Sonntag, 20. August 2017

Journalisten-Kritik an Feuerwehr-Pressefotos

18. September 2012 von  

Berlin – Für viele Feuerwehren ist es Teil ihrer Presse- und Öffentlichkeitsarbeit: bei Einsätzen und Übungen entstehen Fotos – oft angefertigt durch den Pressesprecher – die später auch Medien zur Veröffentlichung gestellt werden. Insbesondere bei freiberuflichen Journalisten, die von Veröffentlichungshonoraren ihrer Bilder leben, kommt das oft nicht gut an. Der „Deutsche Journalistenverband“ (DJV) geht jetzt zu dem Thema in die Kritik-Offensive.

Der Deutsche Journalistenverband (DJV) verteilt auf der Photokina diese Flyer mit dem Titel „Kann mal bitte jemand löschen?“. Grafik: DJV

„Immer öfter bieten Feuerwehren und andere Rettungskräfte Medien eigene Bilder und Filme an. Das ist unlauterer Wettbewerb, Preisdumping mit öffentlichen Mitteln“, lässt sich DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken in einer Pressemitteilung zitieren. Mehr noch: „Wir registrieren zunehmende Versuche von Rettungskräften in einzelnen Bundesländern, Journalistinnen und Journalisten von Einsatzorten fernzuhalten.“ Bildjournalisten und Filmreporter hätten deshalb mittlerweile deutliche Umsatzrückgänge zu verzeichnen.

Hamburg als Positivbeispiel gelobt

Konken apelliert: „Rettungskräfte sollten ihre Kräfte und Finanzmittel auf ihren eigentlichen Auftrag beschränken, statt den Bildjournalisten Konkurrenz zu machen.“ Der DJV-Bundesvorsitzende wies darauf hin, dass dem DJV aus einigen Bundesländern, beispielsweise Hamburg, positive Beispiele für ein Miteinander von Feuerwehren und Journalisten bekannt seien. Er forderte die Verantwortlichen der Feuerwehren in anderen Bundesländern dazu auf, diesem Beispiel zu folgen. Der DJV sei zu einem konstruktiven Dialog bereit.

Der DJV will das Thema auch mit Aktionen rund um seinen Stand auf der diesjährigen Bildmesse Photokina in Köln begleiten. So sollen etwa Flyer mit dem Titel „Kann mal bitte jemand löschen?“ verteilt werden. Der DJV-Stand befindet sich in Halle 4.1, Stand Nr. 59.

Kommentare

57 Kommentare zu “Journalisten-Kritik an Feuerwehr-Pressefotos”
  1. Niclas sagt:

    Auch wenn der DJV auf seiner Seite meint, dass das „provokante Werbung zum wachrütteln“ wäre: Das schlechte Image, dass hier dargestellt wird, bleibt (im öffentlichen Meinungsbild) an jedem Feuerwehrmann haften. Und was muss hier bitte wachgerüttelt werden? Das hätte mit dem DFV und einer entsprechenden Bitte/Empfehlung bis runter an die Stadt-/Gemeindeverbände geregelt werden können. Vorausgesetzt es gäbe hier wirklich Handlungsbedarf. Aber nein, es muss in der Öffentlichkeit einseitig dargestellt werden. Damit hat sich der DJV selbst einen Bärendienst erwiesen.

  2. Jörg Wernien sagt:

    So geschehen heute am Morgen. Ein LKW verliert Apfelsaftkonzentrat auf der B 3, die Polizei informiert die Agenturen und andere Pressevertreter per SMS – Vorbildlich im Kreis Harburg.
    Zwei TV Agenturen machen Bilder und O – Töne, können aus dem HD Material auch sehr gute Prints für die Zeitungen anbieten.
    Doch was wird Online gezeigt oder Morgen gedruckt? – Genau das was nichts kostet wie http://www.stern.de/panorama/tanklaster-undicht-apfelsaft-verwandet-bundesstrasse-in-rutschbahn-1897776.html
    auch die MOPO http://www.mopo.de/regional/landkreis-harburg-riesensauerei–laster-verliert-apfelsaft,5066728,17372578.html
    Umsonst …
    Wir pflegen seit Jahren eine tolle und sehr gute Zusammenarbeit mit der Hamburger Berufsfeuerwehr, den freiwilligen Wehren in Hamburg und im Umland.
    Wer Bilder dann für seine FF Homepage möchte oder auch für den KFV der bekommt sie. Auch Videos werden den Helfern und Rettern kostenlos zur Verfügung gestellt.
    Die Feuerwehr hier an den Pranger zu stellen halte ich für schlicht zu einfach. Wararum sorgt der DJV nicht dafür das in Verlagen anständig gezahlt wird, verhindert das weitere Dumping der Preise bei den Zeitungen und Online.
    Umsonst ist leider tödlich auf Dauer

  3. jbk sagt:

    Ist ja mal wieder das diese Pressegeier sich über so etwas beschweren wenn Rettungskräfte Fotos von Einsätzen macht dienen Sie in der Regel der Öffentlichkeitsarbeit der jeweiligen Organisation und nicht
    um mit der Presse in Konkurrenz zu treten . Außerdem wissen die Journalisten nicht immer wo die Grenzen sind dies können Einsatzkräfte besser einschätzen , und das hat dann nichts mehr mit Pressefreiheit zu tun vor allem bei Einsätzen mit Toten hab ich schon oft gesehen dass dann Leichensäcke in der Zeitung oder im Fernsehen zusehen sind ein bisschen mehr Respekt vor den Opfern und ihren Angehörigen ! Aber dann kommt der Bericht ja nicht auf die Titelseite . Außerdem können Sie Gefahren teilweise nicht richtig einschätzen und wir können die Einsatzkraft die sonst auf Presseleute aufpasst zum Fotos machen auch in den Gefahrenbereich lassen und ob die Presse diese Fotos bekommt steht ja wohl außer
    Frage ,Sie bekommt die Fotos es steht halt bei Fotoquelle nicht Zeitungxy sondern Rettungkraft ich weiß nicht was dieser Journalistenverband für ein Problem hat Sie dürfen doch fotografieren und filmen und die Rettungskräfte wollen bestimmt keine Konkurrenz darstellen ich finde diese Diskussion einfach nur lachhaft es spiegelt nur mal wieder das die Presse nicht genug bekommen kann und beendige diesen Kommentar

  4. Kommentar sagt:

    @Andre Stahl

    Dass Fahrzeuge von Medienvertretern die Einsatzfahrzeuge behindern habe ich in meinem Berufsleben noch nie in der Art erlebt, dass einer so dämlich war NEF oder RTW zu blockieren. Was gelegentlich mal vorkommt, dass die Medienvertreter die Ansage bekommen ihre Karren ein paar Meter weiter irgendwo an die Seite zu stellen, weil nach der Alarmstufenerhöhung der Platz wo sie aktuell stehen für nachrückende Kräfte gebraucht wird. Also ziemlich einfach lösbare Kiste. Ebenso wenn die Autobahnpolizei einmal durch die Einsatzstelle flitzt, damit alle Presse UND Einsatzfahrzeuge einheitlich links/rechts umgesetzt werden, damit man den Verkehr auf einem Fahrstreifen wieder laufen lassen kann. Auch vollkommen unproblematisch.

    Richtig problematisch ist aber immer wieder, wenn Medienfahrzeuge gezielt und gesammelt von einem Streifenwagen von hinten durch die Rettungsgasse mitgezogen werden und jeder Idiot die Rettungsgasse nach dem Streifenwagen wieder zu macht, so wie er es Minuten zuvor vollkommen lernresisten nach jeden SoSi-Fahrzeug auch schon gemacht hat und dann kurz vor der Einsatzstelle alles verknotet ist und alle zu Fuß nach vorne laufen müssen und DANN noch Kräfte von hinten statt gegen Fahrtrichtung nachrücken. DAS habe ich auch schon miterlebt. Mein Auto stand zwar ganz prima ganz links vor einem Streifenwagen so wie die Polizei es „angeordnet“ hat, 50 Meter hinter mir war allerdings alles festgefahren. Da können die Kollegen dann bedingt bis gar nichts für, wenn ihre Autos zusammen mit einem Streifenwagen feststecken, weil die Verkehrsteilnehmer zu blöde sind eine Rettungsgasse zu bilden und auch offen zu lassen. Und die Türen zuzumachen damit die nicht vom nächsten Einsatzmittel abgefahren werden… 🙂

    Grundsätzlich ist dabei natürlich immer eine (vorherige) Absprache von Vorteil. Ich habe von Feuerwehr und Polizei in den Jahren viel gelernt und gebe mir immer Mühe das auch an jeder Einsatzstelle anzuwenden.

    Viel schlimmer als Berufanfänger die erst noch lernen müssen sind aber immer wieder die Schaulustigen, die wirklich alles zuparken und einem dann mit dem I-Phone knipsend mitten in das Geschehen laufen, im Weg stehen und Einsatzkräfte UND Pressevertreter behindern. Zwei oder drei Zeitungsfotografen in einer Einsatzstelle bemerkt man meistens gar nicht. Dreißig mit dem Handy knipsende Gaffer allerdings schon.

  5. Uli sagt:

    @jbk
    Leider ist es nicht so. Gegen eine eigene Dukumentation ist nichts einzuwenden. Anscheinend gibt es trotz Gejammer über zurückgehende Helferzahlen noch zuivile, die nichts Besseres zu tun haben.

    Man sollte aber die Kritik nicht nur an den Feuerwehren festmachen. Auch in den Hilfsorganisationen, die im Rettungsdienst tätig sind, kommen derartige Fälle vor, dyass Einsatzkräfte ganz gezielt sogar als früh Eintreffende die Bilder machen und sogar gegen Entgelt der Presse hzur Verfügung stellen. Das ist Ausnutzen von Vorteilen und greift in die Berufsausübung von Fotojournalisten ein. Zusätzlich muss die Frage nach Aufgabenerfüllung der Einsatzkräfte gestellt werden. U.U.kommt sogar ein gewerbliches Tätigwerden in Betracht, das an bestimmte Regelungen gebunden ist!

    Angeprangert werden müssten aber auch die Redaktionen, die derartige Fotos verwenden, wenn andere zu bekommen sind. Aber oft besteht ein Filz auf örtlicher Ebene.

    Es ist richtig, dass diese Praxis durch den DJV als Berufsvertretung vieler Journalisten öffentlich gemacht wird und sich die BOS auf ihre Aufgaben beschränken.

  6. Karl-Heinz sagt:

    Beschwert sich der DJV auch über die „Leserreporter“ ??? Hier sollte eingegriffen werden.

  7. Wie kann man als journalistischer Berufsverband so danebenliegen, wie der DJV mit dieser Kampagne? Ich bin seit knapp 25 Jahren bei einer FF im aktiven Dienst und seit rund 20 Jahren Journalist bei verschiedenen „Bewegtbild-Medien“. Vor diesem Hintergrund behaupte ich mal, die Bedürfnisse beider Seiten zu kennen. Das Fazit ist in fast allen Fällen ganz einfach: Da, wo die Pressevertreter nicht in „hoppla-jetzt-komm-ich“-Manier versuchen, die E-Stelle zu übernehmen, kommen wir gut miteinander klar. Da ist die Zusammenarbeit von gegenseitigem Respekt gekennzeichnet. Das kann man von dem DJV-Bild dieser Kampagne leider nicht sagen. „Kann bitte mal jemand löschen“ ist billige Polemik. Wo werden Angehörige irgendeiner Hilfsorganisation sich um die Öffentlichkeitsarbeit kümmern, bevor sie ihren eigentlichen Job getan haben? Nirgends. Wenn der DJV wirklich einen konstruktiven Dialog sucht, sollte er solche Entgleisungen auf billigem Boulevardniveau tunlichst vermeiden. Und stattdessen seinen Mitgliedern Seminare in Sachen Presserecht angedeihen lassen, in denen die – die manchmal nicht wissen, wo der Anstand Grenzen setzt, dann lernen, welche Grenzen der Gesetzgeber ihnen aufzeigt. Dann klappt’s auch mit den Rettungskräften …

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