Unfallakte: Reifenplatzer als Todesgefahr

Köln/Deißlingen (NW/BW) – Im Rahmen seiner Präventionsreihe “Die Unfallakte” analysiert das VOX-Magazin “auto mobil” am Sonntag (06.12., 17.00 Uhr bis 18.15 Uhr) den tödlichen Unfall eines 20-jährigen auf der B 27 bei Deißlingen. Die Mercedes C-Klasse des jungen Mannes war mit hoher Geschwindigkeit von der Fahrbahn abgekommen. Durch den Zusammenstoß mit mehreren Bäumen wurde der Pkw regelrecht zerfetzt und der Fahrer getötet.

Der völlig zerstörte BMW. Foto: Polizei / VOX“Aufgrund der Beschädigungen an dem Auto war sofort klar, dass das Auto förmlich in den Wald hineingeflogen sein muss. An den Bäumen haben wir sogar Prellmarken in einer Höhe von 2,70 Meter gefunden”, erinnert sich Ulrich Effenberger von der Polizei in Rottweil noch genau an den Unfall. “Als ich dann zum ersten Mal die glatten Vorderreifen gesehen habe, habe ich gedacht: Das sind Formel-1-Reifen! Sie waren soweit heruntergefahren, dass man gar kein Profil mehr erkennen konnte“. Die Feststellungen der Polizeibeamten decken sich mit den späteren Untersuchungen eines Unfallanalytikers der Dekra. Tatsächlich ist nämlich ein plötzlicher Reifenplatzer am vorderen rechten Rad der Grund dafür, dass das Auto von der Fahrbahn abgekommen ist.

“Der vordere rechte Reifen wird zur Kurvenführung unbedingt gebraucht. Die hohe Geschwindigkeit im Zusammenhang mit dem Platzer hat dazu geführt, dass das Auto nicht mehr zu halten war”, beschreibt Dipl.-Ing. Jörg Ahlgrimm, Chef der Dekra-Unfallanalytik, in dem Filmbericht bei VOX. Rolf. D. Gerstenecker aus Balingen, der Vater des getöteten jungen Fahrers, schildert dem TV-Magazin, wie sehr der Unfalltod des Sohnes die gesamte Familie getroffen hat. “Wir waren fassungslos, als wir von den völlig abgefahrenen Reifen gehört haben. Wir hatten ihm den Mercedes doch extra gekauft, damit er bei einem Unfall möglichst viel Sicherheit um sich herum hat.”

Auch viele Monate nach dem Unfall falle es schwer, die ermittelte Unfallursache zu akzeptieren: “Ab diesem Zeitpunkt haben Sie Schuldgefühle. Und es fällt sehr schwer, täglich damit umzugehen”, sagt er im VOX-Interview. „Wenn wir nämlich von den Reifen gewusst hätten, wäre es sicherlich nicht zu diesem Unfall gekommen. So ein Reifen ist ja im Prinzip eine Lapalie, ein Verschleißteil.” Fehlende Erfahrung auch beim Umgang mit dem Gaspedal nimmt die Polizei in Rottweil als weitere Ursache für den tödlichen Unfall auf der B 27 bei Deißlingen an. Denn die Sachverständigen haben zudem festgestellt, dass der 20-jährige mindestens mit Tempo 150 statt erlaubter 100 gefahren ist.

Untersuchung der abgefahren Reifen. Foto: Polizei / VOXDie Eltern haben sich deshalb bei Freunden über den Fahrstil ihres Sohnes informiert. “Er galt im Freundeskreis als übervorsichtiger, umsichtiger Fahrer und hat nie ein einziges Strafmandat bekommen. Für uns ist es deshalb verwunderlich, dass er ausgerechnet am Unglückstag mit einer so hohen Geschwindigkeit unterwegs gewesen sein soll.” Doch hätte eine angepasste Geschwindigkeit den Unfall verhindern können? “„Auch bei geringerem Tempo wäre er von der Fahrbahn abgekommen, weil einfach zu wenig Zeit zwischen dem Zeitpunkt des Reifenplatzens und der möglichen Reaktion des Fahrers vorhanden ist”, schlussfolgert Dekra-Analytiker Ahlgrimm.

Nahezu täglich beschäftigt sich Rolf D. Gerstenecker mit den Umständen, die zum tödlichen Unfall seines Sohnes geführt haben könnten. Und dazu gehört auch die Tatsache, dass es am Unfalltag nebelig war. Ganz abgesehen deuteten weitere Verkehrsunfälle auf der B 27 bei Deißlingen darauf hin, dass der Streckenverlauf an dieser Stelle besonders gefährlich sei und besonders für Fahranfänger unvorhersehbare Risiken berge. Selbst über zwei Jahre nach dem tragischen Unfall des Sohnes wisse man nicht, wie spät sich der Unfall tatsächlich ereignet habe. Immerhin würde eine definitive Uhrzeit klären helfen, ob sich der 20-jährige am Unfalltag möglicherweise in akuter Zeitnot befunden habe.

Die Beitragsreihe “Die Unfallakte” bei “auto mobil” auf VOX blickt regelmäßig hinter die Kulissen von besonders schweren Verkehrsunfällen. Um die Seriosität und Sensibilität im Umgang mit Opfern und Beteiligten zu betonen, hat das nordrhein-westfälische Innenministerium die Serie mit einem Runderlass ausgestattet. In den letzten drei Jahren entstanden rund 60 Filmbeiträge, die von der NRW-Polizei auch für die Aus- und Weiterbildung von Polizeibeamten eingesetzt werden.

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