Samstag, 10. Dezember 2016

50 Jahre Deutsche Jugendfeuerwehr – ein Interview

22. Juni 2014 von  

Marcus Schleef und Johann Peter Schäfer waren insgesamt 16 Jahre Bundesjugendleiter der Deutschen Jugendfeuerwehr (DJF). Der Bremer Schleef von 1993 bis 2001, „Pit“ Schäfer aus Sigmaringen (BW) von 2005 bis 2013. Wir haben die beiden Insider anlässlich des 50. Geburtstags der DJF interviewt.

FM: Waren Sie beide eigentlich selbst in Ihrer Jugend Mitglieder in einer Jugendfeuerwehr?

Schäfer: Ich war 1987 mit der Gründung der JF Sigmaringen zwar der erste Jugendfeuerwehrwart in unserer Stadt, aber nie in einer JF aktiv.

Schleef: Ich bin 1980 in die Jugendfeuerwehr Bremen-Huchting eingetreten und war bis 1985 dort Mitglied.

FM: Herr Schleef, wie sah Ihre Jugendfeuerwehr-Laufbahn dann aus, bis sie 1993 mit 26 Jahren zum jüngsten Bundesjugendleiter gewählt worden?

Schleef: Ich habe gemeinsam mit meinem Stellvertreter Matthias Schulz die Jugendfeuerwehr Bremen-Neustadt aufgebaut, war dort von 1988 bis 1994 Jugendfeuerwehrwart. 1990 bin ich in Bremen Landes-Jugendfeuerwehrwart geworden und war seit dem Zeitpunkt Mitglied des Deutschen Jugendfeuerwehrausschusses.

FM: Was war in den 1990er Jahren, während Ihrer Amtszeit, besonders wichtig bei der Deutschen Jugendfeuerwehr?

Schleef: Die 90er waren geprägt von der Zusammenführung beider deutscher Staaten sowie inhaltlich neben der Außendarstellung des Verbandes das Erstellen von Arbeitshilfen für die Jugendfeuerwehren vor Ort. Aber auch die internationale Jugendarbeit spielte eine große Rolle, Kontakte nach Polen und Russland. Außerdem waren da noch Schwerpunkte wie Kampagnen mit der Wirtschaft zur Schaffung von Ausbildungsplätzen für Jugendfeuerwehrmitglieder sowie Integration und Mitbestimmung von Jugendlichen.

Ein Rückblick auf 50 Jahre Deutsche Jugendfeuerwehr in der Ausgabe 7/2014 des Feuerwehr-Magazins. Das Heft ist ab dem 27. Juni im Handel erhältlich oder im Online-Shop versandkostenfrei bestellbar.

FM: Wie hat sich Jugendfeuerwehr in der Zeit verändert?

Marcus Schleef. Foto: DFV

Schleef: Es gibt mehr Chancen und Strukturen für die Mitbestimmung der Jugendlichen. Das ist sehr wichtig. Außerdem hat sich der Auftritt in der Öffentlichkeit wesentlich verändert – mit den heute zur Verfügungen stehenden Mitteln.

Schäfer: Es wird schwieriger, ausreichend neue Mitglieder zu finden. JF-Mitglieder kommen inzwischen aus ganz verschiedenen Bevölkerungskreisen zur JF. Unsere Absicht, JF-Mitglieder auch zum Übertritt in die Einsatzabteilung zu motivieren, ist immer schwieriger realisierbar. Die JF und ihre Verbände sollten dringend ihr „Führungspersonal“ wie Jugendfeuerwehrwarte und Jugendbetreuer noch besser qualifizieren. Es gibt eine größer werdende „Schere“ bei der Wahrnehmung der JF auch innerhalb der Feuerwehr: die einen haben die Bedeutung der JF erkannt und unterstützen sie nach Kräften, die anderen erkennen die Chancen der JF nicht und tun sehr wenig (oder gar nichts) für die JF. Inzwischen reicht die Nachwuchsgewinnung der Feuerwehr über die JF nicht mehr aus, um genügend Einsatzkräfte zu rekrutieren.

FM: Herr Schleef, was war ihr ganz persönlich schönster Moment als Bundesjugendleiter?

Schleef: Da kann ich mich nicht auf einen speziellen Anlass beschränken. Für mich sehr wertvoll waren die vielen Kontakte mit Jugendfeuerwehren aus dem In- und Ausland. Hier bleibt die Studienreise mit der Hessischen Jugendfeuerwehr nach Russland unvergessen. Ich erinnere mich auch gerne an das Jahr 2000. In Augsburg fanden die Interschutz und der Deutsche Feuerwehr-Tag statt. Am Stand der DJF kamen wir sowohl mit Bundespräsident Johannes Rau als auch mit Bundesinnenminister Otto Schily ins Gespräch.

FM: Herr Schäfer, was hat es Ihnen bedeutet, Bundesjugendleiter für eine 240.000 Jugendliche starke Gemeinschaft gewesen zu sein?

Johann Peter Schäfer. Foto: DFV

Schäfer: Für mich war es eine herausfordernde Aufgabe, die DJF nach innerverbandlichen Schwierigkeiten in den Jahren 2004 und 2005 wieder in sicheres Fahrwasser zu manövrieren. Es galt wieder, zuverlässig und kalkulierbar zu sein, Ideen einzubringen und die Zusammenarbeit mit dem Deutschen Feuerwehrverband und den Landesjugendfeuerwehren zu stärken. Gemeinsam mussten wir Anforderungen an eine zukunftssichere JF erkennen und angehen, wie zum Beispiel die Integrationsarbeit und die Demokratieförderung.

FM: Was macht die DJF heute aus?

Schäfer: Eine Mischung aus allem: Flexibilität, Beständigkeit, Akzeptanz in der Politik, Partizipation, Selbstbewusstsein, Teamarbeit, Führung, Leben in einer Gemeinschaft, Sicherheit in Europa und das Potenzial, immer neue Herausforderungen zu bestehen.

FM: Herr Schäfer, Sie sind erst seit zehn Monaten nicht mehr im Amt. Wie geht es Ihnen im „DJF-Ruhestand“?

Schäfer: Blendend! Es bleibt Zeit für neue Aktivitäten und ich kann meinen Beruf als Lehrer wieder intensiver ausüben. Ich habe weniger Zeitdruck, aber durchaus keine Langeweile. Hier und da versuche ich, mich noch in Projekte der DJF einzubringen, wie die Werte-Diskussion, die durch das Bundesjugendforum angestoßen wurde.

FM: Was wünschen Sie sich von den Jugendfeuerwehren in der Zukunft?

Schleef: Mitbestimmung junger Menschen noch weiter zu stärken und vor allem zu zulassen.

FM: Und was wünschen Sie der DJF zum Geburtstag?

Schäfer: Ich wünsche der DJF zum 50. Geburtstag von ganzem Herzen eine gesunde Gelassenheit und ausreichend Visionen, Akribie, Durchhhaltevermögen und Ungeduld, selbstlose Führungskräfte mit Weitblick und kritisch-loyale Mitglieder, Förderer und Ideenfinder.

Schleef: Ich wünsche der DJF auch in der Zukunft die Kraft und die Stärke, ihre Ziele weiter zu verfolgen. Es gilt, weiter als Motor des Deutschen Feuerwehrwesens zu agieren. Den Verantwortlichen wünsche ich die Kraft, diesen einzigartigen Jugendverband auch weiterhin mit dem nötigen Fingerspitzengefühl zu leiten.

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