Dienstag, 25. Juli 2017

Übungsmessung führt zu brisantem Ergebnis

23. April 2012 von  

Büchen (SH) – Am Rande einer groß angelegten Katastrophenschutzübung am Samsag bei Büchen (Kreis Herzogtum Lauenburg) haben Experten des „Löschzugs Gefahrgut“ des Kreisfeuerwehrverbands völlig überraschend radioaktive Strahlung festgestellt, die nicht zum Übungsszenario gehörte. Die Herkunft und das Gefahrenpotenzial sind noch unklar.

Routinemäßig hatten die Einsatzkräfte ihr Erkundungsfahrzeug für Störfälle im Kernkraftwerk Krümmel an der Elbe bei Geesthacht in die Übung eingebunden – mit einem erstaunlichen Ergebnis. Das Messfahrzeug registriert während der Fahrt automatisch die vorhandene Strahlung und zeigt sie mit farbigen Punkten auf einer elektronischen Landkarte an. In Büchen reihten sich nach Informationen von feuerwehrmagazin.de zahlreiche dunkelrote Punkte aneinander. Sie deuten auf die höchste messbare Strahlungseinheit hin. Was genau gemessen wurde, darüber gibt es bisher keine Erkenntnisse.

Großübung in Büchen: Während des Trainingseinsatzes der Rettungskräfte stellte ein Messtrupp unerwartet eine erhöhte raktioaktive Strahlung fest. Foto: Timo Jann

Eigentlich wollten mehr als 300 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei auf dem Gelände nördlich des Heidewegs, das sonst die Bundespolizei für Übungen nutzt, den Einsatz nach einem Flugzeugunfall trainieren. Doch dann brachte der Einsatz des „Löschzugs Gefahrgut“ einiges im Ablauf durcheinander. „Da war die Aufregung plötzlich groß, als die roten Punkten auftauchten“, berichtet ein beteiligter Feuerwehrmann. Erst dachten die Gefahrgutexperten noch an einen Baustein des Übungsszenarios, doch dafür war die Strahlung einfach zu stark.

Ursache der Strahlung ist unklar

„Ja, wir haben da etwas gemessen, was da so eigentlich nicht hingehört. Das Ergebnis muss aber noch bestätigt werden, wir werden deshalb noch Kontrollmessungen durchführen“, erklärte Kreiswehrführer Michael Raddatz auf Nachfrage. Raddatz: „Man weiß bisher nicht, woher die angezeigten Strahlenwerte stammen.“ Es wurden eindeutig stärkere Strahlenwerte gemessen, als sie natürlich vorkommen.

Das 80 Hektar große Areal am Rande von Büchen ist in Besitz der Bundesanstalt für Immobilien-Aufgaben (BImA). Seit einiger Zeit ist das naturnahe Heidegebiet als Fauna-Flora-Habitat (FFH-Gebiet) klassifiziert, damit steht es unter besonderem Schutz. Doch was sich auf dem Gelände, das in den 60er-Jahren die Bundeswehr für ihre in Lanken und Wentorf stationierten Truppen als Schießplatz genutzt hatte, verbirgt, ist vermutlich unklar. „Wir haben ja kein Ortungsgerät in der Tasche, wir können so etwas nicht messen“, sagt Büchens Bürgermeister Uwe Möller: „Vielleicht sollte die Feuerwehr ihre Informationspolitik überdenken.“ Auch Karsten Steffen, Sprecher der Kreisverwaltung, zeigte sich überrascht, als er von den Feststellungen hörte. Dabei waren sowohl Möller wie auch Steffen während der Übung vor Ort.

Weitere Messungen sollen folgen

Der Messtrupp hatte seine Erkenntnisse umgehend an die Technische Einsatzleitung vor Ort gemeldet, die Mitarbeiter hatten dann den Kreiswehrführer informiert. „Eine sofortige Überprüfung der Messungen hat der Übungsrahmen nicht zugelassen“, verteidigt Raddatz die Tatsache, dass den überraschenden Messdaten nicht sofort auf den Grund gegangen wurde. Dabei hatte eine erste Kontrolle mit einem Handmessgerät die ersten Daten der Fahrzeugsonde bereits bestätigt. Dennoch wurde der Übungsablauf fortgesetzt. Nun soll es am Mittwochabend Kontrollmessungen vor Ort geben.

Wie gefährlich die am Sonnabend registrierte Strahlung für Menschen tatsächlich ist, müssen nun weitere Untersuchungen zeigen. Allgemein hängt die Gefährdung durch radioaktive Strahlung von der Aufenthaltsdauer in dem betroffenen Bereich ab.

Kommentare

24 Kommentare zu “Übungsmessung führt zu brisantem Ergebnis”
  1. xsbobo sagt:

    [quote]Sie deuten auf die höchste messbare Strahlungseinheit hin[/quote]

    Ich finde es sehr befremdlich das der Übungsverlauf hier vor die Sicherheit der Kameraden bzw. der Umgebung gestellt wurde. In so einem Fall ist meiner Meinung nach die Herkunft/ Ursache der Strahlung wichtiger als jede Übung.

  2. Udo K. sagt:

    Hallo ,

    ich gebe meinem Vorredner absolut recht. Es kann nicht sein das wenn erhöhte Werte gemessen werden gesagt wird man hätte wegen der Übung keine Zeit gehabt die Messwerte zu prüfen oder auszuwerten. Man hätte die Übung abbrechen müssen und sofort klären müssen was die Ursache für die erhöhten Werte sind. Da ist normalerweise die Wehrführung in der Pflicht.

  3. Notrufprotokoll sagt:

    Das ist ein bisschen Strahlung, kein Giftgas. Das ist weder lebensdrohlich noch sonst über eine Zeitspanne von wenigen Stunden schädlichen. In Tschernobyl leben immer noch hunderte Menschen in einem 10km-Radius um das Kraftwerk.

    Nur weil ein Messfahrzeug irgendwas misst muss man nicht eine lange geplante und überregionale Übung abbrechen.

  4. Martin Brühl sagt:

    Das hört sich ganz nach Uran-Munition und nicht nach Kraftwerk an.

  5. Sueder80 sagt:

    Wer sich etwas mit der Geschichte vom KKW Krümmel auskennt sollte wissen das es in der Umgebung des Kraftwerkes sehr viele Läukämie-Fälle gibt.

    Vielleicht ist man ja der Ursache einen Schritt näher gekommen.

    So wie es sich liest wurden ja wohl nach der Übung weitere Messungen durchgeführt bzw. werden noch weiter durchgeführt.

    Was die Übung angeht hier noch die Verlautbarung des Landrates:

    „Landrat Gerd Krämer und Kreiswehrführer Michael Raddatz waren sich einig, die Übung am Sonnabend weiterlaufen zu lassen. „Die gemessenen Werte sind zwar erhöht, liegen aber deutlich unter den zulässigen Höchstwerten“, so Krämer.“

    http://www.ln-online.de/nachrichten/3426202/radioaktive-strahlung-in-der-nuessauer-heide

  6. Dagmar Lukas sagt:

    Merkwürdig, hier die Dauer-Messung vom Bundesamt für Strahlenschutz zeigt nix dramatisches an:

    http://odlinfo.bfs.de/cvdata/010530202.php

  7. Horst sagt:

    @Notrufprotokoll
    Du checkst mal wieder nichts oder? Was steht im Text? Die Darstellung im Fahrzeug war die höchst möglich darstellbare! Hallo? Das ist normal und nicht schlimm? Aha und Uranmunition ist ja so ungefährlich? Dann google mal nach Uranmunition und deren folgen und wenn Du dabei bist dann auch gleich mal nach Tschernobyl und deren Opfern! Und welcher Bild-Artikel hat dir gesagt das in der Todeszone da Menschen leben? Die paar Leute die dort noch Leben bzw. bis heut überlebt haben sind auch alles andere als Gesund, nicht zu fassen solche Ignoranz! Ja und mal ehrlich Man muss ja nicht die ganze Übung absagen aber zumindest der Ursache auf den Grund gehen und wenn man dazu den Dekonzug von der Übung entbindet ist dies auch besser als so wie es gelaufen ist! Wäre ja so als wenn ein RTW auf dem weg zu einer Übung an einem echten Unfall vorbei fährt nur damit die Übung stattfindet!

  8. Holger Knecht sagt:

    Womoglich lesen wir in der Zeitung in ein paar Jahren, dass 70 % der bei der Übung beteiligten Personen Krebs haben. Aber es sind dann ja Einzelfälle. 🙁

  9. Mike sagt:

    Guten Morgen,

    Nüchtern betrachtet stelle ich für mich fest:

    * ich kann mir nicht vorstellen, dass der Erkunder für diese Übung zwingend von Nöten war. So hätte er sicherlich ohne Aufwand aus der Übung herausgelöst werden können. Für diesen Fall wären Belastungsmessungen möglich gewesen. Ebenso hätte über eine ausreichende Beschaffung von Dosimetern nachgedacht werden können.

    * Im Fälle eines Realeinsatz wäre bei den Messergebnissen wahrscheinlich ein riesen Faß aufgemacht worden, bis man die Strahlerquelle entdeckt hätte. Da stellt man doch jetzt die notfallmäßige Hilfe bei solchen Einsätzen in Frage. Schließlich stirbt man ja nicht direkt.

    Für mich nicht nachvollziehbar.

  10. Anwohner sagt:

    Hi,

    wenn es schon sehr schädlich sein sollte, geht es ja nicht nur um die Übungsleute, sondern auch um die Anwohner die direkt an diesem Gebiet wohnen !

    Die wären dann ja wohl evakuiert worden.oder nicht?

    Nur keine Panik machen

  11. Notrufprotokoll sagt:

    Mein lieber Horst, solange man weder Ahnung hat, was ein Messfahrzeug misst, und in welchen Messbereichen, noch wie, in welchem Zeitraum und welcher Dosis radioaktive Strahlung gesundheitliche Folgen hat, sollte man sich mit solchen Kommentaren wohl lieber zurückhalten.

    Und nein, das ist zwar sicherlich nicht gesund, wenn du sowas unter deinem Kopfkissen lagerst, aber auch nicht schlimm. Die abgegebene Dosisleistung musst du schon über mehrere Jahre aufnehmen, bevor da was passiert.
    Gefährlich ist radioaktive Strahlung nur über einen langen Zeitraum oder in extrem hoher Dosis.

    Uranmunition verwendet abgereichertes Uran und ist lediglich ein Alpha-Strahler, die Gefahr ist also praktisch nicht vorhanden, zumindest nicht für den Zeitraum einer Übung.

    Wieso sollte der Dekon-Zug dem ganzen auf den Grund gehen? Ist das die Aufgabe der Feuerwehr? NEIN! Bekommen wir das bezahlt? NEIN! Kostet das einen Haufen Geld? JA!

    Defacto ist hier gar nichts passiert, man hat eine erhöhte, aber weder grenzwertüberschreitende noch gefährliche Strahlung gemessen.
    Das ist auf Truppenübungsplätzen und in der Nähe von Kraftwerken nichts ungewöhnliches.

  12. Stupser sagt:

    @Sueder80

    Zitat von dir:
    „Wer sich etwas mit der Geschichte vom KKW Krümmel auskennt sollte wissen das es in der Umgebung des Kraftwerkes sehr viele Läukämie-Fälle gibt.“

    Woher hast du das denn wenn ich Fragen darf? Wikipedia?
    Hast du belastbare Studien dafür das das KKW Krümmel dafür verantwortlich ist?
    Denn erstens gibt es eine erhöhte Leukämie-Rate nur in der Elbmarsch in Niedersachsen (und komischerweise nicht in S-H) und zweitens gibt es auch noch andere Auslöser für Leukämie.

  13. Eisi sagt:

    Achja wenn hier so ne Panikmache mit Kernkraftwerken wieder hochkommt…An alle die jetzt mal Panik verbreiten oder schieben Der nächste Urlaub auf Malle per Flugzeug muss dann wohl ausfallen… Höhenstrahlung. Rauchen ist auch keine gute Idee. Tabakpflanzen lagern extrem gern radioaktive Stoffe ein. An die Mikrowelle würd ich mich auch nich so nah ranstellen…
    Der Atomaustieg so plötzlich war mal wieder ne Wetterhahn-Reaktion … alle Richten sich nach dem Wind der grad vorherrscht, die Energienetze sind nun mal in Hinsicht auf dezentrale Versorgung oder eben Nord-Süd Verbindung. Aber da der Strom ja aus der Steckdose kommt, wen juckts… und sonst könnte man ja Arbeitsplätze per Trimmdichrad und Dynamo oder auch Hamsterrädern schaffen.

    so back to topic, ist doch alles im Lot, es wurde was gefunden, das weitergegeben und es wird nachgeforscht.

  14. Sueder80 sagt:

    @ Stupser
    Ich sage nicht das es sich bei dem KKW Krümmel um die vernantwortliche Strahlungsquelle auf dem Übungsplatz handelt.

    Bisher wurde ja auch keine eindeutigen Beweise für den Zusammenhang Läukämie/KKW gefunden.

    Vielleicht sind diese Strahlungsmessungen jetzt aber ein wichtiger Hinweis darauf was die erhöhte Läukämierate verursacht hat.

Kommentare

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