Donnerstag, 29. September 2016

Supertanker: Ende in der Wüste

25. Juni 2014 von  

Mc Vinnville/Marana (USA) – Er sollte die Wunderwaffe bei der Waldbrandbekämpfung werden: der Supertanker der US-Firma Evergreen, eine umgebaute Boeing 747-132 (SF). Wenige Jahre nach der weltweiten Präsentation ist die hoch fliegende Idee gänzlich auf dem Boden gelandet. Die Betreiberfirma Evergreen hatte bereits zum Jahreswechsel Insolvenz angemeldet. Der Löschjumbo mit der Kennung „N479EV“ befand sich zu dieser Zeit – ohne große Ankündigung – längst in einem offensichtlichen Abwrackprozess in der Wüste Arizonas.

Vor dem Jahreswechsel waren Meldungen über sehr konkrete wirtschaftliche Probleme des Betreibers Evergreen International öffentlich geworden. Dass es der Firma – angefacht unter anderem durch die Finanzkrise – nicht mehr gut geht, war schon länger gemunkelt worden. Der Konzern hatte zuvor Teilbereiche des Unternehmens verkauft. Der Aircargo- und Luftfahrtdienstleistungs-Spezialist galt einst als Global Player, er flog unter anderem Material für die US-Army in den Irak und nach Afghanistan.

Schuldenberg von 500 Millionen Euro

Evergreen hatte noch im Dezember Meldungen von US-Medien ausdrücklich dementiert, wonach eine Insolvenz bevorstehen würde – und weitere Kommentare, auch zur Zukunft des Supertanker-Programmes, abgelehnt oder Fragen nicht beantwortet. Von „Gesprächen“ und einer „Restrukturierung“ war da noch die Rede. Zum 31. Dezember 2013 hatte Evergreen letztlich doch einen Gläubigerschutz bei einem Gericht in Delaware beantragt, auch für das Tochterunternehmen „Supertanker Services Inc.“. Sämtliche Operationen wurden damit offiziell beendet. Wie der Wirtschaftssender Bloomberg berichtete, lag die Schuldenlast des Unternehmens bei rund 500 Millionen US-Dollar.

In den Wochen zuvor war in Luftfahrtforen und Blogs über das „Grounding“ – also die Stilllegung – der Evergreen-Frachterflotte spekuliert worden. Der „Supertanker“ war da offenbar schon längst außer Dienst gestellt. Eine Aufnahme aus einer Spotter-Fotodatenbank, datiert aus Mai 2013, zeigt die Maschine mit der Kennung „N479EV“ auf dem Pinal Airpark bei Marana (Arizona) – rund anderthalb Autostunden südöstlich von Phoenix. Üblicherweise werden nicht benötigte Maschinen gerne auf derartigen Dienstleistungs-Flugplätzen im warmen Wüstenklima gelagert – oder eben auch verschrottet. Dazu werden brauchbare und wertvolle Teile, insbesondere die Triebwerke, zunächst demontiert, bevor später das Flugzeug in Einzelteile geschreddert wird. Die Aufnahme zeigt, dass bei dem über 40 Jahre alten Supertanker die Triebwerke bereits größtenteils abgebaut worden sind.

Quelle: Airboyd/Youtube

Evergreen wollte insgesamt bis zu vier Supertanker für den weltweiten Einsatz bauen. 2009 hatte der Supertanker zu Demonstrationszwecken unter anderem auf dem Flughafen Frankfurt-Hahn einen Löschwasserabwurf vor potentiellen Kunden und Journalisten durchgeführt (siehe Feuerwehr-Magazin 11/2009). Auch zu realen Einsätzen war es gekommen, in Spanien, Israel und den USA. Kritiker bemängelten schon bei der Aufnahme des Flugbetriebes des Supertankers elementare Nachteile der 747: die schwerfällige Manövrierfähigkeit, die Dauer des Auftankens und die immensen Einsatzkosten. Seitens der US-Luftsicherheitsbehörde waren zudem Bedenken über die Belastung der Flugzeugstruktur bei seinen Einsätzen aufgekommen.

Hebt nicht mehr ab: Der Evergreen Supertanker, hier im Juli 2009 auf dem Flughafen Hahn. Foto: Klöpper

Hebt nicht mehr ab: Der Evergreen Supertanker, hier im Juli 2009 auf dem Flughafen Hahn. Foto: Klöpper

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Kommentare

1 Kommentar zu “Supertanker: Ende in der Wüste”
  1. Mathias Fischer sagt:

    Vielleicht könnte das Land den Vogel ja zum Symbolischen Preis von 300 Mio übernehmen. Flugplätze mit genügend Kapazitäten haben wir ja.
    Und man brauch dann in der Eifel bei einem Strohballenbrand nicht immer nen Trecker für den TSA suchen.

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