Dienstag, 24. Januar 2017

6 Tipps, wie die Feuerwehr bei der Brandursachenermittlung helfen kann

27. Oktober 2016 von  

Sehr häufig werden Brände nach Straftaten gelegt. Brandorte sind dann Tatorte, die eine Brandursachenermittlung zur Folge haben. Feuerwehrleute können deshalb bereits während des Einsatzgeschehens die spätere Arbeit der Brandermittler erleichtern. Je mehr Informationen über die Einsatzstelle die Polizei von der Feuerwehr bekommt, desto besser können die Gutachter die Brandursachen ermitteln. Hier sind 6 Tipps, wie Einsatzkräfte die Polizei unterstützen können.

Brandursachenermittler der Polizei nehmen einen Einsatzort genau unter die Lupe. Foto: B. Herrmann/CAP

Tipp 1: Augen auf bei Einsatzbeginn

Beobachtungen, die die Feuerwehr beim Betreten eines Einsatzortes macht, können hilfreich für die spätere Brandursachenermittlung der Polizei sein. Entfernen sich beim Eintreffen der Feuerwehr vielleicht gerade Pkw oder Personen von der Einsatzstelle? Kommen gerade welche hinzu oder sind vielleicht schon Schaulustige vor Ort? Wenn es die Einsatzlage zulässt, können Feuerwehrleute den Brandort unter diesen Gesichtspunkten beobachten.

Tipp 2: Beobachtungen notieren

Was ist der Feuerwehr vor Ort aufgefallen? Wie war das Bauwerk gesichert? Hat jemand den Zaun oder das Vorhängeschloss aufgeschnitten? Waren die Türen verschlossen? Stand die Eingangs-, Hinter- oder Gartentür offen? Musste die Feuerwehr zum Betreten des Gebäudes Türen aufbrechen? Gab es eventuell sichtbare Aufbruchspuren an Fenstern, Türen und Schränken?

Von zentraler Bedeutung ist die Frage: Wo befindet sich der Brandherd und wie sieht es dort aus? Gibt es etwaige Zündquellen und Brennstoffe in der Nähe? Brennt es in einem Raum an zwei oder mehreren unterschiedlichen Stellen zeitgleich, ist eine Brandstiftung nicht auszuschließen. Jede Notiz kann der Polizei später wertvolle Hinweise liefern.

Brandmittelspürhunde leisten den Brandermittlern mit ihrem Geruchssinn wertvolle Dienste. Foto: B. Herrmann/CAP

Tipp 3: Keine Vermutungen anstellen

Spuren können verloren gehen, wenn Zeugen – in diesem Fall Feuerwehrmitglieder – Kenntnis von bestimmten Umständen am Brandort haben, diese aber nicht als wichtig empfinden. Ein einfaches Beispiel verdeutlicht das: Benzingeruch in einer Autowerkstatt dürfte den meisten Menschen als normal vorkommen, wohingegen Benzingeruch in einem ausgebrannten Schlafzimmer von vielen als besondere Auffälligkeit wahrgenommen werden dürfte. Was „normal“ ist und was „besonders“, klären später die Mitarbeiter der Brandermittlung. Alles kann von Bedeutung sein. Informationen stellen sich oft erst viel später während der Brandursachenermittlung als wichtig heraus.

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Deshalb: Feuerwehrangehörige dürfen keine Vermutungen bezüglich der Brandursache anstellen. Sie sollen auch nicht nach Hinweisen suchen. Beobachtungen und Hinweise zu einem Bild zusammenzufügen, ist die Aufgabe der Ermittler. Auch bei einem verhältnismäßig kleinen Einsatz – wie brennendes Essen auf einem Herd – können Einsatzkräfte für die Brandursachenermittlung verwertbare Fakten sichern. Auf welcher Kochplatte stand der Topf oder eine in Brand geratene Kunststoffschale? Wie war die Schalterstellung am Herd? Gab es elektrische Geräte oder Steckdosen in der Nähe, die ebenfalls brannten? Aus solchen scheinbar banalen Fakten können die Ermittler später ermitteln, ob das Feuer aus Vorsatz, aus Fahrlässigkeit oder durch einen technischen Defekt entstanden ist.

Wenn bei einem Laubenbrand Propangasflaschen oder Gaskartuschen brennen oder von Flammen bedroht werden, sind für die Brandursachenermittler die Angaben wichtig, wo und wie die Behälter im Raum standen und ob sie aufgedreht waren, bevor sie geborgen wurden. Bei Feuer an abgestellten Fahrzeugen ist es für die Ermittlung wichtig zu erfahren, wo es am stärksten brannte? Vielleicht sogar an mehreren Stellen zeitgleich? Falls ja, welche waren das und wo befand sich der Brandherd? Im Innenraum oder außen am Fahrzeug?

Oft werden Brandursachenermittler unmittelbar nach dem Brand tätig, wenn die Feuerwehr noch vor Ort ist. Foto: B. Herrmann/CAP

Tipp 4: Keine Veränderungen vornehmen

Aus Sicht der Feuerwehr ist Brandschutt schlichtweg schadstoffbelasteter Abfall. Für einen Brandursachenermittler gilt der Brandschutt als wichtiger „Zeuge“ des Geschehens. So können die Sachverständigen aus dem Brandgut zum Beispiel Informationen über den Zeitpunkt der Brandentstehung, die Richtung der Brandausbreitung und die Verwendung von Brandbeschleunigern gewinnen. Anhand dieser Informationen können später auch Zeugenaussagen als richtig oder falsch beurteilt werden.

Wenn die Erhaltung und Bewahrung der Lage des Brandschutts möglich ist, erlaubt dieser dem Gutachter darüber hinaus oft die vollständige Rekonstruktion des Brandhergangs. Das bedeutet, dass der Angriffstrupp bereits bei den Löscharbeiten spurenschonend vorgehen kann. Grundsätzlich haben die Rettungsarbeiten der Feuerwehr selbstverständlich Vorrang vor der Spurensicherung.

Tipp 5: Szenen mit Hilfe von Fotos „einfrieren“

Durch Handys und Smartphones ist es mittlerweile sehr einfach, schnell qualitativ hochwertige Bilder von der Einsatzstelle zu machen. Diese sollten allerdings gezielt von bestimmten Feuerwehrmitgliedern wie Pressesprechern gemacht werden. Der Brandverlauf beziehungsweise die Branddynamik sowie die Lagerung des Brandschutts, besonders wenn er für Nachlöscharbeiten später doch verändert werden muss, können sehr wertvoll für die Brandermittler sein.

Weil Blaulicht und Feuer stets Menschen anziehen, könnte sich der Straftäter, der den Brand gelegt hat, unter den meist zahlreichen Zuschauern befinden. Brandermittler können deshalb auch Fotos von der Gruppe der Schaulustigen, aber auch hörbare Kommentare, die Details über den Brand enthalten sowie verdächtige Beobachtungen von Feuerwehrleuten helfen. Durch Fotos der Schaulustigen kann die Polizei später auch genau nachweisen, wer sich am Einsatzort befand. Zum Beispiel wenn ein Befragter leugnen sollte, vor Ort gewesen zu sein.

Evergreen Kasten Brandstiftung

Tipp 6: Beobachtungen umgehend der Polizei mitteilen

So gut die Beobachtungen der Feuerwehr sein mögen, die Brandursachenermittler müssen davon erfahren. Am besten sollte die Feuerwehr der Polizei noch vor Ort die beobachteten Umstände am Brandort mitteilen. Je besser die Informationen sind, desto gezielter kann die Ermittlung beginnen. Liegt zum Beispiel kein Verdacht auf Brandstiftung vor, wird auch weniger intensiv nachgeforscht. „Wenn es keine Hinweise auf eine vorsätzliche oder fahrlässige Brandlegung gibt, kann von einer biologischen Ursache oder einem technischen Defekt augegangen werden. Die genaue Brandursache wird von der Polizei dann nicht weiter erforscht. Es geht lediglich um die Feststellung, ob menschliches Handeln zu dem Brand geführt hat“, erklärt Birger Meine, Brandermittler und stellvertretender Leiter des Fachkommissariats für Brandursachenermittlung der Polizeidirektion Hannover. Haben die Sachverständigen eine Brandstiftung festgestellt, sollten Feuerwehrmitglieder außer der Polizei gegenüber keinerlei Mutmaßungen über mögliche Verdächtige äußern, erst recht nicht öffentlich oder sogar in sozialen Netzwerken.

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