Samstag, 3. Dezember 2016

Nach Absturz: Selbsthilfe mit bösen Folgen

3. März 2014 von  

Nordhorn (NI) – Zu einem kuriosen, aber nicht minder tragischen Einsatz wurden am Montagmittag freiwillige Feuerwehr und Rettungsdienst in Nordhorn alarmiert. Direkt in der Liegendeinfahrt der Euregio-Klinik galt es, einen schwer Verletzten aus einem Auto zu retten. Der junge Mann war nach Angaben der Polizei zuvor im 15 Kilometer entfernten Uelsen etwa vier Meter tief gestürzt.

Der junge Mann war nach dem Unfall ansprechbar und konnte sich normal bewegen. Mit einem Kollegen besprach er deshalb, einen Arzt aufzusuchen. Die Mutter des Betroffenen holte den Patienten mit einem Pkw ab. Während der Fahrt entschieden sich die beiden, lieber ein Krankenhaus anzusteuern, nachdem sich der Zustand des Mannes verschlechterte. Erst zu diesem Zeitpunkt wurde der Mutter auch bekannt, wie tief ihr Sohn tatsächlich gestürzt war.

An der Klinik angekommen fuhr die Frau das Auto direkt in die Rettungswageneinfahrt der Klinik. Dort stellten Ärzte bei dem Verletzten bereits neurologische Ausfälle fest. An ein selbstständiges Aussteigen des Verletzten aus dem Fahrzeug war nicht zu denken.

Feuerwehr lässt sich Einsatzort bestätigen

Via Feuerwehr- und Rettungsleitstelle wurde um 11.43 Uhr ein Alarm für die Ortsfeuerwehr Nordhorn ausgelöst und gleichzeitig ein Rettungswagen zur Liegendeinfahrt des Krankenhauses beordert. Innerhalb von wenigen Minuten waren sowohl der RTW, als auch die Feuerwehr Nordhorn vor Ort. Nicht ohne sich jedoch vorher ungläubig per Funk den Einsatzort bestätigen zu lassen. Zu einer Menschenrettung in die Liegeneinfahrt eines Krankenhauses war man vorher noch nie ausgerückt.

Vor Ort wurde der Patient, der auf dem Beifahrersitzt eines Mercedes saß, zunächst durch Notarzt, Rettungsdienst und Krankenhauspersonal stabilisiert. Die Mutter des Patienten, die ihren Sohn gefahren hatte, wurde durch den Notfallseelsorger der Nordhorner Feuerwehr betreut.

Pkw wird völlig zerschnitten

Dann begann die technische Rettung. Mit dem hydraulischen Rüstsatz des HLF 20/16 schnitten die Einsatzkräfte zunächst das Dach auf und klappten es nach hinten. Anschließend entfernten die Feuerwehrleute die Fondtür und die B-Säule auf der Beifahrerseite. Parallel zu diesen Maßnahmen wurde der Brandschutz sichergestellt und die Batterie des Fahrzeugs abgeklemmt. Mit Hilfe eines Spineboards konnte der Verletzte schließlich schonend aus dem Auto befreit werden und direkt in den Schockraum der Klinik gebracht werden.

Besser immer den Notruf 112 wählen

Feuerwehr, Rettungsdienst und Notarzt machten nach dem Einsatz deutlich, dass bei Stürzen und schweren Verletzungen auf jeden Fall der Rettungsdienst via Notruf 112 gerufen werden sollte. Das Rettungsdienstpersonal kann dann direkt vor Ort notwendige Maßnahmen einleiten und über die beste Transportmöglichkeit entscheiden. (Text: Stephan Konjer)

Rettung vor Notaufnahme: Vor dem Krankenhaus wird das Dach des Pkw abgetrennt, um den Patienten schonend zu retten. Foto: Stephan Konjer

Rettung vor Notaufnahme: Vor dem Krankenhaus wird das Dach des Pkw abgetrennt, um den Patienten schonend zu retten. Foto: Stephan Konjer

Kommentare

15 Kommentare zu “Nach Absturz: Selbsthilfe mit bösen Folgen”
  1. A.Kraus sagt:

    Ich denke, man sollte in alen Notlagen lieber erst einmal den Rettungsdienst alarmieren. Ich würde mich strikt beharrlich weigern, in einen privaten PKW einzusteigen und mich dagegen wehren, wenn ich mich verletzt hätte und darauf bestehen, einen RTW zu alarmieren. Behelfstransport ist Mord-so hat man in den 80ern argumentiert. Dies ist zwar überspitzt gesagt, aber auch nciht ganz von der Hand zu weisen. An Bord eines RTW sind 2 ausgebildete professionelle Helfer, die in der Regel einiges an Erfahrung aufweisen können. Außerdem kann im Bedarfsfall ein Notarzt schnell angefordert werden, bis zu dessen Eintreffen ist die Patientin/der Patient bereits in Betreuung.

  2. Peter Lamaack sagt:

    Ausbildungsspruch aus den 70-er-Jahren, als sich der Rettungsdienst laqngsam vom Krankentransport löste: „Behelfstransport ist Mord“.

  3. Günter sagt:

    Hoffentlich bleibt bei soviel Dummheit nichts zurück bei dem jungen Mann – die Alte sollte aber für den Schaden auf jeden Fall selbst aufkommen!!

  4. A.Kraus sagt:

    Danke Peter

  5. UK sagt:

    Noch immer gibt es Menschen, die denken, der Einsatz eines RTW wäre kostenpflichtig ! Da sollte man mal ansetzten!

  6. Peter sagt:

    112 anrufen wenn: betrunken? NEIN!!, Zahnschmerzen? NEIN!!, heute is Sonntag und der hausärzliche Notdienst braucht 2 Stunden und das dauert mir zu lange? NEIN!! Ich kann schlecht deutsch und die Krankenkasse zahlt ja die promte Versorgung? NEIN-NEIN!! Mir tut eigentlich schon alles seit ner Woche weh? NAHEIN!!
    Aber in u.a. DIESEM FALL!!!!! JAAAAHAAAAAAAAAAAAAA!!!!! Einfach mal bißchen nachdenken hilft manchmal ungeheuer!

  7. thomas sagt:

    Hätte die gute Frau den Rettungsdienst an der Unglücksstelle alarmiert so wäre uhr Auto jetzt kein Totalschaden.

  8. Bastian sagt:

    Das Auto ist ja kein Totalschaden sowas kriegt jeder Hobby schrauber der ein Schweißgerät bedienen kann wieder hin.
    Zum Behelfstransport muss ich sagen kommt immer auf die Verletzung und Lage an wenn die Frau selber beim Rettungdienst gewesen wäre, dann hätte sie es sehrwohl so machen können, denn dann wüßte sie wie sie ihn versogt und zum thema Rettung was haben Neurologische Ausfälle mit einem aus dem Auto aussteigen zu tun, rein gar nichts, ich kenne jemanden der ist mit einer offenen Schädel fraktur noch selber zur Klinik gefahren, der ist aber auch Hart im Leben wie man so sagt.

  9. Franciskus sagt:

    Hallo, alles Fachliche Profi Meinungen, aber hat schon mal jemand dran gedacht, das die Frau in totaler Panik gehandelt hat? Das scheint zwar sehr unprofessionell, aber in Ihren Augen hat das wahrscheinlich sinn gemacht. Obwohl es nicht richtig war.

  10. Pascal sagt:

    Und aus trotz, damit die Feuerwehr net ganz arbeitslos wird und jeder sie immer schön anruft habense ihr Auto zerlegt um den Patienten ausm Kofferaum rauzuholen, statt nur die Tür eventuell bischen weiter aufzumachen,das alles damit jeder sieht was passiert, wenn man sie umgehen will(:

  11. Leroy77 sagt:

    Die Mutter des Verletzten stand demnach unter Schock, da sie selbst von Rettungskräften behandelt und beruhigt werden musste. Offensichtlich hatte sie in Panik diese Rettungsfahrt selbst unternommen, die sie besser hätte unterlassen sollen – ein Laie kann nicht wissen, dass es richtig ist, auf den Rettungsdienst zu warten, wenn man denkt, man kann selbst schneller einen Schwerverletten zur Notaufnahme bringen, zumal man gar nicht in der Lage ist, den wirklichen Schweregrad einer Verletzung abzuschätzen. Sie hat natürlich falsch gehandelt, indem sie keinen Notruf wählte, allerdings war sie in Angst, dann macht man gravierende Fehler. Ihr Verhalten gefährdete den Gesundheitszustandes ihres Sohnes. Trotzdem muss ich anmerken, wie sehr der Ton hier zu wünschen übrig lässt. Seine Mutter hat keine Beschimpfungen verdient.

  12. Michael sagt:

    Unglaublich. Dieser Fall zeigt mal wieder, das manche Mitmenschen die Erste Hilfe einfach nur unterschätzen. Entweder um Kosten zu sparen, falsche Hilfe oder auch wie von mir selbst in letzter Zeit leider häufig beobachtet, gar keine Hilfe leisten.

    Mich als Rettungschwimmer schockt sowas immer wieder.

    In einem mir persönlichen Fall, der länger zurück liegt, wurde nach einem Sturz aus größerer Höhe von Kolleginnen der mir bekannten Person die Verunfallte nur mit einem Pkw nach Hause gebracht.

    Aus Angst vor UVV-Konsequenzen im Betrieb wollte man keinen RTW holen. Was ich dann aber getan habe. Danke der vielen Details, die mir bekannt waren, konnte man der Betroffenen gut helfen und der Betrieb bekam dann doch noch seine Konsequenzen.

  13. Burkhard sagt:

    Sicherlich sind dort Fehler gemacht worden. Aber so scheiß Kommentare von nichtskönnenden Besserwissern (Bastian, Pascal) kann man sich hier trotzdem sparen!!

  14. Peter Keulert sagt:

    Ich stimme zu: Herabsetzung oder Beschimpfung sind unangebracht. Wir alle sollten aber in unserem Umfeld immer wieder darauf aufmerksam machen, was so alles passieren kann, wenn man Selbsthilfe leistet. Dann werden vielleicht solche Vorfälle immer weniger.

  15. F-W P sagt:

    Wenn man den Zeitungsartikel erst richtig gelesen und danach kommentiert hätte, dann würden einige Kommentare erst gar nicht verfasst worden sein:

    Original-Zitat:
    Der junge Mann war nach dem Unfall ansprechbar und konnte sich normal bewegen. Mit einem Kollegen besprach er deshalb, einen Arzt aufzusuchen. Die Mutter des Betroffenen holte den Patienten mit einem Pkw ab. Während der Fahrt entschieden sich die beiden, lieber ein Krankenhaus anzusteuern, nachdem sich der Zustand des Mannes verschlechterte. Erst zu diesem Zeitpunkt wurde der Mutter auch bekannt, wie tief ihr Sohn tatsächlich gestürzt war.

    Wenn man den Artikel genau gelesen hat und dann mit den meisten Kommentaren vergleicht, dann wird man sicherlich feststellen, dass manche Kommentare

    a) im Stil daneben liegen
    b) etwas anderes kommentieren, als den vorliegenden Zeitungsausschnitt

    DAHER GILT FÜR KOMMENTARE

    immer

    ZUERST DEN SACHVERHALT ANHAND DES BERICHTES FESTSTELLEN UND DANN BEURTEILEN, und nicht verurteilen.

Kommentare

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