Sonntag, 24. Juli 2016

Atemschutznotfalltraining in Polen

23. Oktober 2012 von  

Olsztyn (Polen) – Im polnischen Olsztyn fand am vergangenen Wochenende ein internationaler Workshop für die Rettung in Not geratener Atemschutzgeräteträger statt. Mit dabei war eine deutsch/österreichische Abordnung von Atemschutzunfaelle.eu. In Polen soll die Notfallrettung fest in die Ausbildung etabliert werden. Dort gibt es ebenfalls eine Gruppe, die sich ähnlich wie Atemschutzunfaelle.eu, mit dieser Thematik befasst. Beide Vereinigungen tauschten sich aktiv an einer polnischen Feuerwehrschule aus.

Ein achtköpfiges Team von Atemschutzunfaelle.eu (Asu.eu) reiste am Freitag nach Polen. Zwei Mitarbeiter der obersten nationalen Feuerwehrbehörde empfingen die Gäste am Flughafen Warschau, um sie mit einem Reisebus der Feuerwehrschule in Olszytn (Woiwodschaft Ermland-Masuren) abzuholen. Nach einer rund vierstündigen Fahrt war die Hauptwache der Berufsfeuerwehr in der Großstadt Olsztyn (zirka 175.000 Einwohner) erreicht.

Nach einem kurzen Empfang wurde es zunächst andächtig. An der Wache gibt es ein Ehrenmal für im Einsatz getötete Feuerwehrleute. Mit Blumen und Kerzen gedachten Gastgeber und Gäste den gestorbenen Kameraden. Am Abend stand die offizielle Begrüßung durch den obersten Leiter der polnischen Feuerwehren (polnisch Straz), dem Chef der Olsztyner Feuerwehrschule, der Fire Training Division Olsztyn sowie den ersten Workshop-Teilnehmern auf dem Programm. Dies waren Ausbilder und Führungskräfte von den verschiedenen Feuerwehrschulen des Landes sowie von mehreren Berufsfeuerwehren als auch von einer freiwilligen Feuerwehr. Die Team-Mitglieder von asu.eu waren überrascht, welch hohen Stellenwert dieser Workshop bei der polnischen Feuerwehrbehörde hat und wie sehr die Olsztyner Gruppe von dieser unterstützt wird. Dagegen ist Asu.eu eine rein private Interessengemeinschaft und muss ohne jegliche staatliche Hilfe auskommen.

Am Samstag widmeten sich die rund 30 Teilnehmer intensiv dem Atemschutznotfalltraining. Bei einigen kurzen Vorträgen verglichen die Teilnehmer die Organisation der Feuerwehren in Deutschland, Österreich und Polen. Ebenso mehrere Vorfälle im Bereich des Atemschutzeinsatzes. Verschiedene Unfallberichte stimmten auf die bevorstehenden Übungen ein. Bei der Vorstellung der Berichte stießen die Fachleute auf ein gemeinsames Problem. Egal ob in Polen, Deutschland oder Österreich, in allen Ländern gibt es Schwierigkeiten an ehrliche Aussagen zu den jeweiligen Vorfällen zu gelangen. Anscheinend gibt es vielerorts Befürchtungen, dass die öffentliche Aufarbeitung dem eigenen Ruf schaden oder gar negative Konsequenzen nach sich ziehen könnte. Den Sinn der Nachbereitung, aus Vorfällen zu lernen und eine Wiederholung zu vermeiden, wird dabei außer Acht gelassen.

Bei den praktischen Übungen schlüpften die Teilnehmer der drei Nationen wechselweise in die Rollen der Ausbilder und der Übenden. Die Rettungsaktionen umfasste die Eigenrettung durch Heraushängen aus einem Fenster und die Rettung von bewusstlosen Atemschutzgeräteträgern. Entweder aus tiefer- oder höher gelegenen Geschossen mussten die fiktiven Opfer in Sicherheit gebracht werden. Dies geschah beispielsweise per Abseilen an einer Schiebleiter, Crash-Rettung oder mit einem Leiterteil als Trage.

Polnische Kollegen auf gutem Weg

Bei der Nachbesprechung am Sonntagvormittag zogen alle Beteiligten ein gemeinsames Fazit. Die polnischen Kollegen sind hochmotiviert ihr Ausbildungskonzept weiterzuentwickeln. Die Unterstützung durch staatliche Stellen wird die Umsetzung beschleunigen und möglicherweise sogar vereinfachen. Die Ausrüstung ist auf einem sehr hohen Niveau. Durch Fördergelder der Europäischen Union, die auch diesen Workshop in Teilen finanzierte, stehen den Feuerwehren an vielen Standorten, auch den Schulen, neue Fahrzeuge und hochwertige Ausrüstung zur Verfügung. Auch die Schule in Olsztyn selber konnte in den vergangenen Jahren aufwendig saniert werden. Der Grundstein für eine solide Ausbildung ist somit vorhanden und die Motivation der polnischen Kollegen wird ihnen helfen den Weg in die richtige Richtung zu beschreiten. (Fotos: Thomas Weege)

Kommentare

Teilen Sie uns Ihre Meinung mit...
Falls Sie ein Bild von sich beim Beitrag möchten: Gibts hier: Gravatar!