Montag, 21. August 2017

Quälende Frage nach tödlichem Discounfall

Kirchweyhe (NI) – Alkohol und grenzenloser Leichtsinn haben vor vier Monaten zu einem schrecklichen Verkehrsunfall mit vier Toten in Kirchweyhe geführt. Doch damit sind noch längst nicht alle Faktoren, die den nächtlichen Unfall in einer Tempo-30-Zone begünstigt haben, erklärt. Gemeinsam mit der Polizeiinspektion in Diepholz analysiert das VOX-Magazin „auto mobil“ am Sonntag (29.8., 17.00 Uhr) in seiner Beitragsreihe „Die Unfallakte“ die Umstände dieses schweren Verkehrsunfalls.

Tödlicher Discounfall in Kirchweyhe. Foto: VOX„Der Fahrer hat, nachdem er das Auto gegen 00.15 Uhr bestiegen hat, unmittelbar Vollgas gegeben. Er wollte noch zu einem Geldautomaten, um anschließend möglichst schnell in der Diskothek zu sein“, schildert Polizeioberkommissar Thomas Gissing in dem Filmbericht. „Dort gab es bis um 00.30 Uhr ermäßigte Preise.“ Die Bilder an der Unfallstelle, die nur knapp 300 Meter vom Start entfernt liegt, selbst wird Gissing nie vergessen: „Ich habe gedacht: Das geht nicht! So etwas passiert nicht! Nicht hier. Und schon gar nicht in einer Tempo-30-Zone.“ Ähnlich erlebten es auch die vielen Helfer der Feuerwehr Weyhe. Denn als sie zum Einsatz in der „Kleinen Heide“ gerufen wurden, glaubten sie zunächst an einen Bagatellunfall.

Dass die Kollision mit dem Baum bei Tempo 107 für drei der sechs Insassen sofort tödlich endete, erklärt in dem TV-Bericht Feuerwehrarzt Thomas Wiechmann: „Die nicht angeschnallten Personen schlugen bei dem Aufprall auf einen festen Gegenstand. Es kam zu schwersten Wirbelsäulenverletzungen mit Genickbrüchen, zu schwersten Schädelhirntraumata mit Einklemmung des Atemzentrums und damit letztendlich zum Tod.“ Schockiert hat alle Einsatzkräfte, dass keiner der jungen Pkw-Insassen angeschnallt war. Axel Meyer von der Feuerwehr Weyhe: „Nach diesem Unfall gab es eigentlich nur diese Frage: Warum, warum und immer wieder nur warum?“

Auf der Suche nach Antworten hat das VOX-Magazin „auto mobil“ auch mit Angehörigen bzw. Eltern der Unfallopfer gesprochen.  Aber eine schlüssige Erklärung dafür, weshalb sich die sechs jungen Menschen überhaupt nicht angegurtet hatten, gibt es nicht. „Auch ich habe es zunächst nicht glauben wollen. Denise war doch immer so vernünftig. Und dann sind sie in der Unglücksnacht zu dritt vorne in dem Auto gesessen. Denise saß sogar auf dem Schoß des Beifahrers. Es ist für mich einfach nicht nachvollziehbar“, beschreibt Brigitte Utecht, die ihre 21-jährige Tochter Denise bei dem Unfall in Kirchweyhe verloren hat.

Ebenso schwierig ist es, die Frage zu beantworten, weshalb die jungen Leute überhaupt zu dem offensichtlich alkoholisierten 26-jährigen Fahrer (festgestellter Blutalkoholwert: 1,4 Promille) in den Audi A 3 gestiegen sind. Für die „Unfallakte: Kirchweyhe“ hat VOX deshalb den Verkehrspsychologen Dipl.-Ing. Ulrich Höckendorf von der Dekra interviewt. Dieser macht dafür die ausgelassene Feierlaune der jungen Menschen und den Alkoholgenuss verantwortlich. Höckendorf: „Folge ist eine Euphorie, die zu einer scheinbaren Mutigkeit führt, aber in Wirklichkeit purer Leichtsinn ist. Ansonsten, also im nüchternen Zustand, hätten sich alle wahrscheinlich ganz anders verhalten.“

Nach der Ausstrahlung in dem TV-Magazin „auto mobil“ dürfen die Verkehrssicherheitsberater der Polizei in Diepholz den Filmbericht übrigens für ihre Präventionsarbeit an Schulen und Weiterbildungseinrichtungen einsetzen. Polizeioberkommissar Thomas Gissing hält den Film dafür besonders geeignet, da er nicht nur Betroffenheit erzeuge, sondern vor allem sehr sachlich und sensibel informiere. (Quelle/Foto: VOX)

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