Mittwoch, 23. August 2017

Geldmangel: Feuerwehr-Flugdienst am Boden

27. April 2011 von  

Lüneburg (NI) – Eklat beim Feuerwehr-Flugdienst in Lüneburg: Aus Geldmangel musste die am Lüneburger Flugplatz stationierte Cessna 206 des Feuerwehr-Flugdienstes am Mittwoch am Boden bleiben. „Wir können nicht fliegen, weil wir die 5.000 Euro, die uns über Ostern zur Verfügung gestellt wurden, verbraucht sind“, sagte Regierungsbrandmeister Werner Meyer gegenüber feuerwehrmagazin.de.

In einem Schreiben der Polizeidirektion Lüneburg, die die Fliegerei im Auftrag des niedersächsischen Innenministeriums anordnet, heißt es, das keine finanziellen Mittel mehr vorhanden seien und die Flüge abgebrochen werden müssten. Die Besatzungen konnten am Mittwoch zuhause bleiben. „Ich hoffe, dass sich das Thema kurzfristig klärt“, sagte Meyer am Mittwoch. Guido Koch aus der Pressestelle der Lüneburger Polizeidirektion hatte am Vormittag zwar Hoffnungen – aber keine konkreten Fakten. „Wir müssen abwarten“, sagte er. Für den Flugdienst gibt es laut Meyer keine Haushaltsstelle, so dass das Innenministerium in Hannover die Gelder nicht bereitstellen kann. Am Nachmittag konkretisierte Koch die Situation: „Die ganze Sache ist falsch kommuniziert worden. Irgendjemand hat da etwas falsch verstanden. Natürlich ist das Geld da, um notfalls fliegen zu können.“ Hinter „notfalls“ verbrigt sich folgende Idee: Der Feuerwehr-Flugdienst soll nur noch aufsteigen, wenn es tatsächlich brennt. „Wir haben Überwachungskameras, da ist es doch unsisnnig, über dieses Gebiet auch zu fliegen“, so Koch gegenüber feuerwehrmagazin.de. Für den Fall, dass es brennt, würde man sich eine Crew suchen und diese dann starten lassen, so Koch. „Wir werden entscheiden, wenn das nötig ist“, sagte der Polizeisprecher. Im Klartext bleibt die Cessna am Boden – bis es brennt.

Höchste Brandgefahr – aber keine Überwachungsflüge

In weiten Teilen von Niedersachsen gilt die höchste Stufe 5 bei der Waldbrandgefahr. Wie berichtet sind die Besatzungen der Lüneburger Maschine, die aus Pilot, Flugbeobachter der Feuerwehr und einem Mitarbeiter der Forstverwaltung bestehen, seit Ostern geflogen. Mehrere Brände in der Natur hatten die Besatzungen entdeckt, in weiteren Fällen die Löschmannschaften koordiniert. Meyer: „Die Forst sagt sogar bereits, wegen der neuen Überwachungskameras bräuchte man die Flugzeuge nicht mehr. Aber wir können unsere Kameraden am Boden nicht alleine lassen, wir unterstützen den Einsatzleiter per Funk bei der Koordinierung und halten den Kräften notfalls den Rücken frei, falls sie bei den Löscharbeiten durch das Feuer in einen Hinterhalt geraten könnten.“

Der Landesfeuerwehrverband setzt den Feuerwehr-Flugdienst seit Jahrzehnten erfolgreich ein, nachdem es in der Lüneburger Heide verheerende Wald- und Flächenbrände gegeben hatte. „Die Lage ist brisant, der Wind hat den Wald trocken geblasen“, sagt Meyer. Auch die Wettervorhersagen verheißen nichts Gutes: Allenfalls leichte Niederschläge können die Waldbrandgefahr kaum senken. (Text: Timo Jann)

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Die Cessna 206 des Feuerwehr-Flugdienstes steht am Flugplatz Lüneburg: Aus Geldmangel darf das Flugzeug derzeit nicht starten. Foto: Matthias Köhlbrandt

Die Cessna 206 des Feuerwehr-Flugdienstes steht am Flugplatz Lüneburg: Aus Geldmangel darf das Flugzeug derzeit nicht starten. Foto: Matthias Köhlbrandt

Kommentare

7 Kommentare zu “Geldmangel: Feuerwehr-Flugdienst am Boden”
  1. Frigo sagt:

    Seit wann gibt es denn 5 Waldbrandwarnstufen? Normal ist die Stufe 4 die höchste Warnstufe. Oder bedeutet Stufe 5 das der Wald schon brennt?

  2. RK sagt:

    Da siht man das es wieder am falschen ende gespart werd

  3. TK sagt:

    Prima, so viel zum Thema vorbeugender Brandschutz. – Eine sinnvolle Maßnahme wird aus Kostengründen eingestellt. Es wird nur noch geflogen, wenns schon brennt, man setzt ja nun auf modernste (absolut ausfallsichere?) Technik. Um ein altes Sprichwort abzuwandeln, man hat den Sand um den Brunnen zuzuschütten, es reicht aber, die Schaufeln erst zu holen, wenn das Kind bereits im Brunnen liegt.

    Irgendwie kommt es einem so vor, dass dies mal wieder von einem Verantwortlichen entschieden wurde, welcher nur seine Zahlen kennt und nicht über den Tellerrand seiner Zahlen hinaus denken kann. Mit Sicherheit kein Feuerwehrangehöriger. Denn als solcher wüßte man, dass eine gute Vorbeugung und damit verbunden eine schnelle Alarmierung oftmals schon Katastrophen, welche ein vielfaches an Kosten verursachen, verhindert hat.

    Dass die Kameras, wie bereits zu lesen war, manche Brände nicht oder erst spät entdeckt haben, entdeckt haben, zeigt doch, dass man auf eine vorbeugende Überwachung aus der Luft nicht verzichten kann. Die Flieger erst zusammen zu rufen wenn es brennt, kostet wertvolle Zeit und vielleicht Menschenleben. Welchen Wert haben die?

  4. Dennis Gerloff sagt:

    Das wird ja immer bekloppter. Bei uns im LK Gifhorn werden die Beobachter von den Feuerwachtürmen durch Kameras abgelöst und jetzt soll der Flugdienst auch noch wegfallen??? Leute muss es erst wieder soweit kommen wie bei der Waldbrandkatastrophe 1975 bei der etliche Kameraden ihr Leben verloren?
    Denkt mal menschlich und nicht wirtschaftlich! So langsam reicht es hin.

  5. Patrick sagt:

    Das die Flugüberwachung sinnvoll ist hat sich doch gezeigt, schon am ersten Einsatztag Feuer entdeckt, Löschfahrzeuge koordiniert….und dann ist kein Geld mehr da? Lächerlich anderen Ländern stopfen wir das Geld in den hals und für unsere Sicherheit ist kein cent mehr übrig…….

  6. Manfred Hornung sagt:

    Erschwerend kommt unverständlicher Weise hinzu, das die 3. Maschine des Nds. Fw.Flugdienstes mit Stansdort in Damme seit 3 Jahren garnicht mehr da ist !!
    Drei alte Maschinen wurden verkauft und nur zwei neue Macshinen konnten bezahlt werden ……
    Da wir als Flugbeobachter damals nicht über den Abzug des Flugzeuges informiert wurden, habe ich – als freiwilliger Feuerwehrmann – den LFV angeschrieben.
    Als Antwort bekam ich nur eine Rüge des Geschäfstführers, dass ich den Dienstweg einzuhalten hätte, mich also an den Stützpunktleiter wenden sollte – der hatte allerdings auch nichts davon gewußt, dass die Maschine abgezogen wurde ……..
    … stell dir vor, du wirst alarmiert, kommst zum Feuerwehrhaus und es ist kein Fahrzeug mehr in der Halle….?
    Ich denke das Hauptproblem liegt im internen LFV Bereich .. ?

Kommentare

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