Unfall: Porsche-Fahrer rastete aus“ (mittelbayerische.de, 6. Februar 2017)

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