Dienstag, 24. Januar 2017

Kein gutes Zeugnis für die Feuerwehr

14. Juli 2015 von  

Bremen – „Helden ohne Plan“, lautet die Überschrift eines Artikels von „Zeit Online“. So bissig wie die Überschrift ist auch der erste Absatz. „Wer hat noch einen Frauenanteil im einstelligen Prozentbereich und ein umso breiteres Angebot an sexistischen Kalendern?“ Der Autor, Burkhard Straßmann, ist um eine Bestandsaufnahme des Feuerwehrwesens in Deutschland bemüht. Der Trend zur Digitalisierung und Robotik in der Feuerwehr dient seiner Ansicht nach dazu, dem drohenden Personalmangel entgegenzuwirken. Verwundert zeigt sich der Journalist, dass die Zahl der Brände und Brandtoten seit Jahrzehnten nicht rückläufig ist. Ein Grund könne nach Ansicht des Autors darin gesehen werden, dass bei der Feuerwehr viel nach „Pi-mal-Daumen“ laufe.

Artikel: „Helden ohne Plan“ (14. Juli 2015, Zeit Online)

Symbolbild Feuerwehr. Foto: Timo Jann

Symbolbild Feuerwehr. Foto: Timo Jann

Kommentare

12 Kommentare zu “Kein gutes Zeugnis für die Feuerwehr”
  1. Jens Kohnke sagt:

    dass bei der Feuerwehr viel nach „Pi-mal-Daumen“ laufe. Ei Jornalist der soetwas schreibt war noch nie in der Feuerwehr bzw. hat einen reellen Einsatz mit erlebt.

  2. Thomas sagt:

    Die Zahl der Brandtoten mit den Feuerwehren in Verbindung zu bringen halte ich für falsch. Der VB mit seiner Rauchmelderpflicht spielt meiner Meinung nach die entscheidende Rolle. Trotz Rauchmelderpflicht hat sich bei vielen nichts geändert. Ich arbeite beim Rettungsdienst, wo ich in sehr viele Wohnungen komme und dort finde ich nicht mehr Rauchmelder vor, als noch vor der Rauchmelderpflicht!!! Warum gibt der Gesetzgeber in diesem Bereich nicht schärfere Gesetze vor wie für den Schornsteinfeger. Der überprüft unsere Heizung auf Abgase, obwohl dies bei unser bivalenten Heizung unsinnig ist – die Überprüfung der Rauchmelder wäre doch sinniger!!! Die These der Zahl der Brandtoten der Feuerwehr in die Schuhe zu schieben halte ich für unsinnig!!! Gruß, Thomas

  3. kenny sagt:

    Lieber Jens Kohnke, dass Journalisten in der BRD Artikel ohne Sachkenntnis und ohne mit den Betroffenen vor Ort gesprochen zu haben schreiben und das auch publiziert wird ist leider der Regelfall geworden. Wir können das hier in Gießen und der bekannten Problematik von mutwilligen Fehlalarmen in der Hessischen Erstaufnahmeeinrichtung immer wieder erleben. Schlimm ist, dass durch diese Art selektiver Berichterstattung die Meinung von Lesern, die sonst mit der angesprochenen Thematik nichts zu tun haben, beeinflusst wird – hier negativ, was an der Sache völlig vorbeigeht. Deshalb : Beschwerde an den Presserat einreichen, damit sich diese Art von Journalisten wenigsten dann profund mit der Sache beschäftigen müssen, um eine plausible Rechtfertigung für ihre tendenziöse Darstellung zu liefern.

  4. Frank Kliem sagt:

    Das der Autor des Artikels sich nicht mit dem Thema beschäftigt hat und auch keine Angehörigen der Feuerwehr befragt, hat kann man nicht sagen. Viel mehr Sachverstand kann man nicht erwarten. Im Gegenteil, nach dem 1. Absatz dachte ich schon es käme noch aggressiver.
    Gerade auf der INTERSCHUTZ hätte ihm auffallen müssen, wie viele Frauen anwesend waren, sich dort in Wettkämpfen gemessen haben und was speziell für sie angeboten wurde.

    Es wurden aber durchaus richtige Punkte angesprochen. „Pie mal Daumen“ geht bei einer Lagebeurteilung nun mal am schnellsten. Und mein „Bauchgefühl“ resultiert aus Erfahrung. Da kein Einsatz wie der Andere ist, sind es genau diese beiden Parameter um sicher, schnell und ergebnisorientiert Entscheidungen zu treffen. Das macht nun einmal einen Feuerwehreinsatz aus. Ich habe mit einer solchen Berichterstattung wenig Probleme, denn es ist kein Fachmagazin.

  5. Klaus sagt:

    Diese und ähnliche Berichte machen es den, um Objektivität bemühten, Journalisten (meistens freie Mitarbeiter) so schwer an Einsatzstellen zu Informationen zu kommen. Ich selber habe vor Jahrzehnten, Brand in einem Hochhaus erleben müsse, daß der, ansonsten gut bekannte örtliche Journalist mit der Schlagzeile glänzte „Mit den freiwillen Rettern kam das Chaos“. Nach einem intensiven Gespräch sah er den Fehler ein und es ergab sich wieder eine gute Zusammenarbeit. Hier erscheint mir aber nicht nur Hopfen und Malz verloren zu sein sondern ein besonders perfider Plan geschmiedet worden zu sein um die vielen, oft ehrenamtlichen, Kräfte zu verunglimpfen. Dieser sogenannte Journalist hat es eigentlich nicht verdient hier genannt zu werden aber dennoch sollte sich der Chefredakteur einmal seiner Verantwortung bewusst werden und hier einschreiten. Ich denke eine Entschuldigung ist kaum zu erwarten aber den Namen sollte man sich merken auch wenn ich kaum glaube das dieser Herr jemals an einer Einsatzstelle war.
    Der DFV und die LFVen sollten „Die Zeit“ aus den Presseverteilern streichen.

    mit kameradschaftlichen Grüssen

    Klaus

  6. Thomas Krause sagt:

    Dieser Artikel ist doch wie die meisten Artikel (egal welcher Art) tendenziös. Das bringt Quote, dasbringt Leser. Leider ist diese Art zu berichten sehr weit verbreitet in Deutschland und es ist egal ob es große Blätter oder die Dorfzeitung sind. Mein Vater war auch Journalist. Allerdings einer der es von der Pike auf gelernt hatte. Er sagte immer (und hat aber nicht danach verfahren) „Hund beißt Mann interessiert niemand. Mann beißt Hund und Du bist auf der Titelseite!“. Es hilft nur die Presse einzuladen und den Leuten mit Sachkunde zu begegnen. Ist relativ schwierig, weil ein Teil alles besser weiß. Bestes Beispiel war doch der Brand in einer Feuerwehrunterkunft, in dem indirekt vom Schreiber vermutet wurde, dass die FW selbst den Brand gelegt hat. Es geht leider nur noch um die Quote.

  7. Wolfgang sagt:

    Hallo aus .at!
    Ich persönlich finde den Artikel nicht so schlimm. Frauenquote hin oder her ist mir egal = unsere Frauen entscheiden selbst, was sie wollen. Sexistische Kalender na und? Der Journalist kennt nicht alle Aufdrucke auf den verschieden Leiberln der Wettkämpfer. Die Faszination für schöne und große Feuerwehrautos teilen wir doch alle! Daß die Forschung nicht so erscheint wie sie erscheinen soll ist nur der Vermarktung durch die Feuerwehrverbände zuzuschreiben. Das mit den Brandtoten ist nicht ok, da die Bevölkerung wächst.

    Viele Grüße!
    Wolfgang

  8. Karsten sagt:

    Wenn man den ganzen Artikel liest finden sich darin einige richtige und gute Aussagen: 1.Der Brandschutz in Deutschland funktioniert, das stellt der Autor nicht in Abrede. Er könnte besser funktionieren, das ist aber kein Geheimnis.
    2.Er ist Ländersache bzw auf der Ebene der Kommunen geregelt, darum hat es die systematische Forschung sehr schwer und fand seit der Orbit Studie kaum statt, und bei der ging es eigentlich um ein optimiertes Fahrzeugkonzept und nicht um ein Brandschutzkonzept im Ganzen.
    3.Der kritische Wohnungsbrand als Schutzziel ist relativ beliebig definiert und reicht für eine umfassende Planung einer Feuerwehr überhaupt nicht aus. Ereignisse auf Verkehrswegen, in Altenheimen, Versammlungsstätten etc sind nicht Schutzzielrelevant! Insofern ist da ganz viel „Pi-mal-Daumen“ im Spiel wenn man einen Brandschutzkonzept erstellen will. Der Gesetzgeber hat Vorgaben
    dafür geschaffen die im Großen und Ganzen funktionieren, aber sie haben eine rechtliche und keine wissenschaftliche Grundlage. Was man auch daran sehen kann das die Vorgaben zwischen den Bundesländern zum Teil stark variieren.
    Von einigen Wenigen (VFDB, Uni Wuppertal, AGBF, BF Frankfurt/M) wird daran gearbeitet, aber selbst die meisten großen Berufsfeuerwehren sind zu sehr im Alltagsgeschäft eingebunden um sich darum zu kümmern.

    Um Zukunftsfähig zu sein braucht es mehr wissenschaftliche Grundlagen die dann die nötigen Argumente liefern um die Kritik zu widerlegen.

    Es reicht nicht auf den Autor/Politiker/Kritiker loszugehen mit dem Argument
    das er nicht in der Feuerwehr ist und somit keine Ahnung hat oder ihm zu wünschen das es mal bei Ihm brennt. Auch dumme Kritik erfordert fachlich kompetente Gegenrede und an den passenden Argumenten müssen Alle mitarbeiten.
    Der Rückhalt der Feuerwehren in der Bevölkerung ist sehr groß und bisher konnten sich die einzelnen Feuerwehren gegen Kritik, besonders aus der Politik, immer sehr gut wehren, aber es fehlt auch an einer bundesweit einheitlichen Brandschutzvertretung. Organisationen wie die VFDB, AGBF und sogar der DFV sind nicht so gut bekannt, sondern in der Regel sprechen die Vertreter der einzelnen Feuerwehren, das könnte in der Zukunft schwierig werden.

  9. Walter sagt:

    @Karsten
    Komm doch nicht mit Argumenten, bisher ist es mit Pi Mal Daumen immer gerade noch mal so gut gegangen.

    Was hier viele nicht sehen, ist das nicht eine einzelne Feuerwehr kritisiert wird, sondern das große Ganze. Das eine Studio von vor 40 Jahren nicht dem aktuellen Wohnungsbau abdecken kann, ist offensichtlich. Das ein Wohnungsbrand und ein Verkehrsunfall die gleiche Hilfstfrist haben, müsste auch irgendwie begrünet werden.

    Was stecken denn für Aussagen im Text? (Ich kann meinen Standpunkt wieder geben bzw. Zustand in unserer Wehr)
    – Feuerwehr hat geringe Frauenquote (Der Frauenanteil entspricht nicht der Bevölkerung, aber ist das soo schlimm. Unsere Damen haben neben jedem Kalender mit nackten Frauen einen mit nackten Männern hin gehangen.)
    – Feuerwehr ist immer noch atraktiv. (Ja. Wir geben uns mühe attraktiv zu sein. Unsere Arbeit muss für neue Mitgleider sinnvoll sein)
    – Demographischer Wandel ist problematisch (Geht so. Da muss gegengearbeitet werden, das Problem ist aber schon sehr lange bekannt.)
    – Vereinsmeierei ist problematisch (Ja. Schadet auch der Attraktivität. Bei uns will jeder in der Feuerwehr Feuer löschen, aber nicht jeder will ein Feuerwehrfest und in lustigen Uniformen marschieren.)
    – Personal wird knapp. (Wir kämpfen voll dagegen an, wir halten bzw. expandieren leicht. Aufgrund des Arbeitsmarktes ist unsere Tagesverfügbarkeit allerdings auch sehr bescheiden.)
    – Feuerwehrler sind von Technik begeistert (Oh ja, teilweise auch zu viel)
    – Digitalisierung, Automatisierung, Robotik (Bei uns läuft da nicht so viel sinnvolles. Das LUF60 kann auch nicht bei jeder Feuerwehr sein 😉 )
    – Drohnen (Nein, ist aber auch eher bei Großschadenslagen interessant. Damit das richtig gut funktioniert, braucht man viel Übung und die Informationen müssen dem EL gut aufbereitet gezeigt werden. Digitalisierung wäre hier großartig.)
    – Zahl der Brandtoten ändert sich nicht (Da wird der Journalist eine Quelle für haben. 400 im Vergleich z.B. zu den Verkehrstoten ist recht wenig)
    – akademische Feuerwehrforschung (eher in einem sehr geringen Umfang, wer gibt dafür Geld aus?)
    – Entwicklungen und Innovationen oftmals ausschließlich auf Erfahrungen, Abschätzungen und Bauchgefühl ( Geändert wird nur, wenn „HAben wir schon immer so gemacht“ in die Hose geht)
    – Das Schutzziel wurde in BW geändert, weil es nciht erfüllt wurde. (Feuer in BW brennt also ab sofort anders)
    – Die Schutzzeildefinition basiert auf einer alten unwissenschaftlichen Studie. (Ja, sie ist 40 Jahre alt und wissenschaftliche Kriterien werden nicht erfüllt)
    – Auch die neue Studie hat Schwächen, um die zu Beseitigen wird Geld benötigt, das es nicht gibt. (Wer gibt dafür auch Geld aus?)

  10. Max sagt:

    Bitte nicht urteilen, bevor man den ganzen Artikel gelesen hat! Meiner Meinung nach kommen wir mit den selbstverherrlichenden Heldenparolen nicht weiter, auch wenn das Ehrenamt anerkannt werden muss, keine Frage. Das werden aber nur Feuerwehrleute wissen, und die, die diesen nahe stehen. Der Artikel ist eine Möglichkeit, das heikle Thema an die breite Öffentlichkeit zu bringen und darauf aufmerksam zu machen, deshalb ist er nicht gleich zu verurteilen, auch wenn man das Thema sicher auch anders anpacken kann. Wir können uns über jede Art der Publizität freuen, hauptsache, man spricht darüber. Auf kurz oder lang werden wir unser demografisches Problem lösen müssen – und sei es mit einem vermehrten Technikeinsatz.

  11. Alberner Beitrag… viel plakativ angerissen, aber weder irgendwas sinnvoller recherchiert, noch gar irgendwelche Lösungsvorschläge

  12. Sueder80 sagt:

    Der Journalist ist über die Interschutz gegangen und hat sich ein Bild davon gemacht wie die Feuerwehr dort dargestellt wird. Wenn jemand ohne Fachwissen oder fachliche Begleitung über die Interschutz geht was sieht man den dann dort bzw was hinterlässt den größten Eindruck?

    die Vorstellung solcher guter Idenn wie die HAUS-Regel oder die halbnackten Damen am Kalenderstand.

    Man muss sich nur mal das Vorwort zum aktuellen Feuerwehrmagazin von Herrn Preuschoff durchlesen.

    Wenn der Journalist mitbekommt wie sich mancher Messebesucher dort verhält ist es kein Wunder das dabei ein sehr Feuerwehrkritischer Artikel rauskommt.

Kommentare

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