Samstag, 10. Dezember 2016

Schnelle Rettung auch aus Carbon-Fahrzeugen

13. August 2014 von  

Landsberg/Lech (BY) – Hydraulische Rettungsgeräte der Feuerwehr funktionieren auch an Fahrzeugen aus Carbon-Werkstoffen (CFK). Zu diesem Ergebnis kamen Mitarbeiter der ADAC Unfallforschung zusammen mit Einsatzkräften der Berufsfeuerwehren Augsburg und Nürnberg bei einer simulierten Personenrettung auf dem Gelände des ADAC Technikzentrums in Landsberg am Lech (Regierungsbezirk Oberbayern). Als Versuchsobjekt diente ein BMW i3, das erste Großserienfahrzeug mit einer Fahrgastzelle aus kohlenstifffaserverstärktem Kunststoff.

130814_BMW_i3_01

Berufsfeuerwehrmänner aus Augsburg und Nürnberg zerschneiden auf dem Gelände des ADAC Technikzentrums Landsberg/Lech einen BMW i3 aus Carbonverbundwerkstoffen zu Testzwecken. Foto: Preuschoff

Dabei konnten die Tester einige interessante Informationen gewinnen. Erwartungsgemäß verhielt sich der Werkstoff anders als herkömmliche Stahlstrukturen, die bisher im Karosseriebau verwendet werden. Während sich der Stahl bei Spreizen und Schneiden verformt, splittert Carbon und reißt, wobei sich kleine scharfkantige Trümmerteile bilden, die zum Teil mit hoher Geschwindigkeit vom Fahrzeug wegfliegen. Außerdem wird beim Schneiden sehr viel feiner Staub frei. Dem Insassenschutz sowie der PSA der Einsatzkräfte kommt dabei eine stärkere Bedeutung zu als bisher.

Nicht ohne Rettungskarte

130814_BMW_i3_02

Zu Beginn der Rettungsarbeiten wird an der sogenannten Hochvolt-Trennstelle die Antriebselektrik von dem Fahrakku getrennt. Foto: Preuschoff

Bei Fahrzeugen mit Elektroantrieb spielt die Rettungskarte eine wichtige Rolle. Sie zeigt den Einsatzkräften, wo am Fahrzeug gefahrlos geschnitten werden kann und wo aufgrund von Leitungen und Batterien mit Hochspannung zu rechnen ist. „Der ADAC propagiert schon seit einiger Zeit diese Rettungskarte, die im Einsatz wichtige Zeit spart“, so Dipl.-Ing. Thomas Unger von der ADAC Unfallforschung. Unter www.rettungskarte.de kann sich jeder Autofahrer die Rettungskarte für sein Fahrzeug herunterladen, farbig ausdrucken und hinter die Sonnenblende klemmen. So ist sie im Fall der Fälle schnell zur Hand. Eine ausführliche Auswertung des Tests lesen Sie in einer der nächsten Ausgaben des Feuerwehr-Magazins. (Text: Olaf Preuschoff)

Kommentare

2 Kommentare zu “Schnelle Rettung auch aus Carbon-Fahrzeugen”
  1. grisuandi sagt:

    Hallo zusammen,

    sehr interresanter Artikel.
    Zur Rettungskarte gibt es noch eine Ergänzung. Daimler rüstet alle Neufahrzeuge mit einem 2D-Code im Tankdeckel und auf der dem Tankdeckel gegenüberliegenden Seite am Schweller der Vordertür aus. Dieser kann mit jedem Smartphone oder Tablet mit Barcodeleser gelesen werden und zeigt dann direkt die Rettungskarte für das betreffende Fahrzeug als pdf an.

    VG

  2. Matthias Gerhardy sagt:

    Die hier dargestellten Ergebnisse sind einfach nur eine Bestätigung dessen, was BMW bereits seit Monaten für dieses Fahrzeug publiziert.

    Leider werden Erkenntnisse und Know how aus diesen Versuchen wieder einmal nur sehr spärlich an die Feuerwehren im Lande herausgegeben.
    Andere Hersteller mit Carbonsegmenten sind noch zurückhaltender.

    Eine Initiative, möglichst viele Feuerwehren zu diesem Thema zu briefen wäre meines Erachtens das richtige Ergebnis dieser Versuche.

Kommentare

Teilen Sie uns Ihre Meinung mit...
Falls Sie ein Bild von sich beim Beitrag möchten: Gibts hier: Gravatar!