Dienstag, 2. September 2014

Feuerwehr-Reporter: Löschfahrzeug gestohlen

Feuerwehr-ReporterIn Zusammenarbeit mit Dräger schickt das Feuerwehr-Magazin den “Feuerwehr-Reporter” auf Deutschland-Tour. Er besucht Feuerwehren vor Ort, spricht über Probleme und berichtet über spannende Einsätze oder interessante Übungen. Regelmäßig erscheinen ab sofort Reportagen und Filmbeiträge auf feuerwehrmagazin.de. Aus Ihrer Einheit gibt es etwas interessantes zu berichten? Feuerwehren können sich weiterhin für den Besuch bewerben.

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Gelting: Und plötzlich war das Löschfahrzeug weg

 

Das neue Löschfahrzeug in Gelting vor der Wache.Gelting (SH) – Am 25. Juli, einem Samstag, wurden die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Gelting an der Ostsee (Schleswig-Holstein) unsanft geweckt: „Es war 4.21 Uhr. Die Alarmierung habe ich noch auf dem Meldeempfänger“, sagt Dirk Petersen (39), stellvertretender Ortswehrführer. „B199 – Lehbek – Verkehrsunfall“, lauten die kurzen Stichworte auf dem DME.

Soweit normal, für Feuerwehrleute. Doch als der Vize-Chef an der Wache ankam, war das Löschfahrzeug schon weg. Ungewöhnlich und dann von Kameraden die Info, das Fahrzeug sei gestohlen worden. Ein Anruf bei der Leitstelle bestätigte alles: „Ich war entrüstet“, so der 39-Jährige. „Wir sind doch eine Organisation, die hilft“, betont der Segelmacher schockiert. Auch Orts- und Gemeindewehrführer Bernd Kraack-Petersen (42) konnte es kaum glauben: „Ich bin direkt von zu Hause zum Einsatzort gefahren. Als ich das Auto im Graben sah, wusste ich, es muss unser Fahrzeug sein. Es hat nur eine Wehr im Amt ein so großes LF. Es war nach vorne hin überschlagen und total zerstört.“

Unfall mit gestohlenem Feuerwehrfahrzeug der Feuerwehr Gelting. Foto: Sebastian IwersenFünf Tage später konnte der Täter gefasst werden, es soll sich um einen 19-Jährigen gehandelt haben: „Er kommt nicht aus unserer Gemeinde, wir kennen ihn nicht. Die Polizei gibt uns aber auch keine näheren Hinweise“, sagt Kraack-Petersen. Das einzige, was sich erzählt wird: Der junge Mann soll betrunken gewesen sein, wollte einen zehn Kilometer langen Weg nach Hause nicht zu Fuß gehen. Freunde hatten ihn im Auto bis kurz vor das Feuerwehrgerätehaus in Gelting gefahren. Zeugen für den Einbruch gibt es nicht. Aber Spuren: „Erst hat er hinten ein Fenster eingeworfen. Da die Tür zur Fahrzeughalle immer verschlossen ist, kam er hier nicht rein. Dann hat er an der Seite ein weiteres Fenster eingeworfen, hat es geöffnet und dann das Fahrzeug gestohlen“, berichtet Dirk Petersen. Nach gut einem Kilometer, kurz hinter einer Bushaltestelle und vor der Einmündung nach Stangheck knallte das Fahrzeug gegen den Bordstein und überschlug sich. Als die ersten Helfer vor Ort eintrafen, war der Täter schon weg. Der Motor war aus, doch die Zündung und das Licht waren noch an. „Wir waren nicht wütend. Das bringt ja nichts. Wir wollten schnell wieder einsatzbereit sein!“, sagen die Feuerwehrleute.

Nach dem Diebstahl am Wochenende wurde schon am Montag in großer Runde mit der Verwaltung, dem Bürgermeister und Kreisbrandmeister nach einer Lösung gesucht. Wichtig: Die technischen Hilfeleistungsgeräte, Schere und Spreizer hat nur Gelting, 20 Kilometer Bundesstraße sind damit abgedeckt. Es musste also schnell gehandelt werden. Bernd Kraack-Petersen erklärt: „Es war mitten im Sommer, da verdreifachen sich die Einwohnerzahlen durch die vielen Besucher. Außerdem ist Erntezeit – ein Unfallschwerpunkt also.“

Das neue Löschfahrzeug in Gelting.Innerhalb nur weniger Tage, gab es auf der Internetseite der Wehr (www.gelting-feuerwehr.de) mehr als 7.000 Besuche. „Die Solidarität war unglaublich. Wir hatten Angebote für private, alte Löschfahrzeuge erhalten. Sogar die Kieler Berufsfeuerwehr wollte uns helfen. 100 Einzelspender wollten uns Geld zukommen lassen. Daher haben wir ein Konto eingerichtet.“ Dank des Fahrzeug-Herstellers Rosenbauer aus Luckenwalde konnte schon am Donnerstag ein etwa ein halbes Jahr altes Vorführfahrzeug günstig neugekauft werden. Nur sechs Tage nach dem Diebstahl. Trotz des Wunsches, dass die alte Beladung weitestgehend auf das neue Fahrzeug passen und das LF sofort verfügbar sein sollte.

Auch Dräger half, denn die  Kreisfeuerwehrzentrale wollte die auf dem Unfallfahrzeug verlasteten Atemschutzgeräte nicht prüfen: „Unser Kreisbrandmeister brachte sie nach Lübeck und uns wurde schnell und unkompliziert geholfen, damit wir wieder einsatzbereit sind“, betont Gerätewart Dirk Callsen (40) von der Ortswehr Gelting.

Sogar ein Foto-Puzzle mit dem neuen LF gibt es.Ende Oktober wurde nun ein Herbstfest gefeiert: „Unsere Frauen haben gebastelt und Essen verkauft“, so der Ortswehrführer. Ein Kalender mit Motiven des neuen Fahrzeuges im Ort wurden hergestellt und sogar ein Puzzle mit 77 Teilen gibt es mit „unserem Neuen“, wie die Geltinger das LF 16/20 liebevoll nennen. Das Amt hat das Fahrzeug vorfinanziert. Damit aber die anderen 29 Wehren des Amtes so gut wie – oder gar nicht für das neue Löschfahrzeug mitbezahlen müssen, sollen die Spenden genutzt werden. Ein paar tausend Euro fehlen jedoch noch.

Der Täter wird sich übrigens wohl bald vor dem Amtsgericht in Flensburg verantworten müssen. Bei den Feuerwehrleuten entschuldigt, hat er sich übrigens nicht. „Das würde auch gar nichts bringen. Da haben unsere Kameraden kein Interesse dran“, sagen die Feuerwehrleute und wollen einfach nur noch wieder in Ruhe ihren Dienst tun.

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