Donnerstag, 29. Juni 2017

Jeder Einsatz verdient Respekt und Achtung

Im Oktober des vergangenen Jahres haben vier Feuerwehrkameraden ihr Leben im Einsatz verloren. Ihr Tod ist uns Erinnerung an die Gefahren, denen wir im für uns alltäglichen Einsatz begegnen. Wir zeigen unseren Respekt gegenüber den Feuerwehrfrauen und Feuerwehrmännern, die im Einsatz tödlich verunglückt sind. Respekt bedeutet nicht, Heldentum zu fördern. Respekt bedeutet, den anderen Menschen und sein Wirken zu achten. Wir dürfen nie vergessen, dass für uns immer ein Restrisiko bleibt, selbst zu verunfallen oder gar getötet zu werden. Wir dürfen im Einsatz keine Angst zeigen, müssen aber die Gefahren respektieren.

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Hartmut Ziebs. Foto: Hegemann

KOLUMNE von Hartmut Ziebs, Präsident des Deutschen Feuerwehrverbandes

Respekt und Achtung sind Themen, die mich im ersten Jahr meiner Amtszeit als Präsident des Deutschen Feuerwehrverbandes immer wieder bewegt haben. Respekt vor Einsatzkräften, die den Menschen helfen wollen – und bei der Ausübung ihrer Tätigkeit angegriffen werden. Achtung vor Menschen auf der Flucht, die in Deutschland Schutz suchen – und im vermeintlich sicheren Land angegriffen werden.

Feuerwehrangehörige in ganz Deutschland setzen sich für Menschen ein, die ihre Hilfe brauchen. Ob beispielsweise ehrenamtlich beim Brandeinsatz während der Arbeitszeit, ob hauptamtlich im Rettungsdienst mitten in der Nacht. Dieser Einsatz, jeder Einsatz, verdient Respekt und Achtung!

Ich fordere nachdrücklich, dass unsere gesamte Gesellschaft den Feuerwehrleuten wieder mit Achtung begegnet. Es muss ein Umdenkprozess in unserer Gesellschaft erfolgen. Schärfere Gesetze gegen Gewalt lösen das Problem nicht. Gewalt gegen Einsatzkräfte der Feuerwehren und des Rettungsdienstes dürfen von unserer Gesellschaft gar nicht mehr toleriert werden! Hierbei geht es nicht nur um körperliche Gewalt. Auch verbale Angriffe können tief verletzend wirken.

In jedem Heft nimmt ein Experte aus der Branche Stellung.

Wir können vielleicht auch gegensteuern – mit unserer Arbeit in der Gemeinschaft Feuerwehr. Es gilt, nationale und internationale Netzwerke und Kontakte weiter auszubauen, um über wichtige, die Feuerwehr betreffende Entwicklungen informiert zu sein, unsere Positionen hierbei zur Beachtung zu bringen und zum Wohle der Feuerwehrangehörigen in Deutschland präsent zu sein.

Dies ist uns im vergangenen Jahr bereits in vielen Themen gelungen. So werden wir nun das Konzept der Bundesregierung zur zivilen Verteidigung mit Leben füllen, den Zivil- und Katastrophenschutz anpassen und konsequent die Umsetzung vorantreiben. Feuerwehr besteht nach wie vor aus Mannschaft und Gerät. Ein intelligent aufgestellter Katastrophen- und Zivilschutz funktioniert nur, wenn beide Faktoren ausreichend vorhanden sind. Bund und Länder müssen das Gerät in ausreichendem Umfang stellen – wir stellen dann eine bestens qualifizierte und motivierte Mannschaft.

„Wir müssen die Vorschriftenwelt im Feuerwehrwesen etwas mehr entschlacken.“

Es gilt dabei nicht nur, neue Menschen für die freiwillige Feuerwehr zu begeistern, sondern auch, unsere vorhandenen Mitglieder zu halten. Hierbei kommt der Menschenführung eine besonders hohe Bedeutung zu. Es gilt, die Themen Familie, Firma, Freizeit und Feuerwehr – also die vier F – geschickt miteinander zu verbinden. Es muss zum Beispiel möglich sein, nach einer Pause in der freiwilligen Feuerwehr problemlos wieder in den ehrenamtlichen Dienst zurückzukehren.

Die Ausbildung muss so gestaltet sein, dass sie mit den vier F zusammengebracht werden kann. Die neue Feuerwehr-Dienstvorschrift 2, die noch in Bearbeitung ist, ist hier ein richtiger Schritt. Aber: Wir müssen die Vorschriftenwelt im Feuerwehrwesen etwas mehr entschlacken. Der Feuerwehrdienst muss ehrenamtlich leistbar bleiben und nicht unnötig erschwert werden.

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Symbolbild Atemschutznotfall. Foto: Timo Jann

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