Montag, 29. August 2016

Natriumselenit: 130 Personen dekontaminiert

Uplengen (NI) – In einem Depot eines Paketzustellers in Uplengen (Kreis Leer) ist es am Samstag zu einem Gefahrgutunfall gekommen. Aus einem Paket war pulverförmiges Natriumselenit ausgetreten. Da das Paket nicht als Gefahrgut gekennzeichnet war, ahnte zunächst niemand etwas von der Gefahr. Erst als später mehrere Mitarbeiter über Atembeschwerden klagten, lief ein Großeinsatz zahlreicher Spezialeinheiten an. Zwölf Mitarbeiter kamen in ein Krankenhaus.

Beim Transport einer Paketsendung wurde diese am Samstagvormittag in einer Halle des Paketdienstes beschädigt. Aus der Verpackung rieselte ein Pulver heraus. Da die Mitarbeiter dem Paket von außen keinerlei Hinweise auf sein Gefährdungspotenzial entnehmen konnten, stellten sie den Karton in eine Kunststoffwanne und arbeiteten weiter. Später bekamen mehrere Mitarbeiter Probleme beim Atmen und die Rettungskette wurde in Gang gesetzt.

Mitarbeiter müssen ins Krankenhaus

Feuerwehrleute gingen unter Chemikalienschutzanzügen in die Halle und sicherten das Paket. Durch den beigefügten Lieferschein konnte der Inhalt als Natriumselenit identifiziert werden. Zu diesem Zeitpunkt hatten sich schon vier Mitarbeiter auf eigene Faust in ein Krankenhaus begeben. Weitere Mitarbeiter waren vor Ort und bedurften ärztlicher Behandlung. Zuvor mussten sie jedoch dekontaminiert werden.

Gefahrgutunfall-Uplengen-26-07-2015

Großeinsatz nach einem Gefahrgutunfall auf dem Gelände eines Paketzustellers in Uplengen. Foto: Dominik Janßen/Feuerwehr

Den ganzen Tag über wurden weitere Einsatzkräfte alarmiert. Die Gefahrstoffzüge aus den Kreisen Leer und Aurich sowie mehrere Ortsfeuerwehren, ein Großaufgebot an Rettungs- und Sanitätsdienst aus der Region, ein Fachberater für Gefahrgut der Berufsfeuerwehr Oldenburg und auch die Polizei waren stundenlang im Einsatz.

Suche nach zugestellten Paketen

Gefahrstoffexperten, Chemikalienhersteller und Ärzte berieten sich über das weitere Vorgehen. Da das beschädigte Paket über ein Transport lief, konnte nicht ausgeschlossen werden, dass das hochgiftige Pulver an weiteren Paketen anhaftete und somit eine Gefahr für die Empfänger und Zusteller darstellte. Die Polizei ermittelte anhand der Zustellberichte den Verbleib der Sendungen und rief per Rundfunkdurchsagen die Empfänger im Bereich Westerstede sowie Friesoythe auf, sich bei der Polizei zu melden. Die Beamten nahmen auch direkt mit den Personen Kontakt auf.

Die insgesamt 130 Betroffenen wurden in einer nahegelegenen Turnhalle versammelt und dort dekontaminiert. Bei ihnen wurden aber keine Vergiftungssymptome festgestellt. Durch Rettungsdienst und Feuerwehr wurden die Personen danach mit Wechselkleidung ausgestattet. Notärzte verabreichten Medikamente gegen mögliche Spätfolgen einer schleichenden Vergiftung erklärten genau, bei welchen Symptomen sie sofort ein Krankenhaus aufsuchen müssen.

Firmengebäude bleibt gesperrt

Die Halle des Paketdienstes wurde seitens der Behörden gesperrt, bis eine komplette Reinigung durch eine Spezialfirma erfolgt ist, da vermutlich auch die Bänder der Sortieranlage betroffen sind. Die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen und prüft mit speziell ausgebildeten Beamten in wie weit Verstöße vorlagen. Zudem versucht die Polizei den genauen Hergang zu rekonstruieren.

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