Samstag, 1. November 2014

Höhenrettung der Feuerwehr Wiener Neudorf

20. Dezember 2012 von  

Wiener Neudorf (Österreich) – Erstmalig war der Dräger Feuerwehr-Reporter in Österreich unterwegs. Dort traf er in Niederösterreich auf besondere Feuerwehrleute. Etwa 800 Einsätze im Jahr und zahlreiche Übungen absolvieren die 100 Männer, inklusive der Feuerwehrjugend und der Reserve, hier. 13 Feuerwehr-Fahrzeuge stehen ihnen zur Verfügung. Wiener Neudorf liegt etwa 15 Kilometer von der 1,7 Millionen Einwohner Großstadt Wien entfernt, hat kein wirkliches Stadtzentrum. Die Bundesstraße 17 trennt die Marktgemeinde in der Mitte. Zentral liegt auch diese moderne Feuerwache.

“Auf der einen Seite sind die Wohngebiete. Auf der anderen die Betriebe und die Industrie”, erklärt Feuerwehrkommandant Walter Wistermayer. Gut 700 Firmen sind im nahen Industriezentrum Niederösterreich Süd angesiedelt. Etwa 100 Betriebe verfügen über Brandmeldeanlagen. Und genau hier startet die Geschichte des Dräger Feuerwehr-Reporters. Bei seinem Besuch ist ein solcher Brandmelder der Auslöser für einen heftigen Einsatz…

Während sich einige für eine Höhenrettungs-Übung bereit machen, halten andere im Gemeinschaftsraum eine Sitzung ab. Von den acht Mitgliedern der Reserve, die über 65 Jahre alt sind, sind einige im 2009 eröffneten Feuerwehrhaus, arbeiten in der Werkstatt oder sind in der Küche.

Auf einmal gehen die Melder der Feuerwehrleute. Die Stimme des Disponenten der Bezirksalarmzentrale schallt kurz darauf durch die Lautsprecher im Feuerwehrhaus, nennt Einsatzart und Einsatzort. Eine Brandmelderauslösung. “Wir müssen los”, rufen die Feuerwehrleute, gehen schnellen Schrittes in die Garderobe neben der Fahrzeughalle und ziehen die Höhenrettungs-Bekleidung aus und die Feuerwehr-Schutzanzüge wieder an. Dann geht es schnell, die Fahrzeuge rücken aus. Die Alarmfahrt für nach links, rechts, links – geradeaus zu einer Einfahrt. An der Schranke übergibt der Sicherheitsdienst einige Zettel an den Einsatzleiter, über Funk bekommen die ausgerückten Kräfte die Information, dass es sich um einen Brand nach einer Verpuffung handeln soll. Brandschutzbeauftragte des Betriebes weisen ein, sagen wo es eine Verpuffung gegeben hat. “Der Mann ist selber in einer Feuerwehr. Das hilft!”, sagen die Feuerwehrleute später. Nach mehreren hundert Metern weiterer Fahrt auf dem Gelände, stehen die Fahrzeuge richtig. Ein Mann liegt neben der Halle, aus der dichter Qualm dringt. Kollegen haben Decken zum Wärmeerhalt auf ihn gelegt. Der Rettungsdienst kommt gerade. Wenig später ist auch Hauptbrandinspektor Wistermayer da. Er übernimmt die Einsatzstelle. Der Brand wurde bereits durch die stationäre Sprinkleranlage gelöscht, auch die Entrauchung der Halle funktioniert rasch. Nach gut 20 Minuten rücken die Kräfte ein.

“Jetzt sind wir wieder für Dich da”, sagt Gunther Totz (34), Leiter der Höhenrettung. “Wir werden heute am Spider-Rock mit Dir üben. Wir simulieren, dass der Aufzug ausgefallen ist und wir Dich abseilen müssen.” Unbehagen breitet sich im Magen des Dräger Feuerwehr-Reporters aus. Die folgenden Informationen rauschen an ihm vorbei: “Für uns ist so etwas Routine. Wir führen jeden Monat etwa eine Übung durch. Aber natürlich ist es etwas Besonderes, wenn man so einen hohen Turm im Einsatzgebiet hat.” Mit schwerem Rüstfahrzeug, Drehleiter und dem kleinen VW Caddy geht es zur nahen Shopping City Süd. Hier steht er, der Spider-Rock: 36 Meter hoch. Sofort sichern sich die Feuerwehrleute mit ihren Gurten. Schnell und ohne Scheu schwingen sie sich in die Stahlkonstruktion, klettern hoch. “Für Dich gibt es aber einen anderen Weg”, erklärt Gunther Totz dem Feuerwehr-Reporter und zeigt auf einen Bauaufzug.

Der in der Grundfläche 10,6 x 10,6 Meter große Turm hat ein Gesamtgewicht von 164.000 Kilogramm. Fast 100 Arbeitsstunden haben mehrere Mitarbeiter benötigt, ihn aufzustellen. Der Grund dafür: Hier können Wagemutige über eine spezielle Rolle im freien Fall nach unten fliegen. Erst wenige Zentimeter vor dem Aufprall wird automatisch gebremst. Für die einen ein unglaubliches Erlebnis, für andere eher nicht. Auch die Rettungsaktion in den sicheren Armen von Gunther Totz ändert daran wenig: “Wir sind über zwei Seile gesichert. Gesteuert werden diese von den Kameraden oben im Turm, ein Seil ist das sogenannte Arbeitsseil. Das zweite ein Sicherungsseil. Vertrau uns und der Technik.” Die Routine und Sicherheit, die ausgestrahlt werden, sind es, die beruhigen.

Erst seit Januar 2012 sind die Höhenretter der Feuerwehr Wiener Neudorf offiziell gegründet. Jedoch bereits seit 1997 haben die Feuerwehrleute Vorbereitungen dafür getroffen. Gunther Totz als Leiter der Gruppe ist sehr auf Sicherheit bedacht: “Wir haben uns nicht nur selbst geschult, sondern schulen lassen. Wir üben regelmäßig und kennen uns sehr gut.” Sieben ausgebildete Höhenretter stehen in Wiener Neudorf inzwischen für die Rettung aus Höhe und Tiefe zur Verfügung. Im Frühjahr 2013 folgen weitere vier Kameraden. “Wir rücken mit mindestens drei Höhenrettern aus. Das ist das Mindestmaß”, sagt Löschmeister Totz. “Ausgebildete Höhenretter haben einfach ein besseres Auge, sichern sich viel sinnvoller und wissen mehr, was sie tun”, sagt Kommandant Wistermayer. Dies sei auch für andere Einsatzarten von Vorteil.

Doch zurück zur Übung. Nachdem der zu Rettende in eine sogenannte Rettungs-Windel, eine Art kleiner Gummimatte, gestiegen ist, wird er mit Karabinern beim Retter und im Seil fixiert. Über zwei Umlenkrollen, ein Abseilgerät und das Sicherungsgerät, werden beide dann am Seil nach unten gelassen. So wird Muskelkraft gespart – die Länge des Seils und die Umlenkung machen es möglich. Dabei ist die Technik rudimentär. “Das ist das besondere, eigentlich ist alles ganz einfach”, sagt Totz mit einem Augenzwickern. Denn ganz so ist es nicht! Jeder kleine leichte Ruck bedeutet eine sichere Näherung zum Boden. Etwa drei Minuten dauert es, für den Dräger Feuerwehr-Reporter eine gefühlte Ewigkeit. Dann liegt er wie eine Schildkröte auf dem Rücken. Der Retter hat sich ausgeklinkt und steht schmunzelnd daneben…

Wenige Sekunden später, fast wie abgesprochen, ein weiterer Alarm! Die Feuerwehrleute müssen zum Rathaus. Hier hat es einen Wasserschaden gegeben. Da die Kameraden ohnehin gerade unterwegs sind, sollen sie helfen. Gesagt, getan. Wenige Minuten später, nachdem einige noch “todesmutig2 den freien Fall ausprobiert haben, rücken sie zum Einsatz aus. Hier warten die Mitarbeiter schon sehnsüchtig. Bei Bauarbeiten am Dach, dringt Wasser in das Gebäude ein. Mit großen Folien werden die Schreibtische und vor allem die elektrischen Geräte wie Computer und Drucker abgedeckt. So kann nichts passieren.

Neben den Aufgaben der Technischen Hilfeleistung und dem Brandschutz, ist die Feuerwehr Wiener Neudorf auch ein Teil des Schadstoffzuges des Bezirks Mödlingen. Drei Wehren stellen hier gemeinsam eine Einheit bei Schadstoffeinsätzen im Bezirk. Dabei werden drei Schutzstufen unterschieden: Bei der ersten reicht die normale Feuerwehrschutzkleidung inklusive Atemschutzgeräten, Chemieschutzhandschuhen und Gummistiefeln. Nummer zwei bedeutet, dass ein nicht luftdichter, leichter Chemieschutzanzug (CSA) genutzt wird. Die dritte Stufe ist dann der komplett geschlossene CSA, bei dem die Atemluftflaschen unter dem Anzug sind.

Womit kann eine Feuerwehr noch glänzen? Klar, mit ihren Fahrzeugen, ihrer Technik. Doch es gibt viel wichtigere Dinge im Leben als Chrom und Stahl. Das wird bei der Feuerwehr Wiener Neudorf schnell deutlich. Bei dieser Einheit hilft natürlich das top ausgestattete Feuerwehrhaus, um glücklich zu sein. Doch die Wahrheit liegt dahinter, so wurde es doch von den eigenen Kameraden geplant. Der besondere Geist, der die Feuerwehrleute hier augenscheinlich umhüllt, liegt vor allem in der Kameradschaft und in der Führung.

In Kooperation mit dem Feuerwehr-Magazin schickt das Unternehmen Dräger den “Feuerwehr-Reporter” erneut auf Tour – immer auf der Suche nach spannenden Themen und Geschichten. Sie wollen auch einmal Besuch vom “Dräger Feuerwehr-Reporter” bekommen? Dann bewerben Sie sich unter: www.draeger.com/feuerwehrreporter.

 

Kommentare

Teilen Sie uns Ihre Meinung mit...
Falls Sie ein Bild von sich beim Beitrag möchten: Gibts hier: Gravatar!