Dienstag, 24. Januar 2017

Berufsfeuerwehr Köln: Befohlene Rotation sinnlos

Köln (NW) – In der Feuerwehr-Magazin-Ausgabe 6/2015 stellen wir die Berufsfeuerwehr Köln in einer 14-seitigen Reportage vor. 29 Jahre ist Johannes Feyrer bereits bei der Kölner Feuerwehr. Seit dem 1. März 2014 steht der Direktor der Feuerwehr an der Spitze der Großstadt-BF. Ein Interview über Frauen im Einsatzdienst, Personalrotation und den längsten Einsatz aller Zeiten.

FM: Herr Feyrer, was macht aus Ihrer Sicht die Berufsfeuerwehr Köln ganz besonders aus?

Johannes Feyrer: Köln ist als Stadt gerade noch an der Grenze, dass man es überblicken kann. Hier bewegen sich Berlin und Hamburg in einer anderen Größenklasse. Mit Blick auf die Berufsfeuerwehr Köln ist das sicherlich die Verzahnung zwischen Rettungsdienst und Brandschutz. Ansonsten möchte ich die Feuerwehr Köln gerne als Ganzes bewerten. Hier sind die Verzahnung von Haupt- und Ehrenamt sowie derzeit die Vielzahl der Bauprojekte besondere Merkmale.

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Johannes Feyrer, Direktor der Feuerwehr Köln. Foto: Patzelt

FM: Warum nicht die vielen Sondereinheiten?

Feyrer: Das sollte nicht falsch verstanden werden, aber ich sehe das als laufendes Geschäft. In einer Metropole wie Köln mit dem entsprechenden Gefahrenpotenzial sind echte Spezialisten erforderlich. Die Sonderaufgaben der Feuerwehr sind etabliert.

FM: Sind die Sonderheiten auch ein Grund dafür, dass relativ selten das Personal der Wachen wechselt?

Feyrer: Das spielt eine wichtige Rolle. Wir möchten die Kompetenzen auf den Wachen halten – in Bezug auf die Sonderaufgaben sowie auf die Ausrückebereiche. Unser Stellenplan ist mittlerweile auf alle Wachen übergreifend bezogen, nicht wie früher auf die Wachen. So können wir zum Beispiel auch Beförderungen durchführen, ohne die Beamten zwingend umzusetzen.

FM: Es gibt ja Feuerwehren, welche durch Personalrotation die Mannschaft bewusst durchmischen.

Feyrer: Da diskutieren wir natürlich immer wieder drüber und hören die Bedürfnisse der Beamten an. Wenn jemand eine Umsetzung von sich aus möchte, dann versuchen wir, dem gerecht zu werden. Aber gerade bei den Sonderaufgaben macht die befohlene Rotation aus unserer Sicht derzeit keinen Sinn.

Feuerwehr-Magazin-Cover_0615Reportage Berufsfeuerwehr Köln

In der Ausgabe 6/2015 des Feuerwehr-Magazins stellen wir die Berufsfeuerwehr Köln auf 14 Seiten vor. Die Domstädter bewältigen Spezialaufgaben: als Höhenretter, Feuerwehrtaucher, mit 2 Löschbooten, bei Gefahrguteinsätzen, in der Technischen Hilfeleistung sowie bei tierischen Einsätzen. Von elf Feuer- und Rettungswachen ist die Wache 1 auch die Nummer 1 bei den Einsatzzahlen. Mehr als 10 mal rückt zum Beispiel das erste Löschfahrzeug in 24 Stunden aus.

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FM: Fallen ihnen weitere Unterschiede zu anderen BF ein?

Feyrer: Ich würde sagen, da können wir auf die Bauprojekte und den entsprechenden Maßnahmenplan zurückkommen. Die Stadt Köln wird in die Standorte der Feuerwehr in den nächsten zehn Jahren zirka 100 Millionen Euro investieren. Schritt für Schritt werden Wachen der Berufsfeuerwehr und Gerätehäuser der freiwilligen Feuerwehren saniert und Neubauprojekte umgesetzt. Unterschied zu anderen BF sind hier auch die Baumaßnahmen im Bestand, also im laufenden Betrieb der Standorte. Denn diese erweisen sich seit 40 Jahren als optimal angeordnet.

FM: Wo sehen Sie weiteren Handlungsbedarf?

Feyrer: Ganz konkret fehlt uns nach Brandschutzbedarfsplan auf den Wachen 8 und 14 jeweils ein Tanklöschfahrzeug. An den Standorten müssen wir die Ergänzung der Löschzüge mit drei Fahrzeugen und zehn Funktionen schaffen. Außerdem gilt es, mehr Frauen in den feuerwehrtechnischen Einsatzdienst zu bringen.

FM: Wie sieht denn die Frauen-Quote aus?

Feyrer: Nicht gut – bei 1.100 Feuerwehrbeamten im Brandschutz haben wir nur eine Frau im Dienst. Drei weitere Frauen befinden sich derzeit in der Ausbildung. Viele Frauen sind im Rettungsdienst aktiv oder an den Schaltstellen im rückwärtigen Bereich der Feuerwehr auch in verantwortlichen Positionen. Aber eben nicht im Brandschutz. Als eine Reaktion auf die schlechte Quote haben wir die handwerkliche Ausbildung als Voraussetzung für die Einstellung im mittleren feuerwehrtechnischen Dienst gekippt. Daraufhin erreichten uns prompt mehr Bewerbungen von Frauen.

Bildband Die Kölner Feuerwehr 1Bildband: Die Kölner Feuerwehr

Ein Bildband mit außergewöhnlichen Gruppenfotos der Kölner Feuerwehr – herausgegeben vom Verein zur Förderung des Brandschutzes in Köln. Neben Berufs- und freiwilliger Feuerwehr sind auch die Jugendabteilungen und Werkfeuerwehren in Szene gesetzt. Kulisse und Kräfte passen immer sehr gut zusammen. Der Bildband zeigt neben den Feuerwehrleuten und ihren Aufgaben auch ihre Stadt. Obwohl schon die Aufnahmen die Feuerwehr umfassend vorstellen, sind die Tätigkeiten der Brandschützer in Texten erklärt. Auch historische Einsätze werden beschrieben.

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FM: Bauprojekte, Stärkung der Frauen-Quote – durchaus Maßnahmen, welche eine Feuerwehr verändern können. Welche Meilensteine in Taktik oder Organisation sind denn auf konkrete Einsätze zurückzuführen?

Feyrer: Natürlich werden die Feuerwehr Köln und der tödliche Unfall unter Atemschutz von Brandmeister Andreas Stampe im März 1996 mit neuen Taktiken und Einsatzmitteln in Atemschutzeinsätzen in Verbindung gebracht. Nach dem Großbrand in dem Tanklager von Ineos im März 2008 haben wir zum Beispiel die Zusammenarbeit mit den Werkfeuerwehren intensiviert. Außerdem hat das Sirenennetz zur Bevölkerungswarnung an Bedeutung gewonnen. Da waren wir komplett auf null, mittlerweile sind wieder 74 Sirenen im Dienst. Auch die Einrichtung der Analytischen Task Force ist auf den Ineos-Brand zurückzuführen.

FM: Und was geschah in Bezug auf den Einsturz des Stadtarchivs im März 2009?

Feyrer: Während des Einsatzes konnten wir die Konzepte zur überörtlichen Zusammenarbeit in Einsatzlagen auf den Prüfstand stellen. Eingebunden waren Kräfte von THW und Feuerwehr aus ganz Nordrhein-Westfalen. In der Nachbereitung ist die rechtliche Situation spannend. Auch nach sechs Jahren ist das eingestürzte Stadtarchiv ein laufender Einsatz. Mein Stellvertreter Peter Hartl ist noch als Einsatzleiter bestellt. Das eröffnet der Stadt Vorteile für die Führungsstruktur bei den vielen unterschiedlichen Interessenslagen. Wir lernen daraus unter anderem die Führung einer Einsatzstelle wie eine Baustelle – mit Kantinenzeiten, den Einrichtungen des Arbeitsschutzes und allem, was dazu gehört. Es ist der längste Einsatz der Feuerwehr Köln aller Zeiten.

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Der Löschzug der Innenstadt-Wache der Berufsfeuerwehr Köln vor dem Kölner Dom. Foto: Patzelt

Feuer und Flamme. Foto: Michael RüfferBuchtipp: Stephan Neuhoff, Direktor der Feuerwehr Köln bis 2014, beschreibt in seinem Werk „Feuer und Flamme“ den Brandschutz in der Domstadt ab dem Mittelalter, lässt keine wichtige Epoche bis zur Gegenwart aus.

Besonders umfassend berichtet Neuhoff über die Feuerwehr in der Zeit des Nationalsozialismus, des Zweiten Weltkriegs und als Besatzungszone. Er geht auf die Entwicklung der Feuerwehrtaktik und -technik ein. Von der Handdruckspritze bis zum modernen Löschfahrzeug. Offenbar fehlt kein wichtiger Entwicklungsschritt der Feuerwehr Köln und kein geschichtsträchtiger Einsatz. Neuhoff erzählt von den verheerenden Theaterbränden im 19. Jahrhundert, von den beiden 1929 tödlich verunglückten Feuerwehrleuten und von der Brandkatastrophe auf dem Passagierschiff „Prinses Irene“ mit 21 Toten im Jahr 1975. Genauso dürfen der tödliche Atemschutzeinsatz von Brandmeister Andreas Stampe, das Flammeninferno im Chempark Dormagen in 2008 und den Einsturz des Stadtarchivs ein Jahr später nicht fehlen. Das Buch ist im Feuerwehr-Magazin-Shop erhältlich.

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