Freitag, 26. Mai 2017

Austritte wegen geplanter Fusion: Muss nun eine Pflichtfeuerwehr her?

24. April 2017 von  

Upgant-Schott (NI) – Die Samtgemeinde Brookmerland (Kreis Aurich) plant, ihre Feuerwehren umzustrukturieren und das grundlegend. Alle fünf Ortswehren sollen fusionieren und in einen gemeinsamen Neubau einziehen. Doch die Pläne der Politik stoßen auf massive Kritik bei der Feuerwehr. Bei der Ortsfeuerwehr Upgant-Schott haben deswegen nun 16 von 39 Mitgliedern ihren Austritt erklärt und der Ortsbrandmeister sein Amt zur Verfügung gestellt. Auch beim Nachwuchs bahnen sich negative Auswirkungen der geplanten Zusammenlegung an.

Bislang gibt es in den Gemeinden Osteel (2.200 Einwohner), Wirdum (1.000 Einwohner), Leezdorf (1.900 Einwohner), Upgant-Schott (3.800 Einwohner) und Marienhafe (2.300 Einwohner) in der Samtgemeinde Brookmerland jeweils ein Feuerwehrhaus. Upgant-Schott, Marienhafe und Osteel gehen fließend ineinander über. Wirdum und Leezdorf sind klassische Dörfer und liegen abgelegen.

Feuerwehrhäuser sind mängelbehaftet

Bei einer Überprüfung durch die Feuerwehr-Unfallkasse sind bis auf in Upgant-Schott alle Häuser durchgefallen. Dort müssten nur kleinere Umbauten vorgenommen werden. In die anderen Häuser müsste kräftig investiert werden. Schon seit Jahren ist die Rede von einer Umstrukturierung. Die Zahl der Standorte sollte reduziert werden. In Marienhafe sollte ein großzügig dimensioniertes Feuerwehrhaus entstehen, damit neben der Ortsfeuerwehr Marienhafe auch weitere Feuerwehren der Samtgemeinde dort einziehen können.

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Das Kommando aller Brookmerländer Feuerwehren hatte vor einigen Jahre der Politik vorgeschlagen, in Marienhafe einen Neubau für Osteel, Leezdorf und Marienhafe zu bauen. Wirdum sollte mit Upgant-Schott fusionieren. Wirdum wäre dann nur als Garagenstandort erhalten geblieben und die Kameraden hätten ihren Dienstbetrieb in Upgant-Schott abgewickelt. So erklärte es der stellvertretende Gemeindebrandmeister Klaus-Dieter Cassens feuerwehrmagazin.de.

Die Politik hat aber seit kurzem andere Pläne und diese wurden offenbar nicht mit der Feuerwehr abgesprochen. Sie will in Marienhafe zwar auch einen Neubau schaffen, jedoch einen für alle Ortswehren. Wirdum soll auch bei dieser Variante nur als Garagenstandort erhalten bleiben. In Marienhafe hat man auch schon einen möglichen Standort gefunden. Doch dieser ist bei den Feuerwehrleuten kein Favorit. Er liegt zwar verkehrsgünstig direkt an der Bundesstraße 72, jedoch müssen viele Kameraden die Bundesstraße über eine Ampelkreuzung überqueren, die Schottjer und Wirdumer haben auch noch einen Bahnübergang auf ihrer Strecke, was zu Verzögerungen beim Ausrücken führen kann, so Cassens in dem Gespräch weiter.

Amtsniederlegung und Austritte

Die Schottjer Kameraden sind mit der „Ein-Haus-Lösung“ aber ganz und gar nicht zufrieden. Der Unmut geht soweit, dass Ortsbrandmeister Nils Döhrmann bereits im März beim Gemeinderat schriftlich um Abberufung gebeten hat. Dabei hatte er das Amt erst im Dezember vergangenen Jahres übernommen. Auf Nachfrage von feuerwehrmagazin.de nannte Döhrmann die Uneinsichtigkeit der Politik als Hauptgrund für seinen Schritt. Er habe diverse Male Stellung zu den Plänen und den Konsequenzen aus Sicht der Feuerwehr bezogen. Auf sein letztes Schreiben hat die Politik nicht einmal geantwortet. Hinzu kommt, dass von 2013 bis 2015 eine bedarfsplanerische Analyse der Standortstrukturen durch einen Externen durchgeführt wurde. Die Ergebnisse hat man der Feuerwehr bis vor kurzem vorenthalten.

 

Der örtlichen Presse war zu entnehmen, dass die Samtgemeinde Kinderbetreuungseinrichtungen schaffen will und dazu vorhandene Gemeindegebäude nutzen will. Hierzu zählen offenbar auch die freiwerdenden Feuerwehrhäuser. „Es scheint kein Interesse an den Plänen der Feuerwehr zu geben, sondern scheinbar steht der Plan für die Politik bereits fest“. Das sei dem Ortsbrandmeister bei der letzten Feuerwehrausschusssitzung deutlich geworden.

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Nun haben kurz vor Ostern 16 Kameraden ihre Mitgliedschaft zum 30. Juni gekündigt. Mit dem Termin endet auch Döhrmanns Amtszeit vorzeitig. Die Gemeinde Upgant-Schott steht damit vor einem Problem, denn die verbleibenden Mitglieder reichen gerade noch für die Mindeststärke aus. Sollten noch weitere Mitglieder austreten, dann droht die Gründung einer Pflichtfeuerwehr. Döhrmann geht fest davon aus, dass wenn der Neubau fertig ist, spätestens dann weitere Austritte folgen. Das will die Gemeinde aber verhindern und nun das Gespräch mit den Feuerwehrleuten suchen.

Eltern wollen Kinder aus der Jugendfeuerwehr abmelden

In einer Versammlung wurden vor einigen Tagen auch die Eltern der über 70 Jugendfeuerwehrleute im Brookmerland von der Feuerwehr über die aktuelle Situation informiert. Die Eltern umtreibt Sorgen über die Entfernungen und das Gefahrenpotenzial auf dem Weg zu den Diensten. Viele ihrer Kinder können nun zu Fuß oder mit dem Rad zum Jugendfeuerwehrdienst. Das wäre mit dem neuen und einzigen Standort für die meisten Jugendlichen vorbei, besonders in der dunklen Jahreszeit. Bei den Eltern fehle es teilweise auch an Bereitschaft und Möglichkeiten die Kinder selbst hin und her zu fahren. Mehrere Eltern zogen es in Erwägung, ihre Kinder deswegen bei der Feuerwehr abzumelden.

Feuerwehr im Streik: Video des NDR

Kommentare

2 Kommentare zu “Austritte wegen geplanter Fusion: Muss nun eine Pflichtfeuerwehr her?”
  1. J. Hansen sagt:

    Ich kann die Kameraden gut verstehen. Die Gemeinden sollen doch froh sein, daß es Leute gibt, die diese Ämter freiwillig übernehmen. Sie dann einfach so zu übergehen, zeugt für mich von Respektlosigkeit und Diktatur.So geht man nicht mit Menschen um !

  2. Nick sagt:

    Für die Feuerwehren der Gemeinden Upgant – Schott, Marienhafen und Osteel bietet sich eine Fusion der drei Standorte nahezu an; diesbezügliche erachte ich es als sinnvoll Kräfte & Fahrzeuge zu bündeln, an einem modernen Standort, in welchen man gemeinsam schlagkräftig, auch am Tag, agieren kann. Es macht schon Sinn bei diesen drei Orten; eine Gewinnung an vielleicht neuer Motivation sowie einer allgemeinen Modernisierung der Ortsfeuerwehren dachte wohl niemand.
    Feuerwehren sollten kooperieren mit den Bürokraten der Gemeinde und Städte; andersrum genau so. Ein Austritt, welcher genau der falsche Schritt ist, bewirkt gegenteiliges, wobei es im allgemeinen nicht um eine Schädigung der Feuerwehr an sich geht, sondern vielmehr um eine Steigerung der Schlagkraft. Es ist fast selbstverständlich, dass den Gemeinden und Städten auch die Ahnung der Materie „Feuerwehr“ fehlt, wobei man auf solche Ideen kommt. Diese Umsetzung sollten allerdings in Kooperation und Abstimmung mit den Feuerwehren geschehen; auch eine Feuerwehr darf sagen, dass man sich an den runden Tisch setzen mag! Demzugfolge ist ein Austritt, eine Sturheit, ein falscher Ansatz; an den runden Tisch gilt es sich zu setzen.
    Die zwei anderen Ortsfeuerwehren sollte man dennoch, soweit wie möglich, erhalten.

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