Feuerwehr-Reporter: Rescuedays 2009
11. November 2009 von Michael Klöpper
In Zusammenarbeit mit Dräger schickt das Feuerwehr-Magazin den “Feuerwehr-Reporter” auf Deutschland-Tour. Er besucht Feuerwehren vor Ort, spricht über Probleme und berichtet über spannende Einsätze oder interessante Übungen. Regelmäßig erscheinen ab sofort Reportagen und Filmbeiträge auf feuerwehrmagazin.de. Aus Ihrer Einheit gibt es etwas interessantes zu berichten? Feuerwehren können sich weiterhin für den Besuch bewerben.
200 Schrottfahrzeuge fachgerecht zerlegt
Norderstedt (SH) – Es ist die Veranstaltung, auf die über ein Jahr in Norderstedt hingearbeitet wurde. Sinn und Zweck der Rescuedays: Neue Methoden der technischen Hilfeleistung sollen vermittelt werden. Die Rescuedays, initiiert von Weber Hydraulik, sind dabei zwar auch eine Werbeveranstaltung, doch eben nicht in erster Linie: „Das könnt Ihr auch aus dem Baumarkt holen“, ruft ein Ausbilder, „aber bitte nichts erzählen von mir!“ So wird der Geist der Veranstaltung schnell klar: Es geht um die patientengerechte Rettung von Menschen – und da ist die Marke erst einmal egal, Hauptsache es funktioniert!
In Norderstedt prallten zwei Welten aufeinander: Die perfekte Organisation des Teams rund um Gemeindewehrführer Joachim Seyferth und die Wünsche des Verkaufsleiters Reiner Stuber. Es schien, als haben sich zwei Gleichgesinnte getroffen. Der eine wollte eine Veranstaltung, die gut läuft (Stuber) – der andere wünschte sich eine Veranstaltung, die ein Zeichen setzt, in der Stadt und darüber hinaus. So war es dann auch:
- 500 Teilnehmer in drei Tagen
- fast 200 Schrott- und Nullserienfahrzeuge, Busse und Lkw-Fahrerkabinen
- 250 Helfer aus der ganzen Region
- am Besuchertag mehr als 15.000 Zuschauer mitten in der Innenstadt
Es war gigantisch, was geboten wurde. So gab es zum Beispiel eine eigene Zeitung: „Jeden Morgen hatten die Teilnehmer die ‚Rescuedays News‘ an der Hotel-Rezeption. Es konnte sich also jeder schon beim Frühstück informieren, was lief und was Neues kommt“, berichtet Joachim Seyferth (52) stolz. Dazu Kleinigkeiten, die einfach zeigen, mit was für einer Liebe hier das Orga-Team und viele sehr aktive Helfer der Veranstaltung Herz und Seele einhauchten: Zu Beginn der Übungsszenarien wurden an der abgesperrten Rathausallee Schilder aufgebaut. Diese waren an die Spielstraßen-Motive angelehnt – aber eben passend zu den Rescuedays verändert. In einer Sporthalle gab es punktgenau und reichlich für alle Teilnehmer Frühstück, Mittagessen und auch Kaffee und Kuchen.
Rückzugspunkte mit Fachausstellern gab es am Rathaus und die Fachvorträge im Mehrzweck-Saal „Tribüne“. Kurze Wege für die Teilnehmer standen an der Tagesordnung. Dazu alles sichtbar, offen für Besucher. So waren an allen drei Tagen nicht nur Norderstedter Bürger in der Stadt, sondern viele Feuerwehrleute aus der ganzen Region, die nicht für die Teilnahme bezahlten, aber dennoch erlaubterweise das eine oder andere „mit den Augen stehlen“ konnten.
Freitagabend gab es eine große Willkommensfeier im Feuerwehr-Museum Schleswig-Holstein, das (natürlich) in Norderstedt ist. Der Samstag stand ganz im Zeichen des verregneten Tages. In der „Tribüne“ gab es eine heiße Feuer-Show und am Sonntag, dem Besuchertag, ein großes Rahmenprogramm mit Übungen und Vorführungen im Volksfest-Charakter. Ein gutes Konzept: Zum Ende wurde noch ein gemeinsames Foto aufgenommen und kurze Reden zur Verabschiedung gehalten.
Über allem stand die Frage: “Und, was machen wir ab morgen?” Das fragten sich nämlich viele Helfer zum Ende der Rescuedays in Norderstedt. Denn Punkt 18.30 Uhr war die Norderstedter Veranstaltungs-Variante nur noch Geschichte. Wenn man jedoch den Ausbildern und Organisatoren glaubt, sollte es nicht der letzte Besuch in Norderstedt gewesen sein. Reiner Stuber freute sich schon, nachdem Gemeindewehrführer Joachim Seyferth seine Abschlussrede mit den Worten: “Tschüss und bis bald”, beendete. Doch Seyferth bemerkte den schelmischen Gesichtsausdruck und schob hinterher: “Wir haben bestimmt in naher Zukunft wieder einmal eine Veranstaltung in Norderstedt, zu der es sich zu kommen lohnt.”
Damit würde das Thema Rescuedays in Norderstedt wohl eine einmalige Sache bleiben. Dies ist verständlich: Haben doch an die 250 ehrenamtlichen Helfer seit Oktober 2008 an dem Projekt gearbeitet. Vier Tage lang in schwerer körperlicher Arbeit nicht nur Autos und das Areal vorbereitet. Eine Ausstellung, ein Volksfest und viel mehr auf die Beine gestellt. So sagte dann auch Volker Oberhagemann, der den Geschäftsbereich Rettungsgeräte des Hydraulik-Rettungssystem-Herstellers leitet. “Das waren die siebten Rescuedays und es waren die besten. Ich möchte vorsichtig sein mit Superlativen. Aber wir können uns nicht vorstellen, dass es noch etwas Vergleichbares geben wird! Das ist schwer zu toppen!” In den Dankesworten von Stuber und Seyferth hatten vor allem die Helfer des Betriebsamtes ein großes Dankeschön erhalten. Hatten die Mitarbeiter doch die Autos zu den Übungsorten gefahren und dann auch wieder zum Schrottplatz gebracht. Als Dank für das ehrenamtliche Engagement aller Beteiligten soll es eine große Helferfeier geben. Mit stehenden Ovationen wurde den Helfern gedankt – sogar Oberbürgermeister Grote war extra privat zur Verabschiedung geeilt.
Die nächsten Rescuedays finden vom 1. bis 3. Oktober 2010 in Thüringen statt. Die Stadt Hermsdorf hat sich erfolgreich darum beworben und nun ein Jahr lang Zeit, es nach ihren Ideen vorzubereiten.