Samstag, 10. Dezember 2016

Schock und Wut nach Brand-Ermittlungsergebnis

Hamburg – Das Feuer mit drei Toten in Hamburg am vergangenen Mittwoch hat ausgerechnet ein Jugendfeuerwehrmann verursacht. Das teilten Staatsanwaltschaft und Polizei am Wochenende mit. Der 13-Jährige, der die Tat gestanden hat und der Jugendfeuerwehr im Stadtteil Altona angehört, wurde in eine psychiatrische Klinik eingeliefert. Wie berichtet waren bei dem Feuer in einem Mehrfamilienhaus eine Frau (33) und ihre beiden sechs und sieben Jahre alten Söhne ums Leben gekommen. Sie konnten sich nicht retten, nachdem sich im Treppenhaus eine enorme Rauchentwicklung breit gemacht hatte.

Polizei und Staatsanwaltschaft hatten gleich nach dem Feuer eine Sonderkommission eingerichtet. Schnell war klar – das Feuer ging von einem mutwillig angezündeten Kinderwagen aus, der im Erdgeschoss im Treppenhaus abgestellt war. Das Feuer erfasste weitere Bauteile und sorgte für einen massiven Kamineffekt. Die Feuerwehr Hamburg war mit 100 Einsatzkräften vor Ort, rettete 27 Personen, von denen 15 verletzt wurden.

Zeugenaussage und Videomaterial führt zum Täter

„Kriminalbeamte konnten Videomaterial aus Überwachungskameras sichern. Die Auswertung des Videomaterials, die weiteren Ermittlungen der SOKO und insbesondere die Aussage einer Zeugin führten auf die Spur eines Minderjährigen. Nach umfangreichen kriminalpolizeilichen Ermittlungen konnte das Kind identifiziert und dessen Aufenthaltsort festgestellt werden“, sagte Polizeisprecher Andreas Schöpflin zu den Ermittlungen. Der 13-Jährige war wohl aufgefallen, weil er nach der Tat in einem Jugendfeuerwehr-Pullover in einen Linienbus stieg und verwirrte Dinge redete. Schöpflin: „Der Tatverdächtige räumte gegenüber der SOKO die Tat ein. Hinweise auf eine politisch motivierte Tat liegen nicht vor.“ Das Haus hatten ausschließlich Ausländer bewohnt, die in Hamburg Asyl hatten. Da der Junge aufgrund seines Alters als strafunmündig gilt, wurde er zunächst in einer Einrichtung für Kinder- und Jugendpsychiatrie untergebracht. „Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft und des Landeskriminalamtes Hamburg dauern an“, sagte Schöpflin.

13-Jähriger erst seit zwei Monaten bei Jugendfeuerwehr

Die Nachricht, dass der Brandstifter einer aus den eigenen Reihen ist, löste bei der Feuerwehr in Hamburg große Bestürzung aus. „Mit großer Betroffenheit und Fassungslosigkeit hat die Feuerwehr Hamburg die Mitteilung der Polizei und der Staatsanwaltschaft Hamburg aufgenommen, wonach ein 13-jähriger Junge, der erst seit zwei Monaten Angehöriger der Jugendfeuerwehr in Hamburg-Altona ist, die Brandtat in der Eimsbütteler Straße 75 gestanden hat“, schreiben André Wronski, der Landesbereichsführer der Freiwilligen Feuerwehren in der Hansestadt, und Hamburgs Landesjugendwart Uwe von Appen in einer offiziellen Stellungnahme. Das Feuer mit insgesamt drei getöteten und mehreren verletzten Bewohnern ist einer der folgenschwersten Brände der letzten Jahre in Hamburg gewesen. „Die Gründe für diese Tat sind der Feuerwehr Hamburg derzeit unerklärlich und auch zum jetzigen Zeitpunkt, da es sich noch um eine laufende polizeiliche Ermittlung handelt, nicht weiter kommentierbar“, heißt es weiter.

Feuerwehr Hamburg will vollständige Aufklärung

Die Feuerwehr Hamburg sprach allen Opfern, Verletzten und Angehörigen ihr tief empfundenes Beileid und Mitgefühl aus und wünschte insbesondere den Verletzten eine baldige und vollständige Genesung. Man werde diesen Vorfall aktiv und uneingeschränkt intern analysieren und aufarbeiten, um gezielte Rückschlüsse für die Jugendarbeit, die in den 53 Jugendfeuerwehren der Feuerwehr Hamburg für aktuell über 900 Jungen und Mädchen praktiziert wird, zu erlangen, teilen de Verantwortlichen mit.

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Innensenator „erschrocken und wütend“

Hamburgs Innensenator Michael Neumann erklärte, die Brandstiftung habe ihn „erschrocken und wütend gemacht“. Neumann: „Erschrocken, weil ich mir die Frage stelle, wie ein junger Mensch eine solch schreckliche Tat begehen kann. Wütend deshalb, weil unsere Freiwilligen Feuerwehren mit ihren Jugendfeuerwehren, die tagtäglich Großartiges für die Sicherheit der Hamburgerinnen und Hamburgern leisten.“ Der Innensenator mahnte an, man möge in der öffentlichen Diskussionen darauf achten, dass die schreckliche Tat eines Einzelnen nicht die Leistungen der Jugendfeuerwehren insgesamt in Misskredit bringen dürfen.

Deutsche Jugendfeuerwehr und Feuerwehrverband bestürzt

Auch der deutsche Feuerwehrverband hat auf die Ereignisse in Hamburg reagiert. „Unsere Jugendorganisation lehrt junge Menschen, wie sie sich und andere vor Brandgefahren schützen und wie sie Menschen im Notfall helfen. Deshalb sind wir zutiefst bestürzt darüber, dass ausgerechnet ein Mitglied der Jugendfeuerwehr die Brandtragödie in Hamburg verursacht haben soll“, sagen Hans-Peter Kröger, Präsident des Deutschen Feuerwehrverbandes (DFV), und der Bundesjugendleiter der Deutschen Jugendfeuerwehr im DFV, Timm Falkowski. „Dem betroffenen Vater und den Angehörigen der Opfer sowie allen Verletzten und Betroffenen gilt unser besonderes Mitgefühl. Wir bedauern es sehr, dass ihnen dieses Leid durch einen Angehörigen der Feuerwehr zugefügt wurde“, betonen Kröger und Falkowski. (Text: Timo Jann)

Jugendfeuerwehrmann als Brandstifter: in diesem Haus in Hamburg starben drei Menschen. Foto: Lars Ebner

Jugendfeuerwehrmann als Brandstifter: in diesem Haus in Hamburg starben drei Menschen. Foto: Lars Ebner

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