Samstag, 25. März 2017

Interview mit Frederik Braun: Denkt mit, bildet eine Rettungsgasse!

28. Dezember 2016 von  

Hamburg – Mit seinem Video „Die Rettungsgasse rettet Leben“ hat das Team vom Miniatur Wunderland in Hamburg nicht nur einen Internet-Hit gelandet. Sie haben auch große Aufmerksamkeit für das wichtige Thema Rettungsgasse erregt.

Frederik Braun erlebte persönlich, dass es für viele Autofahrer nicht selbstverständlich ist, im Stau nach einem Unfall eine Rettungsgasse für Einsatzfahrzeuge frei zu halten. So entstand die Idee zu dem Videoprojekt. Thomas Lichters interviewte Braun für das Löschblatt.

Löschblatt: Welche Affinität habt Ihr zur Feuerwehr und Themen rund um unseren Beruf?

Frederik Braun

Frederik Braun, Mitgründer des Miniatur Wunderlandes. Foto: MiWuLa

Frederik Braun: Bereits als Kinder, im Alter von sechs oder sieben Jahren waren wir begeistert von der Feuerwehr. Wir wohnten damals in der Nähe der Wache 11 und da Gerrit damals schon handwerklich begabt war bauten wir die Wache aus Gips und Moltofil nach. Mit acht oder neun Jahren haben wir oft nach der Schule vor der Wache gewartet und sind den Einsatzfahrzeugen dann mit den Fahrrädern hinterher gefahren und haben bei den Einsätzen zugeschaut. Der Hausmeister unseres Hauses war ebenso begeistert wie wir und hat uns nach Absprache mit unseren Eltern oft mit dem Auto mitgenommen, wenn er einen Alarm mitbekommen hat. Wenn wir dann in den seltenen Genuss eines Besuches an der Wache kamen, konnten wir vor Aufregung nächtelang nicht schlafen. Modellbau war für uns immer schon wichtig, die Feuerwehr war aber noch wichtiger. Auch heute empfinden wir wie die Kleinkinder, wenn es um die Feuerwehr geht, unsere Interessen haben sich jedoch mehr in Richtung Fahrzeugpark und Logistik verlagert.

Es wäre mehr als logisch, wenn wir in der Freiwillige Feuerwehr eintreten würden, aber wir trauen uns nicht zu, die schrecklichen Bilder zu ertragen, die zum Beispiel bei schweren Unfällen entstehen.

Löschblatt: Wie entstand die Idee zu dem Clip mit der Rettungsgasse?

Braun: Ich fuhr im Sommer auf die Autobahn A255, um über die A1 nach Hause zu fahren. Schon nach kurzer Zeit stand ich im Stau, weil sich vor mir ein Unfall ereignet hatte. In einigen hundert Metern Entfernung konnte ich erkennen, dass ein Lkw quer stand. Einige Fahrer machten eine Gasse für die anrückenden Rettungskräfte und andere fuhren in die entstehenden Lücken, weil sie dann einen Meter weiter kamen. Damit versperrten sie die Gasse wieder. So dauerte es 15 Minuten, bis sich der Erste Rettungswagen zu uns vorgearbeitet hatte, weil die Leute es nicht begreifen oder schlichtweg egoistisch handeln. Bei dem Unfall war eine Person im Pkw eingeklemmt und die Rettung verzögerte sich dramatisch wegen dieses Fehlverhaltens. Da wusste ich, dass ich etwas tun musste.

Löschblatt: Welche Schritte folgten dann zur Umsetzung deiner Vision?

Braun: Das Konzept für den Film hatte ich bereits am nächsten Tag im Kopf. Wir bildeten ein Team von sechs Leuten für die Entwicklung, mein Bruder war auch dabei. Sogar in diesem kleinen Kreis herrschte Uneinigkeit über die Umsetzung des Projektes. Einige wussten selbst nicht, wie die Rettungsgasse gebildet wird, andere zweifelten daran, dass wir mit unseren Bemühungen etwas an der gesellschaftlichen Entwicklung und dem Bewusstsein der Menschen ändern können. Also setzte ich das Projekt einfach durch.

Löschblatt: Wie wurde das Projekt realisiert?

Braun: Zunächst bauten die Modellbauer eine Autobahn nebst anliegenden Kulissen. Für die Dreharbeiten heuerte ich die Sterntaucher vom Kiez an, die Dialoge sollten meine Freunde Till Demtröder und Marek Erhardt einsprechen. Es entbrannte ein kleiner Streit unter den beiden, denn jeder wollte die Rolle vom muffeligen Horst übernehmen, dem auf der Anfahrt der Kragen platzt. Wichtig war uns ein original Hamburger Slang, der jedoch auch in Bayern gut zu verstehen ist. Und wir machten uns sehr viele Gedanken, ob wir mit Horst die Feuerwehr in ein schlechtes Licht rücken könnten, bekamen aber seitens der Kollegen viele Hinweise, dass es solche Reaktionen durchaus geben kann, wenn man helfen will und immer wieder bremsen muss.

Wir brauchten zirka 10 Tage für den Aufbau der Anlage, vier Tage für den Dreh und zwei für den Schnitt. Als dann von den Behörden die Jahresstatistik zu den Verkehrstoten heraus gegeben werden sollte, haben wir vor lauter Nervosität auch noch die Nächte durchgemacht. Unter Zeitdruck mussten dann noch einige Szenen nachgedreht werden. Und das, obwohl wir uns für den Veröffentlichungstag eine Deadline von 14:00 Uhr gesetzt hatten, denn das ist die beste Zeit für die Onlinestellung. Wir schafften es bis 17:00 Uhr und die Zahlen der Klicks und Likes gingen durch die Decke. Rein statistisch hat bisher jeder dritte Deutsche den Film angeklickt, wenn man die Teilungen über Sender und andere mit einbezieht. Inzwischen läuft unser Film bundesweit auf den Monitoren in Warteräumen von Verkehrsämtern oder als Lehrfilm in Fahrschulen.

Löschblatt: Habt ihr schon eine Idee für zukünftige Projekte dieser Art?

Braun: Ich könnte mir vorstellen, dass es eine Fortsetzung der Rettungsgasse gibt. Wenn Horst dann mit seinen Jungs nach dem Einsatz auf dem Rückweg ist und an eine Stelle kommt, wo die Fahrbahn von zwei auf eine Spur reduziert wird. Denn das Reisverschlussverfahren funktioniert bei uns genauso schlecht, wie die Rettungsgasse. Da hätte Horst wieder ordentlich was über den Außenlausprecher zu schimpfen. Marek und Till wären übrigens sofort wieder dabei, den beiden Protagonisten Horst und Josch ihre Stimme zu geben.

Tausende von Kommentaren zu unserem Film von allen Seiten liefern darüber hinaus viele Anregungen. Leider sind wir die nächste Zeit total landunter. Der Ausbau von Italien kostet sehr viel Zeit und das ist noch lange nicht alles. Das Miniatur-Wunderland ist ständig im Wandel und Wachstum.

Rettungsgasse_Miwula_Making_06

Making-of zum Rettungsgasse-Video des Miniatur Wunderlandes. Foto: MiWuLa

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