Duisburg: Forscher zweifelt an Sicherheitskonzept

Duisburg (NW) – Nach der Massenpanik bei der Loveparade in Duisburg hat der Kieler Katastrophenforscher Professor Wolf Dombrowsky im ZDF Zweifel am Sicherheitskonzept geäußert. Das Innenministerium ordnete für öffentliche Gebäude eine Trauerbeflaggung an – das betrifft auch die Feuerwehrhäuser. Bei dem Unglück waren am Samstag 20 Menschen getötet und 511 teils schwer verletzt worden.

In der Sendung “Drehscheibe Deutschland” sagte derDombrowsky am Montag, die Verantwortlichen hätten kein Sicherheitskonzept, sondern lediglich ein “Eindämmungskonzept” gehabt: “Also man möchte die Leute kontrolliert vom Bahnhof gleich auf das Gelände haben. Man hat das Gelände zwischen einer Autobahn und Schienen. Man hat nur einen Hauptzugang. Das heißt, es ist eher eine Art räumliches Optimierungs-Konzept, damit keine Auswirkungen von Lärm, Fäkalien, also alle diese negativen Effekte, auf die Stadt überschwappen. Also ein Eindämmungskonzept und weniger ein wirkliches Sicherheitskonzept.”

Wie die Polizei Duisburg zwischenzeitlich mitteilte, sind im Zusammenhang mit den Geschehnissen um die Loveparade insgesamt 2.367 vermisste Personen gemeldet worden. Der Verbleib von 1.138 Personen konnte bis zum Montagvormittag noch nicht ermittelt werden. Die Kriminalpolizei arbeitet die Vermisstenanzeigen mit über 40 Beamten ab. Dabei stellen die Ermittler immer wieder fest, dass Angehörige, die eine Vermisstenanzeige erstattet haben, sich nicht bei der Polizei melden, wenn die vermisste Person zurück gekehrt ist.

Innenminister Ralf Jäger hat bis auf weiteres Trauerbeflaggung für alle Dienstgebäude des Landes, der Gemeinden und Gemeindeverbände sowie der übrigen Körperschaften und Anstalten des öffentlichen Rechts, die der Aufsicht des Landes unterliegen, angeordnet. “Damit geben wir unserer tiefempfundenen Trauer und Verbundenheit mit den Angehörigen und Freunden der Opfer Ausdruck”, so der Minister.

Der Präsident des Deutschen Feuerwehrverbandes, Hans-Peter Kröger, der auch Vorsitzender der Stiftung “Hilfe für Helfer” des DFV ist, appellierte an alle eingesetzten Kräfte, die Angebote der psychosozialen Notfallversorgung vor Ort anzunehmen, um die Bilder und Eindrücke zu verarbeiten. Kröger betonte außerdem das Interesse der Feuerwehren an einer umfassenden Aufklärung der Umstände des Unglücks: “Der anerkannt hohe Standard des Vorbeugenden Brand- und Gefahrenschutzes in Deutschland hat schweren Schaden gelitten. Nun gilt es, Erkenntnisse zu gewinnen, wie es zu dem Unglück gekommen ist – und diese dann auch ernst zu nehmen.” Hinweise und Bedenken der Feuerwehren müssten konsequent berücksichtigt werden, so der DFV-Präsident.

2 Kommentare zu “Duisburg: Forscher zweifelt an Sicherheitskonzept”
  1. Michael Klöpper

    Die Zahl der Opfer ist am Mittwoch auf 21 gestiegen. Eine 25-Jährige erlag im Krankenhaus ihren Verletzungen.

  2. svlange

    Es ist relativ einfach nach so einer Katastrophe am Sicherheitskonzept zu zweifeln.
    Dass das Sicherheitskonzept nicht funktioniert hat, hat jeder leider sehen müssen.
    Aber wo waren die Damen und Herrn “Nachherexperten” vor der Katastrophe?

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