Freitag, 18. August 2017

Loveparade: Mängel im Sicherheitskonzept

Duisburg/Mainz – Sicherheitsmängel und Planungsfehler hätten den genehmigenden Behörden schon im Vorfeld der Duisburger Love Parade auffallen müssen, die Stadt habe das Sicherheitskonzept des Veranstalters offenbar nicht ordentlich überprüft. Diesen Vorwurf erhebt der Katastrophenforscher Dirk Oberhagemann im ZDF-Magazin „Frontal 21“ am Dienstag.

„Frontal 21“ liegt sowohl das achtseitige „Sicherheitskonzept“ wie auch die 24-seitige „Veranstaltungsbeschreibung“ des Love Parade-Veranstalters Lopavent GmbH vor. Dirk Oberhagemann, der für das Bundesforschungsministerium an einer Studie zum Katastrophenschutz arbeitet und die Duisburger Love Parade beobachtete, hat die Dokumente im Auftrag des Magazins begutachtet und dabei schwere Mängel festgestellt.

So werden in den Sicherheitsdokumenten des Veranstalters zwar die Risiken an den Engstellen im Bereich der Tunnel beschrieben, eine „logische Machbarkeitsanalyse“ fehle jedoch. Auch die Zuschauerzahlen habe der Veranstalter auffällig „der Genehmigung angepasst“, kritisiert Oberhagemann. Laut eigenem Konzept ging der Veranstalter von 485.000 Zuschauern aus, hatte aber eine behördliche Genehmigung nur für 250.000 Besucher.

„Also hat man dann mit Zu- und Abstromanalyse das so ausgerechnet, dass die maximale Anzahl der Besucher auf dem Gelände nie überschritten wurde“, sagt der Gutachter. Hier liege ein „eklatanter Konzeptfehler beim Veranstalter“ vor, so Oberhagemann weiter. So rechnete die Lopavent GmbH laut eigenen Unterlagen zum Höhepunkt der Katastrophe gegen 17 Uhr mit 90.000 Besuchern pro Stunde, die durch die Tunnel auf das Gelände zugehen, und gleichzeitig mit 55.000 Personen, die den Festplatz verlassen. Die Kapazität der Tunnel lag jedoch bei maximal 30.000 Personen pro Stunde.

„All diese Ungereimtheiten hätten der Stadt Duisburg als Genehmigungsbehörde bei einer gründlichen Überprüfung des Sicherheitskonzeptes auf jeden Fall auffallen müssen“, rügt der Katastrophenforscher Dirk Oberhagemann. Stattdessen hat die Stadt sowohl das mangelhafte Sicherheitskonzept als auch die Veranstaltungsbeschreibung abgestempelt und genehmigt.

Der Love Parade-Veranstalter Lopavent GmbH wollte sich auf Anfrage des ZDF-Magazins „Frontal 21“ nicht zu den Vorwürfen äußern. (Quelle: ZDF)

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