Mittwoch, 16. August 2017

Geesthacht zahlt pro Einsatz Geld

31. Juli 2013 von  

Geesthacht (SH) – Die Stadt Geesthacht (Kreis Herzogtum Lauenburg) mit ihren 30.000 Einwohnern will das ehrenamtliche Engagement der freiwilligen Feuerwehrleute würdigen: Künftig sollen die Aktiven vier Euro für jeden absolvierten Einsatz erhalten. Feuerwehrchef Sven Abrecht hatte während einer Sitzung des Bau- und Verkehrs-Ausschusses angeregt, sich über eine mögliche Anerkennung als Anreiz für den aufreibenden Dienst bei der Feuerwehr Gedanken zu machen. Jetzt liegt dem Gremium ein entsprechender Verwaltungsvorschlag zur Entscheidung vor.

Albrecht: „Das ist eine geeignete Maßnahme, Anerkennung zu zeigen und die Motivation zu steigern.“ Um die Kosten decken zu können, sollen die Ausschussmitglieder einer Erhöhung der Haushaltsstelle „ehrenamtliche Tätigkeit / Personalkosten“ um 32.000 Euro zustimmen. Auf eine entsprechende Summe wird die geplante die geplante finanzielle Anerkennung geschätzt. Die Stadt Geesthacht wäre damit im Lauenburgischen absoluter Vorreiter. In anderen Städten und Gemeinden gibt es solche Anreize für den Feuerwehrdienst bisher nicht.

Vier Euro soll Anreiz schaffen

Neu ist das System unterdessen insgesamt betrachtet nicht. Andere Kommunen in Deutschland haben bereits eine „Feuerwehr-Rente“ eingeführt, andere handhaben es so, wie Geesthacht es plant. Hintergrund der Maßnahmen sind die rückläufigen Mitgliedszahlen in den Wehren, außerdem gibt es immer öfter Einsätze, bei denen automatische Brandmeldeanlagen nervige Fehlalarme ausrücken. Egal zu welcher Uhrzeit ausgelöst, lassen die Feuerwehrleute ihre Arbeit liegen, die Familie alleine oder quälen sich aus dem Bett, um so schnell wie möglich auszurücken. Die vier Euro wären ein Anreiz, das auch beim X-ten Mal zu tun.

Pro Jahr fallen in Geesthacht etwa 300 Einsätze für die Feuerwehrleute an, nur selten ist dabei das ganz große Aufgebot nötig, den Großteil der Einsätze absolviert eine erweiterte Löschgruppe mit etwa zwölf Feuerwehrleuten. Eilen die Retter vom Arbeitsplatz zum Einsatz, trägt die Stadt den anfallenden Verdienstausfall. Das heißt, die Feuerwehrleute werden von ihrem Arbeitgeber ganz normal bezahlt, die Stadt erstattet den Arbeitgebern dann die ausgelaufenen Kosten. Mit dem neuen Auslagenersatz, der allein für eigene Fahrtkosten und die Verpflegung draufgehen dürfte, schafft die Stadt nun einen zusätzlichen Ausgleich für die bei den Rettern anfallenden privaten Kosten. „Bereichern kann sich da niemand“, sagt Albrecht.

Einzigartiges Konzept in Schleswig-Holstein

„Das ist ein Weg, über den man in Zukunft verstärkt nachdenken sollte. Unsere Kameraden opfern schon ihre Freizeit, und das nicht zu knapp, da kann es nicht sein, dass sie auch noch Geld mitbringen müssen, um anderen zu helfen“, sagt Lauenburgs Wehrführer Lars Heuer. Ähnlich sieht es sein Schwarzenbeker Kollege Martin Schröder: „Wer zum Einsatz fährt, hat ja schon einige Aufwendungen. Er zahlt seinen Sprit, muss unter Umständen nach einem Brand stinkenden privaten Kleider waschen. Das geht natürlich alles nicht zum Nulltarif, wenn man neue Kräfte sucht.“ Holger Bauer vom Landesfeuerwehrverband in Kiel ist keine andere Kommune in Schleswig-Holstein bekannt, die auf diesem Weg Anerkennung ausdrückt. „Das fördert die Motivation auf jeden Fall, daher ist es gut“, so Bauer.

Am Montagabend werden Geesthachts Politiker – die für ihr Amt eine deutlich höhere Aufwandsentschädigung erhalten – das Vorhaben beraten. Die öffentliche Sitzung des Gremiums beginnt um 18 Uhr im Rathaus. (Text: Timo Jann)

In Geesthacht sollen aktive Feuerwehrleute für jeden Einsatz künftig vier Euro erhalten. Symbolfoto: Timo Jann

In Geesthacht sollen aktive Feuerwehrleute für jeden Einsatz künftig vier Euro erhalten. Symbolfoto: Timo Jann

Kommentare

29 Kommentare zu “Geesthacht zahlt pro Einsatz Geld”
  1. Michael sagt:

    Halt ich für falsch und gefährlich. Sind doch weitere durch Feuerwehrmänner gelegte Brände vorprogrammiert wenn die dafür auch noch Geld kriegen. Abgesehen davon würde ich niemals Geld für Aktivitäten in der Feuerwehr nehmen.

  2. FF´ler sagt:

    Könnte man ja mal bundesweit einführen oder auch einfach eine Feuerwehrrente.
    In Frankreich ist das meines Wissens schon lang gang und gebe!

  3. Flo sagt:

    Wir bekommen selber eine Aufwandsentschädigung von 5€ p. Einsatz. Halte ich für in Ordnung. Denn damit werden Spritkosten, Geld für anfallende Wäsche usw. doch halbwegs gedeckt. Klar bei 5-10 Einsätzen im Jahr kostet das ganze nicht die Welt. Aber bei 150-250 Einsätzen kann das schon ordentlich zur Last fallen.

  4. schmidti sagt:

    Bei uns gibts schon seit jahren geld für einsätze, anfangs waren es 3 €, aktuell 5 € und bald 8 €.
    Bei Öffentlichkeits arbeiten die von unserer Stadt aus gehen (Veranstaltungen, Brandwache bei feierlichkeiten, usw.) gibts bis zu 15 €
    Dachte das wäre eigentlich schon normal bei Freiwilligen Feuerwehren, da das ja auch bei uns in der gegend alle so haben, aber ok.

  5. Felix sagt:

    Warum sollen nur gewisse Positionen eine Aufwandsentschädigung bekommen? Jedes Mitglied einer „Freiwilligen Feuerwehr“ = „Bürgerschaftliches Engagement“, ist gleichgestellt und nur unterschieden von seinem Ausbildungs/Dienstrang. Dies solle aber nichts mit der „gewissen Position“ zutun haben, wie Michael Gögge sagte!
    Es ist angemessen das für die erbrachte Leistung, auch ein Ehrenamtliches Feuerwehrmitglied eine geringe Aufwandsentschädigung bekommt.
    Wir bekommen auch eine Aufwandsentschädigung von der Gemeinde/Stadt für unsere Einsatzbereitschaft.

  6. Emil sagt:

    @Michael Gögge
    das hat damit zu tun, dass bei 300 Einsätzen im Jahr vielelciht irgendwann mal genug ist…
    wenn die FF Kleinkleckersdorf 2x zu einer Ölspur fährt, ansonsten nur den Umzug des Schützenvereins absichert und dann noch das zitierte Freibier genießt – dann mag das ausreichend sein, aber hier finde ich die Entschädigung absolut angebracht, ein tolles Beispiel, wie eine Kommune Anerkennung ausdrückt

  7. Andre sagt:

    Ich finde es richtig, dass es für jeden Einsatz eine Entschädigung geben sollte. Wie oben schon gesagt, selbst die Kommunalpolitiker bekommen für jede Sitzung Geld. Sie stehen aber nachts nicht auf , wenn der Melder oder die Sirene geht. Man kann es ja verwenden um die Kameradschaftskasse aufzubessern.

  8. Alexander Kurda sagt:

    was hier einige Denken – diese 4 Euro pro Einsatz sind keine Bereicherung oder gar ein Anreiz für mehr Feuer sondern lediglich eine Unkostendeckung für die Anfahrt zur Wache und nach dem Einsatz von der Wache zurück!!
    Dazu dann der Fakt, dass private Zeit – und öfter mal auch der Schlaf – flöten geht finde ich die paar Cent vollkommen in Ordnung, wenn man An-/Abfahrt und Verschleiß abzieht – da bekommen sie mit Wegegeld (0,3€/km) auch kaum weniger.

    Dazu kommt noch, dass eben nicht nur Zeit bei den Rwttungsarbeiten an sich draufgeht, sondern auch an den Übungsabenden, reinigen des Equipments, Lehrgänge, etc.

    Wer hier von Bereicherung redet, zeigt nur was er selber tun würde.

    Arme Gesellschaft.

  9. Felix sagt:

    Also in meiner Heimat gibt’s 20€ pro Alarmierung .
    Das Argument dadurch werden zündelnde Feuerwehrmänner geboren ist meines Erachtens Quatsch .
    Denn wer solch psychisches Problem hat , wird es wohl kaum an ein paar Euro abhängig machen.
    Der normale Feuerwehrmann wird kein Brand legen für die paar Euro denn Reich wird man damit nicht,
    mal abgesehen von dem schlechten Gewissen und das es ein no – go ist !!
    Ich finde es allerdings sehr gut um Kammeraden Anerkennung zu zeigen und sie zu ermutigen zum Einsatz zu erscheinen.
    ( ist zwar traurig aber das Problem mit mangelnder Einstatzbeteiligung haben viele Wehren)

  10. beacher88 sagt:

    Bei uns gibt es 10 Euro pro Stunden aber dafuer auch keinen Lohnausfall der ist damit auch ,,gedeckt“. Denk jeder bringt genuegend unbezahlte Zeit noch in seiner Organisation ein das es nur angemessen ist das man wenigstens die Einsatzzeiten die sich die Staedte als unsere Traeger ja auch bezahlen lassen, erstattet bekommen.

  11. Lennard Lange sagt:

    Ich denke eine aufwandentschädigung bei wehren mit 30 einsätzen ist gut, sollte aber nicht ausgezahlt werden, sondern in die getränkekasse fließen. Und bei ner wehr mit 300 einsätzen sollte man über eine kleine freiwilligkeit nachdenken die entschädigung von max. 3-4€ auszuzahlen, oder für ein gemeinsamrs fest zu sparen.

  12. Huber37 sagt:

    Also manche Kommentare sind echt für den Ar… Wegen 4,– € einen Brand legen? Oder dafür weiss Gott wohin in ne andere Stadt fahren? Kopfschüttel. Feuerwehr ist eine Dienstleistung am Bürger. Das „Freiwillig“ wird inzwichen zurecht von vielen aus dem Namen gestrichen. Es passt nciht mehr in die Landschaft. Denn freiwillig sit nur der Eintritt. Der Rest ist Pflicht. Auch wenn jetzt der Aufschrei kommt. Wir bekommen 12,– € die Stunde als Verdienstausfall. Für viele ein Minusgeschäft. Warum sollen die Bürger „Ihre“ Feurwehr nicht vernünftig „entlohnen“? Keiner regt sich drüber auf, dass Trainer und Übungsleiter in Sprotvereienn Entschädigung bekommen. Jeder Gemeinderat bekommt Sitzungsgeld und dort kostenlos zu essen und trinken. Auch das ist ein Ehrenamt. Warum lassen viele Gemeinde, auch untertags, Ölspuren von der „freieilligen“ Feurwehr beseitigen? Richtig wei es die für Umme machen. Die Bauhofmitareiter ksoten Geld. Bei usn im schwäbischen gibt es ein Sprichwort – „as nix kost ischt nix“. Darum sollten Verwaltung und Bürger schon sehen, das Feuerwehr Geld kostet, aber auch dass dieses Geld die beste Rendite abwirft. Nämlich gerettete Sachwerte und gerettete Leben und Gesundheit. Bei einem Unfall wird die Polizei udn der Rettungsdienst hauptamlich odrdentlich bezahlt. Und die Feuerwehr machts umsonst? Das soll mir mal einer erklären.

  13. Patrick sagt:

    „Die vier Euro wären ein Anreiz, das auch beim X-ten Mal zu tun.“

    Also wenn ich keine Lust habe, nachts freiwillig zu einer BMA zu fahren, ändern daran auch 4€ nichts! Und ob das für Interessenten die Motivation zu einem Eintritt erhöht, wage ich auch zu bezweifeln.

  14. Svenja sagt:

    ich finde das nicht gut. habe durch einen Umzug die Feuerwehr gewechselt und dort haben wir sogar einen jahresbeitrag zahlen müssen. fand das aber in Ordnung. auch bei diversen diensten auf festen etc spenden ich und viele andere in der wehr den Lohn dem feuerwehrverein. klar opfern wir Zeit, Sprit usw aber es ist ja immerhin auch ein Hobby und wer bekommt schon Geld für sein Hobby?

  15. Basti V sagt:

    WOW was für ne „neue“ Nachricht, die schlägt ja ein als wenn ne englische Frau ein Kind gebärt. „Reinigungsgeld“ ist eine gute Sache für Kameraden die sich kaum neue Strümpfe leisten können (FA wissen wie schnell Die verschleißen) ansonsten kann man dieses Geld auch einfach an den FW-Verein spenden.
    Fazit: Da ist garnichts schnelltes dran!

  16. M.T. sagt:

    Denkt auch an das Finanzamt das holt sich auch seinen Teil von dem Geld. Spreche aus Erfahrung. 🙁

  17. S Glock sagt:

    Warum ich für eine Entschädigung bin:

    1. Bei eine Alarm fahren Kameraden vom Ihrer Arbeitsstelle weg, wenn der Arbeitsplatz in den Nachbargemeinden liegt sind es schon mal bei einfacher Fahrt 10 Km.

    2. Bei uns sind Kameraden auch in die Nachbargemeinden gezogen, machen aber weiterhin Dienst in der “Heimatgemeinde“, dadurch entstehen Fahrtkosten.

    3. Wenn bei manschen Feuerwehren alle 48 Stunden ein Alarm ausgelöst wird, ist dies auch eine Belastung.

    4. Wenn ich im Sommer für mehrere Stunden auf der Autobahn schmore oder im Winter bei Kälte und Regen einen VU absichere, hätte ich dafür auch gerne eine Entschädigung.

    5. Wenn ich in der Nachbargemeinde beim Einkaufen bin und ich einen Alarm bekomme, fahre ich zum Gerätehaus.

    6. Wenn ich im Freibad bin und dafür 3Euro Eintritt bezahlt habe, verlasse ich vorzeitig das Freibad bei einem Alarm.
    7. Wir konnten auch Studenten gewinnen die unsere Tagesverfügbarkeit verbessert hat, die sich bei uns dadurch Ihr Studium finanzieren.

    8. Durch die Entschädigung beantragt von uns keiner einen Verdienstausfall, es entsteht dadurch kein bürokratischer Aufwand bei der Gemeinde oder Arbeitgeber. Die Fehlzeit wird vom Überstundenkonto abgebucht oder man bleibt länger bei der Arbeit um seine beruflichen Arbeitsaufgaben zu erledigen .Mit dieser Vorgehensweise sind unsere Arbeitgeber zufrieden.

    Eine FW-Übung kann ich zeitlich planen, einen Einsatz nicht!
    Es entstehen dabei immer Unkosten für den Feuerwehrangehörigen, deswegen bin ich für eine Entschädigung!

Kommentare

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