Freitag, 9. Dezember 2016

Wegen Warnbeklebung: keine Zulassung für LF

15. Januar 2015 von  

Dassow (MV) – Im Gerätehaus der Freiwilligen Feuerwehr Dassow (Landkreis Nordwestmecklenburg) steht seit beinahe drei Monaten ein nagelneues Löschgruppenfahrzeug (LF) 20 – aber es kann nicht eingesetzt werden. Dem Fahrzeug (Iveco mit Magirus-Aufbau) fehlt die Zulassung. Auslöser: die am Heck angebrachte reflektierende rot-weiße Warnbeklebung.

„Es besteht wohl Sorge, dass die Beklebung davor arbeitende Feuerwehrleute optisch schlucken könnte, wenn Autofahrer bei Dunkelheit auf das Einsatzfahrzeug zukommen“, erklärte Jörg Ploen, der Bürgermeister von Dassow, gegenüber feuerwehrmagazin.de. Dabei hätten sowohl TÜV wie auch Dekra bereits grundsätzlich grünes Licht für die Beklebung geben, so Ploen.

Nur versagte der im Landkreis zuständige TÜV bei der Zulassung seine Zustimmung, weil die die Stadt keine Sondergenehmigung des Landesbetriebs für Straßenbau und Verkehr (LBV) vorweisen konnte. Ploen: „In vielen Bundesländern gibt es für Warnbeklebungen bereits Allgemeinverfügungen, nur leider in Mecklenburg-Vorpommern noch nicht.“

Neues LF 20 der Feuerwehr Dassow: Die Warnbeklebung am Heck wird zum Problem. Foto: Feuerwehr

Neues LF 20 der Feuerwehr Dassow: Die Warnbeklebung am Heck wird zum Problem. Foto: Feuerwehr

Und so wurde der Bonus, den Magirus den Dassowern wegen einer verspäteten Fahrzeugauslieferung zukommen ließ, zum Bumerang. Das mit 3.000-Liter-Wassertank ausgestattete LF 20, das beim Stichwort Brandbekämpfung das Erstangriffsfahrzeug der FF Dassow sein soll, steht ohne Kennzeichen und somit nutzlos in der Garage. „Da kratzt man sich am Kopf, wenn man weiß, dass da eine Viertelmillion im Stall steht“, meint Wehrführer Daniel Selzer. Man habe zwar gewusst, dass man die Ausnahmegenehmigung benötigt, so Selzer, aber man sei davon ausgegangen, dass man die auch bekommt. Mittlerweile ist man schlauer.

Kurzzeitkennzeichen um Ausrücken zu können

Selzer: „Hier fahren gebrauchte Einsatzfahrzeuge im Landkreis, die mit der Beklebung gebraucht beschafft wurden, da war das wohl kein Problem bei der Zulassung. Und eine Wehr ist mit immer neuen Kurzzeitkennzeichen ausgerückt, weil es deren einziges Fahrzeug war, und die auch für eine Ausnahmeregelung für ihre Beklebung kämpfen mussten.“

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Nun hat Ploen Kontakt zu den zuständigen Landesministerien aufgenommen. Nach einem Treffen des LBV mit dem Innenministerium und dem Energieministerium (das hier federführend ist) steht jetzt wohl eine Ausnahmegenehmigung in Aussicht, heißt es. Ploen: „Uns wäre dann ja geholfen, aber was kommen muss, ist doch, wie in fast allen anderen Bundesländern, eine landesweite Regelung.“ Der Bürgermeister, der auch selbst Mitglied der FF Dassow ist, nennt es „makaber“, was gerade passiert. „Da will man etwas für die Sicherheit tun und bekommt dann solche Probleme, da fehlten mir anfangs echt die Worte“, sagt er.

Insgesamt kostete das neue LF 20 der FF Dassow 250.000 Euro, wovon die Stadt ein Drittel Zuschuss aus der Feuerschutzsteuer des Landeskreises und 75.000 Euro Zuschuss vom Land bekam. Es soll ein Fahrzeug aus dem Jahr 1989 ablösen.

Kommentare

29 Kommentare zu “Wegen Warnbeklebung: keine Zulassung für LF”
  1. gassi sagt:

    wie behindert ist das denn?

  2. Walter A. Schaupp sagt:

    es lebe der Sankt Bürokratismus

  3. M. Schwarzenberger sagt:

    Sorry, aber da verstehe ich die entsprechenden Stellen bei Planung und Beschaffung nicht. Ich informiere mich doch vorher, ob eine entsprechende Ausnahmegenehmigung vorliegt oder ich sie bekomme. „Wir sind davon ausgegangen…“ – da bleibt einem doch echt die Spucke weg.

    Zudem soll man nicht weinen, da es sich nur um eine Beklebung handelt, ist diese entsprechend schnell entfernt – und schon kann man das Fahrzeug einsetzen.

    Da greift mal wieder das bekannte Sprichwort Lesen und Informieren bildet…

  4. Jean sagt:

    Also wenn man sonst keine Probleme hat… Das ist mal wieder typisch für unser Land… Gutes versumpft, Gelder werden versandet, bzw. jetzt steht sich so eine sinnvolle Investition die Räder eckig…
    Ich glaube ja das der dafür Zuständige noch nie ein Feuerwehrauto im Dunklen gesehen hat und von der Warnwirkung keine Ahnung hat, das kommt davon wenn man nur weltfremde Bürohengste in den Behörden hat… Diese sollte man in irgend einen dunklen Aktenkeller verbannen… Zudem gehören die Gesetze so geändert das es überall zu keinem Problem mehr führt.
    Sonst werden ja auch alle Gesetze nach belieben geändert und angepasst wie es irgendwelchen Interessensverbänden passt, nur hier haben wir es mal wieder die Feuerwehr hat halt keine Lobby. Wir als Feuerwehrleute egal ob es der kleine Feuerwehrmann oder die Führungsriegen sind sollten alle gemeinsam und geschlossen für unsere Interessen auftreten und uns mehr einsetzen, denn auch das ist wichtig und nicht nur Leben retten.

  5. frank kl sagt:

    wenn wir die deutsche Bürokratie nicht hätten…..(Kopfschüttel)

  6. A. Kraus sagt:

    Das erinnert mich sehr stark an die Posse mit dem GW-Z in Rade Anfang der 90er!Mein Gott ey,wieso muß das immer so ein Affenzirkus sein,wen einmal eine Feuerwehr etwas wirklich Sinnvolles in Dienst stellt bzw. nutzt???

  7. Bernd Kofler sagt:

    Das ist typisch für unsere Beamtenbürokratie.Man wünscht sich dann,das die Verantwortlichen mal ordentlich Feuer unterm Ar… haben,und kein Löschfahrzeug kommen kann.

  8. G-Wart sagt:

    Typisch deutsche Bürokratie. Dabei können Rettungsfahrzeuge gar nicht auffällig genug sein!

  9. Oliver Höver sagt:

    Wenn ich das richtig verstanden habe ist diese Warnaufkleber eine Zugabe der Fa. Magirus, wegen der Verspätung der Auslieferung.
    Die Aussage es könnte ein Feuerwehrmann durch die Aufkleber Event. übersehen werden…..? geht’s noch?
    Wer das Fahrzeug nicht sieht und warum auch immer da drauf fährt, dann ist auch egal ob da auch noch ein Feuerwehrmann stand.
    Das hat doch keine Änderung wenn der Feuerwehrmann gut sichtbar gewesen wäre! ODER?

  10. bd112 sagt:

    Das eine Warnbeklebung an Einsatzfahrzeugen Sinn macht und die Sicherheit erhöht ist unstrittig. Trotzdem gibt es eine eindeutige Rechtslage, die diese Form der Beklebung nicht erlaubt.

    Es gibt viele Dinge die sinnvoll oder einfacher währen, aber auf Grund von Gesetzen oder Vorschriften nicht legitim sind. Das ist so und daran muss man sich, wenn auch zähneknirschend, halten.

    Hier haben die für die Beschaffung Verantwortlichen schlicht und einfach Scheiße gebaut. Man kann nicht einfach etwas, das nicht erlaubt ist, durchziehen, und dann hoffen das es im Nachgang legitimiert wird und wenn nicht die Schuld bei anderen suchen!

  11. HuiBuh sagt:

    Man achte LBV = Landesbetrieb (GmbH ) aha kan man ja mal drüber nachdenken

  12. Frank sagt:

    Das Fahrzeug umkleben zu lassen kommt den Verantwortlichen wohl nich in den Sinn?

  13. Dennis sagt:

    Ich bin selber ein Feuerwehr man und ich weiß das Feuerwehr Autos nie vor Feuerwehr Männern Steht das Fahrzeug ist immer zum Schutz der Feuerwehr Männer hin der Feuerwehr Leuten und nie Vor einem Kameraden.

  14. M. Brodersen sagt:

    Das ist wieder mal typisch deutschen „Korinthenkackerei“…
    Das haben Winterdienstfahrzeuge und Müllwagen eine rot/weße Warnmakierung an allen Ecken und Enden, aber die Feuerwehr darf nicht’s für die Sicherheit der eigen Leute tun, wie peinlich und rückständig ist bitte MV???
    Werben offiziell mit Zukunft und Fortschritt uns dann so etwas? Einfach nur peinlich!! Zeit, das eine Bundeseinheitliche Reglung kommt!!

  15. Luk sagt:

    Wieso fahren sie nicht mit roten Kennzeichen ? Es ist doch so das die kein Ablaufdatum ! Und sie kosten weniger
    Luk

  16. Ridon Dax sagt:

    Es lebe die gründliche, deutsche Bürokratie!

    Andererseits muss man echt mal die Frage stellen, ob bei LED-Heckblaulicht und gelben LED-Heckblitzern das LF ohne Aufkleber wirklich übersehen wird und es nicht einfacher wäre die Aufkleber zu entfernen.

  17. Jörg Michels sagt:

    Es wird endlich Zeit, dass es eine bundeseinheitliche Regelung gibt. Die Warnbeklebung schützt alle Kameraden an Einsatzstellen. Aber bei uns in Deutschland braucht die Politik so lange bis mehr passiert ist. In einigen Ländern der EG ist Warnbeklebung bereits vorgeschrieben, warum nicht bei uns? Bestimmt genau so eine „Never – Ending – Story“ wie das leidige Thema Digitalfunk.

  18. Ulf Tabbert sagt:

    In meinen 36,5 Dienstjahren bei der BF habe ich auch schon so manchen Amts-Schimmel wiehern gehört.
    Aber es hat noch kein Mensch gesehen, das diese Amts-Schimmel (oder auch Verhinderungs-Beamte genannt)laufen können. Stillstand und Rückschritt ist bei dieser Gattung von Steuergeld-Verschwendern die vorherrschende Gangart….

  19. ????? sagt:

    das ist doch nun nicht deren erst erst wollen sie das mehr leuchtstreifen am Fahrzeug gemacht werden das es kenntlich wird das dort eine gefahren stelle ist und nun so was das ist echt nicht mehr normal ?????

  20. derbe sagt:

    Ich hätte ja, mal eben das HEck abgeklebt mit einer billig Folie und dann das Auto genutzt… Im weiteren hätte ich dann für eine Erlaubnis gesorgt bzw. diese versucht zu bekommen… aber ich hätte das Auto nuten können..

  21. ...by... sagt:

    Logik?!?!?
    Wenn ich ein FW-Fahrzeug im Einsatz (Blaulicht+Warnblinker) seh, des noch zusätzlich mit ,,Warnaufklebern“ beklebt ist, versuch ich daran Vorbeizufahren… dann kann auch kein FW-Dienstleistender hinter den Fahrzeug über den Haufen gefahren werden… auserdem hat der Typ der die Zulassungen erteilt warsch. noch NIE etwas von WARNWESTEN gehört… diese sind leicht von einem Fahrzeug – Aufkleber zu unterscheiden…

    Sowas spricht mal wieder für DEUTSCHE-BEAMTEN-BÜROKRATIE^^

  22. Uli sagt:

    Die Verantwortung liegt nicht beim wiehernden Amtsschimmel sondern bei allen, die mit der Beschaffung befasst waren. Warum nicht eine andere Folie drüberkleben, bis eine Regelung getroffen ist?

  23. Peter Uhde sagt:

    Diese Meldung ist ein Gutes Beispiel für die Überregulierung in Deutschland. Die zaghaften Versuche der Bundesregierung zur Deregulierung sind bei den praxisrelevanten Themen noch lange nicht angekommen. Und über die Sinnhaftigkeit mancher Regeln nachzudenken, ist Müßig.

    Ich bin dafür, dass alle Einsatzfahrzeuge der BOS mit einer sehr auffälligen Warnmarkierung zu versehen sind und diese Warnmarkierung automatisch ein Überholverbot bedeuten. Eine Frage stellt sich mir in diesem Zusammenhang: „Ist die Art und Weise der Warnmarkierung abschließend durch Gesetz geregelt?“ Wenn nicht ist doch erlaubt, was nicht verboten ist.
    Mir begegnen im Straßenverkehr täglich Fahrzeuge mit Beklebungen der Rückseite. Das runde blaue Schild mit weißem Pfeil (ähnlich dem Verkehrszeichen 222-20) und das runde rote Schild mit weißem Querstrich (entsprechend Verkehrszeichen 267)sollen Dem Nachfolgenden Verkehr ein bestimmtes Handeln auferlegen. Doch gibt es eine entsprechende verkehrsrechtliche Anordnung der zuständigen Straßenverkehrsbehörden? Zwei Beispiele und so unterschiedliche Herangehensweisen.
    Dem Verweigerer der Zulassung sei hier noch einiges mit auf den Weg gegeben.
    1. Reihen Sie sich in Einheiten der BOS ein die im fließenden Straßenverkehr Menschenleben retten wollen und dabei ihre eigene Heut zu Markt tragen.
    2. Ein Behörden Vertreter ist nicht deshalb bedeutsam, weil es in seinem Ermessen liegt nicht eindeutige Regelungen auszulegen und dann auch mal eine Genehmigung zu verweigern.
    3. Reihen Sie sich in die Mannschaft derer ein, die für klare eindeutige und sinnvolle Rechtsnormen streiten.
    4. Erteilen Sie die Genehmigung, weil der Grund der Versagung hinter dem Schutz der Feuerwehrleute an Einsatzstellen zurück steht.
    5. Sind die Gemeinden in Ihrem Zuständigkeitsbereich tatsächlich finanziell so gut ausgestattet, dass sie eine Viertelmillionen Euro so unnütz in einer Feuerwache parken können.
    Für die Kameraden und auch für die Menschen, die eurer Hilfe bedürfen, hoffe ich dass es hier schnell eine gute Lösung gibt.

  24. Ridon Dax sagt:

    Fällt mir erst jetzt beim 2. Lesen auf: Also ich kenne Feuerwehreinsatzkleidung in Schwarz oder diese neuen gelblichen Anzüge. Aber die Kameraden müssen wohl in einer neuartigen rot-weiß-gestreiften Kleidung rumlaufen, wenn sie vor den Klebeflächen übersehen werden.

  25. H. Weller sagt:

    Das soll einer verstehen. Entweder gaanz schnell die Feuerwehr verlassen oder ne Selbstanzeige. Richter haben mehr Verstand.

  26. me Freddy Pfeffermann sagt:

    hallo zusammen,
    Ich frage mich gelten Gesetze u. Vorgaben der StVZO nicht bundesweit? Oder die EG Richtlienen europaweit. Es kann doch nicht sein das ein Fahrzeug in einem Bundesland eine Zulassung bekommt u. in einem andern nicht!!! das ist also die Globalisierung. In solchen Fällen sollten die Sachbearbeiter für die Schäden die nachweislich durch den nicht Einsatz von Rettungsfahrzeugen entstehen haftbar gemacht werden.

  27. Okerbaer sagt:

    Den TÜV möchte ich sehen, der eine temporär übergeklebte Beklebung abnimmt. Erst recht, wenn er sich zuvor schon so pingelig gezeigt hat.
    Was mir viel mehr Sorge bereitet, ist, dass Einsatzfahrzeuge immer mehr zu „Kasperbuden“ werden. Mehr oder weniger begabte „Florians-Designer“ müssen ihr neuestes Einsatzfahrzeug unbedingt so gestalten, dass es ja nicht aussieht, wie die Nachbar-Feuerwehr.
    Ich halte dagegen einen einheitlichen Wiedererkennungswert als Fw-Fahrzeug für einen ganz wesentlichen Aspekt der passiven Sicherheit. Insbesondere die „moderne“ schraffierte Heckwarnbeklebung läßt Feuerwehrfahrzeuge als solche immer uneindeutiger erkennbar werden. Großfläche Beklebungen oder Lackierungen in RAL 3024 waren dagegen eindeutige Alleinstellungsmerkmale und lösten optisch noch dazu die Größe des Fahrzeuges nicht derartig auf, wie es die kleinteilige Schraffur tut.
    Zum Beitrag von Peter Uhde: Ein generelles Überhol- oder Vorbeifahrverbot wäre gewiß manchmal für die Fw-Einsatzkräfte hilfreich. Allerdings ist es schlichtweg erforderlich und sinnvoll, dass ein durch Erkennbarkeit der Einsatzstelle gewarnter Induvidualverkehr aufrecht erhalten werden kann.
    Richtig ärgern kann ich mich über den Unsinn, dass (offiziel) mit der heckseitigen gelben Warnlichtleiste keine Richtung geschaltet werden darf. Als verkehrslenkende Maßnahme ist dieses allein der Polizei vorbehalten. Bei der bekannten Polizei-Präsenz an Fw-Einsatzstellen könnten gerade auch über die größeren Fw-Fahrzeuge weithin erkennbare Informationen an den auflaufenden Verkehr übermittelt werden.

  28. Mbb sagt:

    Dümmer geht´s nimmer, jetzt wird für Sicherheit noch eine Ausnahmegenehmigung benötigt. Armes Deutschland, hier liegt vieles im argen.

  29. Uli sagt:

    Für mich ist es bewundernswert, wie hier die Kommentare die Fehler der Beschaffer aufandere abwälzen. Noch darf die FW nicht machen,was sie will!

Kommentare

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