Mittwoch, 23. August 2017

Karneval: Auftritt für den Feuerwehr-Trabi

Werne (NW) – Die Wolke, die aus dem Auspuff quillt, stinkt nach Frittenfett.  Und das Martinshorn jault, als ob jemand fürchterlich schief in eine Vuvuzela, die Schreckens-Tröten der WM, pustet. Der Trabi der Feuerwehr Werne hat seinen ganz eigenen Charme. Und am Rosenmontag seinen großen Auftritt.

Nicht jedes knallrote Auto ist eben ein Ferrari. Der Motor klingt mehr nach Rasenmäher als nach Auto, als Tobias Westermann und Björn Spatzier mit blinkendem Blaulicht am Gerätehaus der Feuerwehr Werne vorfahren. 26 Pferdestärken treffen auf 600 Kubik. 120 Stundenkilometer soll der Ossi-Export so schaffen. Jedenfalls theoretisch. Der Tacho würde es anzeigen.

Das kleine Auto stellte die Feuerwehrkameraden vor eine große Aufgabe: Seine Glanzzeiten hatte der kleine Trabi lange hinter sich. Von der Partnerfeuerwehr Falkenberg den Wernern einst vor rund 20 Jahren zum Geschenk gemacht, beim Stück Max und Moritz in der Freilichtbühne bejubelt, staubte das Schätzchen in der Garage der alten Polizeiwache ein. Bis es jetzt aus dem Dornröschenschlaf erweckt wurde.  Seit Oktober wurde fleißig gewerkelt, damit der rote Flitzer pünktlich zum Karnevalsumzug am Rosenmontag fit für die Straße ist.

300 Arbeitsstunden in Show-Fahrzeug investiert

Mindestens 300 Stunden Arbeit stecken im Trabi – alles ehrenamtlich. Da musste die Kupplungsscheibe getauscht werden und die Batterie machte keinen Mucks mehr. Auch der Tank war undicht und der Unterboden brauchte dringend eine Verstärkung. Die Ladefläche wurde wieder aufgemöbelt. Mit Schlauchhaspeln, Axt, Spaten, Kübelspritze und Leiter auf dem Dach. Eben mit allem, was des Feuerwehrmanns Herz begehrt.

Industriemechaniker Tobias Westermann und Abiturient Björn Spatzier – beide Mitglieder im Löschzug Werne-Mitte -packten es an. Immerhin: Probleme mit Rost gab’s nicht. „Wie denn auch“, grinsen die Feuerwehrkameraden. „Ist ja alles Plastik.“ Sogar die Sitze, die von außen nach feinem braunen Leder aussehen, entpuppen sich bei näherer Betrachtung als Fälschung. Überhaupt ist die Fahrerkabine ziemlich minimalistisch eingerichtet. Eine Tankanzeige sucht man hier vergebens.

Letzter Schliff für den großen Auftritt

Björn Spatzier klappt die Motorhaube hoch. Gleich neben dem Motor sitzt der Tank. Super bleifrei, Diesel oder gar der neue Super-Sprit E10, das ist nix für den alten Ossi. Der Trabi schluckt ein Benzin-Öl-Gemisch im Verhältnis 1:50. Feuerwehrmann Björn steckt den Messstab in den Tank. Sechs Liter noch. Alles bestens. Jetzt geht’s in die heiße Phase. Noch ist der Trabant ein TR BANT. Von der Motorhaube hat sich ein Buchstabe gelöst. Nur ein kleiner Schönheitsfehler. Nichts, was die Trabi-Truppe aus dem Löschzug 1 aus der Bahn werfen kann. Das „A“ hat Tobias Westermann schon in der Tasche. Schließlich soll alles perfekt sein, rechtzeitig zum großen Auftritt beim Rosenmontagszug.

Eine Halle weiter wird in der Feuerwache noch am Anhänger für den Trabi geschraubt. Der Bonbon-Bunker ist noch streng geheim. Nur soviel: Das Design soll etwas mit der Feuerwache zu tun haben. Nach dem Rosenmontagszug lädt die Feuerwehr zur letzten großen Party vor dem Umbau in die Feuerwache ein. Los geht’s um etwa 15 Uhr mit Musik, Getränken und guter Laune. Der Eintritt ist frei, es gibt einen Mindestverzehr. Und sicher darf dann auch der schöne alte Feuerwehr-Trabi mal ganz aus der Nähe bestaunt werden. (Text: Magda)

Freuen sich schon auf den Karnevalsumzug mit dem Trabi (v.l.): Patrick Günnewig, Kai Tauchert, Tobias Westermann, Jan Sparding, Björn Spatzier und Marco Dellwig. Foto: Magda

Freuen sich schon auf den Karnevalsumzug mit dem Trabi (v.l.): Patrick Günnewig, Kai Tauchert, Tobias Westermann, Jan Sparding, Björn Spatzier und Marco Dellwig. Foto: Magda

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