Freitag, 9. Dezember 2016

Notruf-Odyssee: Segler aus Nordsee gerettet

15. September 2014 von  

Wangerooge (NI) – Ein Segler ist am Freitagabend zwischen den Nordseeinseln Wangerooge (Kreis Friesland) und Spiekeroog (Kreis Wittmund) in Seenot geraten. Über Umwege landete der Notruf bei der Seenotleitstelle in Bremen. Ein Rettungsboot der DGzRS konnte den Mann trotz widriger Umstände völlig unterkühlt retten.

Eine Bekannte des Seglers in Ostdeutschland hatte von dem in Not Geratenen einen Anruf erhalten. Er schilderte ihr seine heikle Situation und seine ungefähre Position. Die Frau wandte sich mit den spärlichen Informationen an die Leitstelle im sächsischen Grimma (Kreis Leipzig). Von dort erhielt die Seenotleitung Bremen der DGzRS (Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger) Kenntnis von dem Seenotfall.

Die Bremer alarmierten das von freiwilligen Seenotrettern besetzte Rettungsboot „Wilma Sikorski“ auf Wangerooge. Die DGzRS-Seenotküstenfunkstelle Bremen Rescue Radio bat einen in der Luft befindlichen Offshore-Rettungshubschrauber, sich an der Such zu beteiligen. Zwischenzeitlich konnte die DGzRS in Erfahrung bringen, dass tatsächlich ein Jollensegler auf der Insel vermisst wurde.

Die Rahmenbedingungen waren für die Suche äußerst ungünstig. Nicht nur, dass die Ortsangaben sehr ungenau waren, sondern auch die tiefstehende Sonne und rund ein Meter hohe Wellen erschwerten die Aktion. Der Hubschrauber musste seinen Einsatz schließlich wegen zu Neige gehendem Kraftstoff abbrechen.

Die Besatzung des Rettungsbootes gab währenddessen nicht auf. Sie kennen das schwierige Seegebiet genau. Wer dort in der Nordsee treibt, wird bei ablaufendem Wasser mit einer Strömungsgeschwindigkeit von zwei bis drei Knoten auf das offene Meer getrieben. Die Überlebenschancen sind dabei sehr gering.

Der genauen Revierkenntnis und dem entschlossenen Willen der Seenotretter hat der Segler letzten Endes sein Leben zu verdanken. Die Besatzung der „Wilma Sikorski“ sah plötzlich etwas Schwarzes im Wasser treiben – den Schiffbrüchigen. Der dunkel Gekleidete klammerte sich an einen Beutel mit Privatsachen. Er trug keine Schwimmweste. Die Seenotretter zogen den unterkühlten Mann an Bord und übergaben ihn auf Wangerooge dem Rettungsdienst.

Das Seenotrettungsboot "Wilma Sikorski" in Fahrt. Symbolfoto: DGzRS

Das Seenotrettungsboot „Wilma Sikorski“ in Fahrt. Symbolfoto: DGzRS

 

Kommentare

10 Kommentare zu “Notruf-Odyssee: Segler aus Nordsee gerettet”
  1. Ron sagt:

    Weiß jemand, von wo der Segler kam? Ich war am Freitag nachmittag genau dort unterwegs, von Spiekeroog nach Hooksiel. Aber der muss nach uns dort gewesen sein.

  2. Jörn sagt:

    @Holger Steffen: „Egal ob See oder Berg, ob In- oder Ausland“, die einheitliche europäische Notrufnummer 112 funktioniert überall. Da werden Sie geholfen! 😉 Man muss sie nur wählen (wollen).

    Und zum Thema „Fahrlässigkeit“ nur soviel: Die Aktion dürfte für den Hobbysegler teuer werden…

    Sonnige Grüße aus dem Süden

  3. Patrick sagt:

    @Jörn:

    Mittel der Wahl ist auf See UKW, Kanal 16; die 112 funktioniert nur mit Handyempfang.

    Der Bericht der DGzRS lässt Schockzustand vermuten
    http://www.seenotretter.de/aktuelles/seenotfaelle/ansicht/news/jolle-vor-wangerooge-gesunken-freiwillige-seenotretter-bewahren-segler-vor-dem-nassen-tod/

    Ob ein Funkgerät oder andere Hilfsmittel vorhanden waren, aber durch die Notsituation nicht genutzt werden konnten, ist keinem der beiden Berichte zu entnehmen.

    Aus dgzrs.de: Entstehen [Kosten] im Rahmen der Rettung Schiffbrüchiger, so erfolgt der Einsatz kostenfrei

    (vgl. http://www.seenotretter.de/seenotretter-von-a-bis-z/)

  4. Jörn sagt:

    @Patrick: Danke für Ihre informativen Hinweise. Ich sah mich zu meinem Kommentar veranlasst, da der (geschockte) Segler noch seine Bekannte auf dem Mobilfunkgerät anrufen konnte – und somit hätte zu diesem Zeitpunkt auch die 112 ihr (richtiges) Ziel erreicht… 😉

    Und dass die DGzRS als rein spendenbasierte Hilfsorganisation keine Rechnung stellt, ist mir durchaus bewusst, ich hatte bei meinem Kommentar aber eher an den Offshore-„RTH“ gedacht. Aber vermutlich wird auch hier keine Rechnung gestellt werden (können), da dessen Vorhaltung ja zu 100 Prozent von den Windpark-Betreibern getragen werden.

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