Verband: “Feuerwehrleute fühlen sich gemobbt”

Erfurt (TH) – Der Thüringer Feuerwehr-Verband sieht angesichts fehlender Unterstützung aus der Wirtschaft den Brand- und Katastrophenschutz im Freistaat gefährdet. Verbandschef Lars Oschmann sagte bei der 83. Verbandsversammlung in Erfurt, viele Feuerwehrleute fühlten sich am Arbeitsplatz “gemobbt”. Viele Chefs hätten kein Verständnis für das ehrenamtliche Engagement und würden nur sehen, dass ihre Mitarbeiter den Arbeitsplatz verließen, wenn der Piepser gehe. Deshalb hätten viele Kameradinnen und Kameraden Angst, ihren Arbeitsplatz zu verlieren, wenn sie während der Arbeitszeit zum Einsatz müssen.

Wappen Thüringer Feuerwehrverband“Bei allem Gewinnstreben darf man den Faktor Sicherheit nicht vergessen”, so Oschmann. Den Unternehmern müsse klar sein, dass auch Brände in ihren Firmen nicht gelöscht werden könnten, wenn nicht genügend Feuerwehrleute von anderen Firmen freigestellt würden. Feuerwehrleute zu beschäftigen, bedeute eben nicht nur im Einsatzfall “wegrennende” Arbeitskräfte, sondern im Ernstfall auch helfende Hände für das Unternehmen.

Als ein weiteres massives Problem für den Katastrophenschutz in Thüringen sieht Oschmann den Wegfall der Wehrpflicht. So stünden künftig keine Freiwilligen mehr zur Verfügung, die ihren Ersatzdienst in Katastrophenschutzeinheiten ableisteten. Auch die Bundeswehr wird nach den Worten des Vorsitzenden des Thüringer Feuerwehr-Verbandes nicht mehr über die personellen Ressourcen verfügen, mit denen im Katastrophenschutz geplant wurde. “Ein längerfristiger Katastrophenschutzeinsatz ist mit den uns nunmehr noch zur Verfügung stehenden Kräften undenkbar”, so das Fazit von Oschmann. Um eine Lösung zu finden, müssten sich alle Beteiligten an einen Tisch setzen.

Gegenwärtiges Katastrophenschutz-System in Gefahr

Der Vorsitzende des Thüringer Feuerwehr-Verbandes appellierte auf der Tagung an die Menschen im Freistaat, sich trotz aller Probleme stärker in den Feuerwehren zu engagieren. “Wenn jetzt nicht ein Ruck durch die Gesellschaft geht, wird das gegenwärtige System nicht erhalten werden können”, so Oschmann. Dann werde nur noch derjenige sicher sein, der es sich leisten könne. Er erinnerte daran, dass die Feuerwehren im 19. Jahrhundert aus einer Bürgerbewegung heraus entstanden. Alle hätten sich im Notfall geholfen. Inzwischen habe die Gesellschaft aber verlernt, sich zu helfen. Die engagierten Feuerwehrleute machten ihm aber immer wieder Hoffnung, so Oschmann. Deshalb habe sich der Verband zum Ziel gesetzt stärker zu vermitteln, dass es sich lohne, sich in den Feuerwehren in Thüringen zu engagieren.

Geld für Katastrophenschutz zweckfremd eingesetzt?

Auf der Tagung in Erfurt forderte der Thüringer Feuerwehr-Verband vom Thüringer Innenministerium klare Vorgaben zur Verwendung von Geldern des Katastrophenschutzes. Der Freistaat stelle den Landkreisen und kreisfreien Städten über die Auftragskostenpauschale jährlich Gelder für den Katastrophenschutz zur Verfügung, berichtete Verbandschef Lars Oschmann. Allerdings seien die Kämmerer nicht verpflichtet, dieses Geld auch für den Katastrophenschutz einzusetzen. Deshalb würden in einigen Kreisen und kreisfreien Städten die Gelder auch genutzt, um Haushaltslöcher an anderer Stelle zu stopfen. Diesem Vorgehen muss nach Ansicht von Oschmann umgehend Einhalt geboten werden. Die im kommenden Jahr geplante Novelle des Brand- und Katastrophenschutzgesetzes biete zudem die Möglichkeit, Details des Katastrophenschutzsystems zu überprüfen und an der einen oder anderen Stelle nachzujustieren.

2 Kommentare zu “Verband: “Feuerwehrleute fühlen sich gemobbt””
  1. Grundproblem: Für die meisten Menschen steht in Thüringen weniger auf dem Lohnzettel wie in den alten Bundesländern bei gleicher Position. Das bedeutet Abwanderung.

    Problem Arbeitgeber: Das Interesse der Arbeitgeber am Ehrenamt Feuerwehr ist nicht vorhanden. Das sie dadurch ihren Eigenschutz mit absichern ist keinem Arbeitgeber bewußt. Selbst bei Bewerbungen im öffentlichen Dienst interessiert es niemandem ob man das Ehrenamt Feuerwehr leistet. Das ist Unakzeptabel.

    Die Verantwortlichen jeder Gemeinde sind für das bald nicht mehr vorhandene Ehrenamt schuldig. Sie betreiben keinerlei Kommunikation zum Thema Feuerwehr mit den vor Ort ansässigen Firmen und Instituten. Das wird für Thüringen in den nächsten Jahren katastrophale Folgen haben.

    Ich persönlich wohne nur noch sporadisch am Ort meines Feuerwehr Ehrenamtes. Ich arbeite nun 2 Landkreise weiter. Unsere größte Freiwillige Feuerwehr des Landkreise ist tagsüber nur noch auf dem Zettel voll funktionsfähig und einsatzbereit. Die Verantwortlichen reden nur über Statistiken statt die Wahrheit aufzugreifen. In der Paraxis werden bald unötig Menschen dadurch zu Schaden kommen. Es fehlt der Eingriff der Politik.

  2. Nicht ganz falsch:

    Aber Grundproblem neben Abwanderung und Tagespendelbereichen von bis zu ist auch der 100 km ist auch der demografische Faktor wie in allen anderen Teilen der BRD auch.

    Heißt wir haben mehr verlässliche Zahlen was die altersbedingten Austritte betrifft,gegenüber den jungen Leuten die ggf. aus der Jfw nachrücken, die geburtenschwachen Jahrgänge schlagen jetzt voll durch,sicher gibts auch einige Ausnahmen.

    Quereinsteiger sind kaum vorhanden.

    Problem Belastung:

    Wieviele Einsätze z.B. Ölspuren werden durch Feuerwehren im Jahr abgedeckt…ist das wirklich nötig oder gäbe es nicht andere Alternativen???Sicher würden dann ggf. einige Wehren ihre “Daseinsberechtigung” verlieren bzw. in Frage gestellt, weil ggf. nur noch 1 Einsatz pro Jahr…….

    Problem Arbeitgeber:

    Sicher ist dem AG bekannt, das er ggf. seinen Eigenschutz riskiert, nur ist er auch dagegen versichert,bzw.kann er gern mit dem Argument kommen,das er ja schließlich Steuern an die Kommunen zahlt, somit seinen Beitrag auch leistet.
    Und von diesem Steuergeld entsprechend auch die Pflichtaufgaben der Kommunen-hier Brandschutz-übernommen werden müssen/sollen.
    Wenn der AG nun aber seine Arbeitskraft bzw. einen Mitarbeiter nun auch noch für z.B. 2-3 Stunden im Monat mit Anträgen zu Lohnkostenerstattung usw.auslasten muss/soll,und damit andere Arbeit liegen bleibt bzw.nachgearbeitet werden muss,wie soll er dieses dann in Rechnung stellen???

    Problem Verbände & Statistiken

    Natürlich ist jeder KFV & LFV interessiert positive Zahlen zu präsentieren,allerdings auf Kosten der Realität.
    Wenn wir die Statistiken bereinigen würden und alle sog. “Karteileichen” daraus verbannen würden…….aber das wird niemand gern sehen.

    Problem Einstellungen öffent. Dienst.

    Sicher wäre es kein Problem bei Neueinstellungen die Stelle für den Bauhofmitarbeiter auch zu 5 % allg.Feuerwehreinsatzdienst (in der Tagesalarmbereitschaft)mit Besuch der entsprechenden Lehrgängen auszuschreiben, gleichzeitig mit Besitz erforderl.Fahrerlaubnis für entspr. Fahrzeug vor Ort z.B. C1 oder C,ist aber derzeit scheinbar von der Politik nicht gewollt bzw.man verlässt sich darauf das derzeit noch genug Ehrenamtliche tagsüber erreichbar sind.

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