Keine Kräfte: Einsatzleiter auf sich gestellt

Bremen – Am Dienstagnachmittag zerstörte ein Feuer ein Wohn- und Geschäftsgebäude in der Bremer Innenstadt. Das Besondere: nur wenige Meter weiter befindet sich die Hauptfeuerwache. Einsatzkräfte retteten sieben Personen über eine Drehleiter aus dem Gebäude.

Zahlreiche Notrufe gingen ab 14.42 Uhr bei der Feuerwehr- und Rettungsleitstelle ein. Die Anrufer meldeten auch, dass sich noch Personen in dem Gebäude befinden würden. Zeitgleich nahmen Feuerwehrbeamte den Brandrauch in ihren Büros wahr. Doch sie hatten ein Problem: die Wachabteilung war bereits zuvor zu anderen Einsätzen ausgerückt, kein Löschfahrzeug stand mehr in der Halle. So sah es auch in den anderen Wachen aus, deren Löschzüge ebenfalls in andere Einsätze eingebunden waren.

Die Leitstelle löste Großalarm aus, alarmierte Kräfte von vier Berufsfeuerwehrwachen sowie die Freiwillige Feuerwehr Neustadt. Zudem setzten die Disponenten ein Großaufgebot des Rettungsdienstes in Marsch. Als erstes traf der Einsatzleitdienst kurz nach der Alarmierung ein. Er musste einige Minuten hilflos mit ansehen, wie die Flammen aus dem Erdgeschoss des Gebäude schlugen und versuchte, auf die Personen an den Fenstern des zweiten Obergeschosses (OG) einzuwirken. Die Flammen breiteten sich schnell auf das erste OG aus.

Feuer zerstört Gebäude in Hähe der Hauptfeuerwache. Foto: Feuerwehr BremenSprichwörtlich in letzter Minute traf die Drehleiter der Wache 4 ein, über die sieben Bewohner aus dem Gebäude gerettet werden konnten. Zwei Personen hatten das Haus eigenständig verlassen. Der Rettungsdienst transportierte drei Personen mit Rauchgasvergiftungen in Bremer Krankenhäuser.

Zahlreiche Atemschutztrupps gingen mit C-Rohren zur Brandbekämpfung im Innenangriff und von aussen über Drehleitern vor. Erst nach fast zwei Stunden meldete der Einsatzleiter “Feuer in der Gewalt”. Eine weitere Stunde dauerten die Nachlöscharbeiten. Der Brand zerstörte das gesamte Gebäude. Den Schaden schätzte der Einsatzleiter auf zirka 250.000 Euro.

Kurz nach Abschluss des Feuerwehreinsatzes begann die Kriminalpolizei mit der Brandursachenermittlung – bislang jedoch ohne eindeutiges Ergebnis.

Schlaflose Nacht für Bremer Feuerwehr

Im Rhytmus von drei Stunden kontrollierten die Kräfte der Hauptfeuerwache bis in die Nacht das Brandobjekt. Um 4.23 Uhr mussten sie dann wieder zu einem größeren Feuer ausrücken. In einer Autowerkstatt im Stadtteil Woltmershausen brannten Einrichtungsgegenstände und Kfz-Zubehörteile.

Die Leitstelle alarmierte neben der Wache 1 auch die Wache 4, den Einsatzleitdienst sowie die freiwilligen Feuerwehren Huchting und Strom. Das Feuer löschten drei Trupps unter Atemschutz. Im Anschluss wurde die Halle mit Hilfe eines Drucklüfters entraucht. Nachlösch- und Aufräumarbeiten zogen sich bis in die frühen Morgenstunden hin.

Auch ist die Brandursache noch unklar, der Schaden wird auf über 50.000 Euro geschätzt.

15 Kommentare zu “Keine Kräfte: Einsatzleiter auf sich gestellt”
  1. Ich habe den Bericht im Fernseher gesehen.
    Die beiden, mit der DL eintreffenden Jungs sagten dort im Interview, das sie ohne zu zögern ohne PA und dergleichen gleich angefangen mit der Rettung.

    Meine Hochachtung!
    Nicht lang gefackelt und schnell reagiert!

    Die 7 geretteten haben den beiden das Leben zu verdanken.
    Gute Arbeit!

  2. G.Walter

    Bei dem Aufgebot an Rettungskräften gebürt jedem einzelnen ein großer Dank. Da ich meine Firma in der unmittelbaren Nähe habe, konnte ich die vielen freiwilligen Rettungshelfer sehen.

  3. schnubbiit

    Hallo, liebe Verantwrotlichen, bei uns gang und geben, wenn die BF “leer” ist, wird sofort die FF zur Besetzung der BF alarmiert. Sollte man mal überlegen dies direkt in die Pläne der Alarm- und Ausrückeordnung mit zu integrieren.

    PS: Gute Arbeit Jungs. Ihr könnt nichts für das Organisationsversagen.

    Grüße

  4. Die FF wurde doch laut Bericht mitalarmiert. Die braucht eben auch eine Weile bis da genügend ausgebildetes Personal vorhanden ist. Wo ist da das Organisationsverschulden? Die Hilfsfrist muss in 95% aller Fälle eingehalten werden. Das war eben leider einer der restlichen 5%…

  5. Christian

    [Zitat: “schnubbiit sagt: …wenn die BF “leer” ist, wird sofort die FF zur Besetzung der BF alarmiert.”]

    @Daniel:

    Das bedeutet, die FF wäre direkt von der BF-Wache ausgerückt!!!
    Die FF hätte also nicht extra ihr eigenes Gerätehaus anfahren müssen,
    da sie bereits auf der ihr zugeteilten Berufsfeuerwehr-Wache in Bereitschaft gestanden hätte. Und dann, hätte sie KEINE Weile gebraucht!
    Das meint schnubbiit mit “Organisationsverschulden”.

    Und so Etwas läppsches wie “Das war eben leider einer der restlichen 5%…”
    möchte ich ehrlich gesagt von einem professionellen Menschenretter niemals hören.

  6. andere gegend wie bei uns da dauert es auch mindestens 15 min bis die bf kommt
    da gibts halt die FF die halt inerhalb von 7 min vor ort seien müssen schaffen wir auch .

    Das mit den BF-Wache besetzen durch FF finde ich scheise für die die extra von der arbeitsstelle weg müssen .

    Da verstehe ich auch arbeitgeber die dann sagen du kannst nicht mehr befreit werden . (zu 95% Heist das wache besetzen und warten und wieder heim)

  7. @ Daniel:

    Hilfsfrist schon und gut die auch ihren Sinn, weil man zum Beispiel nicht jede denkbare Witterung oder Baustelle im Brandschutzbedarfsplan berücksichtigen kann bzw. wenn man das tun würde unverhältnismäßig höhe Mittel eingesetzt werden müssten – 100 %ige Sicherheit gibt es leider nicht.

    Warum auf einer Hauptfeuerwache offenbar kein Reservefahrzeug verfügbar ist, ist mir unverständlich – mit dem hätten notfalls Verwaltungskräfte ausrücken können.
    Eine Besetzung der Wachen hätte hier eventuell helfen können

    @ KALLE: Für Arbeitgeber habe ich zum Teil Verständis… Für dich nicht!!! – Du findest eine Maßnahme, die u.U. Leben rettet Zitat: “Scheiße”??? Nur weil das relativ selten vorkommt? Ich hoffe du rückst nicht nur zu Einsätzen mit Toten und Schwerverletzten aus!!!

  8. @Sven:
    Da kein (Reserve-)Fahrzeug zur Verfügung stand/steht liegt an Bauarbeiten auf der FW1.(http://feuerwehr-bremen.org/index.php?id=8&tx_ttnews%5Btt_news%5D=237&cHash=f4905e133de05a4ee12800d9ee704517).
    Dort ist der halbe Hof aufgerisssen und im Moment steht an FW1 nur das Nötigste an Großfahrzeugen(HLF, DLK, GW-A, GW-W, RTW, ELW).
    Zwar ist an FW1 meines Wissens zwar sowieso kein festes zweites (Reserve-)HLF stationiert, aber beim Technischen Betrieb stehen im Normalfall eigentlich immer irgendwelche (H)LF rum (die man zum Teil sicherlich auch kurzfristig einsetzen kann). Aufgrund der Baurabeiten war es in diesem Fall aber auch nicht möglich auf die “Alternative” Technischer Betrieb zurückzugreifen.

  9. zu Schnubbit und Daniel

    Schön und gut, wenn eine FF zur Nachbesetzung der BF alarmiert wird – nur was hilft es, wenn sie nicht vom eigenen Gerätehaus mit eigenen Fahrzeugen ausrückt, sondern auf einer leeren BF-Wache (dem Bericht ist zu entnehmen, dass der Tagesdienst auf der BF-Wache mangels Fahrzeugen nicht ausrücken konnte) herumsitzt, oder zu Fuß zur Einsatzstelle marschiert und den Einsatzleiter umzingelt???? Dies würde ich unter Organisationsversagen verbuchen! Hier wurde alles getan, um möglichst schnell Einsatzkräfte mit Material an die Einsatzstelle zu bekommen, dass es anderswo bereits auch brannte und deshalb die Wache der BF ohne FZ war – dass nennt man Einsatzaufkommen.

  10. @ jek: Vielen Dank für Aufklärung! Das erklärt, die sicherlich für alle mehr als unangenehme Situation. Ich würde auch nicht so weit gehen von “Organisationsversagen” zu sprechen! Ungüstiges Zusammentreffen vieler unglücklicher Umstände. Ich kann und will nicht beurteilen, ob man im Vorfeld hätte anders entscheiden können! Nach dem Ereignis wurde wohl alles getan!!!

    @ Petra: Niemand bezweifelt, dass eine Besetzung der Wachen und eventuell der Gerätehäuser nur Sinn macht wenn:

    1. Eine größere Zahl an Kräften voraussichtlich über längere Zeit im Einsatz
    gebunden ist.
    2. Zusätzliche Kräfte, ohne Voralarmierung, nicht ohne problematischen
    Zeitverzug in ausreichender Zahl zur Verfügung stehen können.
    3. Die zu dem Zweck alarmierten Kräfte, über eine geeignete Ausrüstung und
    Ausbildung verfügen.

    Eine Nachbesetzung leerer Wachen KANN EINE Lösung sein! Sie ist mit Sicherheit kein Allheilmittel für alle Eventualitäten. Ein wahrscheinliches erhöhtes Einsatzaufkommen MUSS bei den Planungen berücksichtigt werden. Niemand hier hat geschrieben, er glaube dies sei in Bremen nicht geschehen.

    Nur, eins sollte klar sein: IN DIESEM FALL wäre es (im Nachhinein betrachtet) wohl hilfrech gewessen früher “auf den Knopf zu drücken…

    Die Gesamtsiuation an dem Tag kann hier keiner der Schreiber beurteilen.

    Wäre es, bei hohem Eisatzaufkommen, immer wie an dem Tag, würde auch ich von Organisationsversagen sprechen – dafür gibt es aber keine Hinweise!!!

  11. Löschmeister

    @Christian: Es ist richtig, dass man einen ggf. zu Tode gekommenen Mensch nicht “unter 5% abbuchen” kann – jeden Menschen zu retten, muss das Ziel jeder Feuerwehr sein.
    Dann muss man sich allerdings auch über die Ebene klar sein, auf der man diskutiert: Wenn man nämlich den rechtlich wichtigen Begriff “Organisationsverschulden” (@schnubiit) leichtfertig in die Diskussion einwirft, dann diskutiert man auf einer Ebene, auf der eben auch die rechtlich zulässigen 5% Nichterfüllung eine Rolle spielen, nämlich in der juristischen Frage der möglichen (Nicht-) Schuldfeststellung.
    Und im aktuellen Fall traf die erste DLK 6 Minuten und das erste HLF 9 Minuten nach Notruf-Eingang an der Einsatzstelle ein – auch wenn das Bessere der Feind des Guten ist: Vorwerfbar schlecht waren diese Werte in keinem Fall.
    @schnubbiit: Eine FF jedesmal beim Ausrücken einer BF-Wache zur Wachbesetzung zu alarmieren, ist keine Lösung in einer Großstadt mit mehreren BF-Wachen. Die Kameraden werden in mehr als 95% der Fälle keinen Einsatz bekommen, stattdessen echten Ärger mit ihren Arbeitgebern. FF’n sind Ergänzung und Verstärkung, aber keine kostengünstigen Lückenbüßer für zu wenig BF-Personal!
    @sven: Ein Reservefahrzeug ist schon stationiert, aber ein solches Fahrzeug hat seinem Namen gemäß den Auftrag immer wieder für ein ausgefallenes HLF in Dienst zu gehen – dafür wird es vorgehalten, aber dann ist es eben gerade nicht mehr auf seiner Wache verfügbar; sonst landet man bei der Reserve der Reserve der …..

  12. @ Löschmeister:

    Vielleicht war meine Wortwahl unglücklich. “Unverständlich” war hier nicht abwertend gemeint! Ich dachte jedoch nicht an eine technische, sondern ehr an eine taktische Einsatzreserve – es muss sich ja nicht um ein Fahrzeug handeln, das zusätzlich beschafft wurde.

    Hinsichtlich des “Organisationsverschuldens” kann ich mich nur anschließen!

    Man sollte sehr vorsichtig sein, Dinge die in der Oraniation eventuell optimiert werden könnten, gleich in diesen Zusammenhang zu rücken!

    6 bzw. 9 Minuten sind absolut im Rahmen! Auch wenn es im konkreten sicher wünschenswert gewesen wäre, wenn der Einsatzleiter nicht allein da gestanden hätte – das muss IHM sehr unangenehm gewesen sein.

    Eine Wachbesetzung ist insbesondere in Großstädten, auch aus meiner Sicht, nur sinnvoll, wenn die Umstände dafür sprechen!

  13. Hallo zusammen,

    wo rüber wird hier eigentlich diskutiert??

    Text aus dem “Brandschutzziel für die Stadtgemeinde Bremen” wie der Bremer Senat es am 18.01.2000 besschlossen hat:

    Die Planung der personellen und materiellen Vorhalte der Feuerwehr hat sich daran auszurichten, daß die Einsatzstellen in der Stadtgemeinde im Einsatzfall mit mindestens 6 Feuerwehrleuten (= eine Staffel) mit einem universell einsetzbaren Hilfeleistungs-/ Löschfahrzeug und 2 Feuerwehrleuten mit einer Drehleiter regelmäßig in einer Fahrzeit von 10 Minuten erreicht werden können. Nach weiteren 5 Minuten soll ein zweites Hilfeleistungs-/ Löschfahrzeug mit weiteren 6 Beamten an der Einsatzstelle. Zitat zu Ende

    Da die DL nach 6 min und das HFL nach 9min vor Ort waren da kein Organisationsversagen festzustellen!!

    Was ist den eigentlich in Gemeinden oder Städten die gar keine BF haben?

    Soll dort bei jedem Einsatz gleich die nächste Wache alarmiert werden zur Bereitstellung? So etwas würde doch keine mitmachen!!

  14. @ Jan:

    Danke für das Zitat, es bestätigt viel der Aussagen hier!

    Vorwurfsfrei bleibt aber wohl festzuhalten, dass es eine für alle Beteiligten, dieses kontreten Falles, unbefriedigende Situation gewesen sein muss. das wäre sie zweifellos aber auch gewesen, wenn ein FM zufällig im PKW an der Einsatzstelle vorbei gekommen wäre!

    Es kann sicher nicht darum gehen, bei jedem Einsatz eine Bereitstellung zu veranlassen. Das wäre dann tatsächlich eine Fehlplanung.

    Feuerwehren, die das tun, tun es bei längerer Einsatzdauer oder wenn meherere Einsätze zusammenfallen. Das macht dann schon Sinn, wenn mit Folgeeinsätzen zu rechenen ist!

  15. Ulrich

    @Jan
    Für den Normalfall ist die Planung auf dem Papier und in der Praxis ok. Hier lagen aber bekannte Beeinträchtigungen vor und die Organisation wurde trotzdem nicht angepasst.
    Der Vergleich der Organisation in Bremen mit BF und Bereichen ohne BF ist an den Haaren herbeigezogen und kann keinesfalls als Argument herangezogen werden.

    @KALLE
    Eine nicht akzeptable Aussage und ein Schlag ins Gesicht für alle ehrenamtlichen Feuerwehrleute. Nur das Gesamtsystem stellt den Feuerschutz sicher. Und da ist das Verfahren mit Nachbesetzung von Wachen der BF durch FFW eine gängige Praxis und zweckmäßig.

    @Daniel
    Deine Auffassung ist erschreckend! Hauptsache, die Quote in % stimmt? Vielleicht könnte man im Dezember eine Auswertung vornehmen und freie % noch ausschöpfen; dann braucht man vielleicht gar nicht mehr auszurücken???

    Insgesamt sehe ich im vorliegenden Fall aufgrund bekannter und auch geplanter Beeinträchtigungen fehlende Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der Einsatzbereitschaft entsprechend den selbst besetzten Vorgaben. Ob es aber gerechtfertigt ist, von Organisationsversagen zu sprechen? Die Minimalstandards sind eingehalten worden. Ich würde eher die Formulierung “organisatorische Mängel” wählen. Eine Optimierung wäre jedenfalls möglich gewesen.

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