Freitag, 9. Dezember 2016

Ermittlungen gegen Feuerwehr-Einsatzleiter

9. Januar 2015 von  

Heide (SH) – Die Staatsanwaltschaft Itzehoe hat Ermittlungen gegen den Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Heide aufgenommen. Der Vorwurf: Der Feuerwehrchef soll dafür verantwortlich sein, während eines Großbrandes ein ungeeignetes Schaummittel eingesetzt zu haben. In der Folge soll der Boden an der Einsatzstelle kontaminiert worden sein.

Die Versicherung des von dem Brand betroffenen Landwirtes weigert sich nach Angaben des Landesfeuerwehrverbandes (LFV) Schleswig-Holstein, die Kosten für die Entsorgung des verunreinigten Erdreiches zu zahlen. Bei dem Einsatz im Herbst 2014 in Heide war eine große Halle betroffen, in der tausende von gepressten Rundballen gelagert waren. Um die Oberflächenspannung des Wassers herabzusetzen, wurde Schaummittel in geringer Dosis als Netzmittel eingesetzt. Dabei soll auch Schaummittel zum Einsatz gekommen sein, das eigentlich nur in Industrieanlagen verwendet werden darf.

Symbolfoto: Praxisübung zum Vergleich Netzmittel und Wasser als Löschmittel (Szene aus Feuerwehr-Magazin-DVD "Brandbekämpfung mit Schaum"). Foto: Hegemann

Symbolfoto: Praxisübung zum Vergleich Netzmittel und Wasser als Löschmittel (Szene aus Feuerwehr-Magazin-DVD „Brandbekämpfung mit Schaum“). Foto: Hegemann

Die Stadt Heide habe sich schützend vor ihren Ehrenbeamten gestellt und ihm Rechtsbeistand gewährt, teilte der LFV mit. Der Kreisfeuerwehrverband Dithmarschen und der  Landesfeuerwehrverband Schleswig-Holstein stünden ebenfalls an der Seite des Einsatzleiters, heißt es in einer Mitteilung.

„Dieser Fall zeigt, welch hohe Verantwortung ein Einsatzleiter hat. Aber es darf hier keinesfalls die Verhältnismäßigkeit außer Acht gelassen werden“, sagten Landesbrandmeister Detlef Radtke und Kreiswehrführer Hans-Hermann Peters. Es sei nicht möglich in der heißen Phase eines Einsatzes die Zusammensetzung eines Schaummittels zu analysieren.

Kommentare

13 Kommentare zu “Ermittlungen gegen Feuerwehr-Einsatzleiter”
  1. daniel sagt:

    Und sonst gehts gut? Versicherungen winden sich heutzutage wo es geht. Und wenn es nur irgendein furz gibt, an dem es vielleicht etwas zu holen gibt. Als Reakton dessen sollte man in Betracht ziehen den Rotz einfach generell kontrolliert abbrennen zu lassen bis auf die allerletzte Grundmauer, weil das 2ct günstiger ist!

  2. Uhde, Peter sagt:

    Zunächst ist es richtig, dass der Aufgabenträger für den Brandschutz sich vor seinen Wehrführer zustellen. Schließlich handelt dieser im Auftrag der Stadt Heide. Die Kameraden setzen mit dem Ziel schneller Gefahrenabwehr nur die Mittel ein die von der Stadt Heide zur Verfügung gestellt werden.
    Um die Frage nach dem Einsatz von Netzwasser genauer zu bedenken, wäre die Kenntnis der konkreten Einsatzbedingungen wichtig.
    Da ich persönlich nichts von einer nachträglichen Kritiken an den Entscheidungen von Einsatzkräften durch nicht beteiligte Dritte halte, werde ich die Entscheidung der Stadt Heide, den Kameraden als fachkundigen Einsatzleiter und Wehrführer einzusetzen, als gegeben betrachten. Damit ist auch der Einsatz von Schaummittel zur Herstellung von Netzwasser durchaus vertretbar.
    Eigene Erfahrungen mit der Einlagerung von Heu und Stroh in leerstehende Stallanlagen werfen in meinen Augen ein besonderes Licht auf das Verhalten mancher Landwirte.
    Die umgenutzten Stallanlagen verfügen in der Regel über keinerlei Vorkehrungen des baulichen Brandschutzes, die eine Einlagerung von Heu oder Stroh berücksichtigen würde. Immer öfter nehmen die Landwirte mit der Einlagerung den Totalverlust des Gebäudes in Kauf. In der Anfangsphase eines Brandes sind meist nur 2 – 3 Zugänge zum Gebäude als Angriffswegen vorhanden. Nicht selten sind die Brandherde über diese Wege nicht einmal zu erreichen. Dadurch werden Einsatzleiter gezwungen durch Fenster- oder Dachöffnungen mit Netzwasser die Brandausbreitung zu verlangsamen. Diese Zeit brauchen die Einsatzkräfte in der Regel mit Unterstützung durch Technik, um die Ballen aus dem Gebäude zu bringen. Der massive Einsatz von Wasser schafft für die Beräumung des Lagers zusätzliche Probleme. Heu und Stroh zählen zu den Stoffen, die Wasser in großen Mengen aufnehmen können. So nimmt das Gewicht der Ballen zu und die Maschinen könnten ihre Leistungsgrenzen erreichen. Also macht Netzwasser durchaus Sinn. Welches Schaummittel kommt zum Einsatz? Natürlich das welches vorhanden ist. Denn die Einsetzbarkeit ist ja vor der Beschaffung bedacht worden.
    Nun wer nachträglich an der Entscheidung des Einsatzleiters zweifelt, der muss sich wohl auch die Frage danach gefallen lassen, ob die Brandbekämpfung in zweckentfremdeten Gebäuden noch zum Grundschutz zu zählen ist. Ist der Landwirt eventuell verpflichtet Vorkehrungen für eine wirksame Brandbekämpfung zu treffen.
    Bleibt zu hoffen das Justitia wirklich blind und unvoreingenommen ist. Ich wünsche allen Kameraden, die in so eine Situation gezogen werden, weil sie helfen wollen, viel Glück und einen guten Anwalt.

  3. Olaf sagt:

    Ich verstehe das ganze nicht ! Hier werden eindeutig wirtschaftliche Intressen vor gesellschaftliche Intressen gestellt. Der Einsatzleiter und die Feuerwehrleute stellen sich freiwillig und in Ihrer Freizeit zur Verfügung um Leben und Werte zu retten. Und da kann der Staat und/oder eine Versicherung nicht mit „rechtsstaatlichen Mitteln“ dagegen vorgehen. Wenn wir unsere fleißigen Freiwilligen Helfer nicht hätten, dann würde so manches Menschenleben ohne Hilfe ausgehaucht und so manches Gebäude wertlos. Also sollten wir diese Helfer nicht wegen Ihren Fehlern verurteilen, sondern für Ihren Einsatz ehren.

  4. Jan sagt:

    Mitlerweile haben die Versicherungen doch encht einRad ab. Die merken doch echt gar nichts mehr. Hoffentlixh berennt bald deren Hauptverwaltung und der EL prüfft erstmal haargenau was er einsetzen darf und was nicht. Im idealfall… Naja sind Vorstandsvorsintzende eigentlich Hitzebeständig???? 😀

  5. Tino sagt:

    Woher soll der Einsatzleiter wissen welche Zusammensetzung das Schaummittel hat!!! Soll jetzt an der Einsatzstelle zunächst das Merkblatt gelesen werden und im Hintergrund brennt einem der Arsch ab und Existenzen und Lebenswerke werden zerstört? Ich habe absolut kein Verständnis für das Vorgehen und die Anschuldigung der Versicherung, die soll froh sein das die Schadenssumme nicht noch höher ist!!!

  6. Huber37 sagt:

    Au Backe hier haben mal wieder höchst kompetente „Feuerwehrler“ kommentiert. Natürlich muss ein Einsatzleiter wissen, welches Schaummittel er verwendet. Natürlich muss ich ggfs zwei verschieden Schaummittel haben und sie auch zielgerichtet einsetzen. Natürlich muss ich mich als Kommandant und auch als Gemeinde an gültige gesetzliche Vorschriften ahlten, die z.B. den Einsatz bestimmer Schaumbildner verbieten. Einen Brand, wie in dem Fall geschildert muss ich mit fluorfreim Schaummittel löschen. Das ist Stand der Technik! Habe ich spezielle Gefahren in meinem Ausrückebereich muss ich ein zweites Schaummittel vorhalten – aber nur für diesen Gefahrenbereich. Reichen meine Vorräte nciht aus, muss ich nachfordern, auch wenn dies teuer wird. Und zum Schluß noch eien Anmerkunge – auch eine so ehrenvolle Tätigkeit wie wir Feuerwehrler sie ausführen entbindet nicht von verantwortungsbewusstem und dem Stand der TEchnik entsprechenden Handeln. Und auch wir Verantwortungsträger in der Feuerwehr müssen uns die Überprüfung unseres Handelns gefallen lassen. Acuh im Nachhinein, auch von Sesselfurzern.

  7. Schnack sagt:

    Danke Hubert37. Ich dachte schon, dass hier keine fachlichen Kommentare mehr kommen. Leider gibt es zu viele Kameraden unter uns die mit dem Totschlag-Argument „Wir machen das ja schließlich freiwillig!“ gleichzeitig meinen: „Wir machen was wir wollen.“
    Wir als Feuerwehr wollen doch, dass die Bürger uns vertrauen. Vertrauen muss man sich aber erarbeiten das kommt nicht von alleine. Und dieses Vertrauen erreichen wir doch nur wenn wir unsere Arbeit fachgerecht machen. Freiwilligkeit heißt nicht Rechtsfreiheit oder schlimmer noch Recht auf Dilettantismus.
    Kameraden ganz ehrlich mal: Geht zu den Ausbildungen und Schulungen, bildet euch weiter, auch die Führungskräfte!
    Die Anforderungen an die Feuerwehr i.E. und die Führungskräfte der Feuerwehr im Speziellen sind in den Jahren immer größer geworden. Diesen Anforderungen müssen wir uns aber stellen und ihnen gerecht werden. Weil…
    Weil WIR, und nur WIR als Feuerwehr diese UNS aufgetragenen Aufgaben bewältigen wollen und deshalb auch können sollten.
    Fazit: Ein Einsatzleiter der seinen Job beherrscht hält jeglicher Kritik oder Anfeindung stand.

  8. der jan sagt:

    Heute wird jeder wegen jedem verklagt.

    Bald braucht man einen Anwalt um aufs Klo zugehen. Und 4 lagiges Toilettenpapier. Schließlich braucht man auch für alles einen durchschlag.

    Wäre durch grobe Fehler ein Mensch verletzt worden, dann würde ich es noch einsehen das man gegen den Kameraden vorginge. Doch sehe ich das hier als so Lapidar.

    Mein Namensvetter sagte schon :

    „Mitlerweile haben die Versicherungen doch encht einRad ab. Die merken doch echt gar nichts mehr. Hoffentlixh berennt bald deren Hauptverwaltung und der EL prüfft erstmal haargenau was er einsetzen darf und was nicht. Im idealfall… Naja sind Vorstandsvorsintzende eigentlich Hitzebeständig “

    Wir „hoffen“ natürlich nicht. doch wenns so kommt…..

  9. FryingPan sagt:

    Wer ein solches Fazit liefert hat wohl noch nie einen einsatz geleitet.

  10. Florian sagt:

    Würde bei einem LKW-Unfall eine Flüssigkeit aus gelben Kanistern auslaufen und versickern, läuft ein Gefahrguteinsatz. Wir als Feuerwehr lesen Datenblätter, wälzen Datenbanken und starten eine TUIS-Anfrage um die Umwelt zu schützen. Dann sollten wir es doch auch schaffen mal zu erkunden, was in unseren gelben Kanistern so drin ist bevor wir z.B. flourhaltiges AFFF Schaummittel gedankenlos in die Umwelt blasen anstatt Class-A oder MBS als Netzmittel zu verwenden.
    Nicht erst beim Einsatz sondern davor!
    Schaummittel ist halt nicht gleich Schaummittel auch wenn alle Kanister gelb sind.
    Es gibt einen informativen Flyer vom Umweltbundesamt.
    Ratgeber: Fluorhaltige Schaumlöschmittel umweltschonend einsetzen

  11. huber37 sagt:

    @Florian, Danke für Deinen Kommentar

    @Jan, @der Jan habt ihr eigentlich selber eine Versicherung? wohl kaum, sonst könnte ihr nicht so qualifizierte Kommentare abgeben. Die Versicherungen haben die Pflicht gegenüber ihren Beitragszahlern die Schadensumme so gering wie möglich zu halten. Ihr würdet euch sicher freuen, wenn eure Beiträge exorbitant steigen würden, weil die Versicherung alles bezahlt. Ja das ist so, die Versicherung gibt nur das Geld der Versicherten aus. Und die haben ein Anrecht darauf, dass geprüft wird, ob der Scahden nicht hätte gemindert werden können bzw. ganz vermieden. Und zu den Pflichten eines Kommandanten/Einsatzleiters gehört es nun mal „nach dem Stand der Technik“ zu arbeiten. Wenn er das nicht tut, ist er fehl am Platz.

  12. Michael sagt:

    Ich finde so manche Kommentar sehr seltsam. Sicher ist ein fachgerechter und fundierter Einsatz von Schaummitteln nötig. Eine entsprechende laufende Fortbildung von Führungskräften ebenfalls. Als Zugführer stelle ich mir nur die Frage ob der Einsatzleiter überhaupt Kenntnis vom eingesetzten Schaummittel hatte oder hat er den Einsatz von Schaummittel als Netzmittel nur befohlen. Die eingesetzten Feuerwehren haben dann selbst entschieden welches Mittel sie verwenden. Denn gerade wenn mehrere Feuerwehren eingesetzt sind (vor allem in der Anfangsphase)gibt doch der Einsatzleiter nur den Befehl. Die Einzelentscheidung liegt doch bei den Abschnitts- bzw. Gruppenführern. Ich glaube nicht das der Einsatzleiter die genaue Zusammensetzung jedes Schaummittels kennt was mit den entsprechenden Fahrzeugen an die Einsatzstelle kommt.

  13. Uli sagt:

    Der Vorfall deutet für mich u.U. auf eine mangelhafte Ausbildung oder auch mangelhafte Eignung der Führungskraft in Belastungssituationen hin. Für mich sind die hier oft genannten Argumente ebenso unentschuldbar. Ich muss mich auf Ausbildung und Fachkenntnis verlassen können, sonst bin ich verlassen.
    Der Schutz der handelnden Personen ist aber genauso wichtig. Es ist der Rechtsschutz mehr als richtig, da letztlich die Stadt Heide in der Haftung steht. Und nur darum kann es jetzt gehen. Wieso sich aber KFV und LFV engagieren? Sie haben eigentlich keine konkrete Funktion in deratigen Angelegenheiten.
    Auch ich bin der Meinung, dass dem Handelnden der Rücken freigehalten werden muss, allerdings nicht mit den angeführten alles entschuldigenden und allgemeinen Platzhaltern.

Kommentare

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