Mittwoch, 23. August 2017

Büsum: Neuer Seenotkreuzer getauft

Büsum (SH) – Hohen Besuch, zahlreiche Gäste und viele Schaulustige konnte die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) am Samstag an ihrer Rettungsstation Büsum  begrüßen. Anlass war die Taufe des neuesten Seenotkreuzers in Anwesenheit von Peter Harry Carstensen, Ministerpräsident des Landes  Schleswig-Holstein.
 
Sandra Carstensen, Gattin des Ministerpräsidenten, taufte das Schiff auf  den Namen „Theodor Storm“ und wünschte allzeit gute Fahrt und der  Besatzung stets eine sichere Heimkehr. Mit der Namengebung erinnert die  DGzRS an den großen norddeutschen Schriftsteller, der als Lyriker und Autor von Novellen als ein bedeutender Vertreter des deutschen Realismus gilt. Theodor Storm, 1817 in Husum geboren und 1888 in  Hanerau-Hademarschen gestorben, war eigentlich Jurist. Sein wohl  bekanntestes Werk ist „Der Schimmelreiter“. Das Arbeitsboot des 20 Meter langen Spezialschiffs wurde von Vanessa Burrmann, Tochter des  Büsumer Vormanns Olaf Burrmann, auf den Namen „Nis Puk“ getauft. Nis Puk ist eine Märchenfigur, die vor allem im deutsch-dänischen Grenzland  bekannt ist.

Getauft: Neuer Seenotkreuzer "Theodor Storm". Foto: DGzRS

Getauft: Neuer Seenotkreuzer "Theodor Storm". Foto: DGzRS

Die neueste Einheit der DGzRS wurde auf der Fassmer-Werft in Berne an der Unterweser gebaut. In seinem Grußwort betonte Gerhard Harder, Vorsitzer des Rettungswerks, dass auch die „Theodor Storm“ allein durch Spenden aus der Bevölkerung finanziert werden konnte. Im gesamten Land zählt die DGzRS rund 300.000 Förderer, von denen aus Schleswig-Holstein  allein 40.000 kommen. Eine besondere Spende kam vom Ankerherz-Verlag mit Sitz in Hollenstedt. Seit Jahren bestehen enge Verbindungen zwischen diesem Verlag und den Seenotrettern, und das Buch „Orkanfahrt“ wurde mit einem Benefiz-Anteil zugunsten der DGzRS verkauft. Aus diesen Erlösen wiederum konnte das Ankergeschirr für den neuen Seenotkreuzer finanziert  werden.

Der 19,90 Meter lange und 38 Tonnen verdrängende Seenotkreuzer hat in den vergangenen Monaten umfangreiche Erprobungen und bereits so manchen erfolgreichen Einsatz unter zeitweise schweren Wetter- und Seegangsbedingungen absolviert. Das 22 Knoten (ca. 40 km/h) schnelle Schiff wird von einer drei Mann starken Besatzung gefahren. Mit einem Tiefgang von 1,30 Metern kann die „Theodor Storm“ auch in Revieren eingesetzt werden, in denen größere Seenotkreuzer  auf ihr Tochterboot angewiesen wären.

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Auf ein Wohndeck, wie es  bislang auf Seenotkreuzern eingerichtet wurde, wurde bei dieser  Bootsklasse bewusst verzichtet. Die Besatzung lebt nicht an Bord, sondern im Stationsgebäude. Innerhalb kurzer Zeit kann die Einheit besetzt werden und zum Einsatz auslaufen. Weitere besondere Merkmale dieses in der bewährten Netzspanten-Bauweise konstruierten Schiffstyps sind der ergonomisch gestaltete Arbeitsplatz sowie eine umfassende  Ausrüstung für die medizinische Erstversorgung an Bord. Eine Feuerlöschpumpe mit einer Förderleistung von 2.300 l/min kann bei  Bränden auf See eingesetzt werden.

Ein Novum stellt das elektrische Bordnetz mittels Datenbussystem dar. Hierbei handelt es sich um ein spezielles Leitungssystem zum Austausch von Daten und Energie zwischen Steuerelementen und elektrischen Systemen wie dies in einem Computer, aber auch in Flugzeugen und immer häufiger in komplexen  Anlagen und modernen Kraftfahrzeugen geschieht. Neben der erhöhten Betriebssicherheit führt dies zu einer deutlichen Gewichtseinsparung.  Neu ist ferner der zum Einsatz kommende Typ eines offenen Arbeitsbootes  in der Heckwanne. Aufgrund der kompakten Maße des Seenotkreuzers stehen nicht der Platz und die Tragfähigkeit für ein konventionelles  Tochterboot zur Verfügung. Nicht zuletzt zu Gunsten des erreichbaren geringen Tiefgangs des Seenotkreuzers wurde hierauf verzichtet. Dafür  ist das Arbeitsboot „Nis Puk“ mit 37 Knoten (ca. 68 km/h) deutlich  schneller als übliche Tochterboote.

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