Sonntag, 20. August 2017

Niedersachsen: Künftig bis 63 Jahre aktiv

20. Juni 2012 von  

Hannover – Freiwillige Feuerwehrleute in Niedersachsen dürfen künftig bis 63 Jahre aktiven Dienst in der Feuerwehr leisten. Die Regierungsfraktionen haben sich am Dienstag auf einen gemeinsamen Entwurf eines neuen Brandschutzgesetzes geeinigt, der einen entsprechenden Passus beinhaltet. Auch Doppelmitgliedschaften in zwei Feuerwehren sollen künftig möglich sein.

Über die Altersgrenze (bisher gilt eine Grenze von 62 Jahren) war in den vergangenen Jahren in Politik und bei der Feuerwehr heftig diskutiert worden. Von verschiedenen Seiten – etwa von der FDP – war eine höhere Altersgrenze befürwortet worden, zuletzt war eine Grenze von 65 Jahren im Gespräch. „Wir wollen niemanden zwingen, der über 60 Jahre alt ist, mit Atemschutzgerät Brände zu bekämpfen. Aber im Brandfall gibt es auch viele Aufgaben, die von älteren Feuerwehrleuten übernommen werden können. Viele wollen auch noch gar nicht ausgemustert werden – sie fühlen sich fit und wollen bei der freiwilligen Feuerwehr weitermachen“, sagte der FDP-Landtagskandidat Carsten Helms.

Städten und Gemeinden für höhere Altersgrenze

Auch aus den Städten und Gemeinden kam ein Pro-Echo für eine Altersgrenzen-Anhebung. Doch es gab auch ablehnende Stimmen. So hatte sich der Landesfeuerwehrverband für eine Beibehaltung der bisherigen Altersgrenze von 62 Jahren eingesetzt. Auch von Feuerwehren aus Regionen, bei denen sich der demographische Wandel derzeit noch nicht abzeichnet, kamen ablehnende Stimmen.

CDU: „Ein guter Kompromiss“

„Diese Neuregelung ist ein guter Kompromiss zwischen den verschiedenen Interessen aller Beteiligten“, sagte der innenpolitische Sprecher der niedersächsischen CDU-Landtagsfraktion, Fritz Güntzler. Mit 63 Jahren muss zudem nicht endgültig Schluss sein: „Mit ihrem Einverständnis können Angehörige der so genannten Altersabteilung aber auf Anforderung des Gemeinde- oder Ortsbrandmeisters oder auf Anforderung der Einsatzleitung auch zu Übungen und Einsätzen herangezogen werden“, so Güntzler weiter.

Niedersachsen befindet sich mit der neuen Altersgrenze im Mittelfeld im Vergleich zu anderen Bundesländern. Während in manchen Ländern – insbesondere in den Stadtstaaten – schon mit 60 Jahren Schluss ist, gelten in einigen anderen Ländern ebenfalls Grenzen von 63 sowie von 65 Jahren. Am längsten dürfen die aktiven Mitglieder in Schleswig-Holstein dabei sein. Für sie ist mit spätestens 67 Jahren Schluss, ein Übertritt in die Ehrenabteilung ist aber bereits mit 60 Jahren möglich.

Am Wohn- und Arbeitsort in Feuerwehren aktiv

Als weitere wichtige Neuerung des niedersächsischen Brandschutzgesetzes nannte Güntzler die Möglichkeit, künftig in zwei Freiwilligen Feuerwehren Mitglied zu sein – am Wohnort und am Arbeitsort. „Vor allem den Berufspendlern unter den ehrenamtlichen Feuerwehrleuten kommt diese Gesetzesänderung entgegen. Sie können künftig dort eingesetzt werden, wo sie regelmäßig zur Verfügung stehen.“ Und: Mit dem Gesetzentwurf sind erstmals auch Kinderfeuerwehren ausdrücklich erwähnt worden.

Noch in dieser Woche soll ein Änderungsvorschlag in den Innenausschuss überwiesen werden und in dessen kommender Sitzung am 28. Juni abschließend beraten werden. Im Juli-Plenum könnte das Brandschutzgesetz verabschiedet werden.

Kommentare

15 Kommentare zu “Niedersachsen: Künftig bis 63 Jahre aktiv”
  1. Mike sagt:

    Was reitet eigentlich den Landesfeuerwehrverband, gegen die Altersgrenze zu arbeiten? Mit welcher Begründung? Das ist doch weltfremd!

  2. Thomas sagt:

    Ich bin dagengen weil: AT-Träger werden auf Grund ihres BMI aussortiert und sind meistens trotzdem fit. Daß Risiko das ältere Kameraden etwas mit dem Herz oder Kreislauf haben finde ich zu groß und die Möglichkeit ein Fahrzeug im Einsatz zu fahren oder zu funken gibt es ja….. (man kann es ja nachlesen im FwMagazin). Die Herren die solche Ideen haben sollten auch mal überlegen wie die Anforderungen gestiegen sind und das schon jüngere Kameraden teilweise damit schwierigkeiten haben. Wenn es umgesetzt werden soll, dann sollen ältere Kameraden aber einen Gesundheitscheck machen (regelmäßig).
    Außerdem gibt es wichtigere Sachen worüber man sich Gedanken machen sollte… z.B. die Preise für Geräte und Einsatzkleidung

  3. Karin Matiasch sagt:

    Bei uns in Hessen ist (noch) mit 60 Schluss. Sicher – der Gesetzgeber verlangt, dass wir bis 67 Jahren arbeiten. Aber mal ehrlich: wer erreicht denn diese Grenze? Ich bezweifle dass viele der heute „jungen“ Kameraden überhaupt noch die 20 oder 30 Dienstjahre erreichen, geschweige denn, ein Leben für und mit der Feuerwehr führen (können). Die heute jungen Leute werden dann fehlen. Aber heißt dass, das wir „Alten“ dann eben bis in die Kiste Dienst machen sollen/müssen?
    Ich habe noch 11 Jahre bis zur Alters- und Ehrenabteilung. Und sollte ich gesund bleiben, kann ich mich ja auch weiterhin engagieren. Auch ohne Funkmeldeempfänger.

  4. Thomas Alfermann sagt:

    Ich finde Altersgrenze anzuheben super.
    Viele Junggeblibene Kameraden können dann länger Aktiv bleiben.

  5. Der Gegner sagt:

    Hallo Zusammen!

    Eine Anhebung der Altersgrenze fand ich schon immer für unsinnig!

    Die Kameraden die ich kenne, haben schon mit Mitte 50 keinen Bock auf was Neues. Im Optimalfall wollen die sich in Ruhe zusammensetzen und die „Kameradschaft pflegen“. In einigen anderen Fällen wird aber von „den älteren“ der Wandel bzw. der Vorschritt in den Feuerwehren ausgebremst!

    Sprüche wie: „Haben wir doch schon immer so gemacht“; „Früher haben wir das Feuer auch so ausgekriegt“ sind an der Tagesordnung!

    Die Politiker können in meinen Augen nichts dafür. Das die Altersgrenze angehoben werden soll, kommt von den Führungskräften der Feuerwehr! So gibt es „Führungskräfte“ z.B.: Kreisbrandmeister, die jetzt schön bis 63 auf ihren Posten rumhocken können!

    Ich stell mal eine These in den Raum: „Ich behaupte, dass mindestens die Hälfte aller Feuerwehrleute über 50 noch nichts von der „neuen“ FwDV 3 gehört haben.“

    Ich will jetzt keinen persönlich angreifen, es gibt sicherlich Kameraden die gehen mit der Zeit und sind auch bis ins hohe Alter voll Einsatztauglich! (körperlich aber vor allem auf einem guten Ausbildungsstand!)

    Aber Gespräche mit Kameraden aus anderen Ortsfeuerwehren auch aus anderen Landkreisen, bestätigt meine These!

  6. Müller Peter sagt:

    Also ich bin für die Anhebung der Altersgrenze. Bei uns in RLP ist das möglich.Jedoch sollte jeder für sich selbst entscheiden ob er das will oder noch wichtiger: Es noch leisten kann.Ich selbst,werde- so Gott will und ich gesund bleibe bis 60 Jahre Einsatzdienst machen und bis 63 Jahre weiterhin als Kreisausbilder tätig sein.Und außerdem:Über 50 jahre ist man auch noch immer auf dem neuesten Stand.Wir lernen ständig!!

  7. Jörg Even sagt:

    Gute Leistung! Es wird mal wieder über das Votum des LV Nds hinweg „POLITISCH“ eine „unsinnige“ (63 anstelle 62) Änderung ins Gesetz übernommen! Gut, kann man machen, gibt ja sonst keine dringenden Probleme

  8. Jens Richter sagt:

    Ich verstehe die ganze Aufregung nicht. Selbst im Landesfeuerwehrverband gibt es unterschiedliche Auffassungen zur Altersgrenze. Richtig ist allerdings, dass sich dort eine Mehrheit für die Beibehaltung der Regelung mit 62 ausgesprochen hat. Aus meiner Sicht hätte nichts gegen eine Flexibilisierung gesprochen. Wer heute mit 58 Jahren den aktiven Dienst nicht mehr verrichten kann, wechselt auch auch schon in die Altersabteilung. Auf der anderen Seite gibt es auch Kameraden, die mit über 60 noch fitter sind, als mach 20-jähriger. Die stehen dann am Feuerwehrhaus und kochen Kaffee, während besonders am Tage die Fahrzeuge kaum besetzt werden können.
    Erfahrungen, dass ältere Kameraden sich nicht mehr mit den Neuerungen auseinandersetzen, habe ich persönlich nicht gemacht. Ich sage da nur: Die Jungen können zwar schneller laufen, aber die Alten kennen die Abkürzungen!

Kommentare

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