Freitag, 9. Dezember 2016

Berufsfeuerwehr-Ausbildung: Mal „richtig“ Feuerwehr

5. November 2014 von  

Folge 3: Mal ‚richtig‘ Feuerwehr – die Ausbildungsgruppe im Löschangriff

Das Loch in der  Bürodecke oben im ersten Stockwerk der Feuerwache 2 (Nord) im Ludwigshafener Stadtteil Oppau ist auch vom Hof aus gut zu sehen. Da hat es doch glatt zwei Paneele der abgehängten Decke erwischt. Schuld war die Schiebleiter, mit der heute der  Feuerwehrgrundlehrgang den Löschangriff im Gruppenrahmen übt. „Die Jungs sind offensichtlich ein wenig zu motiviert gewesen“, kommentiert Jürgen Speiser als Leiter dieses Ausbildungsabschnitts den Schaden.

Das Ding ist allerdings auch alles andere als einfach zu bedienen. Mit einer Gesamtlänge von knapp 15 Metern kann damit eine Arbeitshöhe von maximal 12 Meter erreicht werden – das reicht üblicherweise bis zum dritten Stock eines normalen Gebäudes. Sie kommt vor allem überall dort zum Einsatz, wo es an Platz mangelt, um eine fahrzeuggebundene Leiter einzusetzen und ermöglicht so oft einen zweiten Rettungs- oder Angriffsweg. Damit ist dieses Gerät trotz der im Löschzug vorhandenen Drehleiter immer noch ein wichtiges Einsatzmittel und gehört folglich zur Beladung des Hilfeleistungs-Löschgruppenfahrzeugs (HLF) – auch in den Einheiten auf den Alarmwachen.

Der Löschangriff wird vorbereitet – dazu wird die Wasserversorgung zum Hilfeleistungslöschfahrzeug (HLF) vom Überflurhydranten rechts über eine B-Leitung sichergestellt. Geübt wird in mehreren Durchgängen, damit die Auszubildenden möglichst viele unterschiedliche Funktionen innerhalb der Gruppe wahrnehmen können. Hier ist beispielsweise der Kamerad links im Bild als Beobachter eingeteilt.  Foto: Scheer

Der Löschangriff wird vorbereitet – dazu wird die Wasserversorgung zum Hilfeleistungslöschfahrzeug (HLF) vom Überflurhydranten rechts über eine B-Leitung sichergestellt. Geübt wird in mehreren Durchgängen, damit die Auszubildenden möglichst viele unterschiedliche Funktionen innerhalb der Gruppe wahrnehmen können. Hier ist beispielsweise der Kamerad links im Bild als Beobachter eingeteilt. Foto: Scheer

Das HLF der Ausbildungseinheit ist übrigens ein Reservefahrzeug und steht jetzt parallel zum Hauptgebäude auf dem Hof, die Mannschaft aus den 11 Anwärtern ist hinter dem Fahrzeugheck angetreten. Einer von ihnen übernimmt für den nächsten Durchlauf die Funktion des Gruppenführers (GF). Speiser gibt die Lage vor: „Brandherd im ersten Obergeschoss nicht genau zu lokalisieren, Erkundung und Löschangriff über Dach und Oberlichter.“ Der GF, er heißt diesmal Alexander Zareba, wiederholt kurz die Lage, dann jagt er die Mannschaft los. Rollläden im Geräteaufbau sind zu öffnen, Schlauchmaterial samt Verteiler und Strahlrohr müssen entnommen sowie der Überflurhydrant zur Wasserversorgung aktiviert werden. Gleichzeitig protzen zwei Mann die am Fahrzeugheck angehängt Schlauchhaspel ab, um an den Bedienstand der Pumpe heranzukommen. Einer klettert auf das Dach, entriegelt die Schiebleiter und lässt sie über eine Rolle am hinteren Ende des Dachkastens Richtung Boden gleiten, wo bereits ein Trupp von vier Anwärtern darauf wartet, dieses doch etwas unhandliche Gerät in Empfang zu nehmen. Danach geht es im Laufschritt zum Gebäude, die Leiter wird in Position gebracht und ausgefahren. Diesmal sind keine Deckenpaneele dazwischen, es geht schließlich im Freien hinauf auf die Dachfläche.

Egal ob Berufsfeuerwehr oder freiwillige Feuerwehr: diese Formation kennt jedes Feuerwehrmitglied mindestens vom Beginn seiner Karriere: Antreten hinterm Fahrzeug. Foto: Scheer

Egal ob Berufsfeuerwehr oder freiwillige Feuerwehr: diese Formation kennt jedes Feuerwehrmitglied mindestens vom Beginn seiner Karriere: Antreten hinterm Fahrzeug. Foto: Scheer

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Timo Lahr nimmt sich einen Leinenbeutel und klettert, von seinen Kameraden am Boden beobachtet, erst einmal die Leiter hoch bis zur Dachfläche. Dann zieht er die an der Leine befestigte Feuerwehraxt und einen C-Schlauch mit Hohlstrahlrohr zu sich hinauf, legt das Material ab und meldet „Klar zur Erkundung!“ Unten haben sie inzwischen über eine B-Leitung die Wasserversorgung vom Hydranten zum HLF aufgebaut, Verteiler und Schläuche liegen dort, wo sie auch im Ernstfall hingehören. Das Ganze hat etwa sieben Minuten gedauert – für eine Crew am Anfang ihrer Ausbildung eine respektable Zeit. Ausbilder Speiser ist insgesamt recht zufrieden, nur das Loch da oben im Büroraum der Verkehrsüberwachung – gewissermaßen „Untermieter“ auf der Wache Nord – stört ihn dann doch. Für ihn ist klar: „Die Jungs müssen das wieder in Ordnung bringen – und zwar noch heute!“

Berufsfeuerwehr-Ausbildung: Der Blog! feuerwehrmagazin.de-Mitarbeiter Ulrich Scheer begleitet seit April 2014 den Grundausbildungslehrgang der Berufsfeuerwehr Ludwigshafen am Rhein (RP). Was erleben die Nachwuchs-Feuerwehrleute bei ihrer spannenden Ausbildung? Welche Herausforderungen gilt es zu meistern? Die Leser von feuerwehrmagazin.de sind “live” bei der Ausbildung dabei – dieser Blog wird bis zum Lehrgangsende 2016 fortgesetzt.

Einsatz der dreiteiligen Schiebleiter vom Hof der Feuerwache Nord auf die Dachfläche. Beim ersten Versuch am Vormittag durch eines der Fenster im Obergeschoss hat es zwei Paneele der Deckenverkleidung erwischt. Wo gehobelt wird… Foto: Scheer

Einsatz der dreiteiligen Schiebleiter vom Hof der Feuerwache Nord auf die Dachfläche. Beim ersten Versuch am Vormittag durch eines der Fenster im Obergeschoss hat es zwei Paneele der Deckenverkleidung erwischt. Wo gehobelt wird… Foto: Scheer

Jochen Hartkorn steht als Maschinist am Pumpenbedienstand des HLF; er kennt das alles schon aus seiner Tätigkeit als Werkfeuerwehrmann bei Mercedes Benz. Glücklich sieht er allerdings nicht aus, irgendwo am Sammelstück läuft ordentlich Wasser heraus. „Nach der Übung werden wir uns das mal näher ansehen müssen“, meint er mit Blick auf den Wasserschwall, „da stimmt garantiert etwas mit dem Absperrhahn nicht.“ Das riecht nach Arbeit, und dann muss ja noch alles wieder aufgeräumt und einsatzklar gemacht werden. Aber auch hier geht es Hand in Hand zur Sache, das benutzte Schlauchmaterial wird gegen frisches getauscht, das gleiche gilt für die Atemluftflaschen. „Da müssen wir Ausbilder uns aber praktisch um nichts mehr kümmern“, erläutert Speiser, „die Burschen regeln das komplett unter sich.“ Zum Dienstschluss sind dann auch die beiden Paneele wieder dort, wo sie ursprünglich eingebaut waren. Gerade mit den Politessen und deren Kollegen muss man es sich ja nicht unbedingt verscherzen.

Bisher erschienene Beiträge in diesem Blog:

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