Tödliche Gefahr am Gleis: Film klärt auf

Karlsruhe (BW) – Es dauert nur einen Wimpernschlag und der Styropor-Dummy, der vor eine einfahrende Stadtbahn geraten ist, liegt in mehrere Einzelteile zerfetzt zwischen den Gleisen im Bahnhof Ettlingen-Stadt. Schockiert und teilweise hilflos blicken Passanten auf das Kamerateam, das die Szene für einen Präventionsfilm der Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG) inszeniert hat.

167 Sekunden Filmmaterial sollen künftig Jugendliche sensibilisieren, im Bereich von Gleisanlagen umsichtiger zu sein. Mit der Umsetzung des unkonventionellen Präventionsfilms hat die AVG das Filmboard Karlsruhe beauftragt. Dabei wurde gezielt auf die Sprache der Zielgruppe geachtet. „Wir wollen die Jugendlichen berühren“, erläutert AVG-Geschäftsführer Walter Casazza, „daher greifen wir zeitgemäß auf einprägsame und teilweise schockierende Bilder zurück.“ Denn in der heutigen, actionreich geprägten Filmwelt, werden seichte und mit dem erhobenen Finger erläuterte Warnungen kaum ernst genommen. Gut gemeinte Aufklärungsbroschüren helfen zudem nicht weiter: Jugendliche werden damit vermutlich gar nicht erreicht. Deshalb geht die AVG als regionales Verkehrsunternehmen mit dem nun vorgelegten Kurzfilm völlig neue Wege.

Gleisüberquerungen trotz Rotlichts, auf dem Gegengleis einfahrende Züge ignorieren oder den Bahnsteig als Sitzgelegenheit zu missbrauchen: Zu all dem nimmt der Film Stellung. Im Mittelpunkt des AVG-Kurzfilms steht jedoch der Karlsruher Stuntman Marko König, der in einem spektakulären Stunt demonstriert, wie gefährlich sich Zeitdruck auf das eigene Leben auswirken kann. Von den folgenschweren psychischen Belastungen für die Eisenbahnfahrzeugführer hingegen berichtet der erfahrene AVG-Fahrer Markus Fettig. Zu den zweitägigen Dreharbeiten im vergangenen Sommer engagierte die Crew des Filmboards Karlsruhe auch eine handvoll jugendlicher Komparsen und Teenager aus Stadt- und Landkreis Karlsruhe, die gefährliche Gleisüberquerungen mimten.

Film ist rund drei Minuten lang

Der knapp dreiminütige Film zeigt seine Wirkung. Das hat eine erste Umfrage unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter von elf bis 20 Jahren ergeben, die das Ergebnis bei einer Vorabpräsentation zu sehen bekamen. Besonders schockierend fanden die Zuschauer die Demonstration mit der Styropor-Puppe. Über die Hälfte der 21 Probanden wurde durch den Film bewusst, in welche Gefahr sie sich tagtäglich begeben. 57 Prozent gaben an, nach dem Gesehenen künftig sogar noch besser aufzupassen.

Sven Eric Maier, der bei dem Videoclip Regie führte, vergleicht das Projekt mit „einer Art Action-Reportage“. Maier erklärt die Zielsetzung des Films damit, dass sich “bei den verschiedenen Gleisübertretungen temporeiche Sequenzen mit etwas ruhigeren Szenen abwechseln.”

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