Samstag, 20. September 2014

Unfallakte: drei Tote am Bahnübergang

8. September 2010 von  

Kerken (NW) – Ende Juli 2009 forderte ein Verkehrsunfall an einem unbeschränkten Bahnübergang im niederrheinischen Kerken drei Todesopfer.  Ein Pkw war mit einem Nahverkehrszug zusammengestoßen. Diesen tragischen Unfall analysiert “Die Unfallakte” im VOX-Magazin “auto mobil” am kommenden Sonntag, den 12. September, von 17 Uhr bis 18.15 Uhr.

Tödlicher Unfall am Bahnübergang. Foto: "Die Unfallakte"

Eine dreiköpfige Familie stirbt bei diesem Unfall an einem Bahnübergang. "Die Unfallakte" von VOX analysiert den tragischen Unfall. Foto: VOX

Ein 23-jähriger BMW-Fahrer hatte das Rotlicht an dem Bahnübergang ignoriert. Die Analyse ergab, dass sich der junge Fahrer sehr wahrscheinlich vom Fehlverhalten eines anderen Autofahrers leiten ließ. Nach Aussage des Augenzeugen Peter Urban passierte ein anderer Pkw noch vor dem BMW den Bahnübergang bei Rotlicht. Der 23-Jährige fuhr hinterher und prallte mit den Zug zusammen.

Die Wucht des Zusammenstoßes war so gewaltig, dass der Zug zunächst aus den Schienen gesprungen war, dann allerdings wieder in das Gleisbett zurückkehrte. „Viele Zuginsassen standen unter Schock, andere hatten leichte Verletzungen“, erinnert sich Theo Cuypers von der Feuerwehr Kerken. „Wäre der Zug nicht zurück gesprungen, sondern umgestürzt, dann hätten wir durchaus viele  Schwerverletzte, wenn nicht noch mehr Tote zu beklagen gehabt“. Die 17-jährige Beifahrerin und ein Baby starben noch am Unfallort. Obwohl der BMW-Fahrer noch mit einem Rettungshubschrauber in eine Spezialklinik nach Nijmegen (Niederlande) geflogen wurde, erlag er dort seinen schweren Verletzungen.

Bereits beim Eintreffen der Polizei ließen das Aufleuchten der roten Warnleuchte und das Klingeln eines akustischen Signals erkennen, dass der junge Autofahrer die eindeutigen Hinweise am unbeschrankten Bahnübergang ignoriert haben musste.  “Ich habe noch versucht, ihn vor dem zweiten Zug zu warnen, aber es war spät. Ich musste zusehen, wie das Auto von dem  Zug erfasst wurde“, schildert Urban in dem VOX-Magazin “auto mobil”.

Unfall für die Kamera nachgestellt. Foto "Die Unfallakte"Die Polizei in Geldern (NW) leitete eine intensive Öffentlichkeitsfahndung nach dem Fahrer des Pkw ein, der die Gleise trotz Rotlichtes als erstes überquert hatte. Bislang ohne Erfolg. Juristisch gesehen hätte sich der unbekannte Autofahrer auch nur wegen eines so genannten „Rotlichtverstoßes“ zu verantworten. Roland Romainczyk vom zuständigen Verkehrskommissariat: „Dieser Autofahrer hatte durch sein Verhalten die Funktion eines Lockvogels und hat den BMW-Fahrer möglicherweise dazu verleitet, den Bahnübergang zu überqueren. Wir kennen solche Situationen auch aus anderen Bereichen des Straßenverkehrs. Man orientiert sich unbewusst am anderen und begeht den  gleichen Fehler. Wirklich schrecklich ist in diesem Fall, dass wahrscheinlich durch das Fehlverhalten des anderen Autofahrers das Leben einer ganzen Familie ausgelöscht wurde“.

Keinerlei Chance, dem Unfallgeschehen auszuweichen, hatte der Zugführer des Nahverkehrszuges. Denn selbst nach einer sofort eingeleiteten Notbremsung braucht ein solches Schienenfahrzeug einige hundert Meter, um zum Stehen zu kommen. „Der Zug verhält sich im Moment der Kollision wie eine bewegte Mauer. Das heißt: Es kommt eine Mauer mit einer Geschwindigkeit von 100 km/h auf den Pkw zu. Dadurch sind die Folgen solcher Verkehrsunfälle für beteiligte Pkw-Insassen auch meistens so verheerend“, erklärt Diplom-Ingenieur Guido Plum von der Dekra in Duisburg.

Inzwischen hat die Deutsche Bahn damit begonnen, viele der unbeschrankten Übergänge im Kreis Kleve mit einer Halbschranke auszustatten. Auch der Bahnübergang an der Unfallstelle gehört dazu. Der schwere Unfall mit drei Toten bei Kerken hätte mit Sicherheit verhindert werden können, wenn es vom ersten Antrag für die Halbschranke bis zur Fertigstellung nicht über zehn Jahre gedauert hätte.

(Quelle und Fotos: VOX – “Die Unfallakte”)

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