Freitag, 18. August 2017

Feuerwehr Hamburg nicht schnell genug?

20. Juni 2012 von  

Hamburg – Ein Gutachten zur künftigen Ausrichtung der Feuerwehr Hamburg sorgt in der Hansestadt für Aufsehen. Das Papier, von dem es nur wenige Exemplare, unter anderem in Händen von Feuerwehrchef Klaus Maurer und der Innenbehörde, gibt, weist dramatische Probleme aus. So soll es in den Jahren 2010 und 2011 insgesamt 9.024 „zeitkritische“ Brandeinsätze gegeben haben, bei denen die Feuerwehr Hamburg theoretisch innerhalb von acht Minuten am Einsatzort sein sollte, es aber nicht schaffte.

Weitere fünf Minuten später sollte eine Ergänzungseinheit am Einsatzort sein. Doch diese Zeit wird ebenfalls oft nicht erreicht. Eigentlich möchte man in 85 Prozent der Brandeinsätze diese Zeit erreichen, tatsächlich soll man es aber nur in der Hälfte aller Einsätze schaffen, den Bürgern die gewünschte Hilfe in der entsprechenden Zeit zuteil kommen zu lassen.

430 zusätzliche Mitarbeiter für „Idealmaß“ erforderlich

Die verantwortliche Hamburger Innenbehörde sieht eine Ursache des Problems im ungewöhnlich hohen Krankenstand innerhalb der Feuerwehr Hamburg. Der liegt bei zwölf Prozent, auch wegen der hohen Arbeitsbelastung. Doch: Ohne zusätzliche Stellen lässt sich das Problem nicht zum Positiven wenden, heißt es in dem Strategiepapier. Um die gewünschten 85 Prozent erreichen zu können, wären gut 130 neue Stellen innerhalb der Feuerwehr nötig, um das eigentlich gewünschte „Idealmaß“ von 95 Prozent zu schaffen, wären sogar 430 weitere Mitarbeiter nötig.

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Immerhin geht es um Vorgaben, nach denen bundesweit die Berufsfeuerwehren ihre Ausrichtung aufbauen. Doch die wachsende Stadt Hamburg schafft es immer seltener, diese Wunschzeiten tatsächlich zu erreichen. Parallele Einsätze und weite Wege verhindern dies. Und mangels Geld in der Stadtkasse stehen die Chancen für das erforderliche zusätzliche Personal schlecht. So schreibt Klaus Maurer in der neuesten Ausgabe des Mitarbeitermagazins „Löschblatt“ auch, dass man eine Entscheidung benötige, wie viel Feuerwehr sich die Gesellschaft künftig leisten möchte. Eine kniffelige Frage, die für Zündstoff in der Millionenmetropole sorgt.

Was passiert mit den Außenwachen?

Nach Informationen des Feuerwehr-Magazins könnten die Stadtteile, die weit entfernt von den vorhandenen Feuer- und Rettungswachen liegen, durch Außenwachen besser geschützt werden. Doch aufgrund des geringen Personalstammes spricht zurzeit wohl Vieles dafür, vorhandene Außenwachen, etwa im Stadtteil Wilhelmsburg, sogar noch zu schließen – um mit dem dort frei werdenden Personal die anderen Wachen aufzufüllen. Dasselbe könnte der in Billstedt stationierten Tauchergruppe drohen, die laut „Strategiepapier 2010“ aufgelöst werden könnte. Ver.di-Fachbereichsleiterin Sieglinde Frieß sagte gegenüber dem „Hamburger Abendblatt“: „Die Feuerwehr wird von der Stadt sträflich vernachlässigt.“  (Text: Timo Jann)

Führungskräfte der Feuerwehr Hamburg: Kommt die Hilfe in der Hansestadt schnell genug? Foto: Timo Jann

Kommentare

30 Kommentare zu “Feuerwehr Hamburg nicht schnell genug?”
  1. BluSonic sagt:

    Ich denke die BF Hamburg hätte weniger Probleme qualifiziertes Personal zu bekommen, wenn sie auch endlich mal Kaufleute annehmen würden und nicht nur Handwerker/Rettungsassistenten.
    Man kann schon x Jahre Erfahrung aus ner FF haben aber sobald die Personalverantwortlichen in der Bewerbung lesen das man Kaufmann ist, gibt es ne Absage. Das Problem ist meiner Meinung nach hausgemacht.

  2. anonym sagt:

    Klar, dass kein Geld mehr für die Feuerwehr da ist… steckt ja alles in der Elbphilharmonie…
    Eine Hafencity kann man sich leisten, aber den Schutz für die Stadt, in der sie gebaut wird scheinbar nicht… Das ist ARM.

  3. Marco sagt:

    Vielleicht sollte man auch mal an andere Verkehrs teilnehmer applaudieren , die wie volltrottel durch die stadt fahren, und die die dämlich parken in 2. Reihe zb. Und dann noch 2 Baustellen auf dem weg zum Einsatz und schon kann man nicht mehr die 8 min einhalten!!!

  4. Dominik sagt:

    Es ist einfach der Hammer.Man sieht wo gespart wird,an besten,sollte man die Außenstellen schließen und diese Leute versetzen.Dann werden in dem geschlossenen Bereich dringend Leute gesucht,weil dort die Feuerwehr gebraucht wird.Aber das interessiert ja Hamburg gar nicht.Aber daraus muss man lernen.Wenn man das System jetzt endlich ändern würde,würde man sehen wie sich alles verbessern würde.
    Diese SPAREREI von der Stadt Hamburg wird keiner AKZEPTIEREN!!!ABER Geld in die tolle Elbphilharmonie zu stopfen,da bleibt das Geld.

    MEIN TIPP:
    -System ändern
    -Stadt Hamburg soll aufhören zu sparen!UND mal Geld von der Polizei streichen.Denn jeden Monat neue Autos??

  5. Horst sagt:

    Komisch, vor kurzem wollte die BF Hamburg noch die Aufgaben der Werkfeuerwehren im Stadtgebiet „mal eben so miterledigen“. Die Tunnelwache – vorher bei der Baubehörde – mußte auch unbedingt übernommen werden. Die Stadt hat sich in den letzten 10 Jahren ja nun nicht so gewaltig verändert – irgendjemand kann da nicht rechnen oder nicht planen.

  6. Kenner des Reisbärn sagt:

    @Patrick

    Solte man wissen wer das ist. Bei Firmen muss man auch die Geschäftsführer kennen, teilweise auch noch Mutter und Tochterfirmen.

    Gruß KdR

  7. Horst sagt:

    Vielleicht sollte die BF Hamburg mal wieder die freie Heilfürsorge einführen, die Krankenkasse die die Kameraden selbst zahlen müssen ist auch nicht gerade ein Anreiz für diesen Job!

  8. HLF-Fahrer sagt:

    @BluSonic
    Auch wenn es nicht unbedingt die Hilfsfristen betrifft, die im Artikel bemängelt werden. Ich kann BluSonic nur zu stimmen. So mancher Feuerwehr würde es gut tun, wenn jemand mit kaufmännischem Hintergrund Mitglied wäre. FF wie BF. Das gilt auch für den operativen Einsatzdienst.

  9. Patrick sagt:

    Die sportlichen Anforderungen an die Bewerber sind teilweise jenseites jeder Realität. Hier ein etwas überspitztes Beispiel: Der eine Bewerber (Spargeltarzan) schafft den Test mit links, kann aber später niemals eine „normal gebaute“ Person aus einem Haus ziehen. Ein anderer Bewerber (sportlich, kräftig gebaut) schafft einen Test nicht, obwohl er später zwei Personen aus einem Haus tragen könnte. Habe ich so ähnlich wirklich erlebt (nicht in Hamburg). Da stimmt doch etwas nicht …

  10. Peter Lamaack sagt:

    Eine erhebliche Einsparungsmethode sähe ich in der Herauslösung der rettungsdienstlichen Aufgaben aus dem Gesamtpaket der BF.
    Dies ist zwar in HH „historisch bedingt“ aber dennoch kein Grund, es für alle Zukunft mit einer Bestandsgarantie zu versehen.

    Sowohl das umfangreiche Aufgabengebiet als auch die in den letzten Jahrzehnten immer grösser werdenden Aufgabenbereiche des RD machen es unmöglich, „eierlegende Wollmilchsäue“ auf den Wachen vorzuhalten.
    Wenn die Hilffristen im Hamburger RD u.a. nur deswegen einigermaßen erreicht werden, weil die reguläre FW-Wachenbesetzung zeitgleich das C- oder D-Fzg. des RD besetzen muß, ist das ein permanentes Betrügen der Bevölkerung.
    Damit meine ich NICHT die Paralellbesetzung nur selten benötigter FW-Spezialfzg., sondern den alltäglichen Zustand.

    Das ganze passiert „unbemerkt“ weil die aufsichtsführende und dem Senat Rechenschaft ablegende Behörde gleichzeitig der Monopolerbringer von RD-Leistungen ist.
    Das Argument, daß die auf den Feuerwehr-RTW arbeitenden Mitarbeiter ja auch FW-Aufgaben übernehmen können, entlarvt sich bei 15 – 20 Einsätzen in 24 Std. pro RTW als glatte Lüge!

  11. Chris Eric sagt:

    Habe diesen Post über Feuerwehr wirklich sehr gerne gelesen. Danke dafür. Den Blog werde ich ab jetzt öfter besuchen. Gruß, Chris Eric!

  12. A. Ti. sagt:

    Also ich denke, dass hier ebenso die Politik einbezogen werden sollte. Der Grund hierfür liegt in der Finanzpolitik, die ein weiteres aufstocken der BF unmöglich macht. Desweiteren ist der Vorschlag, den RD auszugliedern nur zu unterstützen, um das gebundene Personal frei zu bekommen. Dazu wäre ebenso zu überlegen, ob es sinnvoll wäre Angestellte im Feuerwehdienst einzuführen!? Ähnlich wie bei der Polizei.
    Dann wären mit Sicherheit dutzende schon fertig ausgebildete Feuerwehrleute von den freiwilligen Wehren Gewehr bei Fuss. Nur muss dann natürlich die Bezahlung stimmen (BAT)?
    Allerdings wird sich eh so schnell nix ändern, es sei denn die Bevölkerung wird hierüber mal aufgeklärt!!!
    Aber mal sehen, vielleicht…?

  13. Wasserwerfer sagt:

    Hamburg hat kein Geld !!!

    Deswegen kann die Stadt auch keine neuen Leute ausbilden !!!!

    Und zu den anderen Kommentaren bezüglich des Einstellungstestes, es ist doch klar das die BF Handwerker braucht. Im Einsatz ist technisches Wissen zwingend erforderlich. Da nutzt es nichts wenn man sich in der Buchhaltung auskennt. Außerdem muss man 120% fit sein, denn der Beruf soll ja 30 Jahre ausgeübt werden. Wenn man beim Test allerdings schon Übergewicht hat und nicht mal das deutsche Sportabzeichen schafft, dann hat man bei der Truppe wohl nichts verloren.

    Aber vileicht kann Hamburg ja einfach mal die prioritäten verschieben zum Wohl der Bürger und Sicherheit.

  14. Daniel sagt:

    Hallo Leute,
    ich glaube nicht dass es wirklich an mangelnden Bewerbern liegt oder das, wie es ein enttäuschter Bewerber sagte, sie keine Kaufleute nehmen.
    Ich glaube der Beruf des Feuewehrmannes hat an Aktraktivität verloren.
    Er wird zwar gut bezahlt aber nicht so dass man mit dem Feuerwehrmann und dem Rettungsassistenten zwei Job´s honoriert. Desweiteren ist der Feuerwehrman immer der doofe. Die Leute die neben der Feuerwache wohnen mögen Ihn nicht weil er immer Blaulicht und Martinshorn anmacht, und die Leute die fünf Minuten auf Hilfe warten müssen weil sie sich ausgesperrt haben oder zu fett sind um alleine die Treppe runter zu kommen verstehen nicht warum wir so lange gebraucht haben.
    Zu dem Kammeraden de FFW. Natürlich kann Hamburg, wie alle anderen Städte auch, mit ihren ehrenamtlichen Helfern die Ausrückezeiten halten aber sind wir doch mal ehrlich. Jeder FFW-Mann hat einen richtigen Job wo er bezahlt wird. Man kann die Gewährleistung von Ausrückezeiten nicht auf dem Rücken derer halten die Tagsüber ihrem Hauptjob nachgehen und sich die Nächte mit der FFW um die Ohren schlagen.
    Man kann das Ehrenamt nicht hoch genug loben aber meiner Meihnung sollte das in eine Brandschutzbedarfsermittlung nicht einfließen.
    Ich sehe das bei uns in LE. Immer mehr FFW´s können nicht mehr ausrücken weil sie nicht genug Leute haben oder ihre Chef´s ihnen schlicht weg untersagen wärend der Arbeitszeit zu Einsatz zu gehen.
    Eine FFW als Ersteinheit zum kritischen Wohnungsbrand zu schicken halte ich für gewagt. Ich kenne FFW´s die mit nur zwei Atemschutzgeräteträgern ausrücken,weil ja eh nichts ist, und wenn sie mal garnicht ausrücken können wird erst nach vier Minuten eine Ersatzalarmierung durchgeführt.
    Ich glaube die FFW´s sollten auf jeden Fall mit zu Einsätzen ausrücken und an den E-Stellen auch besonders durch die A-Dienste eingesetzt und gefordert werden. Aber nur zu den Interessanten Einsätzen. Ich muss nicht eine komplette Wehr alarmieren wo 20 Man von Arbeit/zu Hause in die Feuerwehr rasen weil ich nur sechs Mann für eine Tragehilfe benötige. Da sprechen sowohl Kosten/Nutzen als auch die möglichen Gefahren eindeutig für die Berufsfeuerwehr.
    Aber um zum Thema zurück zu kehren.
    Ich glaube alle Städte haben in den letzten Jahrzehnten den Brandschutz, unter berücksichtigung des Einwohnerwachstums und auch des theretorialem Wachstums, schlichtweg vernachlässigt.
    Natürlich ist die Vorhaltung einer schlagkräftigen Feuerwehr ein Verlustgeschäft. Aber sobald man nur ein Meinschenleben retten hat es sich bezahlt.
    „Oder wieviel ist ein Menschenleben in Euro wert??….“

  15. jean sagt:

    also ich finde das man durchaus qualifizierte Leute finden könnte wenn man wollte… und die kriterien etwas zeitgemäßer anpasst, denn ich sehe es nicht mehr als zwingend notwendig an das alle kameraden aus dem handwerklichen bereich kommen. Ich selbst bin seit 12 Jahren in meiner FF tätig, bin studierter betriebswirt und Fotojournalist, handwerklich nicht gerade ungeschickt und einsatzerfahren… als erfahrener Maschinist aber auch im besitz der g26/3 tauglichkeit biete ich genau wie viele andere kameraden mehr an nützlicher erfahrung als viele „einfache“ bewerber aus dem handwerklichen bereich die supersportler sind… denn es kommt drauf an das man in vielen situationen die ruhe bewahren kann und köpfchen hat… zudem sind viele dieser leute erheblich motivierter als „normale“ bewerber ohne feuerwehr hintergrund… und das wir das auch drauf haben und auch nen guten job als freiweillige machen müssen wir nicht mehr beweisen… aber die situation ist ja nicht nur in hamburg so sondern auch in vielen anderen städten… zum einen wird sich totgespart und zum anderen eine falsche personalpolitik betrieben, so kann das system nicht funktionieren… liebe verantwortliche denkt einfach mal drüber nach…

  16. DL-Maschinist sagt:

    Hallo
    Da schreibt doch ein Unkundiger tatsächlich, dass die Hilfsfristen in der Nacht durch die FF eingehalten werden: Der sollte mal erleben wie oft die nicht erscheinen. Und außerdem wird manchmal auch am Tag gelöscht – der fehlt der Sicherungstrupp für den PA-Träger im ersten Angriff

Kommentare

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